Für schlaue Detektive

Kategorie: Wilden Vier Band 2 (Seite 1 von 2)

Band 2 – Der Schatz im Rathauskeller

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 10

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Die gro­ße Feier 

Autor: Harald Schneider

Eine Woche nach ihrem bestan­de­nen Abenteuer tra­fen sich die wil­den Vier zusam­men mit Kommissar Greulich und Daniel bei Jutta und Sven zum Kaffee.

Sven war guter Laune, er begrüß­te sogar Elvis über­schwäng­lich. Da er inzwi­schen ein ande­res Rasierwasser benutz­te, blieb ihm dies­mal eine Gesichtswäsche durch den Dalmatiner erspart.

Auch Jutta war guter Dinge. Man merk­te ihr deut­lich die Erleichterung an, dass die Schatzsuche vor­bei war.

Kommissar Greulich erzähl­te gera­de von sei­nem Kollegen, des­sen Sohn die wil­den Vier kurz­zei­tig gefan­gen genom­men hatte.

„So böse habe ich ihn noch nie erlebt. Seinen Sohn hat er ganz schön in die Mangel genom­men, weil er Jugendliche mit einer Waffe bedroht hat. Obwohl es, wie wir spä­ter her­aus­ge­fun­den haben, nur eine Schreckschusspistole war. Karl war­tet jetzt auf sein Gerichtsverfahren, dann wer­den wir weitersehen.“

„Da habt ihr wirk­lich ein span­nen­des und vor allem gefähr­li­ches Abenteuer erlebt“, füg­te Jutta hin­zu. „Das hät­te auch anders aus­ge­hen kön­nen. Warum habt ihr Sven und mich nicht eingeweiht?“

Die vier Freunde sahen ein­an­der kurz an, dann erklär­te Marc: „Die wil­den Vier sind es gewohnt, ihre Abenteuer allei­ne zu bestehen. Außerdem hat­ten wir Elvis dabei. Gegen den kommt kei­ner an!“

„Wuff“, bestä­tig­te der Dalmatiner, als er sei­nen Namen hörte.

„Jutta, ver­rätst du uns, ob in der Blechdose wirk­lich Aktien drin waren? Bist du jetzt reich?“, woll­te Sandra wissen.

„Na ja, das ist so eine Sache“, ant­wor­te­te ihre Gastgeberin. „Ihr habt es schon rich­tig erkannt, es sind ziem­lich vie­le Aktien gewe­sen. Leider gibt es die meis­ten Firmen nicht mehr und die Aktien der ande­ren sind fast nichts mehr wert. Sie haben nur noch einen rei­nen Sammlerwert. Für einen Urlaub wird’s rei­chen, aber für mehr nicht.“

„Oh“, rie­fen die Jugendlichen im Chor. „Das tut uns aber leid.“

„So schlimm ist es nicht“, füg­te Sven hin­zu. „Es sind auch ein paar Grundbuchauszüge dabei gewe­sen. Juttas Eltern sind qua­si über Nacht Großgrundbesitzer gewor­den. Sie haben im Allgäu, süd­lich von Kempten, ein paar schö­ne Grundstücke geerbt. Diese wol­len sie jetzt Jutta überschreiben.“

„Wir wis­sen noch nicht, was wir damit machen“, über­nahm Jutta wie­der das Wort. „Entweder zie­hen wir selbst dort­hin oder wir ver­kau­fen die Grundstücke und kau­fen dafür in Ludwigshafen ein klei­nes Haus. Wie auch immer, wir müs­sen uns mit der Entscheidung nicht beeilen.“

Sven sah in die Runde und grins­te. „Etwas ande­res ist näm­lich im Moment viel wich­ti­ger: Wir wol­len euch heu­te ver­kün­den, dass wir bald hei­ra­ten wer­den. Und ihr seid hier­mit alle ein­ge­la­den.“ Er nahm Jutta in den Arm und lächel­te glück­lich über bei­de Wangen.

„Herzlichen Glückwunsch, ihr bei­den“, sag­te Kommissar Greulich. „Dann hat also alles eine glück­li­che Wendung genom­men. Ich kann euch trotz­dem nur war­nen“, er schau­te die wil­den Vier der Reihe nach ernst an. „Begebt euch in Zukunft nicht mehr in sol­che Gefahren. Das hät­te böse enden können.“

„Aber Herr Kommissar. Wir kön­nen doch gar nichts dafür, dass wir stän­dig in neue Abenteuer stür­zen“, wider­sprach Kevin. „Wir zie­hen sie irgend­wie magisch an. Aber Sie haben Recht, wir soll­ten uns erst ein wenig erho­len. Zur Entspannung wer­den wir uns in den nächs­ten Tagen zur Abwechslung einen schö­nen Schülerstreich aus­den­ken, damit unse­re Mitschüler wie­der auf ihre Kosten kommen.“

Greulich lächel­te. „Treibt es aber nicht zu bunt. Nicht, dass euer Lehrer wegen euch einen Herzinfarkt bekommt.“

Eine zeit­lang blö­del­ten die vier Freunde noch her­um und ver­such­ten, gemein­sam einen Streich zu ent­wi­ckeln. Sogar Jutta und Sven über­leg­ten und gaben zwi­schen­durch eige­ne Erlebnisse aus ihren Schülerzeiten zum Besten.

Schließlich stand der Kommissar auf und ver­ab­schie­de­te sich. „Vielen Dank für die Einladung. Zur Hochzeit kom­me ich selbst­ver­ständ­lich gern. Ich muss aber nun lei­der gehen, da ich einen dienst­li­chen Termin habe. Es ist zwar nichts Besonderes – im Friedrich-Ebert-Park haben sie letz­te Nacht zwei Papageien gestoh­len -, aber die Leute war­ten auf mich.“

Ein Papageiendiebstahl? Hatten die wil­den Vier rich­tig gehört? Sie sahen ein­an­der stumm an und ihnen war sofort klar, dass sie sich nach­her im Clubraum tref­fen würden.

Ob Daniel im nächs­ten Fall mit­ma­chen darf, müs­sen die wil­den Vier erst noch dis­ku­tie­ren. Eine wei­te­re Person wür­den sie ger­ne auf jeden Fall dabei­ha­ben wol­len, und zwar: Dich!

Neue Abenteuer war­ten auf die ‚wil­den Vier‘. Können sie das Geheimnis der gestoh­le­nen Papageien lösen?

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 9

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Eine über­ra­schen­de Wende 

Autor: Harald Schneider

Die Ereignisse über­stürz­ten sich. Sandra lös­te den Blitz ihrer Kamera aus, und der bewaff­ne­te Mann wur­de geblen­det. Er schrie und fluch­te, wäh­rend die vier Jugendlichen aus der Schusslinie rann­ten. Kevin leuch­te­te Karl mit sei­ner Lampe an. Der wuss­te immer noch nicht wie ihm geschah, als Marc ihm einen Stoß in die Seite gab, der ihn schwan­ken ließ. Dummerweise stand Karl direkt an der Wand und bekam Marc mit sei­ner lin­ken Hand am Unterarm zu fassen.

„Ha, ich hab einen von euch. Bleibt alle ste­hen, wenn ihr heil her­aus­kom­men wollt.“

In die­sem Moment wur­de er von der ande­ren Seite gepackt und sein rech­ter Arm samt Pistole nach hin­ten gedreht. Er schrie vor Schmerzen auf und ging in die Knie. Die vier Freunde trau­ten ihren Augen nicht: Der Mann lag auf dem Boden im Dreck und auf ihm saß Juttas Freund Sven!

„Hallo, schön euch mal wie­der zu sehen“, sag­te er mit einem schie­fen Grinsen. „Entschuldigt bit­te mein thea­tra­li­sches Auftreten, aber dass die­ser Halunke bewaff­net ist, damit habe selbst ich nicht gerechnet.“

„Wo, wo kom­men Sie denn her?“, stot­ter­te Sandra. „Sind Sie schon die gan­ze Zeit hier?“

„Eine Weile schlei­che ich bereits hin­ter euch her“, bestä­tig­te Sven. „Ihr wart ja leicht zu fin­den. Das Echo ist fulminant.“

„Und was machen wir jetzt?“, frag­te Sandra. Sie hat­te Angst, dass sich nun Juttas Freund den Schatz unter den Nagel rei­ßen wür­de. Doch das schien Sven gar nicht im Sinn zu haben. „Ich schla­ge vor, wir fes­seln unse­rem Freund erst mal die Hände. Dann gehen wir zurück ans Tageslicht und schnur­stracks zu eurem Freund Greulich, okay?“

Die vier nick­ten erleichtert.

„Ach ja“, füg­te Sven mit einem Blinzeln hin­zu. „Die Blechdose neh­men wir auch mit. Die könnt ihr spä­ter Jutta geben. Passt also schön drauf auf.“

Die wil­den Vier waren erleich­tert, dass Sven auf ihrer Seite zu sein schien. Ihr Gefangener ließ sich mür­risch und ohne Gegenwehr fes­seln und schwieg die gan­ze Zeit.

Dank Sandras intel­li­gen­ter Kennzeichnung benö­tig­ten sie nur ein paar Minuten, um in den ers­ten gro­ßen Saal zu kom­men, von dem aus ihre Tour begon­nen hatte.

„Was machen wir mit unse­rem Gefangenen?“; frag­te Kevin. „Gefesselt kommt der nie da hoch.“

Marc wink­te ab. „Kein Problem, macht die Fesseln ab, oben steht Elvis, der lässt ihn bestimmt nicht türmen.“

„Apropos Elvis“, bemerk­te Kerstin in Richtung Sven. „Wie sind Sie eigent­lich an ihm vor­bei­ge­kom­men? Der hat­te Sie doch immer zum Fressen gern!“

Sven lach­te. „In der Tat hat er mich vor­hin wie­der regel­recht ange­fal­len. Daniel hat mich zum Glück gleich erkannt und ist mir zu Hilfe gekom­men. Aber euer Elvis hat mir nichts getan. Er woll­te mich nur abschle­cken. Ich glau­be inzwi­schen, dass ich das Geheimnis gelüf­tet habe, war­um Elvis immer so auf mich steht. Es ist mein Rasierwasser!“

Verblüfft schau­ten die vier Freunde ein­an­der an. Da konn­te etwas dran sein, dar­um war Elvis so scharf auf die Blumen gewe­sen, die Sven Jutta geschenkt hatte.

Marc klet­ter­te die Röhre hoch, um sich mit Elvis oben zu pos­tie­ren, wäh­rend Sven dem Gefangenen, der immer noch schwieg, die Handfesseln abnahm.

Von oben rief Marc hin­un­ter: „Ihr könnt rauf­kom­men. Hier war­tet eine wei­te­re Überraschung auf euch.“

Als kurz danach einer nach dem ande­ren wie in einem Kasperletheater zum Vorschein kam, erblick­ten sie Kommissar Greulich und eini­ge sei­ner Kollegen. Daniel hat­te es nicht mehr aus­ge­hal­ten und ihn verständigt.

„Das ist ja eine Überraschung!“, rief Greulich und begrüß­te jeden mit Handschlag. Nur bei einem mach­te er eine Ausnahme. Dieser bekam Handschellen ange­legt und wur­de abgeführt.

Kopfschüttelnd schau­te er ihm nach. „Ausgerechnet der Sohn mei­nes Kollegen. Das wird eine Schlagzeile geben.“, Er schüt­tel­te betrübt den Kopf. „Na ja, da kann man nichts machen.“

Zu den wil­den Vier gewandt mein­te er zwin­kernd: „Ihr geht am bes­ten erst mal heim und wascht euch. So frisch seht ihr alle nicht mehr aus. Ach, ihr habt was gefun­den? Was machen wir denn damit?“

„Herr Greulich, haben Sie was dage­gen, wenn wir das Jutta per­sön­lich über­ge­ben?“, frag­te ihn Kerstin.

„Normalerweise müss­te ich das an mich neh­men und unter­su­chen“, erklär­te der Kommissar. „Okay, aus­nahms­wei­se. Aber passt bit­te gut dar­auf auf.“

Jetzt erst hat­ten die wil­den Vier Zeit, sich umzu­schau­en. Ein unge­wöhn­li­ches Bild bot sich ihnen: Auf dem Boden lag ein glück­li­cher Elvis, der von zwei Personen lie­be­voll gekrault wur­de: Sven und Daniel. Sandra nutz­te die Gelegenheit und hielt die Szene mit ihrer Kamera fest.

„Jetzt haben wir den Beweis, dass Elvis der bravs­te Hund der Welt ist“, lach­te sie.

Sven schau­te auf. „Ich bin auch glück­lich, aber aus einem ande­ren Grund. Kommt, ich lade euch zum Eis ein. Und danach gehen wir zu Jutta, einverstanden?“

Elvis ver­stand bloß Eis, sah Sven an und zog ihm dafür sei­ne nas­se Zunge quer über das Gesicht.

Daniel und die wil­den Vier lach­ten, wäh­rend sich Sven mit einem Taschentuch das Gesicht abtrocknete.

„Ich weiß auch schon, was ich nach dem Besuch bei Jutta mache“, lach­te er. „Ich kau­fe mir ein ande­res Rasierwasser.“

Fünf Minuten spä­ter saßen alle sechs zusam­men mit dem Dalmatiner in einem Eiscafe.

„Ich muss mich bei euch ent­schul­di­gen. Anfangs war ich ziem­lich unge­recht zu euch“, begann Sven. „Ich woll­te kei­ne Einmischung in Juttas Angelegenheiten.“

„Sie woll­ten die gan­ze Zeit nur den Schatz fin­den, oder?“, hak­te Sandra miss­trau­isch nach. „Hat Ihnen Jutta über­haupt etwas bedeutet?“

„Oh ja, das hat sie!“, rief Sven auf­ge­bracht, fuhr dann jedoch klein­laut fort: „Ich muss aller­dings geste­hen, dass es nicht von Anfang an so war. Ich ver­ra­te euch jetzt ein Geheimnis und hof­fe, dass es Jutta nie­mals erfährt.“ Sven räus­per­te sich ver­le­gen. „Nicht nur der Opa des Polizistensohns war mit Georg Marsanek befreun­det. Mein Opa war es eben­falls. Es war sogar eine sehr enge Freundschaft. Bei mei­nen Recherchen über mei­ne Herkunft bin ich auf die­se alte Geschichte gesto­ßen. Dann habe ich mit Erfolg ver­sucht, Jutta zu fin­den. Ich gebe zu, dass ich zu die­sem Zeitpunkt nur an das vie­le Geld dach­te. Doch als ich Jutta sah und mit ihr das ers­te Mal sprach, habe ich mich tat­säch­lich in sie ver­liebt. Es ist die abso­lu­te Wahrheit, ob ihr es glaubt oder nicht. Ich will mit Jutta auf jeden Fall zusam­men­blei­ben, ob mit Vermögen oder ohne.“

„Danke, dass Sie uns die Wahrheit gesagt haben“, sag­te Kerstin und auf den Gesichtern der vier Freunde zeich­ne­te sich Erleichterung ab. „Das mit ihrem Opa haben wir inzwi­schen selbst her­aus­ge­fun­den. Aber kei­ne Angst, Jutta erfährt von uns nichts. Das gilt auch für dich, Daniel.“ Sie schau­te den Schulkameraden streng an.

„Ja klar, ich ver­ra­te mei­ner Tante nichts“, gab er sich einverstanden.

Sven lächel­te erfreut. „Vielen Dank für euer Verständnis. Jetzt soll­ten wir aber noch in die Blechdose schau­en, bevor wir zu Jutta gehen. Nicht, dass die leer ist und sie meint, wir wol­len sie veräppeln.“

Sandra för­der­te die Dose aus ihrem Rucksack zu Tage und öff­ne­te sie.

Die wil­den Vier mach­ten lan­ge Gesichter, als Sandra ledig­lich einen Packen alter ver­gilb­ter Papiere zum Vorschein brach­te. Kein Geld, kein Gold, kein Schmuck; nichts, was sicht­bar wert­voll war.

„Mensch, das sind ja nur ein paar alte Schriftstücke und ein gan­zer Haufen Papiere mit Firmennamen und ver­zier­ten Wappen drauf“, sag­te Kevin ent­täuscht. „Mit dem alten Kram kann Jutta bestimmt nichts anfangen.“

Kerstin schüt­tel­te den Kopf. „Aber mein lie­ber Bruder. Du hast ja kei­ne Ahnung. Ich weiß es zwar nicht genau, aber ich glau­be, dass hier mög­li­cher­wei­se viel Geld auf dem Tisch liegt.“

Frage: Was mein­te Kerstin?

Antwort: .tge­leg topedknaB nie ni thcin dnu nebo­heg­fua esua­huz tsiem neitkA eid remütnegiE eid nebah slamaD .neraw ned­row nebe­gegsua remütnegiE negi­lie­wej eid na rehürf eid ‚neitkA hcil­niehcs­rhaw dnis neppaw- dnu nemannemriF ned tim ereipaP net­reiz­rev eiD

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 8

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Eine miss­li­che Lage 

Autor: Harald Schneider

„Okay Kevin, dank dei­ner Hilfe wis­sen wir jetzt, dass es oben auf der Karte irgend­wo zum Rathauskeller gehen muss“, sag­te Sandra und nick­te aner­ken­nend. „Einer die­ser Gänge muss der­je­ni­ge sein, der ver­schüt­tet ist. Doch wo der Schatz ist, ver­rät uns die Karte nicht. Wir kön­nen jetzt zwar alle Gänge abge­hen und sämt­li­che Räume unter­su­chen, wenn der Schatz aber irgend­wo ver­gra­ben ist, bringt uns dass nicht wirk­lich weiter.“

Nun schal­te­te sich ihr erwach­se­ner Begleiter wie­der ein: „Ich den­ke, es wird lang­sam Zeit, die Karte von Frau Marsanek mit die­sem Grundriss zu vergleichen.“

„Ja klar“, fiel ihm Marc ins Wort. „Wir müs­sen nur die bei­den Teile deckungs­gleich bekom­men, fast wie bei einem Puzzle.“

Kerstin hat­te die Kopie bereits aus­ge­packt und vol­ler Hoffnung auf den Grundriss gelegt. Zehn Augen ver­such­ten, eine Übereinstimmung zu fin­den. Nach einer Weile dreh­te Kerstin die Kopie um 45 Grad nach links. „Aus unse­rer Kopie geht lei­der nicht her­vor, wo oben und unten ist. Es ste­hen auf alle vier Seiten irgend­wel­che Buchstabenkürzel.“

Als Kerstin die Kopie zum zwei­ten Mal um 45 Grad nach links dreh­te, mach­te sich lang­sam Enttäuschung breit.

„Nicht auf­ge­ben, kon­zen­triert euch gefäl­ligst“, sporn­te Marc sei­ne Freunde an.

Die wil­den Vier konn­ten ihre Kopie dre­hen wie sie woll­ten, sie konn­ten abso­lut kei­ne Ähnlichkeit mit dem gefun­de­nen Grundriss ausmachen.

„Das liegt bestimmt dar­an, dass bei unse­rer Kopie nur ein Teil der Räume in die­sem Bereich ein­ge­zeich­net sind und unwich­ti­ge­re Räume weg­ge­las­sen wur­den. Außerdem stim­men die Maßstäbe nicht über­ein“, murr­te Kevin.

Karl zuck­te mit den Schultern. „Dann lasst uns zurück­ge­hen. So hat das alles kei­nen Sinn. Ich habe mir mehr von der Sache erwar­tet.“ Enttäuschung klang aus sei­ner Stimme. Oder war die Enttäuschung nur vorgespiegelt?

Sandra grü­bel­te vor sich hin. Was, wenn der Mann auf dem Plan etwas ent­deckt hat­te und es nur nicht ver­ra­ten woll­te? Dann wür­de er spä­ter allei­ne her­kom­men und sich ohne die wil­den Vier auf die Suche begeben.

„Nein, wir suchen wei­ter“, bestimm­te Sandra. „So eine Chance dür­fen wir uns nicht ent­ge­hen lassen.“

„Und wie willst du vor­ge­hen?“, woll­te Kevin wis­sen. „Am Ende ver­lau­fen wir uns in die­sem Labyrinth!“

„Du meinst, in die­sem Irrgarten!“, ver­bes­ser­te sie ihn.

„Es ist mir egal, ob das ein Labyrinth oder ein Irrgarten ist. Wir kom­men im Moment nicht wei­ter, das ist Fakt.“

„Fakt ist, dass wir noch einen Trumpf im Ärmel haben.“ Sandra schau­te Kevin zwin­kernd an.

„Was für einen Trumpf?“, misch­te sich der Fremde wie­der ein.

„Schauen Sie mal unse­re Kopie genau­er an. Hier ist der Raum, der mit einem X gekenn­zeich­net ist, der Raum dane­ben sieht vom Grundriss her anders aus als alle anderen.“

„Tatsächlich, du hast Recht, Kleine. Das könn­te uns weiterhelfen.“

„Sandra, klärst du uns mal auf?“, for­der­te Kerstin ungeduldig.

„Sicher, der Raum ist fünf­eckig. So was dürf­te recht sel­ten sein, oder? Wir müs­sen nur einen Raum mit fünf Ecken fin­den und hof­fen, dass es nur einen ein­zi­gen gibt. Im Nachbarraum dürf­te dann das Vermögen liegen.“

Die wil­den Vier und ihr Begleiter mach­ten sich auf den Weg. Sandra mar­kier­te flei­ßig und gewis­sen­haft sämt­li­che Gänge, die sie benutz­ten. Schnell merk­ten sie, dass das Gewölbe doch nicht so groß war, wie es anfangs schien. Immer öfters lan­de­ten sie in Räumen, in denen sie bereits gewe­sen waren.

