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Kategorie: Wilden Vier Band 3 (Seite 1 von 2)

Band 3 – Das Geheimnis der Papageien

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 10

Cover Die wilden Vier - Band 3

Das Geheimnis ist gelöst

Autor: Harald Schneider

»Elvis? Na klar, der ist ja ver­schwun­den«, sag­te Sandra und war sicht­lich erleich­tert. »Wahrscheinlich ist er Frau Coleman ent­wischt und dann unse­rer Fährte gefolgt.«

Sandra schau­te sich um. »Ja und, wo ist denn unser Liebling überhaupt?«

»Er ist noch in der Hütte«, erklär­te Marc. »Ich war eben bei ihm. Die Polizisten baten mich, ihn drin­nen zu las­sen, damit sie in Ruhe drau­ßen die Spuren sichern kön­nen. Freddie ist übri­gens auch drin.«

»Du willst bestimmt wis­sen, wie es wei­ter­ging, oder?«, frag­te Kerstin ihre Freundin. »Als Bill die Tür öff­ne­te, kam Elvis regel­recht in die Hütte geflo­gen. Sofort ver­biss er sich in die Wade von Bills Kumpan. Der schrie auf und ließ sich auf den Boden fal­len. Freddie hat sich sofort auf ihn gestürzt und mit den Decken aus dem Nebenraum ein­ge­wi­ckelt und gefes­selt. Bill rann­te nach der Schrecksekunde nach drau­ßen und woll­te mit sei­ner Harley flie­hen. Die sprang natür­lich nicht an und vor lau­ter Fluchen bemerk­te er die Polizisten erst, als sie unmit­tel­bar vor ihm stan­den. Er hat­te nicht die gerings­te Chance, zu entkommen.«

Die wil­den Vier gin­gen den Gartenweg in Richtung Haus. Die Tür stand offen. Auf der Eckbank saß Freddie Coleman und strei­chel­te lie­be­voll den Dalmatiner. Als er Sandra sah, wirk­te er erleich­tert. »Gott sei Dank, geht es dir gut. Ich weiß nicht, was mit mei­nem Bruder ist. Ich kann mich nur tau­send­mal für sein schä­bi­ges Verhalten ent­schul­di­gen. Aber immer­hin könnt ihr jetzt eine span­nen­de Reportage für eure Schülerzeitung schrei­ben. Übrigens«, ergänz­te er. »Ihr habt wirk­lich einen bra­ven vier­bei­ni­gen Freund. Normalerweise kann ich nicht so viel mit Hunden anfan­gen, bei Elvis ist das aber anders.« 

»Ach, wis­sen Sie«, sag­te Kerstin zu ihm. »Wir haben ein biss­chen geschwin­delt. Wir schrei­ben gar nicht für eine Schülerzeitung.«

Sie klär­te ihn über ihr wah­res Anliegen auf. Coleman war erstaunt, als er von den Abenteuern der wil­den Vier hör­te. »Dann könnt ihr mir bestimmt erklä­ren, was mein Bruder mit die­sen komi­schen Zahlen wollte?«

Sandra schüt­tel­te den Kopf. »Das wis­sen wir auch noch nicht. Aber ich den­ke, in ein paar Tagen wird die­ses Geheimnis gelöst sein.«

Die Jugendlichen hat­ten noch eine Weile Gelegenheit, der Arbeit der Polizisten zuzu­schau­en. Schließlich wur­de auch das Motorrad abtrans­por­tiert und sie muss­ten die Hütte ver­las­sen, da die­se ver­sie­gelt wurde.

»Soll ich euch heim­fah­ren?«, bot ihnen Kommissar Greulich an.

Marc wink­te ab. »Vielen Dank, Herr Kommissar, aber wir haben unse­re Räder dabei. Außerdem glau­be ich, dass uns ein biss­chen fri­sche Luft gut tun wird. Wir ver­spre­chen Ihnen, dass wir uns auf dem Heimweg in kei­nen wei­te­ren Kriminalfall ein­mi­schen werden.«

»Wenigstens heu­te nicht«, ergänz­te Kevin frech.

Der Kommissar lächel­te. »Okay, dann fahrt mal los. Nicht, dass eure Eltern zu lan­ge auf euch war­ten müssen.«

Nachdem sie sich vom Kommissar ver­ab­schie­det hat­ten, radel­ten die wil­den Vier müde nach Hause. Elvis rann­te schwanz­we­delnd nebenher.

»Mein Guter!«, sag­te Marc. »Ohne dich wären wir dies­mal nicht so ein­fach davon­ge­kom­men. Zuhause bekommst du eine fet­te Belohnung!«

»Wuff!«

Zwei Tage spä­ter wur­den die wil­den Vier von Kommissar Greulich zur Abschlussbesprechung ins Präsidium eingeladen.

›Dalmatiner sind sehr erwünscht‹, stand als Zusatz auf der schrift­li­chen Einladungskarte.

»Wisst ihr noch, wie wir das letz­te Mal im Präsidium waren und die­ser Protzig beim Kommissar war? So einen unsym­pa­thi­schen Kerl habe ich noch nie zuvor gese­hen«, sag­te Kevin.

»Na ja, der wird heu­te wohl nicht da sein«, ent­geg­ne­te sei­ne Schwester, wäh­rend sie die Stufen des Polizeipräsidiums erklom­men. »Es könn­te aller­dings sein, dass Freddie kommt.«

Nachdem sie das bekann­te »Herrrrein« ver­nom­men hat­ten, öff­ne­ten sie die Bürotür. Dort saßen Jutta Marsanek und ihr Verlobter Sven. Verwundert schau­ten sich die wil­den Vier an. Elvis lief gleich zu Sven und ließ sich aus­gie­big kraulen.

»Na, da staunt ihr, was?«, begrüß­te sie Jutta. »Mit uns habt ihr bestimmt nicht gerechnet.«

Die wil­den Vier begrüß­ten die bei­den erfreut. Sofort wur­den in ihnen die Erinnerungen an das kürz­lich erleb­te gefähr­li­che Abenteuer von der Schatzsuche im Rathauskeller wach.

»Was macht ihr hier?«, frag­te Sandra »Habt ihr etwas mit dem Papageienfall zu