Anfangs hat­ten sie noch ver­sucht, sich mit dem Kompass immer in nörd­li­cher Richtung zu hal­ten. Doch das funk­tio­nier­te nicht, da die Gänge oft völ­lig unvor­her­seh­bar die Richtung änderten.

„Seid mal still!“, befahl Kerstin plötz­lich. Alle blie­ben ste­hen und lausch­ten. Waren da nicht Schritte? Oder war es nur Einbildung?

Karl trieb sie zur Eile an. „Los, lasst uns wei­ter gehen, das ist nur unser eige­nes Echo, das sich durch die Stollen fortpflanzt.“

Irgendwann lan­de­ten sie in einem neu­en Bereich. Hier gab es kei­ne Gänge, son­dern nur inein­an­der ver­schach­tel­te Kellerräume.

„Diese Keller müs­sen bereits vor dem Krieg zum Bahnhof gehört haben. Ich glau­be, wir kom­men unse­rem Ziel näher“, über­leg­te Marc.

Dennoch muss­ten sie sich noch eine Weile gedul­den und durch zahl­rei­che Kellerräume kämp­fen. Doch auf ein­mal war es geschafft. Niemand hat­te mehr ernst­haft damit gerech­net. Sie stan­den in einem Raum mit einem fünf­ecki­gen Grundriss.

„Hurra, wir haben es geschafft“, schrie Kevin. „Schatz, wir kommen!“

„Gar nichts haben wir geschafft, höchs­tens ein Etappenziel“, wies ihn sei­ne Schwester zurecht.

Sandra beleuch­te­te mit ihrer Taschenlampe die Kopie von Juttas Plan. „Wir müs­sen ein­deu­tig in die­se Richtung.“ Sie zeig­te nach rechts.

Die fünf Personen gin­gen durch einen höl­zer­nen Türrahmen, denn Türen gab es hier unten nicht. Sie betra­ten einen Raum, der sich in nichts von den ande­ren Räumen unterschied.

„Hier soll das Vermögen ver­steckt sein?“, zwei­fel­te Kevin.

„Wenn du geglaubt hast, dass mit­ten auf dem Boden eine Truhe steht, dann ist das dein Problem“, grins­te Sandra. „Du kannst davon aus­ge­hen, dass seit dem letz­ten Krieg hier unten eini­ge Menschen rum­ge­lau­fen sind. Juttas Opa wird sein Vermögen garan­tiert ein biss­chen bes­ser ver­steckt haben.“

Eine Viertelstunde lang unter­such­ten die fünf jeden Quadratzentimeter des Raumes. Doch es war alles umsonst. Sie fan­den nicht den kleins­ten Anhaltspunkt für ein Versteck.

„Es gibt zwei Möglichkeiten“, mein­te schließ­lich ihr Begleiter. „Entweder es gibt noch mehr fünf­ecki­ge Räume oder euer Plan ist falsch.“

Die wil­den Vier über­leg­ten, was sie tun soll­ten. Sandra lief auf und ab und leuch­te­te mit ihrer Lampe noch­mals in alle Winkel.

„Zum Teufel, da ist wirk­lich nichts zu fin­den. Das ein­zi­ge, was kein Mauerwerk ist, ist die­se däm­li­che Türzarge.“

„Türzarge?“ Kerstin hat­te einen Gedankenblitz. „Kommt mal her. Leuchtet auf die Zarge.“

Kerstin zog unter der Beleuchtung so fest sie konn­te an dem höl­zer­nen Türstock. Nur schwer ließ er sich bewe­gen. Erst als Karl mit anpack­te, lös­te sich das Holz vom Mauerwerk.

Fünf Augenpaare starr­ten in eine zehn Zentimeter brei­te Vertiefung, die bis eben durch den Türrahmen ver­deckt wor­den war. Karl griff hin­ein und hol­te einen Blechkanister hervor.

„Ha, ich habe gefun­den, was ich woll­te. Endlich gehört es mir!“, jubel­te er.

„Na, hören Sie mal! Wir haben das Versteck gefun­den“, pro­tes­tier­te Sandra mit wüten­dem Gesicht. „Ohne Kerstins Idee wäre nichts gelaufen.“

„Ach so, ihr seid ja auch noch da.“ Langsam griff er mit sei­ner rech­ten Hand in die Stofftasche und hol­te eine Pistole her­vor. „Am bes­ten seid ihr jetzt ganz brav und stellt euch drü­ben in die Ecke. Wenn ihr nichts Unüberlegtes tut, pas­siert euch nichts.“ Auffordernd wink­te er mit der Waffe und zeig­te auf die Ecke.

Die wil­den Vier waren über­rascht. Damit hat­ten sie nicht gerech­net. Der offen­sicht­li­che Gangster ver­such­te mit einer Hand die Blechdose zu öff­nen, was aber misslang.

„Egal“, mur­mel­te Karl vor sich hin. „Hauptsache, ich habe die Papiere.“

„Welche Papiere?“, frag­te ihn Marc frech, auch wenn er nicht mit einer Antwort rechnete.

 „Wohl neu­gie­rig was? Ihr habt kei­ne Ahnung. Mich inter­es­siert der Schatz von dem Georg einen feuch­ten Dreck. Ich will etwas ganz anderes.“

„Was ande­res? Was soll da noch dabei sein, außer dem Vermögen von Juttas Opa?“

Karl schau­te sie kurz an und überlegte.

„Okay, ich will es euch erzäh­len. Ihr könnt sowie­so nichts damit anfan­gen. Bis ihr das aus­plau­dern könnt, habe ich längst alles vernichtet.“

Die wil­den Vier glaub­ten, nicht rich­tig gehört zu haben, doch da begann er bereits mit sei­ner Erzählung: „Passt auf. Mein Vater ist ein Kollege von Kommissar Greulich. Daher wuss­te ich von dem Plan, den ihr hat­tet. Greulich woll­te die­sen Plan aber nicht mei­nem Vater geben, weil er in einem ande­ren Ressort arbei­tet. Deshalb blieb mir nichts ande­res übrig, als Kontakt mit euch auf­zu­neh­men. Denn im Stadtarchiv habe ich auch nichts gefunden.“

„Und war­um das Ganze?“, frag­te Kerstin. „Sie ken­nen doch Georg Marsanek über­haupt nicht.“

„Das ist rich­tig. Ich ken­ne ihn nicht. Aber mein Opa war ein guter Freund von ihm. Und die­ser Georg war im Besitz wich­ti­ger Dokumente, die bele­gen könn­ten, dass mein Opa an Verbrechen der dama­li­gen Zeit zumin­dest Mitschuld hat­te. Georg Marsanek schrieb davon in einem sei­ner letz­ten Briefe an mei­nen Opa.“

„Und was wol­len Sie mit den alten Geschichten?“, wun­der­te sich Marc. „Das ist doch längst ver­gan­ge­ne Zeit.“

„Nein ist es nicht“, wider­sprach Karl barsch. „Ich will die Familienehre wah­ren. Stellt euch vor, ihr hät­tet die­se Blechdose gefun­den und die Dokumente der Presse über­ge­ben. Nein, das kann ich nicht zulas­sen. Ihr müsst hier unten blei­ben, bis ich die­se Papiere ver­nich­tet habe.“

Die vier waren baff. Wie soll­ten sie sich aus die­ser Situation ret­ten? Sie waren dem Fremden aus­ge­lie­fert. Sandra tuschel­te mit Marc hin­ter dem Rücken der bei­den ande­ren. „Lenk du ihn ab, ich hab eine Idee. Ich habe doch mei­nen Fotoapparat dabei.“

Marc sah sie erstaunt von der Seite an, tat aber wie gehei­ßen und ging lang­sam auf Karl zu. „Soll ich Ihnen hel­fen, die Blechdose zu öffnen?“

Doch Karl stieß ihn zurück. „Bleib weg von mir, oder du kannst was erleben!“

In die­sem Moment geschah es. Sandra schaff­te es, den Fremden zu über­rum­peln. Für einen Sekundenbruchteil zumindest.

Frage: Was mach­te Sandra?

Antwort: .nnaM ned os eted­nelb dnu sua sotoF serhi ztilB ned ets­öl eiS

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 7

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Im Gewölbe

Autor: Harald Schneider

Nun wur­de das nächs­te Geheimnis gelüf­tet. Marc hat­te bereits ver­sucht her­aus­zu­fin­den, war­um der Mann eine Stofftasche mit sich trug, durch die sich ein läng­li­cher Gegenstand abzeich­ne­te. Die Lösung war ein­fach: Er öff­ne­te die Tasche und zog eine schwe­re Brechstange her­aus. Das gebo­ge­ne Ende steck­te er in eines der klei­nen Löcher, die rings um den Kanaldeckel ange­ord­net waren. Dann hebel­te er am ande­ren Ende der Brechstange in Richtung Deckelmitte. Wie von Geisterhand öff­ne­te sich der schwe­re Kanaldeckel und fiel nach einem kräf­ti­gen Ziehen mit der Oberseite nach unten neben den Schacht, der nun sicht­bar wurde.

Kevin hat­te sich mit sei­ner Taschenlampe bewaff­net und leuch­te­te in das dunk­le Loch. „Spitze! Da sind sogar Trittstufen an der Seite“, jubel­te er.

Sandra hin­ge­gen über­leg­te laut: „Und was pas­siert, wenn jemand den Deckel zumacht, solan­ge wir unten sind? Und Elvis kön­nen wir auch nicht mit­neh­men. Einer von uns muss hierbleiben.“

„Ich nicht“, maul­te Marc. „Soll das unser Neuzugang Daniel machen. Dann kann er sich bewähren.“

„Ich will aber auch mit run­ter“, beschwer­te sich Daniel und schau­te böse drein. „Soll jemand von euch bei dem Hund blei­ben. Ich kann ihn sowie­so nicht leiden.“

So ging es eine Weile hin und her. Schließlich wur­de es Karl zu dumm. „Entweder ihr ent­schei­det euch, oder ich gehe allei­ne runter.“

Daraufhin gelang es Kerstin, Daniel zu über­zeu­gen. „Sieh mal, das ist eine ver­trau­ens­vol­le Aufgabe. Wir legen unse­re Sicherheit in dei­ne Hände. Und wenn wir was gefun­den haben, hole ich dich sofort. Versprochen!“

Mit Murren mach­te es sich Daniel neben dem Schacht auf dem Boden bequem. Elvis setz­te sich mit gebüh­ren­dem Sicherheitsabstand auf die ande­re Seite der Öffnung.

Für Kevin, der die Trittstufen nach unten nahm, war die Reise nach drei Metern Tiefe zu Ende. „Hier hört der Schacht schon auf“, schrie er nach oben. „Das scheint eine Sackgasse zu sein.“

Kerstin leuch­te­te von oben ihrem Bruder ent­ge­gen. „Schau dich genau um. Da muss es irgend­wo wei­ter­ge­hen. Sonst hät­ten der Schacht und der Kanaldeckel über­haupt kei­nen Sinn.“

Kevin unter­such­te die Wände der Röhre ganz genau, was wegen der Enge nicht ein­fach war. „Du hast Recht, Schwesterlein“, schrie er Sekunden spä­ter hin­auf. „Da ist eine Metalltür auf der Seite. Ich ver­su­che, sie zu öffnen.“

Oben hör­ten sie es laut knir­schen und danach gab es einen lau­ten Knall.

„Ist was pas­siert?“, rie­fen alle zeit­gleich in das Loch, aus dem dicker Staub aufstieg.

Zuerst kam nichts, dann hör­ten sie Kevin hus­ten, und schließ­lich mel­de­te er sich: „Ein Glück, dass die Tür nicht in die Röhre gefal­len ist, sonst könn­tet ihr mich jetzt als Briefmarke ins Album kle­ben. Diese Tür ist plötz­lich nach innen in einen Hohlraum gefal­len. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie über­haupt Scharniere hat­te. Der Staub ist noch zu stark.“

Nach ein paar Minuten hat­te sich der Staub gelegt und Kevin konn­te den Hohlraum inspi­zie­ren. „Hey, also ihr könnt es glau­ben oder auch sein las­sen. Da ist ein Riesensaal. Ich schlüp­fe durch das Loch. Ihr könnt nachkommen!“

Einer nach dem ande­ren folg­te Kevin die Metallstiegen hin­un­ter und durch die Öffnung in den gro­ßen Raum. Karl folg­te ihnen zuletzt. Die Wände des Saales waren mit klei­nen Backsteinen gemau­ert, so wie es vor vie­len Jahrzehnten üblich gewe­sen war. Der Boden bestand aus gestampf­tem Lehm und war feucht. An man­chen Stellen sah man klei­ne Rinnsale aus den Wänden kom­men, die über­all Wasserlachen bildeten.

Am hin­te­ren Ende des Saales waren direkt neben­ein­an­der vier Durchgänge in Form von gemau­er­ten Rundbögen zu sehen. Kerstin hol­te ihre Digitalkamera aus ihrem Rucksack und schoss ein paar Fotos. Natürlich mit Blitzlicht, denn außer den Taschenlampen gab es kei­ne wei­te­ren Lichtquellen.

Nun begann Karl mit einer Erklärung: „Wie ihr sicher­lich beim Runterklettern bemerkt habt, befin­den wir uns unge­fähr drei Meter unter dem Erdreich. Diesen Raum nutz­te man wäh­rend der Kriegszeiten als Schutzbunker für die Einwohner. Es soll noch mehr davon geben. Man hat die­se Bunker wäh­rend des Krieges ange­legt und mit­ein­an­der ver­bun­den. Zur Sicherheit hat man dann die Stollen auch mit dem Kellerlabyrinth des Bahnhofes ver­bun­den. Das Ganze lief damals ziem­lich unko­or­di­niert und in aller Eile ab. Deswegen gibt es kei­ne voll­stän­di­gen Pläne.“

Die wil­den Vier waren beeindruckt.

„Und jetzt seid ihr dran mit eurem Teil der Verabredung. Zeigt mir den Plan“, for­der­te Karl sie auf. Sandra zuck­te mit den Achseln und öff­ne­te ihren Rucksack.

„Sie haben sich bestimmt mehr ver­spro­chen. Unser Plan ist mit­nich­ten ein Gesamtplan. Es sind nur ein paar Räume ein­ge­zeich­net.“ Mit die­sen Worten über­gab sie ihm eine Kopie des Zettels.

Der Mann riss ihr das Papier förm­lich aus der Hand und stu­dier­te ihn sehr lang. „Das ist ja gar nichts!“, motz­te er nach einer Weile drauf los. „Damit kann kei­ner was anfan­gen. Und was sol­len die komi­schen Abkürzungen?“

Die Jugendlichen stan­den dane­ben und gaben kei­ne Antwort. Schließlich mach­te Sandra einen Vorschlag: „Sie haben bestimmt das glei­che Ziel wie wir, oder? Sie wis­sen genau, was in dem Raum ist, der auf dem Plan mit einem X gekenn­zeich­net ist. Wollen wir uns nicht gemein­sam auf den Weg machen?“

Der Mann nick­te. „Okay, lasst es uns gemein­sam ver­su­chen. Wir müs­sen sys­te­ma­tisch vor­ge­hen. Mit wel­chem Durchgang wol­len wir beginnen?

„Das über­las­sen Sie am bes­ten den wil­den Vier“, mein­te Sandra. Sie ging zum lin­ken Rundbogen und mar­kier­te ihn mit einem Stück Kreide, das sie aus ihrem Rucksack zau­ber­te. Die Gruppe ging durch den mar­kier­ten Bogen. Ein brei­ter Gang ver­lief schnur­ge­ra­de von ihm ab.

 „Mensch, der Gang geht schräg nach unten“, bemerk­te Marc. „Das Labyrinthsystem ver­läuft über meh­re­re Stockwerke. Hoffentlich fin­den wir Sandras Kreidestriche wieder.“

Im Dunkeln kom­men einem Wege stets län­ger vor, als sie tat­säch­lich sind. Alle bil­de­ten sich ein, bereits meh­re­re Hundert Meter gelau­fen zu sein, in Wirklichkeit waren es höchs­tens fünf­zig, als sie in einen wei­te­ren Raum gelang­ten, der unge­fähr halb so groß war wie der ers­te. Auch von hier gin­gen wie­der­um vier Stollen ab.

„Ganz schön kom­pli­ziert, hier unten. Welche Richtung neh­men wir?“

„Wieder den lin­ken Weg.“ Sandra mar­kier­te den Durchgang.

Schließlich erreich­ten die Schatzsucher einen drit­ten Raum, der dem zwei­ten aufs Haar glich. Nur war die­ser nicht leer. Marc hat­te die höl­zer­ne Kiste ent­deckt und lief zu ihr. Karl blieb zunächst ihm Hintergrund, doch sei­ne Stofftasche hielt er fes­ter in der Hand.

„Igitt, die ist ganz nass und ölig“. Angeekelt zog Marc sei­ne Finger zurück.

Kevin trat zu ihm, bück­te sich und öff­ne­te die Kiste, deren Deckel lose auf­ge­legt war. „Machst du ein Theater wegen des biss­chen Schmutzes.“

Fünf Augenpaare starr­ten in die Kiste. Bis auf eine alte Ledermappe war sie leer. Ihr erwach­se­ner Begleiter woll­te sich die­se Mappe schnap­pen, doch Kerstin war schnel­ler. „Mal schau­en, was wir gefun­den haben“, lächel­te sie. Sie öff­ne­te den Ledereinband, der mit einer Schnur ver­kno­tet war. Zum Vorschein kam ein mehr­fach gefal­te­tes Stück Pergamentpapier.

„Das sieht aus wie ein Plan.“ Aufgeregt stand Kevin dane­ben, als sei­ne Schwester das Papier auffaltete.

Der Fremde dräng­te sich in den Vordergrund. „Lasst mich mal sehen. Das sieht höchst inter­es­sant aus.“ Er brei­te­te die Karte waa­ge­recht aus und gab Sandra ein Ende in die Hand. „Halt mal, dann kön­nen wir alle gleich­zei­tig drauf schauen.“

Zu fünft blick­ten sie auf das gefun­de­ne Pergament. Es war in der Tat ein Plan. Der Fremde wur­de vor Aufregung zap­pe­lig. „Das ist unglaub­lich. Das ist ein Grundriss der Gewölbe und der Verbindungstunnel. Die gro­ßen Flecken sind die Schutzräume.“

Marc betrach­te­te den Rand genau­er. „Leider fehlt der Übergang zum Hauptbahnhof und eine Legende ist auch kei­ne drauf. Da oben steht zwar Ludwigshafen-Mitte, es ist aber nicht erkenn­bar, wie her­um der Plan gehört und wo die Himmelsrichtungen sind. Solange wir das nicht wis­sen, hilft uns der Grundriss nicht wei­ter. Wir wis­sen immer noch nicht, in wel­che Richtung wir müssen.“

„Oh doch“, ant­wor­te­te Kevin. „Ich den­ke, dass ganz klar ist, auf wel­cher Seite der Karte der Übergang zum Hauptbahnhof sein muss!“

Frage: Welche Seite mein­te Kevin und wie ist er dar­auf gekommen?

Antwort: .ets­sum nies suahtaR .wzb ‚fohnhaB muz gnag-rebÜ red nebo etraK red fua ssad ‚ralk osla raw niveK .negeil etiesdroN red fua ‚ted­lib­ba eblöweG sad red ‚nalP menie fua gnagrebÜ red ssum hcilgloF .ned­nufeg eties-düS red fua neblöwegrelleK ned uz gnaguZ ned eis neb-ah ‚neraw sesuahtaR sed relleK mi reiV ned­liw eid slA .sth­cer netsO dnu sknil netseW ‚net­nu tsi nedüS .ralk negnuthcirslemmiH eid dnis osla ‚?ettiM-nefahsgiwduL? the­ts nebO .tsi nebo nedroN ssad ‚hcil­bü netraK ieb se tsi nenie muZ .ner­ei­nib­mok ets­sum niveK

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 6

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Der Fremde

Autor: Harald Schneider

Nachdem sich am Vortag die Ereignisse förm­lich über­schla­gen hat­ten, waren die wil­den Vier heu­te in der Schule ver­ständ­li­cher­wei­se nicht ganz bei der Sache. Marc ließ in Geographie den Rhein in die Ostsee mün­den und Kevin erfand in Mathematik mit der phan­ta­sie­reich wei­ter­ent­wi­ckel­ten Konstante „Pi,5“ die ers­te Doppelkommazahl der Menschheit. Leider gäbe es dafür noch kei­nen Nobelpreis, mein­te sein Lehrer über die­se mathe­ma­ti­sche Entgleisung.

Der Unterricht zog sich end­los hin. Nur die gro­ße Pause war selt­sa­mer­wei­se viel zu schnell vor­bei. Den vier Freunden erschien es, als hät­te ein Riesenmagnet den Minutenzeiger wäh­rend der Pause auf Formel-1-Niveau beschleunigt.

Aber selbst die längs­ten Schulstunden sind irgend­wann ein­mal zu Ende. Die wil­den Vier und ihre Mitschüler stürm­ten aus dem Klassenraum.

Am Eingang der Schule stand ein unbe­kann­ter Mann, der ihnen zunächst nicht wei­ter auf­fiel. Bis er plötz­lich rief: „Hey, ihr da! Seid ihr nicht die wil­den Vier?“

Sandra, Kerstin, Kevin und Marc blie­ben ver­wun­dert ste­hen und starr­ten den Mann an. Es han­del­te sich um einen voll­kom­men unauf­fäl­li­gen Typen. „Ja, das sind wir“, ant­wor­te­te Sandra.

„Ich habe auf euch gewar­tet. Wenn ihr wollt, schla­ge ich euch ein klei­nes Geschäft vor. Ich habe Informationen, die euch sicher­lich weiterhelfen.“

„Uns wei­ter­hel­fen? Mit was denn? Sie sind hof­fent­lich kein Nachhilfelehrer für Mathematik, oder?“, ver­such­te Kevin zu scherzen.

Der Mann lach­te. „Nee, mit Schule habe ich nichts im Sinn. Ich weiß zufäl­lig, dass ihr etwas sucht. Ich habe die Lösung für euch.“

Die wil­den Vier schöpf­ten Verdacht. Handelt es sich um eine Falle?  „Wir haben abso­lut kei­ne Ahnung was Sie mei­nen“, erwi­der­te Kerstin in mög­lichst gleich­gül­ti­gem Ton. „Wir suchen näm­lich gar nichts. Außer viel­leicht mein Bruder. Der sucht in Mathe den Durchblick.“

Kevin stieß ihr erbost mit dem Ellbogen in die Seite.

Der Mann lächel­te und ant­wor­te­te: „Ich kann ver­ste­hen, dass ihr vor­sich­tig seid. Aber ich will euch ent­ge­gen­kom­men. Ich sage nur: ‚Rathauscenter’ und ‚Kellergewölbe’. Wenn ihr mehr wis­sen wollt, seid um 15 Uhr am Brunnen gegen­über der Haltestelle ‚Schwanen’. Und kommt auf jeden Fall allei­ne. Sonst erfahrt ihr kein Wort von mir.“

Der Mann dreh­te sich schmun­zelnd um und ging fort.

Marc sah ihm hin­ter­her. „Das ist bestimmt der Typ, der uns ges­tern ver­folgt hat. Wisst ihr noch?“

„Blöde Situation, was machen wir jetzt?“, frag­te Kevin in die Runde.

„Ist doch klar!“, rief Sandra. „Wir gehen hin. Das ist das ein­zig ver­nünf­ti­ge, sonst erfah­ren wir nichts. Gefährlich ist das nicht, um die­se Zeit ist der Treffpunkt viel zu belebt. Wir müs­sen nur auf­pas­sen, dass er uns nicht fortlockt.“

Marc stimm­te mit einem Kopfnicken zu. „Ich den­ke, wir soll­ten dar­auf ver­zich­ten, Daniel zu infor­mie­ren, okay?“

Eine gute Viertelstunde vor dem ver­ein­bar­ten Termin saßen die wil­den Vier am Brunnen neben dem Gebäude der Sparkasse auf einer Bank. Elvis ver­such­te mit sei­ner lan­gen Zunge an das Wasser des Brunnens zu kom­men. Hierzu muss­te er sich auf sei­ne Hinterbeine stel­len, was sehr lus­tig aussah.

Wie es der Zufall so woll­te, kam in die­sem Moment Daniel vor­bei, erblick­te die Jugendlichen und ging sofort auf sie zu.

Kevin sah dem Schulkameraden erbost ent­ge­gen. „Bist du etwa die gro­ße Überraschung? Wolltest du …“

Kerstin rem­pel­te ihren Bruder unsanft an. „He Kevin, drehst du jetzt etwa durch? Das ist doch bloß Daniel, der zufäl­lig hier vor­bei­läuft und gleich wei­ter geht.“

Fast hät­te Kevin mehr aus­ge­plau­dert als ver­nünf­tig gewe­sen wäre. Aber Daniel hat­te bereits Lunte gero­chen. Er dach­te gar nicht mehr dar­an, wei­ter zu gehen. Selbst wenn sei­ne Mutter noch so lan­ge auf die Einkäufe war­ten musste.

Während sie sich alle über das Missgeschick mit Daniel ärger­ten, stand plötz­lich der Fremde vor ihnen. Keiner hat­te gese­hen, wo er her­kam. Elvis blieb brav bei Marc sit­zen und rühr­te sich nicht. Der Mann schien ihm nichts auszumachen.

„Nanu, habt ihr Zuwachs gekom­men?“, frag­te der Fremde zur Begrüßung. „Wenn ich mich recht erin­ne­re, bist du Daniel, oder? Du kannst ger­ne bei unse­rer Unterredung dabei­blei­ben, irgend­wie betrifft es dich auch ein bisschen.“

Daniel war ver­blüfft, dass der frem­de Mann ihn zu ken­nen schien. Er sag­te aber kein Wort.

„Kommt, lasst uns in die Eisdiele gehen. Ich lade euch ein.“

Die fünf blick­ten ein­an­der kurz an, dann nick­ten sie.

Zu sechst ging die Gruppe mit dem Dalmatiner zur Eisdiele. Gerade wur­de ein gro­ßer Tisch frei, der sofort von ihnen in Beschlag genom­men wur­de. Es dau­er­te ein paar Minuten bis die Bestellungen auf­ge­ge­ben waren und die Bedienung die gewünsch­ten Eisbecher gebracht hatte.

„Ihr fragt euch bestimmt, wer ich bin und was ich von euch will“, begann der Mann end­lich. „Da muss ich euch lei­der ent­täu­schen, das wer­de ich euch nicht ver­ra­ten. Wenn ihr mir aller­dings ver­traut, kann ich euch ein paar wert­vol­le Tipps geben.“

Sandra schau­te den Mann fra­gend an. „Und war­um soll­ten wir Ihnen ver­trau­en? Sie wol­len bestimmt eine Gegenleistung dafür?“

„Hm, nein, äh, doch. Es ist nur eine klei­ne Gefälligkeit. Doch zunächst will ich euch etwas über das Kellergewölbe erzählen.“

„Langsam“, unter­brach ihn Kerstin. „Sagen Sie uns lie­ber, um wel­che Gefälligkeit es sich han­delt. Vielleicht wol­len wir Ihre Geschichte dann gar nicht mehr hören.“

Der Mann stutz­te einen Moment, bevor er laut los­lach­te. „Ihr seid wohl die ganz Schlauen, was? Ich habe mir gedacht, dass es nicht ein­fach ist, sich mit den wil­den Vier anzu­le­gen, aber dass ihr so hart­nä­ckig seid? Okay, ich ver­ra­te euch, wo es einen Zugang zu den Resten des Kellersystems gibt, und ihr zeigt mir dafür die Karte, die in eurem Besitz ist. Das ist doch ein fai­rer Deal, oder?“

„Ach, so läuft der Hase“, Marc plus­ter­te sich auf. „Da müs­sen wir Sie ent­täu­schen. Zum einen haben wir die Karte gar nicht, zum ande­ren haben wir den Eingang im Keller des Rathauses gefun­den. Das ist aber eine Sackgasse, wie Sie eigent­lich wis­sen müss­ten. Sie waren schließ­lich der­je­ni­ge, der kurz vor uns dort unten war!“

Der Fremde war von der Antwort ver­wirrt. Es dau­er­te einen Moment bis er ant­wor­te­te: „Von einem Zugang im Keller des Rathauses weiß ich nichts. Ich war jeden­falls noch nie dort unten, ken­ne aber einen Eingang, der mit­ten in der Fußgängerzone liegt. Und dass ihr nicht die ech­te Karte habt, ist mir bekannt. Ich weiß aber, dass ihr eine Kopie habt.“

Die wil­den Vier schluck­ten. Der Mann schien tat­säch­lich eine Menge zu wis­sen. Warum woll­te der Fremde den Plan sehen? Und wie­so kann­te er einen Eingang zu den Gewölben?

Sandra ant­wor­te­te stell­ver­tre­tend für ihre Freunde: „Okay, wir sind ein­ver­stan­den. Sie bekom­men den Plan erst, wenn Sie uns den Eingang gezeigt haben. Als Gegenleistung gewissermaßen.“

Der Mann nick­te erfreut. „Genau das hät­te ich auch vor­ge­schla­gen. Lasst uns gemein­sam in das Gewölbe stei­gen. Wie wäre es mit mor­gen Mittag um 15 Uhr am Eingang des Rathauscenters?“

Die wil­den Vier stimm­ten dem Vorschlag zu. Blöd, dass auch Daniel dabei war. Wenigstens hat­te er sich aus der Unterhaltung raus­ge­hal­ten. Die Jugendlichen und der Fremde aßen ihr Eis fer­tig und ver­ab­schie­de­ten sich. Ohne Daniel zu infor­mie­ren, tra­fen sich die wil­den Vier kurz dar­auf in ihrem Clubraum.

„Jetzt kön­nen wir uns end­lich unter­hal­ten, ohne dass Daniel jedes Wort mit­be­kommt“, begann Marc. „Was hal­tet ihr von die­sem Typ?“

„Sehr suspekt“, ant­wor­te­te Kerstin nach­denk­lich. „Er woll­te uns nicht mal sei­nen Namen nen­nen. Irgendetwas führt er im Schilde. Wenn man nur wüss­te, was!“

„Jedenfalls müs­sen wir mor­gen sehr vor­sich­tig sein und auf­pas­sen“, mein­te Sandra. „Jeder nimmt sei­ne Taschenlampe mit, das dürf­te klar sein. Ich wer­de zusätz­lich ein paar Spezialsachen aus mei­nem Detektivkoffer in mei­nen Rucksack packen.“

„Sollen wir nicht lie­ber Kommissar Greulich ein­schal­ten?“, mein­te Kevin, doch Sandra schüt­tel­te ent­schie­den den Kopf.

„Nee, lass mal. Wenn wir mit Greulich auf­tau­chen erfah­ren wir nie, wo die­ser zwei­te Zugang ist. Das Abenteuer müs­sen wir aus eige­ner Kraft meis­tern. Das wäre doch gelacht.“

Am nächs­ten Tag tra­fen sich die wil­den Vier mit Daniel an der Haltestelle. Alle fünf hat­ten ihre Rucksäcke dabei. Selbstverständlich durf­te Elvis nicht feh­len. Der Dalmatiner merk­te, dass irgend­was in der Luft lag und trot­te­te ner­vös von einem zum anderen.

Die Jugendlichen bemerk­ten nicht, dass am ande­ren Ende der Straßenbahn jemand zustieg, der sie ganz genau beob­ach­te­te und nicht aus den Augen ließ.

Die Gruppe fuhr nicht bis zur Haltestelle „Rathaus“, son­dern stieg bereits am „Berliner Platz“ aus, da noch etwas Zeit bis zum Treffen war. Außerdem woll­ten sie den mys­te­riö­sen Fremden zunächst aus der Entfernung betrachten.

So lie­fen die fünf Jugendlichen und Elvis gespannt durch die Fußgängerzone, nicht ahnend, dass sie noch immer ver­folgt wur­den. „Da vor­ne steht er“, rief Adlerauge Marc schon weit vor dem ver­ein­bar­ten Treffpunkt.

Tatsächlich, auf der obers­ten Stufe der brei­ten Treppe, die zum Eingang der Mall führ­te, stand der unbe­kann­te Fremde. Sie blie­ben zunächst in aus­rei­chen­der Entfernung hin­ter einer Plakatwand ste­hen und beob­ach­te­ten den Mann. Nach einer Weile kamen sie zu dem Entschluss, dass er allei­ne war und kei­ne Komplizen in der Nähe stan­den. Sie ver­lie­ßen ihr Versteck und lie­fen die letz­ten Meter zu der Treppe. Der Fremde hielt bereits nach ihnen Ausschau.

„Hallo, da seid ihr ja. Pünktlich wie die Maurer“, lächel­te er. Suchend schau­te er sich um. „Ich gehe davon aus, dass ihr nicht etwa die Polizei infor­miert habt?“

„Nein, haben wir nicht. Was hät­ten wir der denn erzäh­len sol­len?“, ant­wor­te­te Sandra.

„Okay, dann kommt jetzt mit.“ Auch der Mann hat­te eine grö­ße­re Stofftasche dabei. Marc ver­such­te an den Umrissen den Inhalt zu erkennen.

„Wie hei­ßen Sie eigent­lich?“, woll­te Kerstin wissen.

„Das tut nichts zur Sache, aber ihr könnt mich Karl nen­nen. Ah, wir sind schon fast am Ziel.“

Sie befan­den sich höchs­tens 100 Meter von dem Rathauscenter ent­fernt in der Fußgängerzone. Die Jugendlichen stan­den vor einem gro­ßen mehr­stö­cki­gen Gebäude, in des­sen Erdgeschoss meh­re­re klei­ne Läden unter­ge­bracht waren. Dazwischen befand sich etwas ver­steckt in einer klei­nen Einbuchtung ein Hauseingang. Die schma­le Haustür war äußerst unauf­fäl­lig. An der Seite waren an der Wand eine Vielzahl von Briefkästen befes­tigt, aus denen vie­le Prospekte herauslugten.

„Das sehen die meis­ten, die hier ein­kau­fen gar nicht“, sprach Karl. „Über den Geschäften befin­den sich rie­si­ge Wohnanlagen. Kommt mit rein.“ Er öff­ne­te die Haustür, die nur ange­lehnt war. Direkt dahin­ter begann ein dunk­ler Flur, der in einem tris­ten Hinterhof mün­de­te. Hier stan­den Mülltonnen, Fahrräder, die offen­sicht­lich schon bes­se­re Tage gese­hen hat­ten und Berge von Sperrmüll her­um. Auf bei­den Seiten befan­den sich wei­te­re Türen, die wahr­schein­lich in die Treppenhäuser mündeten.

Karl ging zum Ende des Hinterhofes und die Jugendlichen folg­ten ihm zu einer alten, gemau­er­ten Garage ohne Tor. Das höl­zer­ne Dach war nur noch stel­len­wei­se intakt. In dem offe­nen Raum stan­den wei­te­re Mülltonnen und Wertstoffsäcke. Die wil­den Vier schau­ten sich skep­tisch um. Hier soll­te es einen Eingang zu den unter­ir­di­schen Gewölben geben? Was hat­te die­ser Karl mit ihnen vor? Jäh wur­den sie aus ihren Gedanken gerissen.

„Helft mir mal, wir müs­sen das Zeug wegschaffen.“

Der Mann begann, die gel­ben Wertstoffsäcke und Papierbündel aus einer Ecke der Garage zu schlep­pen und neben dem Eingang auf­zu­tür­men. Die wil­den Vier und Daniel hal­fen ihm. Elvis ver­stand den Sinn der Übung nicht so recht und lief ihnen auf­ge­regt zwi­schen den Beinen her­um, was die Arbeit nicht nur gering­fü­gig verzögerte.

„Mensch, Elvis, ein Glück, dass wir dich dabei­ha­ben“, mein­te Kerstin und ver­zog iro­nisch die Mundwinkel.

Schließlich war die Garagenecke aus­ge­räumt. Der Mann zeig­te stumm auf zwei gro­ße Kanaldeckel, die in den Boden ein­ge­las­sen waren.

„Hier, einer der bei­den ist der Eingang in das Kellergewölbe.“

Die wil­den Vier kamen näher und betrach­te­ten die bei­den Deckel. Auf dem lin­ken stand in der Einfassung „HBT 367/19362 VFG Ludwigshafen“. Auf dem rech­ten Deckel konn­ten sie nur den Text „67065 Ludwigshafen“ erken­nen. Der Rest war zu undeutlich.

„Welche ist der rich­ti­ge?“, frag­te Kevin.

Bevor Karl ant­wor­ten konn­te, trumpf­te Marc auf: „Das ist doch klar! Ich weiß ganz genau, wel­cher der bei­den Kanaldeckel der rich­ti­ge ist.“

Frage: Welches ist der rich­ti­ge Eingang und warum?

Antwort: .3991 ties tsre se tbig lhaztieltsoP egil­letsfnüf eiD .?nefahsgiwduL 56076? the­ts lekceD neth­cer med fuA .egith­cir red tsi gnaguZ eknil reD

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 5

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Im Keller des Rathauscenters

Autor: Harald Schneider

Der nächs­te Tag begann ent­täu­schend. Normalerweise hät­ten sie heu­te in der ers­ten Doppelstunde Geschichte bei Herrn Gimpel. Gleich in der ers­ten Pause woll­ten die wil­den Vier ihn wegen des Rathauscenters interviewen.

Leider kam es dazu nicht. Ein Vertretungslehrer teil­te ihnen mit, dass Herr Gimpel eine Weiterbildung mach­te und des­halb heu­te kei­nen Unterricht abhal­ten wür­de. Die Enttäuschung war klar. Doch was soll­ten sie machen?

Am Nachmittag kamen Marc und Sandra schlecht gelaunt zu den Zwillingen in den Clubraum. Kerstin saß auf der Couch und las Zeitung.

„Mist, was machen wir jetzt nur? Jede Stunde, die wir war­ten, kann zu unse­rem Nachteil sein. Irgendjemand ist gera­de dabei, das Geheimnis des Schatzes zu ent­de­cken. Und ob der so ehr­lich ist wie wir, mag ich bezweifeln.“

„Hört euch das mal an“, fiel Kerstin ihrem Bruder ins Wort. „Das bringt uns zwar nicht wei­ter, ist aber immer­hin ein Versuch wert.“

Kerstin fal­te­te die Zeitung zusam­men, sodass nur noch ein Artikel zu sehen war. Sie las vor:

„Die Stadtverwaltung infor­miert: Morgen fin­det um 15 Uhr im Keller des Rathauscenters eine Fahrradversteigerung des Fundbüros statt. Sämtliche Fahrräder, die seit mehr als einem Jahr im Fundus ste­hen und noch nicht abge­holt wur­den, wer­den zu einem Startpreis ab 1€ ver­stei­gert. Hierzu ist die Bevölkerung der Stadt Ludwigshafen herz­lich ein­ge­la­den. Interessenten benut­zen bit­te den Aufzug in der Empfangshalle, um in das ers­te Untergeschoß zu gelan­gen. Der Weg zum Versteigerungsort ist aus­ge­schil­dert. Hochachtungsvoll — Die Oberbürgermeisterin.“

„Na, wenigs­tens ein klei­ner Hoffnungsschimmer. Da kön­nen wir uns bestimmt unauf­fäl­lig umschau­en. Jetzt brau­chen wir nur noch einen Plan des Kellers.“

„Ich wür­de mir da kei­ne so gro­ße Hoffnung machen. Der Keller unter dem Rathauscenter ist nicht sehr alt. Das Kellergewölbe vom Hauptbahnhof wur­de damals zuge­schüt­tet, wie der Archivar gesagt hat.“

Kevin wipp­te ner­vös von einem Fuß auf den ande­ren. „Egal, ich halt die Warterei nicht mehr aus. Ich geh jetzt zu Herrn Gimpel. Vielleicht ist er schon zu Hause.“

„Okay, ein Versuch ist es auf jeden Fall wert“, stimm­te Kerstin zu. „Er wohnt zum Glück nur zwei Straßen weiter.“

„Ich hät­te nie gedacht, dass ich den Gimpel mal frei­wil­lig besu­che“, sag­te Kevin, dem das Fach Musik ein Graus war.

Die Kameraden brauch­ten kaum zwei oder drei Minuten, bis sie am Haus des Lehrers ange­kom­men waren. Kerstin drück­te fest auf die Klingel. „Und jetzt alle mal Daumen drücken!“

In die­sem Moment öff­ne­te sich die Haustür und eine Frau in einem geblüm­ten Kleid frag­te sie: „Ja, bitte?“

„Entschuldigen Sie, Frau Gimpel. Ist ihr Mann zu spre­chen? Es ist sehr wichtig!“

„Das kommt aber nicht gera­de oft vor, dass die Schüler mei­nes Mannes ihn daheim besu­chen. Ihr habt Glück, er ist vor fünf Minuten heim­ge­kom­men. Kommt rein.“

Frau Gimpel gelei­te­te die vier, die ohne Elvis unter­wegs waren, ins Arbeitszimmer ihres Mannes. Der Lehrer war höchst erstaunt, die wil­den Vier zu erblicken.

„Das ist aber eine Überraschung.“ Er rück­te die klei­ne, ecki­ge Lesebrille auf sei­ner Nase zurecht. „Ihr habt nicht etwa Sehnsucht nach mir? Ich war doch nur ein Tag weg, mor­gen kom­me ich wie­der.“ Er mach­te eine nach­denk­li­che Pause, bevor er fort­fuhr: „Oder habt ihr wie­der einen eurer berühm­ten Streiche gemacht und wollt mich see­lisch auf etwas vor­be­rei­ten, was mich mor­gen in der Schule erwartet?“

„Nein, nein, nichts der­glei­chen, Herr Gimpel“, wehr­te Sandra lachend ab. „Wir brau­chen ihre Hilfe als Experte für eine Recherche, die sich mit der Vergangenheit von Ludwigshafen befasst.“

Herr Gimpel strahl­te. Wenn man ihn als Experte bezeich­ne­te, wuchs er über sich hin­aus und man konn­te von ihm haben, was man woll­te. Oft genug hat­ten die Schüler die­sen Trick erfolg­reich ange­wandt, um sich auf die­se Weise vor einer unlieb­sa­men Hausaufgabenüberprüfung zu drücken.

„Ich wuss­te gar nicht, dass ihr euch mit der Vergangenheit eurer Heimatstadt befasst. Das freut mich sehr. Ich habe jede Menge Bücher und Schriften. Ich kann euch stun­den­lang dar­über erzählen.“

„Danke, Herr Gimpel“, Sandra ver­such­te, den Redefluss ihres Lehrers in die rich­ti­ge Richtung zu len­ken, bevor er sie mit Monologen zu Tode lang­weil­te. „Wir inter­es­sie­ren uns im Moment nur für den alten Hauptbahnhof. Dort, wo jetzt das Rathauscenter steht. Haben Sie davon viel­leicht alte Pläne?“

„Pläne? Nein, so etwas habe ich nicht. Dafür ist das Stadtarchiv zuständig.“

Die Enttäuschung war groß für die wil­den Vier. Allesamt lie­ßen sie ihre Köpfe hän­gen. Mist — wie­der eine Sackgasse.

„Vielleicht rei­chen euch Fotos? Ich habe damals jeden Baufortschritt foto­gra­fiert. Es war eines der größ­ten Bauvorhaben in der Geschichte von Ludwigshafen.“

Die wil­den Vier horch­ten auf. „Haben Sie auch Fotos vom Abriss? Sieht man da den Keller des Bahnhofes?“, hak­te Kevin nach.

Herr Gimpel hob die Hand. „Langsam lang­sam, am bes­ten hole ich die alten Ordner. Bitte setzt euch an den Tisch, es dau­ert einen Augenblick, bis ich alles gefun­den habe.“

Zufrieden setz­ten sich die Jugendlichen an den Tisch. Es hat­te sich anschei­nend gelohnt, ihren Lehrer zu besu­chen. Wenige Minuten spä­ter kam Herr Gimpel mit vier dicken Ordnern an. Schnaufend leg­te er sie auf dem Tisch ab.

„Papier ist schwer. Diese Ordner brin­gen ein paar Kilogramm auf die Waage. In die­sem habe ich die Fotos archi­viert.“ Er schlug einen der Ordner auf und schon blick­ten die wil­den Vier auf Fotos des ehe­ma­li­gen Hauptbahnhofes.

„Die Bilder sind chro­no­lo­gisch abge­legt“, erklär­te Herr Gimpel. „Wenn ihr wei­ter­blät­tert, kommt der Abriss, danach der Neubau bis hin zur Einweihungsfeier.“

Marc, der vor­ne saß, blät­ter­te um. Zuerst kamen ein paar Seiten mit allen mög­li­chen Ansichten des Bahnhofes. Doch dafür hat­ten sie kei­ne Zeit. Schließlich kamen Fotos vom Abriss des Gebäudes. Immense Schuttberge lagen auf der Straße und wur­den von gro­ßen Muldenkippern abgefahren.

Das Fotoalbum erwies sich als Goldgrube. Eine Seite wei­ter war das ober­ir­di­sche Gebäude ver­schwun­den und Bagger gru­ben die Fundamente des Kellers aus. Die Jugendlichen waren erstaunt über die Weiträumigkeit der Baugrube.

„Das war ein rie­si­ger Irrgarten da unten“, kom­men­tier­te Kerstin die Fotos. „Der Keller ist sogar meh­re­re Stockwerke tief. Wie hat man sich da nur zurechtgefunden?“

„Das weiß ich lei­der auch nicht“, gab der Lehrer zu. „Aber du musst nicht glau­ben, dass der Keller des neu­en Rathauscenters klei­ner ist. Im Gegenteil, der Untergrund ist hoch­kom­plex. Und unten fah­ren sogar zwei­stö­ckig die Straßenbahnen. In Nord-Süd-Richtung vom Hemshof zur Stadtmitte und in Ost-West-Richtung von Mannheim zum neu­en Hauptbahnhof.“

Kevin wur­de unru­hig. „Ist der Keller mit den Tunnels für die Straßenbahnen verbunden?“

Herr Gimpel nick­te. „Sicher, das muss aus Sicherheitsgründen so sein. Ein Großteil des Kellers gehört der Stadtverwaltung, die dort Sachen lagert und archi­viert. Andere Teile des Kellers gehö­ren zu den vie­len Geschäften, die im Center sind, ein wei­te­rer Teil gehört zu den Verkehrsbetrieben, wie zum Beispiel die Tunnels.“

Marc blät­ter­te wei­ter. Nun war die lee­re Baugrube zu sehen, die gera­de für den neu­en Keller vor­be­rei­tet wur­de. „Was sind das für Holzvertäfelungen an den Wänden zur Baugrube, Herr Gimpel?“

Ihr Lehrer nahm sich den Ordner, rück­te sich sei­ne Brille zurecht und stu­dier­te das Foto. „Ihr müsst wis­sen, dass das Kellersystem des Hauptbahnhofes teil­wei­se bis unter die Fußgängerzone reich­te, die damals aber noch kei­ne Fußgängerzone war. Teilweise wur­den die Keller im Krieg als Fluchtstollen benutzt oder bei Bombenangriffen als Bunker. Da man beim Bau des Rathauses nicht die gan­ze Fußgängerzone auf­gra­ben konn­te, um die Stollen und Gänge zu ent­fer­nen – das wäre viel zu teu­er gewor­den – hat man ein­fach die Zugänge ver­mau­ert und anschlie­ßend die neue Kellerwand betoniert.“

Jetzt waren alle vier auf­ge­regt. Sandra frag­te: „Wissen Sie, ob es einen ande­ren Zugang zu die­sem Stollensystem gibt?“

„Das glau­be ich nicht. Ich habe jeden­falls nichts mehr davon gehört. Vom Rathauscenter aus dürf­te alles dicht sein. Ob die Stollen irgend­wo anders einen Ausgang haben, ent­zieht sich mei­ner Kenntnis.“

Der Besuch hat­te sich gelohnt. Die wil­den Vier waren sich sicher, dass es irgend­wo einen Zugang zu die­sem Stollensystem gab und dass dort das Vermögen von Juttas Opa ver­steckt sein musste.

Es dau­er­te eine Weile, bis sie sich von ihrem Geschichtslehrer ver­ab­schie­den konn­ten. Es wäre zum einen sehr unhöf­lich und zum ande­ren sehr auf­fäl­lig gewe­sen, wenn sie sofort nach die­ser Eröffnung gegan­gen wären. So muss­ten sich die vier die Fotoalben bis zum Ende anschau­en und hat­ten nun immer­hin den Vorteil, sich im Rathauscenter eini­ger­ma­ßen aus­zu­ken­nen. Selbst an Orten, an denen sie vor­her noch nie waren.

„Wow, das war ja ein rich­ti­ger Volltreffer“, freu­te sich Sandra, als sie wie­der im Clubraum zusam­men­sa­ßen und über die Ereignisse sprachen.

„Morgen schau­en wir uns bei der Versteigerung um. Ich glau­be zwar nicht, dass das was bringt, man soll aber nichts unver­sucht las­sen, wie uns das Beispiel Gimpel gera­de gezeigt hat.“

„Marc kann sich dann ein neu­es Rad erstei­gern“, läs­ter­te Kevin. „Sein jet­zi­ges quietscht der­ma­ßen, dass es eigent­lich eine akus­ti­sche Körperverletzung ist.“

Eine Viertelstunde vor 15 Uhr gin­gen die wil­den Vier durch die gro­ße Drehtür, die die Einkaufsmall vom Rathaus trenn­te. Die Aufzüge befan­den sich weni­ge Meter dahin­ter. Kurz dar­auf kamen die Freunde im Kellergeschoss an. Sie waren die ein­zi­gen, die mit dem Aufzug nach unten fuh­ren. Sie erblick­ten einen lan­gen Flur, der von einer gan­zen Reihe Leuchtstofflampen erhellt wur­de. Gegenüber der Aufzugstür kleb­te ein Zettel mit dem Hinweis „Zur Versteigerung“ und einem dicken Pfeil nach rechts.

„Das kann ja lus­tig wer­den“, sag­te Kevin, als sie das drit­te Mal in einen ande­ren Flur abbo­gen und dabei immer noch den Hinweisschildern folg­ten. „Da muss man ein paar Semester Labyrinthologie stu­die­ren, bevor man sich hier unten aus­kennt“, wit­zel­te Sandra.

Der Weg war immer noch nicht zu Ende. Zahlreiche Türen mün­de­ten in die ver­schie­de­nen Flure, meist waren sie nur mit Zahlen beschrif­tet. Ein letz­tes Mal muss­ten sie die Richtung wech­seln und nach links abbie­gen, dann erreich­ten sie einen grö­ße­ren Raum und waren am Ziel. Etwa ein gutes Dutzend Leute stan­den her­um und schau­ten sich die vie­len Fahrräder an, die in meh­re­ren Reihen auf­ge­stellt waren. Auf der einen Seite stand ein Tisch mit einem Schild „Auktionator“. Hier soll­te also die Versteigerung stattfinden.

Die wil­den Vier mim­ten zunächst Interesse, da sie die ein­zi­gen Jugendlichen im Raum waren und somit unter beson­de­rer Beobachtung stan­den. Bis zum Beginn der Versteigerung kamen wei­te­re Interessenten hinzu.

Die wil­den Vier rück­ten immer wei­ter ans Ende der Menschentraube. Nach einer Weile stan­den sie ganz hin­ten. Da der Leiter der Auktion die Anwesenden mit viel Humor in sei­nen Bann schlug, fiel es nicht auf, als die vier sich ver­krü­mel­ten. Leise schli­chen sie in einen Nebengang. Als sie außer Hörweite waren, frag­te Marc: „Und was machen wir jetzt? Ich habe die Orientierung ver­lo­ren. Ich weiß nur noch, wo oben und unten ist und selbst da bin ich mir nicht mehr so sicher.“

„Kein Problem“, ant­wor­te­te Sandra und zück­te ihren Kompass. „Hier ist Süden.“ Sie deu­te­te nach rechts. „Im Süden grenzt das Rathauscenter an die Bismarckstraße, das ist dort, wo ver­mut­lich die Gänge sind.“

Das Quartett bog nach rechts ab und lief einen wei­te­ren Flur ent­lang. Dieser ende­te aller­dings in einer Sackgasse. „Das scheint in die­sem Stockwerk der süd­lichs­te Flur zu sein“, stell­te Kerstin fest. „Wir müs­sen also in einen der Räume rein.“ Sie deu­te­te auf eine Reihe von Türen.

Marc drück­te ziel­stre­big eine Türklinke nach der ande­ren. Er lief den Flur ent­lang und hat­te bei der vier­ten Tür Glück. Sie war nicht abge­schlos­sen. „Los, kommt alle schnell mit rein, bevor uns noch einer erwischt.“

Sie kamen in einen Raum, in dem altes Mobiliar gela­gert wur­de. Schreibtische stan­den gesta­pelt auf der einen Seite, Schränke auf der ande­ren. „Toll, und was sol­len wir hier?“, frag­te Kevin. „Ihr wisst selbst, dass die Gänge alle zube­to­niert wurden.“

„Wer weiß, viel­leicht hat man irgend­wo ganz bewusst einen Zugang offen­ge­las­sen“, mein­te Sandra und sah sich um. „Wir soll­ten die Hoffnung nicht auf­ge­ben, zumal wir so nah dran sind. Blöd ist, dass aus­ge­rech­net auf der Südseite des Raumes die schwe­ren Schränke stehen.“

Kerstin klet­ter­te auf einen Schreibtisch, um auf die Oberseite der Schränke schau­en zu kön­nen. „He Leute, kommt mal hoch. Die Wand über die­sem Schrank sieht irgend­wie viel rau­er und abge­brö­ckelt aus.“

Im Nu stan­den die vier auf dem Schreibtisch und schau­ten in die glei­che Richtung wie Kerstin. „Mensch Kerstin, das ist bloß Schmutz und Spinnweben. Was soll dar­an beson­ders sein?“

„Vielleicht hast du Recht. Vielleicht aber nicht.“ Gekonnt sprang Kerstin vom Tisch und ging zu einem gro­ßen Aktenschrank. Mit aller Kraft ver­such­te sie, ihn auf die Seite zu schieben.

„Der ist schwer wie Blei“, ächz­te sie. „Los, jetzt helft mir end­lich!“ Gemeinsam ver­such­ten sie, den Aktenschrank zu bewe­gen. Doch er war zu schwer.

„Das liegt an der Reibung“, über­leg­te Sandra laut. „Raues Holz auf Steinfußboden ist nicht sehr gleit­fä­hig. Ich glau­be, ich habe eine Idee.“ Sandra ging in die ande­re Raumecke, in der ein Stapel alter Decken lag und schnapp­te sich eine.

„Gute Nacht“, läs­ter­te Marc. „Willst du etwa schla­fen gehen oder was soll das?“

„Ich will ganz bestimmt nicht schla­fen“, erwi­der­te Sandra ver­är­gert. „Dafür hast du wohl im Physikunterricht gepennt. Los, ihr zwei Muskelprotze, drückt den Schrank zur Seite, sodass er nur noch auf der Querseite Bodenkontakt hat.“

„Ich ver­ste­he“, sag­te Kerstin. Und schon zeig­te sie den Jungs, was sie und Sandra mein­ten. Zu Dritt kipp­ten sie den Schrank schräg, sodass er fast umge­fal­len wäre, wenn nicht ein wei­te­rer Schrank neben­an gestan­den hätte.

Sandra schob nun die Decke unter den teil­wei­se hoch­ge­ho­be­nen Schrank, wobei sie eine Wulst bis zur Kante drück­te. „Jetzt könnt ihr den Schrank lang­sam wie­der run­ter­las­sen, und dann machen wir das glei­che Spiel auf der ande­ren Seite.“

Als der Aktenschrank nun zur ande­ren Seite gekippt war, konn­te Sandra die Deckenwulst her­aus­zie­hen. Der Schrank stand jetzt kom­plett auf der Decke.

„Und was soll das Ganze?“, frag­te Marc immer noch skeptisch.

„Reibung heißt das Zauberwort“, ant­wor­te­ten Kerstin und Sandra im Chor und Kerstin ergänz­te: „Lasst uns an der Decke zie­hen. Kevin, du passt auf, dass der Schrank seit­lich nicht umkippt.“

Ohne gro­ße Kraftanstrengung ließ sich der schwe­re Aktenschrank nach vor­ne zie­hen. Die Decke hat­te die Reibungskräfte zum Fußboden stark ver­min­dert. „Bingo, Volltreffer! Da ist tat­säch­lich ein Durchbruch in der Wand!“, rief Sandra begeistert.

Es war kei­ne Tür im her­kömm­li­chen Sinn. Es sah eher nach einem aus­ge­frans­ten, run­den Loch aus. „Das gibt es doch nicht“, rief Kevin auf­ge­regt. „Dieses Loch wur­de ein­deu­tig erst spä­ter rein­ge­stemmt. Warum hat man nicht gleich eine rich­ti­ge Tür eingebaut?“

„Vielleicht ist man erst spä­ter auf die Idee gekom­men, die alten Stollen zu unter­su­chen, und der Durchgang war die schnells­te Möglichkeit“, ver­mu­te­te Marc und beäug­te neu­gie­rig das Loch in der Wand.

„Egal, ich will da rein!“, beschloss Sandra. „Ihr habt doch eure Taschenlampen dabei, oder?“

Marc war schon durch das Loch in der Betonwand ver­schwun­den.  „Beeilt euch, hier fängt ein Gang an.“

Der Stollen war recht gut erhal­ten und mit über zwei Metern Höhe nicht gera­de klein. Die Wände waren aus Backsteinen gemau­ert und mit Spinnweben und Schmutz über­zo­gen. Bereits nach kur­zer Zeit mün­de­te der Gang in einem qua­dra­ti­schen Raum.

„Da gehen gleich drei Stollen ab. Wir sind mit­ten im Labyrinth der tau­send Gänge“, wit­zel­te Kevin.

„Falsch, mein lie­ber Bruder.“ Kerstin schüt­tel­te den Kopf. „Ein Labyrinth hat näm­lich immer exakt einen Eingang und einen Ausgang. Das, was wir hier haben, ist ein Irrgarten. Und für sol­che Fälle habe ich stets ein Stück Kreide dabei.“

Kerstin mar­kier­te den Weg, auf dem sie her­ge­kom­men waren mit einem Dreieck. Nun mal­te sie neben dem rech­ten der drei Stollen ein Viereck. „Lasst uns die­sen Weg nehmen.“

Die ande­ren folg­ten ihr. Dieser Weg war ziem­lich kurz und ende­te als Sackgasse in einem win­zi­gen Kämmerchen. „Sackgasse, Fehlanzeige. Wir müs­sen zurück“, bestimm­te Kerstin.

Die vier benö­tig­ten nur eine Minute, um zurück in den vor­her­ge­hen­den Raum zu gelan­gen. Diesmal mar­kier­te Kerstin den mitt­le­ren Weg mit einem Fünfeck. Dieser Stollen war deut­lich län­ger als der vor­he­ri­ge. An einer Stelle ging es sogar über meh­re­re Treppenstufen nach unten.

Kevin, der vor­aus­ging, blieb hin­ter einer schar­fen Biegung so abrupt ste­hen, dass die ande­ren ihn fast umrannten.

„He, was ist los?“, schimpf­ten sie.

„Das ist los!“ Kevin leuch­te­te auf einen Erdrutsch, der den Stollen verschüttete.

„Na toll, wenn das der rich­ti­ge Weg zum Schatz ist, haben wir ein mas­si­ves Problem. Das krie­gen wir wahr­schein­lich nicht weg­ge­tra­gen.“ Marc trat an den Erdhaufen und betrach­te­te ihn verärgert.

„Davon abge­se­hen dürf­te es gefähr­lich sein. Vielleicht rutscht dann noch mehr nach?“

„Kommt, lasst uns umkeh­ren“, schlug Sandra vor. „Einen Weg haben wir ja noch.“

So mach­ten sich die wil­den Vier in dem schmut­zi­gen Stollen erneut auf den Rückweg. Zum Glück schien es genü­gend Sauerstoff zu geben. Nach eini­ger Zeit waren sie am Ausgangspunkt angelangt.

Angespannt folg­ten sie dem letz­ten noch ver­blie­be­nen Stollen. Es schien, als ver­lief der Gang mehr oder weni­ger par­al­lel zur Außenwand des Rathauskellers. Sandra, die die Führung über­nom­men hat­te, ent­deck­te auf dem Boden einen klei­nen Wasserfleck, und weni­ge Sekunden spä­ter ent­deck­te sie einen wei­te­ren. So ging es ein paar Mal, und die Flecken wur­den immer größer.

Schließlich stan­den sie erneut in einer Sackgasse. Oder viel­leicht doch nicht? Der Stollen war dies­mal näm­lich nicht durch einen Erdrutsch ver­stopft, es han­del­te sich viel­mehr um eine Tür. Und zwar eine mas­si­ve Eisentür.

„Dann lasst mich mal vor­bei“, tat sich Kevin wich­tig und hielt schon sei­ne Dietriche in der Hand. Vor Kevin war kein Schloss sicher, wenn es sich nicht gera­de um ein Sicherheitsschloss han­del­te. Dementsprechend benö­tig­te er nur ein paar Sekunden, bis die schwe­re Eisentür mit einem lei­sen Klick aufsprang.

Die vier leuch­te­ten in einen gro­ßen Raum, der dem­je­ni­gen mit den Schränken und Tischen ähnel­te, durch den sie vor­hin die Stollen betre­ten hatten.

„Wisst ihr was?“, sag­te Kerstin. „Wir sind wie­der im Rathauskeller. Dies ist nur ein zwei­ter … Mist, was ist das?“

Kerstin war in eine gro­ße Wasserpfütze getre­ten, die sich direkt vor der Tür befand.

„Jetzt habe ich auch noch nas­se Füße. Passt auf, dass ihr nicht auch rein­tre­tet. Kommt, lasst uns verschwinden.“

Kevin sprang als letz­ter über die Pfütze und schloss die Tür wie­der zu. Sie gin­gen durch den Raum und öff­ne­ten vor­sich­tig die Tür. Der Flur war leer. Doch in wel­che Richtung ging es jetzt zum Aufzug? Die wil­den Vier irr­ten durch die Gänge. Plötzlich stand ein Mann vor ihnen.

„Wo wollt ihr denn hin? Ihr seid doch nicht etwa auf Diebestour?“, sprach er sie mit stren­ger Stimme an.

Sandra reagier­te sofort: „Nein, nein, ent­schul­di­gen Sie bit­te. Wir waren bei der Fahrradversteigerung und haben uns auf dem Rückweg ver­lau­fen. Würden Sie uns bit­te heraushelfen?“

Der Mann lach­te. „Dann läuft ihr aber schon eine Weile hier unten her­um. Die Versteigerung ist seit über einer hal­ben Stunde vor­bei. Nun kommt mal mit.“

Die wil­den Vier staun­ten nicht schlecht, denn sie waren nur weni­ge Meter und zwei Abbiegungen von den ret­ten­den Aufzügen ent­fernt. Der Mann beglei­te­te sie nach oben bis zur Eingangshalle des Rathauses.

„Das nächs­te Mal nehmt lie­ber was zu essen mit, falls ihr euch wie­der ver­lauft“, wit­zel­te er zum Abschied.

Die Klassenkameraden durch­quer­ten die Mall mit den vie­len Geschäften und ver­lie­ßen das Rathauscenter in Richtung Bismarckstraße. Alle vier waren froh, end­lich wie­der Tageslicht zu sehen.

„Was machen wir jetzt? Wir waren schon so weit und haben doch ver­lo­ren“, beschwer­te sich Marc. „Warum muss­te die­ser Stollen nur ver­schüt­tet sein? Ich sag’s euch, das wäre unser Haupttreffer gewesen.“

„Jetzt war­te erst mal ab“, ant­wor­te­te Sandra. „Mich bedrückt etwas ganz ande­res. Und zwar, war­um da jemand kurz vor uns in den Stollen war.“

„Was?“, rie­fen die ande­ren drei überrascht.

Frage: Woran erkann­te Sandra, dass erst kurz vor­her jemand in dem Stollen gewe­sen sein musste?

Antwort: .nehes uz nedoB med fua nekcelfressaW nellotS mi ner-aw blahseD .nefua­leg eztüfpressaW eid hcrud iebad tsi dnu neter­teb rütllateM eid hcrud nellotS ned tah dnameJ

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 4

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Der mys­te­riö­se Freund 

Autor: Harald Schneider

„Marc, was ist heu­te mit dir los? Hör sofort auf, mit Kevin zu schwätzen!“

Herr Neumann klang sehr ver­är­gert, denn er ermahn­te Marc schon zum drit­ten Mal. Der Mathematikunterricht woll­te heu­te nicht so rich­tig in Schwung kom­men. Mal hat­ten Marc und Kevin es sehr wich­tig und stör­ten die hal­be Klasse mit ihrem Geflüster, mal waren es Sandra und Kerstin, die sich ange­regt unter­hiel­ten. Bei den Unterhaltungen dreh­te es sich natür­lich nicht um die bino­mi­schen Formeln, die Herr Neumann der Klasse erklä­ren wollte.

Die Unruhe der wil­den Vier steck­te schließ­lich auch den Rest der Klasse an, sodass der Klassenlehrer fast ver­zwei­fel­te. Mit einem „Muss ich euch erst mit einem Mathetest in der nächs­ten Stunde dro­hen?“, ver­such­te er den Unterricht zu ret­ten. Zum Glück läu­te­te in die­sem Augenblick die erlö­sen­de Pausenglocke.

Die wil­den Vier waren noch nicht rich­tig aus ihrem Klassensaal gestürmt, da rann­te ihnen Daniel win­kend entgegen.

„Hi, habt ihr was über die Karte her­aus­be­kom­men?“ Mit sei­ner Stimme über­tön­te er alle ande­ren Geräusche auf dem Flur.

„Zuerst muss unser Baby ganz schnell ler­nen, sei­ne Klappe zu hal­ten“, fuhr in Kerstin wütend an. Sie schau­te sich um, denn eini­ge Klassenkameraden waren neu­gie­rig ste­hen geblieben.

„Du klebst dir jetzt erst mal den Mund zu, und dann kommst du halt aus­nahms­wei­se mit uns. Aber das wird nicht zur Gewohnheit, verstanden?“

Gemeinsam und unter den auf­merk­sa­men Blicken man­cher Schüler gin­gen die fünf zu den Sitzbänken im Schulhof.

„Was machen wir jetzt?“, kam Marc sofort zur Sache. „Wir neh­men an, dass Opa Georg sein Geld im Hauptbahnhof ver­bud­delt hat. Jutta aller­dings denkt, dass es irgend­wo im Haus ver­steckt ist.“

„Die Karte muss nicht unbe­dingt stim­men“, gab Kerstin zu beden­ken. „Trotzdem soll­ten wir uns für alle Fälle das Haus in Ruhe anschau­en. Man kann nie wis­sen, was wir dabei so alles fin­den. Vielleicht gibt es noch mehr sol­cher Karten?“

„Ich inter­es­sie­re mich auch bren­nend für die Villa“, gab Kevin zu. „Die riecht förm­lich nach Abenteuer und Geheimnissen.“

„Und du Daniel, was machst du heu­te Mittag? Dir wird das doch bestimmt total lang­wei­lig wer­den, du kennst das Haus bestimmt in und aus­wen­dig“, ver­such­te Sandra den unge­be­te­nen Gast los­zu­wer­den. Doch Daniel blieb hartnäckig.

„Och nee, wisst ihr, allei­ne habe ich dort bis­her noch nie rum­ge­stö­bert. Ich weiß auch nicht, ob mir Tante Jutta das erlaubt hät­te. Und bis vor Kurzem wohn­ten dort ja auch noch ihre Eltern, die hät­ten das nicht zuge­las­sen. Daher gehe ich ger­ne mit euch zusam­men zu Jutta, das wird bestimmt aufregend.“

Seufzend been­de­ten die wil­den Vier das aus­sichts­lo­se Unterfangen, Daniel los­zu­wer­den. Sie muss­ten zurück in den Klassenraum, die nächs­te Stunde fing gleich an.

Herr Neumann hat­te in der nächs­ten Doppelstunde bedeu­tend weni­ger Mühe mit sei­ner Klasse. Die stö­ren­den Gespräche zwi­schen Kevin und Marc sowie Kerstin und Sandra unter­blie­ben. Alle vier dach­ten über das bis­he­ri­ge Geschehen bei Jutta nach und was heu­te Mittag wohl pas­sie­ren würde.

Dem Unterricht konn­ten sie trotz­dem nicht fol­gen. Herrn Neumann war das aus­nahms­wei­se egal, Hauptsache es herrsch­te Ruhe, wäh­rend er sei­ne end­lo­sen lehr­rei­chen Monologe herunterspulte.

Die Hausaufgaben erle­dig­ten die wil­den Vier in Rekordzeit, wenn auch auf Kosten der Qualität. Um 15 Uhr tra­fen sie sich an der Straßenbahnhaltestelle „Zum Schwanen“. Sie hat­ten Daniel zwar nichts von ihrem Treffpunkt gesagt, dass er aber trotz­dem auf sie war­te­te, wun­der­te sie über­haupt nicht mehr.

„Da bist du ja schon“, lächel­te Kerstin ihm süß­sauer zu. „Wir dach­ten, du hät­test es dir anders überlegt.“

Gemeinsam fuh­ren die vier mit Daniel und Elvis, den Marc dies­mal eng an der Leine führ­te, drei Haltestellen bis zum „Südweststadion“. Nach weni­gen hun­dert Metern hat­ten sie ihr Ziel erreicht. Ausgerechnet Juttas Freund Sven begeg­ne­ten sie im Vorgarten. Sofort fing Elvis wie­der an, unru­hig zu werden.

„Was ist denn mit dir los, Elvis?“, Langsam wur­de Marc sau­er auf sei­nen Dalmatiner. Sven mur­mel­te nur eine unver­ständ­li­che Begrüßung und ver­schwand in der Garage.

Da ent­deck­ten sie Jutta, die aus dem Haus kam. „Hallo, ihr seid pünkt­lich auf die Minute“, stell­te sie mit einem Blick auf die Uhr fest.

„Ist doch selbst­ver­ständ­lich. Schließlich wol­len wir auf Schatzsuche gehen“, ant­wor­te­te Sandra mit einem Grinsen.

Jutta Marsanek lach­te. „Langsam, lang­sam. Zuerst will ich euch das Haus zei­gen. Dann sehen wir wei­ter. Kommt rein. Übrigens, habt ihr Sven gesehen?“

„Dein Freund ist, als er uns gese­hen hat, in der Garage ver­schwun­den“, berich­te­te Kerstin. „Über unse­ren Besuch schien er sich nicht son­der­lich zu freuen.“

„Ich weiß auch nicht, was in ihn gefah­ren ist“, mein­te Jutta mit einem bedau­ern­den Schulterzucken. „Normalerweise ist er die Freundlichkeit in Person. Doch seit ges­tern ver­hält er sich komisch. Aber egal, jetzt gehen wir auf Besichtigungstour, okay?“

Die wil­den Vier und Daniel folg­ten Jutta. „Die Eingangshalle kennt ihr bereits“, begann Jutta mit der Führung. „Im Erdgeschoss gehen sämt­li­che Zimmer von die­ser Halle ab. Unterkellert ist die Villa nicht, dafür sind die ein­zel­nen Räume rie­sen­groß. Hier seht mal!“

Mit einer Handbewegung öff­ne­te sie die nächs­te Tür. Die Jugendlichen starr­ten in ein Badezimmer mit gigan­ti­schen Ausmaßen. „Dies war frü­her die Bibliothek. Bäder gab es damals noch nicht. Gleich neben­an ist die Küche, die ist noch ein Stück grö­ßer. Kommt mal mit.“

Das Staunen der fünf wur­de immer grö­ßer. Die Küche war, genau wie das Badezimmer, recht alt­mo­disch ein­ge­rich­tet. Über dem offe­nen Holzherd befand sich ein Regal, an dem Töpfe und Pfannen hingen.

„Mann, das ist ja wie im Film“, bewun­der­te Kerstin die Einrichtung. „Hier kann eine gan­ze Armada von Köchen gleich­zei­tig arbeiten.“

„Da hast du nicht mal so Unrecht. Meine Großeltern sol­len frü­her gro­ße Empfänge gege­ben haben. Da war dann rich­tig Leben in der Bude.“

„Puh, das wird schwie­rig mit der Suche.“ Kevin schüt­tel­te ungläu­big den Kopf. „Da kön­nen wir jah­re­lang suchen und haben immer noch nicht alles gese­hen. Der Schatz kann über­all ver­steckt sein.“

„Komisch, dass du den Schatz erwähnst“, nahm Jutta den Faden auf. „Jetzt wo du das sagst, fällt mir gera­de etwas ein. Ich selbst ver­mu­te, wie ich schon erwähn­te, dass mein Opa hier sein Vermögen ver­steckt hat. Aber Sven erwähn­te zuletzt öfters den ver­lo­ren gegan­ge­nen Brief. Ihr wisst schon, den mit dem Rätsel. Eigentlich will ich ihn die gan­ze Zeit über­re­den, dass wir die Suche end­lich ein­stel­len. Aber er ist so ver­narrt in die Idee, daher las­se ich ihm sei­ne Freude und hel­fe ein biss­chen mit. Ich glau­be aber trotz­dem, dass das alles nichts bringt.“

Nachdem sie den Rest der Räume im Erdgeschoss gese­hen hat­ten, gin­gen sie die knar­ren­de Treppe nach oben. Von der Empore gin­gen vier Türen ab, sowie eine klei­ne­re Stiege nach oben zum Speicher.

„Hier“, Jutta deu­te­te auf die Treppe nach oben, „geht es zum Dachboden, der voll mit Gerümpel und Kartons ist. Außerdem gibt es drei Schlafzimmer und einen lee­ren Raum, der frü­her mal als Hobbyraum für mei­nen Urgroßvater dien­te. Der hat näm­lich gemalt.“

Die Jugendlichen inspi­zier­ten sämt­li­che Räume des Obergeschoßes und gin­gen anschlie­ßend zum Dachboden. Der wirk­te wie eine rie­si­ge Halle mit schrä­gen Wänden. Überall stand Gerümpel her­um. Zum Abschluss besich­tig­ten sie den Garten. Jutta zeig­te ihnen zwei klei­ne­re Nebengebäude, die eben­falls mit aller­lei Trödel voll­ge­stopft waren. Schließlich gin­gen sie zurück ins Haus.

„Ich wür­de ger­ne noch­mal in dem gro­ßen Speicher nach­schau­en. Vielleicht ist in einem der vie­len Kartons ein Hinweis zu fin­den“, schlug Kevin vor.

Jutta nick­te zustim­mend. „Geht nur nach oben, ihr kennt ja den Weg. Da habt ihr euch den stau­bigs­ten Raum im gan­zen Haus aus­ge­sucht. Dort habe ich bis­her nur ganz wenig aus­ge­räumt. Ich trin­ke jetzt in Ruhe mei­nen Kaffee aus. Ihr könnt euch ja mel­den, wenn ihr etwas gefun­den habt.“

Die wil­den Vier stürm­ten sofort die Treppe hoch. Daniel natür­lich auch. Durch die klei­nen Dachluken drang nur wenig Sonne und die klei­ne Deckenlampe spen­de­te kaum Licht, des­halb wirk­te alles sehr düs­ter. Kerstin und Sandra schal­te­ten ihre Taschenlampen ein. Wahllos stö­ber­ten sie in den Kisten und Kartons.

Elvis fühl­te sich in dem unge­müt­li­chen und stau­bi­gen Raum wohl. Schnüffelnd such­te er sich ein beque­mes Plätzchen auf einem zer­lö­cher­tem Bettvorleger.

Die Jugendlichen wir­bel­ten bei ihrer Suchaktion viel Staub auf, der über­all zen­ti­me­ter­dick lag. In den ers­ten Kartons befan­den sich haupt­säch­lich alte Wäschestücke und ein paar hand­ge­mal­te Bilder.

„Eines weiß ich mit Sicherheit“, mein­te Marc, wäh­rend er einen wei­te­ren Karton öff­ne­te. „Ein Notebook wird da wohl nicht drin sein.“

Kerstin lach­te. „Das Modernste dürf­te der Bettvorleger sein, auf dem Elvis liegt. Und den hat­ten bestimmt schon die Neandertaler in Gebrauch!“

„Kommt mal alle her“, rief Sandra in die­sem Moment. Sie hielt einen Packen Briefe in der Hand, der mit einer Schleife zusam­men­ge­bun­den war. „Ob wir die öff­nen dürfen?“

„Na klar, die sind doch uralt“, stimm­te Marc zu. „Das stört nie­mand mehr. Los mach auf.“ Sandra zog die Schleife ab und unter­such­te auf­ge­regt die Aufschrift der Briefe.

„Hm, alles schwer zu lesen, ziem­lich ver­wit­tert und dann so ver­schnör­kelt. Der Adressat ist jedes Mal Georg Marsanek. Das sind offen­sicht­lich Briefe, die Juttas Opa bekom­men hat.“

Sie öff­ne­te den obers­ten Brief und zog ein ver­gilb­tes Blatt Papier aus dem Kuvert. „Mensch, das ist voll schwer zu ent­zif­fern. Ich ver­ste­he nur Bahnhof.“

„Wo steht da was mit Bahnhof?“, woll­te Kevin wis­sen und ver­such­te, ihr den Brief abzunehmen.

„Quatsch, das ist nur so eine Redewendung. Ich kann dar­in wirk­lich nichts Zusammenhängendes fin­den. Nur der letz­te Satz, der ist etwas deutlicher.“

Langsam las Sandra vor: „ … und hof­fe, dass du mir ver­zei­hen kannst. Dein ewi­ger Freund Herrmann Schrauber.“

„Damit kön­nen wir nicht all­zu viel anfan­gen“, seufz­te Kerstin. „Wir soll­ten die Briefe mit­neh­men und von jemand vor­le­sen las­sen, der sich mit die­ser alten Schrift auskennt.“

Da misch­te sich Daniel mit hoch­ro­tem Kopf ein. „Wie war der Name von dem Freund? Kannst du das noch mal sagen?“

„Herrmann Schrauber, war­um? Sag bloß, du kennst den? Das glaubt dir kein Mensch. Der Brief wur­de vor vie­len Jahrzehnten geschrie­ben!“ Sandra sah ihn spöt­tisch an.

„Nein, die­sen Herrmann ken­ne ich nicht.“ Daniel schüt­tel­te den Kopf. „Aber hal­tet euch fest, was ich euch zu sagen habe. Juttas Freund Sven heißt mit Nachnamen Schrauber!“

Diesmal war es Daniel tat­säch­lich zum ers­ten Mal gelun­gen, die wil­den Vier zu ver­blüf­fen. Sie schau­ten sich gegen­sei­tig an und waren sprach­los. „Bist du dir sicher, Daniel? Das ist ja die Bombe!“, rief Kerstin schließlich.

„Klar bin ich mir sicher. Was hat das jetzt aber zu bedeuten?“

„Na, kommst du nicht von allei­ne drauf?“, frag­te ihn Kevin und ver­dreh­te über Daniels Begriffsstutzigkeit die Augen. „Das ist doch son­nen­klar. Er wuss­te bereits vor­her über das Vermögen Bescheid. Und das war wohl der Grund, dass er sich bei Jutta ein­ge­schli­chen hat. Mensch, der Kerl will den Schatz fin­den und Jutta ist nur das Mittel zum Zweck. Sobald er das Geld gefun­den hat, haut er ab. Bestimmt.“

„Könnte sein“, spe­ku­lier­te Sandra. „Das wer­den wir gleich über­prü­fen. Kommt, wir gehen zu Jutta. Und kein Sterbenswörtchen von dem Brief, verstanden?“

Im Wohnzimmer ange­kom­men, fan­den sie Jutta beim Lesen einer Illustrierten vor. „Hallo Tante“, begann Daniel. „Du, weißt du zufäl­lig, wie Svens Opa heißt? Wir sind ins Gespräch gekom­men, da haben wir bemerkt, dass wir einen Jungen im Fußballverein haben, der mit Nachnamen wie Sven heißt. Kann es sein, dass der mit ihm ver­wandt ist?“

„Wie kommt ihr denn da jetzt drauf?“, woll­te Jutta wis­sen. „Keine Ahnung, ich weiß nicht, ob er einen Neffen in dem Alter hat. Bis jetzt hat er nichts davon gesagt. Svens Großvater väter­li­cher­seits hieß Herrmann mit Vornamen. Von sei­nen Großeltern müt­ter­li­cher­seits hat er mir nie erzählt.“

„Dann ist es bestimmt eine Verwechslung“, warf Kevin rasch ein. „Unser Bekannter mein­te, sein Opa hät­te Peter geheißen.“

„Schrauber ist ein häu­fi­ger Name. Aber nun erzählt mir von eurer Schatzsuche auf dem Dachboden. Habt ihr was erreicht?“

„Nein, bis­her war alles Fehlanzeige“, schal­te­te sich Sandra ein. „Du hat­test Recht, da sind tat­säch­lich Unmengen von Sachen. Man braucht Jahre, um das alles durchzusehen.“

„Ja“, fiel Kerstin ein. „Ohne Planung geht da gar nichts. Wir haben beschlos­sen, das Ganze sys­te­ma­tisch anzu­ge­hen. Wir wer­den uns einen Plan über­le­gen und dich dann wie­der besu­chen, Jutta. Ist das okay?“

„Na klar. Ich hab’s mir gedacht, dass das nicht ein­fach wird. Sagt mir Bescheid, wenn ihr eine Idee habt, wie man mit dem Chaos dort oben fer­tig wird. Meine Telefonnummer habt ihr ja.“

Die wil­den Vier ver­ab­schie­de­ten sich zusam­men mit Daniel. Sven konn­ten sie beim Verlassen des Grundstückes nir­gend­wo sehen.

„Wenigstens bleibt der uns im Moment erspart. Sonst hät­te ihn Elvis wie­der gejagt“, brumm­te Marc. „Aber sag mal, Kerstin, war­um haben wir so schnell gehen müs­sen? Ich hät­te ger­ne noch weitergesucht!“

„Würdest du ver­su­chen, ein wenig logisch zu den­ken, dann wüss­test du es bestimmt!“, fuhr ihn sei­ne Schwester an. Als Kerstin auch in den Gesichtern der ande­ren nur Fragezeichen sah, klär­te sie ihre Freunde auf: „Dass Svens Opa ein Freund von Georg Marsanek war, dürf­te wohl so gut wie sicher sein. An Zufälle die­ser Art glau­be ich nicht. Ich ver­mu­te, dass Sven die Geschichte von dem geheim­nis­vol­len Schatz von sei­nem Opa oder sei­nem Vater gehört hat. Nur aus die­sem Grund hat er sich wahr­schein­lich bei Jutta eingenistet.“

 „Und Jutta weiß wahr­schein­lich von alle­dem nichts“, füg­te Sandra mit böser Miene hin­zu. „Ihm geht’s also nur um das Vermögen von Georg.“

„Ja, so wird’s wohl sein“, über­nahm Kerstin wie­der das Wort. „Jutta hat selbst erwähnt, dass Sven nach dem Brief mit dem Rätsel sucht. Der Brief muss im Haus sein, wenn es ihn über­haupt gibt. Juttas Eltern haben ihn angeb­lich besessen.“

„Jetzt ver­ste­he ich das Ganze“, unter­brach sie ihr Bruder. „Sven sucht im Haus gar nicht das Vermögen, son­dern nur den Brief. Was nichts ande­res bedeu­tet, als dass der Schatz im Rathauscenter ist.“

„Sehr gut“, lob­te Sandra ihn mit einem Zwinkern. „Aber ob der noch dort ist, das gilt es jetzt raus­zu­fin­den. Da kam mir näm­lich vor­hin ein guter Gedanke. In der Nähe ist das Ludwigshafener Stadtarchiv. Dort darf jeder hin­ein, der sich über die Vergangenheit infor­mie­ren will. Ich den­ke, wir soll­ten uns Unterlagen über den alten Hauptbahnhof anschau­en. Also, wer kommt mit?“

Klar, dass alle mit­gin­gen. Es war nicht weit bis zur Rottstraße. Marc dreh­te sich alle paar Schritte ner­vös um, bis Daniel ihn schließ­lich frag­te: „Was ist denn? Hast du was verloren?“

„Nee, aber irgend so ein Typ läuft uns die gan­ze Zeit nach. Und immer, wenn ich mich umdre­he, ver­steckt er sich hin­ter einem Baum oder in einem Hauseingang.“

„Das wird bestimmt die­ser Sven sein“, mein­te Sandra und blick­te sich nun eben­falls um. „Ob der Lunte gero­chen hat?“

„Ich weiß nicht“, ant­wor­te­te Marc. „Irgendwie kommt mir der Verfolger klei­ner vor als Sven. Ich kann mich aber auch täu­schen. Er ist zu weit weg und dreht sich immer zur Seite, wenn ich ihn ansehe.“

„Und wenn schon, lass ihn doch“, wink­te Kevin ab. „Wir gehen bloß ins Stadtarchiv, das ist schließ­lich kein Geheimnis! Außerdem sind wir schon da.“

Auf den Stufen vor dem Eingang lun­ger­te ein Bettler her­um. Die drei schwar­zen Punkte auf sei­ner gel­ben Armbinde mach­ten deut­lich, dass er blind war. Teilnahmelos saß er hin­ter sei­nem Hut, der auf der unters­ten Stufe stand. Ohne ihn wei­ter zu beach­ten, gin­gen die fünf Jugendlichen an ihm vor­bei ins Gebäude des Stadtarchivs.

Schon der Vorraum sah geheim­nis­voll aus. Die Wände waren mit Plakaten aus alten Zeiten beklebt. Hier die Einweihung des Ebertparks vor bald 100 Jahren, dane­ben Filmplakate des alten Pfalzbaus. Insgesamt eine recht illus­tre Geschichte des jun­gen Ludwigshafens. Die fünf Jugendlichen inter­es­sier­ten die Plakate jedoch nicht. Zusammen mit Elvis, den Marc mit kur­zer Leine hielt, betra­ten sie ziel­stre­big den Hauptraum des Archivs.

Erstaunt blick­te der Archivleiter von sei­nem Schreibtisch auf, als er das Quintett bemerk­te. „Hallo, was wollt ihr denn hier? Ihr wisst schon, dass dies das Archiv ist und nicht die Jugendbibliothek?“

Misstrauisch blick­te er zunächst die Jugendlichen an, danach den Dalmatiner. Doch der blieb brav an Marcs Seite. „Ja natür­lich, das wis­sen wir“, ant­wor­te­te Kerstin. „Wir suchen Informationen über den alten Hauptbahnhof.“

Verwundert blick­te der grau­haa­ri­ge Mann sie durch sei­ne Nickelbrille an. „Nanu, das kann doch wohl nur ein Zufall sein. Ihr seid nicht die ers­ten. Heute war schon ein­mal jemand hier, der nach alten Plänen des Hauptbahnhofes such­te. Gehört ihr zusammen?“

Die wil­den Vier horch­ten auf. Nein, dass konn­te kein Zufall sein. Wer konn­te das wohl gewe­sen war?

„Es geht um ein Referat für die Schule“, log Marc. „Wir wis­sen nicht, was die­se ande­re Person woll­te. Vielleicht war es der Vater eines Klassenkameraden.“ Sandra beschrieb dem Archivar Juttas Freund.

Das leuch­te­te dem Archivar ein. Nach kur­zer Überlegung schüt­tel­te er den Kopf. „Nein, das war nicht der Mann, der vor einer Stunde bei mir war. Er war sehr kurz ange­bun­den und schien es sehr eilig gehabt zu haben.“ Er zuck­te mit den Schultern. „Dann inter­es­siert euch also auch das Kellergewölbe des Bahnhofes?“

Aha, der gro­ße Unbekannte wuss­te also auch, um was es ging.

„Genau dar­um geht es. Haben Sie Pläne, die wir uns anschau­en kön­nen? Dürfen wir die kopie­ren?“, frag­te Kevin zielstrebig.

„Immer mit der Ruhe, eins nach dem ande­ren“, wehr­te der Archivar ab. „Ich kann euch nur das Gleiche sagen wie dem Besucher vor­hin auch. Pläne gibt es, die lie­gen aber nicht so ein­fach her­um. Wir haben kilo­me­ter­wei­se Bücher und Akten, da braucht die Suche ein biss­chen Zeit. Ich den­ke, in zwei bis drei Tagen könnt ihr wie­der vor­bei­kom­men. Bis dahin habe ich euch das Gewünschte her­aus­ge­sucht. Selbstverständlich dürft ihr dann für eure Klassenarbeit Kopien anfertigen.“

„Das ist aber scha­de. So auf die Schnelle haben Sie kei­ne Unterlagen über den Hauptbahnhof?“, bet­tel­te Kerstin.

„Nein, nein, so schnell habe ich wirk­lich nichts. Allerdings habe ich den Bahnhof noch selbst erlebt. Deshalb kann ich euch sagen, dass er über rie­si­ge Kellergewölbe ver­füg­te, die teil­wei­se sogar mehr­stö­ckig waren. Aber macht euch kei­ne fal­schen Hoffnungen, da noch etwas zu fin­den. Als der Bahnhof abge­ris­sen wur­de, hat man alles zuge­schüt­tet. Davon ist abso­lut nichts mehr übriggeblieben.“

Einen Moment über­leg­te der Mann, dann schien er eine Idee zu haben. „Seid ihr aus der Schule im Stadtteil Mundenheim?“

Schweigend nick­ten die wil­den Vier.

„Dann kennt ihr bestimmt Herrn Gimpel. Der unter­rich­tet doch bei euch Geschichte?“

„Ja klar, den haben wir in Geschichte und Musik“. Marc hat­te das Thema schon abge­hakt und ant­wor­te­te ent­täuscht auf die Fragen des Archivars.

„Warum geht ihr nicht zu ihm? Er hat meh­re­re Bücher über Ludwigshafen geschrie­ben. Da waren auch Berichte über die Entstehung des Rathauscenters drin, dar­an kann ich mich gut erin­nern. Vielleicht kann der euch weiterhelfen?“

„Ja, das kann was wer­den“, über­leg­te Kerstin. „Vielen Dank. Wir wer­den Herrn Gimpel fra­gen, ob er uns hilft. Können Sie uns trotz­dem daheim anru­fen, wenn sie etwas in ihrem Archiv gefun­den haben?“

„Na klar mache ich das. Dafür bin ich schließ­lich da. Das Archiv steht für jeden offen. Auch für Schüler.“

Kerstin ging zum Schreibtisch und schrieb ihre Telefonnummer auf einen Zettel. „Vielen Dank, Sie haben uns sehr gehol­fen“. Die Jugendlichen ver­ab­schie­de­ten sich.

Daniel konn­te es kaum abwar­ten. Im Vorraum ange­kom­men, platz­te es aus ihm her­aus. „Mann, da sind noch mehr Gangster hin­ter unse­rem Schatz her. Wir müs­sen sofort zur Polizei. Das wird lang­sam gefährlich!“

„Langsam Junge“, hol­te ihn Sandra auf den Boden der Tatsachen zurück. „Du hast zu vie­le Krimis geschaut. Ich kann nicht erken­nen, dass dar­an was gefähr­lich sein soll. Im Moment wis­sen wir nur, dass es einen unbe­kann­ten Dritten gibt und der nicht iden­tisch mit Sven ist.“

„Und die­ser Typ, der uns vor­hin nach­ge­schli­chen ist? Was ist mit dem?“

„Keine Panik. Wir wären nicht die wil­den Vier, wenn wir das nicht raus­be­kom­men wür­den — He, was ist jetzt schon wie­der los?“

Elvis bekam wie­der einen sei­ner selt­sa­men Anfälle. Mit vol­ler Wucht zog er Marc die Stufen hin­un­ter und die Straße ent­lang. Kevin rann­te Marc nach, um ihm zu hel­fen. Die Mädchen stan­den mit Daniel an der Eingangstür und sahen den Dreien fas­sungs­los nach.

Elvis flitz­te mit Marc und Kevin an dem Bettler vor­bei, der nach wie vor auf den Stufen saß und ihnen etwas nach­rief.  „He, ihr zwei Jungs, passt auf. Rennt nicht so, die Straße ist gefährlich!“

Kurze Zeit spä­ter hat­te Marc die Situation wie­der unter Kontrolle. Nachdem er aus­gie­big mit sei­nem Dalmatiner geschimpft hat­te, waren die Jugendlichen end­lich für den Heimweg bereit.

Marc blieb kurz neben dem Bettler ste­hen und woll­te gera­de sei­nen Geldbeutel zücken, da stieß ihn Kerstin an und zisch­te: „Hör bloß auf, gib dem ja nichts. Das ist näm­lich ein gemei­ner Schwindler!“

Marc schau­te Kerstin erstaunt an. Was hat­te sie damit wohl gemeint?

Frage: Warum war der Bettler ein Schwindler?

Antwort: .nefua­liebrov mhi na sgnuJ iewz ssad ‚nessiw thcin nnak reltteB red­nilb niE

Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 3

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Die merk­wür­di­ge Karte 

Autor: Harald Schneider

Nachdem Kerstin zum zwei­ten Mal vom Telefon zurück­kam, erzähl­te sie freu­de­strah­lend von ihrem Telefonat: „Die Nummer war dies­mal ein Volltreffer, Marc. Wie hast du das nur gewusst?“

Marc woll­te gera­de etwas sagen, da fiel Kevin sei­nem Freund ins Wort und ent­geg­ne­te frech: „Klar wuss­te er es. Er badet schließ­lich jeden Samstag in dem Zeug!“

Im ers­ten Moment schau­te Marc etwas böse drein, doch dann bemerk­te er, dass er bloß auf den Arm genom­men wur­de. „Ich bade wenigs­tens regel­mä­ßig“, ant­wor­te­te Marc. „Bei dir dage­gen hält sogar Elvis min­des­tens zwei Meter Geruchsabstand!“

Wie auf Kommando schau­te Elvis auf. Bis jetzt hat­te er ruhig in einer Ecke gele­gen und vor sich hin­ge­döst. Nun stand er auf, lief zu Kevin, schnup­per­te an ihm und fing an zu niesen.

Kevin schau­te ungläu­big aus der Wäsche, wäh­rend sich sei­ne drei Freunde vor Lachen die Bäuche hielten.

„Elvis, du bist wirk­lich die schärfs­te Nummer“, sag­te Sandra, nach­dem sie sich wie­der etwas beru­higt hat­te. „Manchmal den­ke ich, du kannst Gedanken lesen.“

„Wuff“, bell­te der Dalmatiner und fing erneut an zu niesen.

„Jetzt erzähl end­lich, Kerstin“, ver­such­te Kevin auf das Telefongespräch zurück­zu­kom­men. „Was hat die Marsanek gesagt?“

„Alles im grü­nen Bereich, Leute. Frau Marsanek scheint schwer in Ordnung zu sein. Sie mach­te am Telefon einen sehr sym­pa­thi­schen Eindruck. Im Übrigen hat Daniel ihr schon von uns berichtet.“

„Oh ver­dammt. Das kann nur schief gehen. Der Tollpatsch Daniel hat ihr bestimmt gesagt, dass wir nur den Schatz fin­den wollen.“

„Du wirst lachen, genau das muss er sei­ner Tante gesagt haben.“

„Und nun? Die glaubt jetzt, dass wir ver­rückt sind. Wenn Daniel mit sei­nen Übertreibungen ein paar unse­rer Streiche erzählt hat, will die bestimmt nichts mit uns zu tun haben.“

„Da kann ich dich beru­hi­gen. Sie hat sich über unse­ren Anruf sehr gefreut. Und jetzt kommt das Tollste: Sie hat uns für mor­gen Mittag zum Tee ein­ge­la­den. Und Kuchen gibt es auch.“

„Wuff“, mach­te sich Elvis wie­der bemerk­bar. Alle lachten.

„He Elvis, du hast das falsch ver­stan­den. Der Kuchen ist für uns und nicht für dich. Dich wer­den wir daheim­las­sen müs­sen“, bemerk­te Marc.

„Auch wie­der falsch. Frau Marsanek hat nichts dage­gen, dass wir unse­ren Schlingel auf vier Beinen mit­brin­gen. Habe ich alles abgeklärt.“

„Hat sie noch etwas zu dir gesagt?“, frag­te Kevin. „Wie viel weiß sie denn über den Schatz?“

„Nicht viel. Sie glaubt selbst nicht so recht an die gan­ze Sache. Auf jeden Fall will sie uns mor­gen alles in Ruhe erklä­ren. Wir sol­len aller­dings nicht all­zu gro­ße Erwartungen haben. Sonst wären wir nach­her nur umso mehr enttäuscht.“

„Na wun­der­bar!“, Marc freu­te sich sicht­lich. „Endlich mal wie­der ein neu­es Abenteuer für die wil­den Vier!“

Pünktlich zur ver­ab­re­de­ten Zeit stan­den die wil­den Vier mit Elvis vor dem Haus von Jutta Marsanek. Es war eine alte Villa aus der Gründerzeit mit vie­len deko­ra­ti­ven Verzierungen im Mauerwerk. Noch bevor sie auf die alte Türklingel am Torpfeiler drü­cken konn­ten, wur­de die Haustür geöff­net und Daniel schrie ihnen durch den Vorgarten ent­ge­gen: „Na kommt schon. Wo bleibt ihr so lan­ge? Ich war­te schon eine Ewigkeit auf euch!“

„So lan­ge kann’s wohl nicht gewe­sen sein“, rief Sandra zurück. „Oder hast du heu­te mor­gen etwa wegen uns die Schule geschwänzt?“

Mittlerweile hat­ten die Jugendlichen das Haus fast erreicht. Elvis schnüf­fel­te hart­nä­ckig an einem Busch neben dem Weg. „Komm schon Elvis, lass das. Da ist nichts für dich.“ Nur mit ziem­li­cher Kraftanstrengung konn­te Marc sei­nen Dalmatiner von einer wei­te­ren Untersuchung des Gestrüpps abhalten.

„Tante, der Besuch ist da“, schrie Daniel in den gro­ßen Hausflur hinein.

„Ja ja, ich hab’s gehört, du brauchst nicht so zu schrei­en. So alt und schwer­hö­rig bin ich nicht.“

Die wil­den Vier waren erstaunt, eine so jun­ge Frau vor­zu­fin­den. Frau Marsanek moch­te höchs­tens 35 Jahre alt sein und war recht zier­lich gebaut. Ihre dunk­len lan­gen Haare hat­te sie zu einem Zopf zusam­men­ge­bun­den. Wohl auch, damit ihre run­den Silberohrringe, so groß wie Bierdeckel, bes­ser zur Geltung kamen.

Der zap­peln­de Daniel, der auf­ge­regt dane­ben­stand, pass­te mit sei­nem ver­grau­ten Jogginganzug so gar nicht zu ihr.

„Hallo“, lach­te Jutta Marsanek den Besuch an. „Da seid ihr ja. Ich freue mich sehr, euch ken­nen­zu­ler­nen. Daniel hat viel von euch erzählt.“ Nach kur­zem Zögern füg­te sie hin­zu: „Auch wenn ich glau­be, dass er bei sei­nen Berichten wohl etwas geflun­kert hat. Aber Kommissar Greulich hat mir heu­te Morgen ja auch von euch erzählt. Ich soll euch übri­gens schön von ihm grü­ßen. Er hat mir gesagt, dass ihr mir ruhig hel­fen könnt, denn dies­mal dürf­te es kaum so gefähr­lich sein wie beim letz­ten Mal, als ihr euch mit ech­ten Banditen ange­legt habt.“ Wieder lach­te sie. „Übrigens, ihr dürft ger­ne Jutta zu mir sagen, sonst füh­le ich mich so alt. Es ist schließ­lich noch nicht so lan­ge her, dass ich selbst die Schulbank gedrückt habe.“

„Tante“, unter­brach Daniel Juttas Redefluss. „Das ist der Dalmatiner mit der schwa­chen Blase, der über­all hinpinkelt!“

Marc schau­te ihn böse an und wäre ihm am liebs­ten an die Gurgel gesprun­gen. „He, wie sprichst du über unse­ren Elvis? Pass nur auf, dass er dich nicht eines Tages auf­frisst. Allerdings besteht die Gefahr nur, wenn er kurz vor dem Verhungern ist. Er ist näm­lich sehr ver­wöhnt, wenn es ums Futter geht.“

Jutta Marsanek stand sprach­los dane­ben und schau­te von einem zum ande­ren. „Oh, ich hat­te kei­ne Ahnung, dass ihr euch nicht son­der­lich mögt, aber viel­leicht kommt ihr erst mal rein. Dann sehen wir weiter.“

Daniel, die wil­den Vier und Elvis folg­ten Jutta ins Haus. Zunächst führ­te der Weg durch eine weit­räu­mi­ge und recht hohe Eingangshalle, wie man sie vor hun­dert Jahren zu bau­en pfleg­te, als man sich noch kei­ne Gedanken über die Heizkosten machte.

Nun bog die Gastgeberin links in ein noch grö­ße­res Zimmer ab. Die Einrichtung des Wohnraumes bestand aus alten, schwe­ren Plüschsofas, geschnitz­ten Schränken und einer Menge Landschaftsbilder, die rings­um an den Wänden hingen.

„Entschuldigt bit­te, dass es hier so alt und ver­staubt aus­sieht. Ich kann ver­ste­hen, wenn es euch nicht gefällt. Mein Geschmack ist das auch nicht. Das Zeug gehört alles mei­nen Eltern, ver­mut­lich haben die es von ihren Großeltern über­nom­men. Ich kann mich nicht erin­nern, dass jemals ein neu­es Möbelstück gekauft wur­de. Einmal wur­den die Wände gestri­chen, das ist jetzt aber auch schon vie­le Jahre her.“ Sie schau­te in die Runde und füg­te hin­zu: „Dabei hät­ten es die Wände bit­ter nötig.“

„Wo sind denn eigent­lich Ihre – äh, dei­ne Eltern?“, frag­te Kerstin.

„Ach so, das wisst ihr ja noch nicht“, ant­wor­te­te Jutta.                  „Meine Eltern sind vor ein paar Wochen in ein Seniorenwohnheim gezo­gen. Mein Vater hat­te einen klei­nen Schlaganfall und für mei­ne Mutter wur­de die Arbeit, die so ein gro­ßes Haus mit sich bringt, zu viel. Der Aufwand, es zu unter­hal­ten, ist immens. Und dann noch der Garten!“

„Und jetzt wohnst nur noch du hier?“

„Ja. Aber setzt euch erst ein­mal.“ Mit der rech­ten Hand mach­te sie eine Bewegung zu einem run­den Tisch aus dunk­lem Teakholz, auf dem Gedecke, eine Teekanne und zwei Kuchen standen.

„Ja“, wie­der­hol­te sie. „Seit mei­ne Eltern ins Seniorenheim gezo­gen sind, woh­ne ich hier allei­ne. Im Moment geht das noch, weil ich eine Weiterbildung mache. Ich muss kei­ne Miete zah­len und die Hausnebenkosten wie Strom und Wasser bezah­len mei­ne Eltern. Wenn ich aber nächs­tes Jahr mit der Weiterbildung fer­tig bin, will ich mit mei­nem Freund zusam­men­zie­hen. Aber in ein klei­ne­res Haus. Meine Eltern wer­den dann das Anwesen ver­mut­lich ver­kau­fen. Vom Leerstehen wird’s ja schließ­lich nicht besser.“

„Mann, so eine Bude als Treffpunkt für die wil­den Vier, dass wär’s!“, seufz­te Marc und ver­dreh­te ver­zückt die Augen.

„Du kannst ger­ne einen Staubsauger neh­men und das gan­ze Haus durch­sau­gen. Ich bin gespannt, ob dir das Haus dann immer noch gefal­len wird. — He, was macht denn euer Hund da?“, rief Jutta entsetzt.

Die wil­den Vier dreh­ten sich um und schau­ten in die glei­che Richtung wie Jutta. „Elvis, spinnst du? Komm sofort hier­her!“, schimpf­te Marc erschrocken.

Niemand konn­te sich erklä­ren, was auf ein­mal mit dem Dalmatiner los war. Elvis ver­such­te hart­nä­ckig mit sei­nen Vorderpfoten einen auf einem Wandregal ste­hen­den Blumenstrauß zu errei­chen. Fast hät­te er die Vase mit den Blumen erwischt und wahr­schein­lich ein Desaster ver­an­stal­tet. Marc ging zu Elvis und schimpf­te mit ihm.

„He Alter, was soll das? Du kannst nicht ein­fach die Blumen unse­rer Gastgeberin klau­en. Oder woll­test du die etwa futtern?“

 „Komm, bring ihn bes­ser mit an den Tisch. Soll er lie­ber ein Stück Kuchen fres­sen als mei­ne Blumen. Den Strauß habe ich ges­tern von mei­nem Freund bekom­men“, sag­te Jutta sicht­lich erleich­tert, als der Hund end­lich von der Vase abließ.

Daniel wuss­te es wie­der mal bes­ser. „Wenn das mein Hund wäre, hät­te ich ihn bes­ser erzo­gen. Das könnt ihr aber glau­ben“, gab Daniel hoch­nä­sig an.

Da wur­de Marc aber­mals wütend auf ihn. „Und wenn du mein Mensch wärst, dann hät­te ich dich schon längst im Menschenheim abgegeben!“

Jutta ver­such­te, die Sache zu been­den. „Ich den­ke, ich wer­de euch jetzt die Geschichte von mei­nem Großvater erzäh­len. Hoffentlich wird’s für euch nicht zu langweilig.“

„Ist das der, von dem die Karte stammt?“, unter­brach sie Kevin.

„Das ist gut mög­lich. Jedenfalls behaup­tet mein Vater, dass es sei­ne Handschrift ist. Aber er war ja selbst noch ein Kind, als er sei­nen Vater, Georg Marsanek das letz­te Mal sah.“

„Was ist denn mit ihm passiert?“

„Mein Großvater war Eisenbahner. Während des Krieges war er zustän­dig für die Verwaltung und den Betrieb des Hauptbahnhofs in Ludwigshafen. Eines Tages ver­schwand er spur­los. Man rech­ne­te schon mit dem Schlimmsten. Es muss irgend­ei­nen Streit mit der Stadtverwaltung gege­ben haben, das hat mein Vater her­aus­ge­fun­den. Georg Marsanek soll angeb­lich Geld unter­schla­gen haben, das mit Postsäcken in der Bahn trans­por­tiert wur­de. Das hat sich spä­ter zwar als Falschmeldung her­aus­ge­stellt, mein Opa blieb aber trotz­dem verschwunden.“

Marc zap­pel­te vor Spannung auf­ge­regt her­um. „Ist er nie mehr aufgetaucht?“

„Danach hat ihn dann tat­säch­lich nie­mand mehr gese­hen. Erst eini­ge Jahre spä­ter, als der Krieg vor­bei war, kam von ihm ein Brief aus Südamerika. Der Brief ist inzwi­schen ver­lo­ren gegan­gen, mein Vater kennt aber den Inhalt. Es soll eine Verschwörung gegen sei­nen Vater gege­ben haben und man woll­te ihn wegen den angeb­lich ver­schwun­de­nen Geldsäcken los­wer­den. Zum Glück hat­te er recht­zei­tig Lunte gero­chen und ist vor­her abge­hau­en. Er schrieb auch, wo er sein Vermögen ver­steckt hat­te. Das Ganze hat er aber als Rätsel getarnt, das nie­mand lösen konn­te. Irgendwann war der Brief dann ver­schwun­den und mit ihm das Geheimnis um das Vermögen.“

Jutta mach­te eine Pause, griff nach ihrer Tasse und nahm einen Schluck Tee. „Mein Opa muss zwei­fel­los reich gewe­sen sein. Ihm gehör­te die­ses Anwesen und er hat­te sogar eige­nes Personal bis hin zum Gärtner. Mein Vater hat dann zwar das Haus bekom­men, das Vermögen blieb aber bis auf den heu­ti­gen Tag ver­schol­len. Seltsamerweise hat das mei­nen Vater aber nie groß inter­es­siert. Er sag­te immer, dass gro­ße Reichtümer nur Schwierigkeiten mit sich brin­gen und wir auch so genü­gend Geld zum Leben hätten.“

Nun schau­te sie gedan­ken­ver­sun­ken an die Decke. Schließlich nick­te sie ver­son­nen. „Als Kind habe ich oft davon geträumt, den Schatz zu fin­den. Was bin ich über­all her­um­ge­kro­chen. Mein Vater mach­te sich dann immer über mich lus­tig und sag­te, dass Opa Georg sei­nen Schatz wohl kaum in sei­nem Anwesen ver­steckt hät­te. Als ich grö­ßer wur­de, ver­trau­te er mir an, dass sich sein Vater ver­mut­lich samt sei­nem Geld nach Südamerika abge­setzt hat.“

Marc wur­de wegen der span­nen­den Geschichte unru­hig. Um ein Haar hät­te er sei­nen Teller samt dem Kuchen vom Tisch gewor­fen. Elvis beob­ach­te­te die gan­ze Zeit den Teller. Hechelnd war­te­te er dar­auf, dass etwas für ihn abfiel.

„Wo hast du die Karte gefun­den, die wir bei Kommissar Greulich gese­hen haben? Sie scheint ja ein wert­vol­ler Hinweis auf den Schatz zu sein“, frag­te Kerstin gespannt.

„Das war rei­ner Zufall“, erzähl­te Jutta wei­ter. „Nachdem mei­ne Eltern ins Seniorenheim gezo­gen sind, habe ich begon­nen, den Speicher zu ent­rüm­peln. Dort lie­gen vie­le Sachen her­um, die mei­nem Opa gehör­ten. Einige davon sind sogar noch älter. Zwischen ein paar Büchern habe ich die­se Karte gefun­den. Da mei­ne Mutter Kommissar Greulich gut kennt und er uns frü­her schon öfters besuch­te, kam ich auf die Idee, ihm die Karte zu zei­gen. Er mein­te, dass dar­auf ein deut­li­cher Hinweis auf den Hauptbahnhof wäre, was ich mir aber nicht vor­stel­len kann. Warum soll­te Opa Georg aus­ge­rech­net an sei­nem Arbeitsplatz sein Vermögen ver­steckt haben?“

„Sonst hast du bis­her nichts gefun­den, was einen Hinweis geben könn­te?“, hak­te Kerstin nach.

„Nein. Du ahnst nicht, was hier alles an Gerümpel und Zeug rum­steht. Bei uns wur­de nie etwas weg­ge­wor­fen. Hier könn­test du Ludwigshafens größ­ten Flohmarkt eröff­nen. Wie wäre es mit einem defek­ten Bügeleisen aus den fünf­zi­ger Jahren oder einer Tischdeckensammlung aus der Weimarer Republik? Mein Freund Sven unter­stützt mich tat­kräf­tig beim Aufräumen, wenn er Zeit hat. Eigentlich mache ich das nur, weil mich alte Sachen fas­zi­nie­ren. Die gan­ze Aktion ist sehr span­nend, weil man nie weiß, was man im nächs­ten Moment aus einer alten ver­gam­mel­ten Kiste oder einem Schrank zieht.“

In die­sem Moment fing Elvis an zu knur­ren. Die wil­den Vier schau­ten sich ein­an­der erstaunt an, denn einen Grund dafür konn­ten sie nicht erkennen.

„Was ist los mit dir, Elvis? Du hast heu­te wirk­lich einen extrem unru­hi­gen Tag. Zuerst bellst du drau­ßen ein Gebüsch an, dann willst du die Blumen fres­sen und jetzt willst du dich wahr­schein­lich noch auf unse­ren Kuchen stür­zen. Aber nicht mit uns. Du bleibst schön da lie­gen!“, schimpf­te Marc, doch Elvis war anschei­nend aus einem ande­ren Anlass auf­ge­regt. Denn es hat­te jemand das Haus betre­ten. Elvis muss­te den Fremden gewit­tert haben.

„Ach, das wird mein Freund Sven sein. Er hat einen eige­nen Schlüssel“, mein­te Jutte, als sie die Schritte vernahm.

Wie auf Kommando ging die gro­ße Doppeltür auf und ein jun­ger Mann trat ein. Elvis ließ sich nicht mehr stop­pen. Mit einem Satz war er bei Sven und ver­such­te, ihm an den Hals zu springen.

Juttas Freund war total geschockt, schließ­lich kann­te er Elvis nicht. „Hilfe, hau ab, du Köter. Jutta, was soll das Vieh in der Wohnung?“ Verzweifelt ver­such­te er, den Dalmatiner abzu­schüt­teln, der hing aber hart­nä­ckig an sei­ner Jacke und sprang ohne Unterlass an ihm hoch.

Marc hat­te sich nach einer lan­gen Schrecksekunde gefasst. „Elvis, bei Fuß!“, schrie er aus vol­ler Kehle. Doch der Dalmatiner schau­te ihn nur kurz an, bevor er wie­der an dem Mann hochsprang.

Kerstin, die näher saß, war schon auf dem Weg zu dem durch­ge­knall­ten Hund. Sie zog an sei­ner Halskette, bis er end­lich von Sven abließ. Sie schimpf­te fürch­ter­lich mit Elvis, bevor sie ihn Marc über­gab, der sei­nen Hund nun am Halsband festhielt.

Marc stam­mel­te ver­wirrt eine Entschuldigung: „Tut mir wirk­lich sehr leid. So etwas hat er noch nie gemacht. Ist ihnen etwas passiert?“

„Nein, zum Glück nicht. Ich bin nur sehr erschro­cken. Ich habe kei­ne Ahnung, was die­ses Biest von mir woll­te. Normalerweise ste­hen Hunde nicht so auf mich“, brum­mel­te Sven.

Jutta, die vor Schreck die gan­ze Zeit wie ange­wur­zelt auf ihrem Stuhl saß, stand auf und begrüß­te ihren Freund.

„Hallo Sven, so früh habe ich noch gar nicht mit dir gerech­net. Das sind übri­gens die wil­den Vier, ich habe dir von ihnen erzählt. Und den Daniel kennst du ja.“

„Ich war etwas frü­her fer­tig mit mei­ner Arbeit, und da dach­te ich, dass wir heu­te mehr Zeit für die Suche haben“, erklär­te Sven. Und zu den wil­den Vier sag­te er: „Ihr wollt also mei­ner Freundin hel­fen, das Vermögen ihres Großvaters zu fin­den? Das wird nicht nötig sein. Wenn es etwas gibt, dann fin­den wir es allei­ne. Ihr seht also, es gibt nichts für euch zu tun. Am bes­ten geht ihr heim und macht eure Hausaufgaben.“

„Aber Sven, was ist denn mit dir los?“, rief Jutta erstaunt. „Du weißt ganz genau, wie groß das Haus ist, und dass wir es nie allei­ne schaf­fen wer­den, alles zu durch­stö­bern. Kommissar Greulich hat mir erzählt, die wil­den Vier hät­ten schon so man­chen kniff­li­gen Fall gelöst. Warum soll­ten wir sie nicht mit­su­chen las­sen? Vielleicht haben sie einen guten Riecher?“

Sven grum­mel­te irgend­et­was Unverständliches vor sich hin, schenk­te sich eine Tasse Tee ein, nahm sich ein Stück Kuchen und fing ohne wei­te­ren Kommentar an zu essen.

Sandra ver­such­te, die pein­li­che Situation zu been­den. „Jutta, hast du für uns eine Kopie der geheim­nis­vol­len Karte, die wir bei Kommissar Greulich gese­hen haben?“

„Natürlich habe ich eine Kopie, Greulich hat das Original. Ich kann sie euch aber lei­der nicht mit­ge­ben, da ich selbst nur die­se eine Kopie habe. Ich weiß aber nicht, ob euch die­se Karte über­haupt wei­ter­hel­fen wird. Die ver­schie­de­nen Zeichen sind für mich die reins­ten böh­mi­schen Dörfer. Ich bin mir fast sicher, dass es irgend­et­was mit die­sem Haus zu tun hat.“

Kerstin, die Computerexpertin der wil­den Vier, zog ihr Handy aus der Tasche. „Hast du was dage­gen, wenn ich die Karte foto­gra­fie­re? Dann könn­ten wir zuhau­se ver­su­chen, damit zurecht zu kommen.“

„Na klar, darfst du das machen. Die Karte geht davon ja nicht kaputt. Oder hast du was dage­gen, Sven?“

Sven schien tat­säch­lich etwas sagen zu wol­len, aber er besann sich und blieb eine Antwort schuldig.

Kerstin hat­te die Karte auf den Tisch gelegt und zwei oder drei Aufnahmen gemacht. „Vielen Dank, Jutta. Wir wer­den uns die Karte daheim an unse­rem Computer anschau­en. Wenn wir etwas raus­be­kom­men, geben wir dir gleich Bescheid.“

„Dürfen wir mor­gen wie­der vor­bei­kom­men und bei der Suche hel­fen?“, frag­te Kevin. „Am liebs­ten wür­de ich gleich heu­te anfan­gen, aber es ist schon recht spät.“

„Ihr dürft immer kom­men, wenn ihr wollt. Dann zei­ge ich euch mor­gen das gan­ze Haus. Ihr wer­det stau­nen, wie groß es ist.“

„Und ich kom­me auf alle Fälle auch, Tante“, rief Daniel eifrig.

Die wil­den Vier lie­ßen wie auf Kommando gleich­zei­tig ihre Köpfe hän­gen. „So ein Mist, jetzt haben wie den Kerl mor­gen wie­der an der Backe“, dach­ten alle vier mehr oder weni­ger wörtlich.

Die gan­ze Gruppe stand auf. Marc hat­te nach wie vor Elvis fest im Griff, der sich anschei­nend etwas beru­higt hat­te. Nur gele­gent­lich knurr­te er noch Juttas Freund an.

„Wenn die Kids end­lich weg sind, fan­ge ich drau­ßen an, Jutta“, sag­te Sven. „Ich habe ges­tern im Garten mein Halstuch ver­lo­ren. Das muss dort irgend­wo lie­gen. Es ist das teu­re aus Seide, das du mir geschenkt hast. Das will ich auf jeden Fall wiederhaben.“

„Gut, dann fang im Garten an. Ich ver­ab­schie­de unse­ren Besuch.“

Gemeinsam ver­lie­ßen alle das Haus. Am Eingang ver­ab­schie­de­ten sich die Vier. Daniel woll­te noch etwas bei sei­ner Tante bleiben.

„Vielen Dank für alles, Jutta! Es ist wirk­lich schön hier“, sag­te Sandra. „Wir sind gespannt, ob wir das Vermögen dei­nes Opas fin­den!“ Die Vier mach­ten sich auf den Weg in ihren Clubraum. Elvis trot­te­te neben­her und war wie­der so brav wie immer.

„Mann, ist das ein Schuppen!“, rief Kevin, als sie außer Hörweite waren. „In die­sem Haus ist echt Platz ohne Ende. Ich bin auf die Führung mor­gen Mittag gespannt.“

„Ich auch“, füg­te Kerstin an. „Aber zuerst wol­len wir uns daheim mal in aller Ruhe die Karte am Computer anschau­en. Vielleicht fin­den wir einen ers­ten Anhaltspunkt.“

„Komisch, dass Jutta über­zeugt ist, dass das Vermögen im Haus ver­steckt ist, wo Kommissar Greulich meint, dass die Karte etwas mit dem Hauptbahnhof zu tun hat“, über­leg­te Marc laut.

„Tja, wir kön­nen nur hof­fen, dass Jutta Recht hat“, befand Kerstin. „Der Hauptbahnhof wur­de näm­lich in den sieb­zi­ger Jahren abge­ris­sen. Erinnert ihr euch? Dort steht jetzt das Rathauscenter. Das hat uns Greulich damals gesagt. Also, ich bin jetzt kolos­sal auf die Karte gespannt!“

Eine Viertelstunde spä­ter saßen Kevin, Marc und Sandra in ihrem Clubraum und schau­ten Kerstin zu, die die Bilder in den Computer lud und anschlie­ßend Vergrößerungen aus­druck­te. „Ich hab die Fotos vier­fach ver­grö­ßert, damit wir etwas erken­nen kön­nen“, erklär­te Kerstin, als sie die Ausdrucke an ihre Freunde verteilte.

Gespannt schau­ten alle vier auf die aus­ge­druck­ten Vergrößerungen. Es han­del­te sich offen­sicht­lich um einen Teil eines Gebäudeplanes. Deutlich waren meh­re­re Räume zu erken­nen, die mit­ein­an­der ver­bun­den waren. In den Räumen, dane­ben und auch sonst über­all auf dem Plan ver­teilt, waren selt­sa­me Buchstabengruppen verteilt.

„Die Wörter erge­ben über­haupt kei­nen Sinn“, begann Sandra die Analyse. „Das sind wahr­schein­lich alle­samt Abkürzungen.“

„Die ver­schnör­kel­te und ver­wisch­te Handschrift macht es nicht gera­de ein­fa­cher“, füg­te Kevin hinzu.

„Lasst uns mal sehen, aus wel­chen Buchstabengruppen wir etwas erken­nen kön­nen. Da steht „2UG“ und hier das glei­che und dort auch noch mal. Das scheint inter­es­sant zu sein.“

Sandra hat­te trotz der Vergrößerungen ihre Lupe zu Hilfe genom­men. „Und hier ganz oben steht „HBF“ und ein Stück rechts davon „BST4“.

„Die Raumanordnung ist eben­falls selt­sam“, ergänz­te Marc. „Das ist das reins­te Labyrinth. Ohne Karte wür­de man sich bestimmt verlaufen.“

„Wahrscheinlich sind das nur die wich­tigs­ten Räume und die weni­ger wich­ti­gen wur­den weg­ge­las­sen. Das könn­te die komi­sche Form der Gebäudestruktur erklä­ren“, ver­mu­te­te Sandra.

„Hier ste­hen auch noch Zeichen“, unter­brach Marc. „Man kann sie aber nur schwer erken­nen. Das eine sieht wie ein „Y“ aus, die­se bei­den hier wie „DG“ und das hier kann man über­haupt nicht mehr lesen.“

„Tja, das ist schon eine har­te Nuss. Zum Glück wis­sen wir jetzt, dass mit der Karte ganz klar der Hauptbahnhof gemeint ist“, stell­te Kevin sie­ges­si­cher fest.

„He, wie­so bist du dir da so sicher?“, frag­te Kerstin skep­tisch. Die ande­ren bei­den schau­ten eben­falls ver­wun­dert drein.

Frage: Woran erkann­te Kevin, dass die Karte etwas mit dem Hauptbahnhof zu tun haben musste?

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Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 2

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Ein glück­li­cher Zufall 

Autor: Harald Schneider

Am nächs­ten Tag in der gro­ßen Pause lie­fen die wil­den Vier wie so oft zu ihrer Lieblingssitzbank am Ende des Schulhofes. Dort konn­ten sie sich unge­stört unter­hal­ten und neue Pläne schmie­den oder ihre berühm­ten Streiche aushecken.

Es wur­de bereits Herbst, des­halb waren die Bänke und Tische mit Laub bedeckt. Um sich ihre Klamotten nicht nass und schmut­zig zu machen, setz­ten sich die Vier auf die Rückenlehnen der zwei gegen­über­ste­hen­den Bänke.

„Mensch, Sandra. Marcs Onkel war ganz schön sau­er, als du ihm gesagt hast, dass sei­ne anti­ke Amphore eine Fälschung ist!“, begann Kevin.

„Hoffentlich ist er nicht all­zu böse auf mich“, mein­te Sandra besorgt. „Aber ich muss­te ihm das ein­fach sagen. Es ist ein­deu­tig, dass 490 Jahre vor Christus noch nie­mand wis­sen konn­te, dass knapp fünf­hun­dert Jahre spä­ter die Zeitwende kom­men wür­de und dann die Jahre nach Christi Geburt gezählt werden.“

„Ach, mach dir da mal kei­ne Gedanken drü­ber. Mein Onkel hat mir spä­ter gesagt, dass er ganz froh ist, die Wahrheit zu ken­nen. Sonst hät­te es viel­leicht spä­ter irgend­je­mand ande­res bemerkt und dann hät­te er sich noch viel mehr bla­miert. Er hat die Vase im Keller ver­schwin­den las­sen, bis er den hohen Kaufpreis geis­tig über­wun­den hat“, erzähl­te Marc.

Sandra war nun etwas beru­higt und atme­te erleich­tert auf.

„Aber jetzt mal was ganz ande­res“, sag­te Marc wei­ter. „Mir geht die Geschichte mit Kommissar Greulich nicht aus dem Kopf. Wisst ihr noch? Bei unse­rem Besuch vor ein paar Wochen hat unser guter Elvis mit sei­nem Schwanz die­se Karte von sei­nem Schreibtisch gefegt. Es soll so etwas wie eine Schatzkarte sein, die eine Frau beim Entrümpeln gefun­den hat. Sagte der Kommissar nicht, dass es sich um das Vermögen ihres Großvaters han­delt, der im letz­ten Krieg ver­schwand? Das wäre doch genau das Richtige für uns?“

„Ist bloß aus­ge­spro­chen blöd, dass wir den Namen der Frau nicht ken­nen und Kommissar Greulich wird uns den ganz bestimmt nicht geben“, gab Kevin kopf­schüt­telnd zu bedenken.

Sandra lach­te. „Greulich brau­chen wir dazu gar nicht, denn zufäl­lig habe ich mir auch die Rückseite des Zettels ange­se­hen. Und da stand der Name der Frau groß und breit drauf!“

„Was?“, kam es aus drei Kehlen gleich­zei­tig. „Du kennst den Namen die­ser Frau? Warum hast du das nicht gleich gesagt?“

„Hat mich ja kei­ner gefragt“, erwi­der­te Sandra, „Die gute Frau heißt Marsanek.“

„Was? Das gibt’s doch nicht!“, rie­fen die drei über­rascht. Jetzt war Sandra verwirrt.

„Warum regt ihr euch so auf? Das ist doch nichts Besonderes, jeden­falls ken­ne ich nie­man­den mit die­sem Namen!“

„Du viel­leicht nicht, denn du bist erst vor zwei Monaten nach Ludwigshafen gezo­gen. Aber zufäl­lig gibt es in unse­rer Parallelklasse einen Daniel, der mit Nachnamen Marsanek heißt“, klär­te Kerstin sie auf.

„Und der ist zufäl­lig im glei­chen Fußballverein wie ich“, füg­te Kevin laut­stark hin­zu. „Allerdings ist er der größ­te Angeber aller Zeiten“.

„Das tut jetzt nichts zur Sache“, sag­te Kerstin zu ihrem Bruder. „Außerdem fin­de ich, dass er sehr nett ist.“

„Aber im Fußball ist er eine Null. Der Typ hat abso­lut kei­ne Orientierung“, erwi­der­te Kevin.

„Was willst Du? In der letz­ten Saison war er bei euch sogar Torschützenkönig, oder?“

„Ja, das stimmt schön“, grins­te Kevin hämisch. „Acht Tore hat er geschos­sen. Hat er dir auch ver­ra­ten, dass fünf davon Eigentore waren?“

Sandra lausch­te gespannt dem geschwis­ter­li­chen Streitgespräch. „He, ihr bei­den, hört auf. Ist doch egal, ob der Daniel euer Typ ist oder nicht. Hauptsache, er rückt die Adresse raus. Vorausgesetzt, die Dame ist tat­säch­lich mit ihm verwandt.“

„Okay, okay, ich wer­de mein Möglichstes tun“, lenk­te Kevin ein. „Morgen Mittag habe ich Training, dann fra­ge ich ihn. Für ein neu­es Abenteuer tu ich doch fast alles. Soll ich ihm auch Grüße von dir aus­rich­ten, Kerstin?“

Kevin konn­te gera­de noch dem Tritt sei­ner Schwester aus­wei­chen. Doch ihre Wut war gleich dar­auf ver­flo­gen und alle vier lach­ten über den Scherz.

Am nächs­ten Mittag saßen Kerstin, Marc und Sandra mit Dalmatiner Elvis in ihrem Clubraum im Keller der Zwillinge und war­te­ten auf Kevin, der gleich nach dem Training nach­kom­men wollte.

Sandra kleb­te gera­de ein Foto der gefälsch­ten Amphore in den Sammelband mit den Streichen der wil­den Vier ein. Hier doku­men­tier­ten die Jugendlichen ihre zahl­reich durch­ge­führ­ten Aktionen.

Da Sandra erst seit eini­gen Wochen zu den wil­den Vier gehör­te, blät­ter­te sie immer wie­der inter­es­siert in dem dicken Ordner. Zufällig fiel ihr Blick auf fol­gen­den Eintrag:

Martin Luthers 95 Thesen

Unser Religionslehrer hat­te eine Angewohnheit, die uns manch­mal schwer zu schaf­fen mach­te. Er ver­schluck­te näm­lich des Öfteren die Endungen von so man­chen Wörtern. Ohne stän­di­ge Konzentration war es des­halb nicht mög­lich, dem Unterricht rich­tig zu fol­gen. Einmal kurz mit dem Gedanken bei der Planung der nach­mit­täg­li­chen Freizeit, schon wuss­te man nicht mehr, von was er eigent­lich sprach. Und unser Lehrer konn­te in 45 Minuten wirk­lich viel reden. Wehe man wur­de in solch einer ver­fäng­li­chen Situation auf­ge­ru­fen. Herr Bastian war schon uralt und streng wie die Hölle. Wir ver­mu­te­ten, dass er eigent­lich schon vor über 300 Jahren pen­sio­niert wer­den soll­te, er aber auf kei­nen Fall frei­wil­lig ging.

Eines Tages kamen auch die 95 Thesen dran, die Luther nach einer Legende im Jahre 1517, an eine Kirchentür in Wittenberg anschla­gen ließ.

Kerstin bemerk­te schon im Unterricht, dass Kevin offen­sicht­lich etwas nicht ver­stand, denn er mach­te ein selt­sam fra­gen­des Gesicht, als wür­de er die Geschichte nicht ganz kapie­ren. Nach der Stunde, als wir uns im Pausenhof tra­fen, frag­te er uns ver­ständ­nis­los, was Luther mit die­sem selt­sa­men Anschlag über­haupt bezweck­te. Und erst da kam das fata­le Missverständnis zu Tage. Wir hiel­ten uns den Rest der Pause den Bauch vor Lachen. Auch spä­ter im Unterricht konn­ten wir uns kaum kon­zen­trie­ren und muss­ten immer wie­der kichern.

Bevor wir nun das Missverständnis auf­lö­sen, erzäh­len wir erst ein­mal unse­ren Lutherstreich, den wir zwei Wochen spä­ter beim Tag der offe­nen Tür unse­res Schulzentrums durchführten.

Jeweils eine Gruppe Schüler soll­te ein Thema des Unterrichtes auf­be­rei­ten und den Eltern vorstellen.

Wir haben uns in Absprache mit Herrn Bastian für die 95 Thesen ent­schie­den. Herr Bastian sag­te uns noch, er freue sich sehr, dass sich sei­ne Schüler heut­zu­ta­ge noch für kirch­li­che Themen inter­es­sie­ren. Wir glau­ben, er hat dies spä­ter auf jeden Fall bit­ter­lich bereut.

So kam der Tag, den wir alle her­bei­sehn­ten. Die Aula war bre­chend voll. Außer den Lehrern und Schülern waren jede Menge Eltern anwe­send. Es wur­den Ansprachen gehal­ten, die nie­man­den inter­es­sier­ten. Jedenfalls uns Schüler nicht. Und die Eltern war­te­ten nur auf die Aufführung ihrer Sprösslinge.

Und dann kam der abso­lu­te Höhepunkt! Herr Bastian betrat die Bühne und kün­dig­te uns an. „Seine“ Klasse, bzw. ein Teil davon, habe sich die 95 Thesen des Martin Luther vor­ge­nom­men und wol­le sie den Zuschauern vorstellen.

Auch bei die­ser Einleitung hat er ein paar Wortendungen ver­schluckt; bestimmt ist das auch eini­gen Eltern auf­ge­fal­len. Doch was nun kam, war der abso­lu­te Hammer: Wir tru­gen eine Stellwand auf die Bühne, die mit einem Tuch ver­hüllt war. Das haben wir uns wegen des Überraschungseffekts aus­ge­dacht. Schließlich hat­te Herr Bastian unser Werk auch noch nicht gesehen.

Nun stell­ten wir uns stolz dane­ben und lüf­te­ten unse­re geheim­nis­vol­le Arbeit.

Erstauntes Gemurmel aus dem Publikum. Einige weni­ge ver­stan­den sofort und lach­ten unge­niert laut­hals her­aus. Andere hat­ten nichts kapiert und wur­den von ihren Nachbarn aufgeklärt.

Auch unser Rektor hat­te sofort begrif­fen und lief pur­pur­rot an. Um nicht zu lachen, biss er sich in sei­nen lin­ken Zeigefinger.

Herr Bastian, der schräg hin­ter der Tafel gestan­den hat­te, war als ein­zi­ger über die Reaktionen im Zuschauerraum erstaunt. Kein Wunder, hat­te er unser Werk bis­her noch nicht gese­hen. Zögernd kam er her­vor, und dann traf ihn fast der Schlag:

Exakt 95-mal war der Buchstabe „T“ auf unse­rem Plakat zu sehen. Große T’s, klei­ne T’s, ver­schnör­kel­te T’s, rote T’s, grü­ne T’s und sogar karier­te T’s.

Nun trat Marc vor und rief laut­stark ins Publikum: „Meine Damen und Herren, wie unser Religionslehrer ange­kün­digt hat, hier die 95 Ts von Martin Luther!“

Keine Frage, wir waren die Helden des Tages und in aller Munde. Nur Herr Bastian war anfangs etwas sau­er auf uns. Aber das war zum Glück nicht von lan­ger Dauer. Auch er schien so etwas wie Humor zu haben.

Sandra schüt­tel­te sich vor Lachen. „So was kann aber auch nur euch ein­fal­len. Habt ihr eigent­lich immer so viel Erfolg mit euren Streichen gehabt?“

Marc schüt­tel­te etwas ver­schämt den Kopf. „Nein, nicht wirk­lich. Einmal ging der Schuss ganz schön nach hin­ten los. Irgendwie dumm gelau­fen. Such dir mal die Geschichte über die aus­ge­fal­le­ne Stunde raus.“

Sandra such­te im Inhaltsverzeichnis des Sammelbandes die ent­spre­chen­de Seite her­aus und fing an zu lesen.

Die aus­ge­fal­le­ne Stunde, die nicht ausfiel

Im letz­ten Schuljahr hat­ten wir Dienstagmittags immer eine Doppelstunde Sozialkunde. Irgendwie ließ sich die­se Stunde nicht vor­mit­tags unter­brin­gen. Oder der Lehrer konn­te nicht. Er muss­te näm­lich extra aus einer ande­ren Schule kom­men. Wir hat­ten kei­ne Ahnung, war­um das so war.

Jedenfalls war die­se Stunde immer ätzend lang­wei­lig und zog sich wie Kaugummi. Der Dienstag war für uns immer der schlimms­te Tag der Woche.

An die­sem Dienstag woll­ten wir des­halb beson­ders schlau sein. Es war ein schö­ner und sehr war­mer Tag, genau rich­tig, um in eine Eisdiele zu gehen anstatt uns über die Gesellschaftsordnung des 18. Jahrhunderts voll­sül­zen zu las­sen. Schuleschwänzen kam für uns natür­lich nicht infra­ge. Jedenfalls nicht offiziell.

Wir tra­fen uns eine hal­be Stunde vor Unterrichtsbeginn vor dem Schulgebäude. In Windeseile hat­ten wir einen gro­ßen Zettel mit Klebeband an der Tür befes­tigt und ruck­zuck waren wir auch schon wie­der verschwunden.

Es hät­te alles gut geklappt, wenn uns unse­re Neugier nicht zurück zum Tatort getrie­ben hätte.

Kurz vor Unterrichtsbeginn gin­gen wir gemein­sam zur Schule zurück, um die Wirkung unse­rer Aktion mit­zu­er­le­ben. Und tat­säch­lich, so ziem­lich alle Klassenkameraden kamen uns in Gruppen ent­ge­gen. Freudestrahlend berich­te­ten sie uns, dass der Unterricht wegen Krankheit aus­fal­len würde.

Wenn wir es nur dabei belas­sen hät­ten. Aber unse­re Neugierde war grö­ßer. Schließlich stan­den wir als ein­zi­ge unse­rer gan­zen Klasse vor dem Zettel an der Klassenzimmertür. Alle ande­ren Klassenkameraden waren zu die­sem Zeitpunkt längst wie­der auf dem Heimweg.

Der dum­me Zufall woll­te es, dass aus­ge­rech­net in die­sem Moment unser Lehrer auf­tauch­te, den Zettel las, ihn abriss und laut zu schimp­fen begann.

Schließlich beru­hig­te er sich und ver­sprach sich selbst, die Übeltäter hart zu bestra­fen. Ausgerechnet uns lob­te er, weil wir als ein­zi­ge auf ihn gewar­tet hät­ten. Aufklären konn­ten wir die­ses Missverständnis natür­lich nicht. Als Krönung ver­sprach uns unser Lehrer dann, dass er den Unterricht trotz alle­dem nur für uns hal­ten würde.

Aus ver­ständ­li­chen Gründen haben wir unse­ren Klassenkameraden bis zum heu­ti­gen Tag nicht ver­ra­ten, wer hin­ter der Geschichte mit dem omi­nö­sen Zettel steckte.

Sandra schmun­zel­te und woll­te gera­de etwas sagen, da ging die Tür des Clubraums auf und Kevin trat ein.

„Hi, da bin ich. Hat alles super geklappt. Daniel ist mit die­ser Frau Marsanek irgend­wie um hun­dert Ecken ver­wandt. Er sagt Tante zu ihr, auch wenn sie es nicht wirk­lich ist.“

Freudestrahlend wie der Held des Tages grins­te er einen nach dem ande­ren an, bevor er etwas geknickt fort­fuhr: „Daniel weiß lei­der über die Karte Bescheid. Seine Eltern mein­ten aber, dass an der gan­zen Sache nichts dran sei. Das wäre nur so eine alte Geschichte. Wie auch immer, jetzt haben wir erst mal ein gewich­ti­ges Problem. Daniel will bei der Sache mit­ma­chen. Ich habe natür­lich ver­sucht, ihm das aus­zu­re­den. Aber wenn wir ihn nicht mit­ma­chen lasen, will er sei­ne Tante über­re­den, dass sie uns wegschickt.“

„Absolut blö­de Situation“, ärger­te sich Marc. „Der hat mir gera­de noch gefehlt. Nicht mal Elvis kann ihn lei­den, nicht wahr, mein Guter?“

„Wuff“, erwi­der­te Elvis und zog sei­nen Schwanz ein. Er wuss­te anschei­nend genau, was Marc meinte.

„Nun lass mal“, beru­hig­te Kerstin ihren Freund. „Vielleicht kann er uns ja tat­säch­lich hel­fen und nützt uns als Eintrittskarte bei der guten Tante. Aber anru­fen soll­ten wir sie vor­her schon. Hast du dir die Telefonnummer geben lassen?“

„Äh, kla­ro, wie war das noch mal?“, einen Moment lang über­leg­te Kevin stirn­run­zelnd. „Ach ja, ich glaub ich hab’s. Zuerst kommt die 57, dann die Nummer, mit der man auch Kölnisch Wasser bezeich­net. Ja, Daniel hat gesagt, das wäre immer sei­ne Eselsbrücke, wenn er sei­ne Tante anruft.“

„Bin schon unter­wegs“, fiel ihm sei­ne Schwester ins Wort. „Ich gehe schnell hoch ans Telefon und mache mit der Tante einen Termin aus.“

„Sag ihr aber noch nichts von der Karte, sonst lässt sie uns viel­leicht abblit­zen“, bemerk­te Sandra.

Keine drei Minuten spä­ter stand Kerstin wie­der atem­los im Clubraum. „Du hast dich von die­sem Angeber Daniel rein­le­gen las­sen, mein Brüderlein. Ich habe die 57 74 11 mehr­mals gewählt, aber jedes Mal kommt nur ‚kein Anschluss unter die­ser Nummer’.“

„Keine Panik auf der Titanic. Ich weiß schon, was da schief­ge­lau­fen ist“, ent­geg­ne­te Marc.

Frage: Was hat Kerstin falsch gemacht?

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Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller – Kapitel 1

Cover Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller

Die anti­ke Amphore 

Autor: Harald Schneider

Marc saß im Clubraum der wil­den Vier auf der brau­nen Ledercouch und strei­chel­te sei­nen unter­neh­mens­lus­ti­gen Dalmatiner Elvis.

Der Clubraum befand sich im Keller des Hauses der Zwillinge Kerstin und Kevin. Hier hat­ten die wil­den Vier seit gerau­mer Zeit ihre Zentrale. Fast jeden Mittag nach der Schule und auch an den meis­ten Wochenenden tra­fen sie sich an die­sem Ort.

Auf dem Schreibtisch hat­te Kerstin ihr Notebook ste­hen. In einer Ecke stan­den auf einem klei­nen Beistelltisch die Utensilien aus Sandras Detektivkasten: Reagenzgläser, klei­ne Fläschchen, Papierstreifen und in der Mitte das gro­ße Mikroskop. Auf einem Regal an der Wand stand die gro­ße Bluetooth-Box. Der Fußballkicker, den sie auf dem Sperrmüll gefun­den und selbst reno­viert hat­ten, war ihr gan­zer Stolz. Die Wände waren mit Postern von allen mög­li­chen Popstars und Sportlern zutapeziert.

„Schade, dass ich dich nach­her zu Onkel Franz zurück­brin­gen muss“, seufz­te Marc. „Er kommt heu­te von sei­ner Urlaubsreise zurück.“

„Mensch, du hast den Hund jetzt zwei Wochen lang jeden Tag um dich gehabt“, ver­such­te ihn sein Freund Kevin zu trös­ten. „Sei froh, dass du jetzt wie­der mehr Zeit für Kerstin, Sandra und mich hast. Dann kön­nen wir end­lich mal wie­der etwas Tolles aushecken.“

„Genau“, fiel ihm Sandra ins Wort. „Sonst schla­fen wir noch ein und unse­re Klassenkameraden nen­nen uns die müden Vier.“

Marc ver­zog für einen Moment miss­mu­tig sein Gesicht. Dann hat­te er eine Idee. „Mensch, kommt doch nach­her ein­fach mit. Dann kann uns mein Onkel von sei­ner Urlaubsreise erzählen!“

„Wo war er eigent­lich?“, woll­te Kerstin neu­gie­rig wissen.

„In Griechenland, glaub ich zumin­dest“, zöger­te Marc. „Jedenfalls dort wo die vie­len Tempel sind und frü­her die olym­pi­schen Spiele stattfanden.“

Kerstin lach­te. „Ja, Griechenland ist schon rich­tig. Das hört sich echt inter­es­sant an. Ich kom­me auf jeden Fall mit! Ihr auch?“

Bald mach­ten sich die vier mit Elvis auf den Weg zu Marcs Onkel.

„Huch, das ist ja der reins­te Überfall“, rief Onkel Franz über­rascht und ließ bei­na­he sein Gepäck fal­len. Er war gera­de zuhau­se ange­kom­men und trug sei­ne Koffer die Treppen hoch, als die gan­ze Bande mit Elvis ange­stürmt kam.

„Passt doch ein biss­chen auf!“, schimpf­te er. „Ich habe wert­vol­le Sachen aus Griechenland mit­ge­bracht. Nicht, dass es noch Scherben gibt!“

Die wil­den Vier horch­ten auf. Wertvolle Sachen? Was moch­te das sein? Neugierig hal­fen sie dem Heimkehrer, die rest­li­chen Sachen in die Wohnung zu brin­gen. Der Dalmatiner stob schwanz­we­delnd und wenig hilf­reich zwi­schen den Beinen der Jugendlichen hin­durch auf der Suche nach etwas Essbarem.

„He, mein guter Elvis ist ja frech wie eh und je! Ich hof­fe, du bist gut mit ihm aus­ge­kom­men, Marc.“, frag­te Onkel Franz, als er die letz­ten Taschen in der Diele abge­stellt hat­te und schnau­fend die Eingangstür schloss.

„Ja, ja“, ant­wor­te­ten die vier Freunde unge­dul­dig im Chor.

„Was ist denn mit euch los?“, frag­te Franz erstaunt, wäh­rend er sei­nen immer noch schwanz­we­deln­den Dalmatiner strei­chel­te. „Ihr führt doch etwas im Schilde? Sagt es mir lie­ber gleich, was habt ihr ange­stellt? Habt ihr wie­der eines eurer haar­sträu­ben­den Abenteuer erlebt, wäh­rend ich in Urlaub war?“

„Nein, Onkel, bestimmt nicht“, wehr­te Marc rasch ab. „Wir sind nur neu­gie­rig, was du Wertvolles aus dem Urlaub mit­ge­bracht hast!“

„Ach, so ist das! Na dann …“

Onkel Franz öff­ne­te schmun­zelnd einen sei­ner Koffer und hol­te einen sehr gro­ßen Gegenstand her­vor, der sorg­fäl­tig in eine Decke ein­ge­wi­ckelt war. Es schien Ewigkeiten zu dau­ern, bis er das Ding aus­ge­packt hat­te. „Was sagt ihr dazu?“, frag­te er in die Runde und prä­sen­tier­te stolz ein sehr alt aus­se­hen­des töner­nes Gefäß mit zwei brei­ten Henkeln.

„Ist das nicht eine Amphore?“, frag­te Kerstin über­rascht. „Da haben frü­her die Griechen Wein und Öl drin auf­be­wahrt, nicht wahr?“

 „Das hast du rich­tig erkannt. Es ist eine anti­ke Amphore. Antik sagt man dazu, weil sie schon sehr, sehr alt ist.“

Sandra bestaun­te das wert­vol­le Gefäß von allen Seiten. Schließlich ent­deck­te sie meh­re­re selt­sa­me Zeichen auf dem Bauch der Amphore. „Was bedeu­ten die­se komi­schen Schriftzeichen auf der Seite? Da sind sogar Dreiecke dabei, das kann doch kein Mensch lesen!“

„Kein Wunder. Das ist alt­grie­chisch“, belehr­te sie Marcs Onkel. „So haben die Griechen frü­her geschrie­ben. Das ist übri­gens ein Beweis dafür, dass die­se Amphore weit über 2000 Jahre alt ist. Sie wird einen Ehrenplatz in mei­nem Wohnzimmer bekom­men.“ Zu Elvis gewandt füg­te er hin­zu: „Und du passt in Zukunft bes­ser auf, wenn du dei­nen Rentenanspruch nicht ver­lie­ren willst!“

 „Und wenn die Amphore eine Fälschung ist? Du kannst doch die Schrift gar nicht lesen, Onkel Franz“, frag­te Marc.

„Daran habe ich natür­lich auch gedacht, des­halb ließ ich mir den Text vom Händler über­set­zen, denn er hat mir gesagt, dass er Experte für alt­grie­chi­sche Texte ist. Hier lies mal vor.“ Er drück­te Kerstin einen klei­nen gefal­te­ten Zettel in die Hand.

Kerstin fal­te­te das Papier auf und las laut vor: „Zu Ehren von Panionios, dem Sklavenhändler, für die Aufbewahrung von Olivenöl des Ölbaums. Athen im Jahre 490 vor Christus.“

Schweigend bestaun­ten alle vier abwech­selnd den klei­nen Zettel mit der Übersetzung. Irgendetwas stimm­te hier offen­sicht­lich nicht. Doch was? Hätte man bloß bes­ser in der Schule auf­ge­passt! Onkel Franz sah die zwei­feln­den Gesichter der vier und frag­te erstaunt: „Was habt ihr denn? Ist irgend­et­was nicht in Ordnung?“

Sandra schüt­tel­te ener­gisch den Kopf und sah Marcs Onkel mit­lei­dig an. „Tut mir leid, aber ich glau­be, Sie sind auf einen Schwindel her­ein­ge­fal­len. Für uns steht das jeden­falls buch­stäb­lich fest.“

Frage: Warum waren sich die wil­den Vier sicher, dass es sich bei der Amphore um eine Fälschung handelte?

Antwort: .nedrew tlhä­zeg trubeG sutsirhC hcan erhaJ eid netrednuhrhaJ negi­nie ni ssad ‚nes-siw dnamein hcon etnnok ednewtieZ red rov erhaJ 094

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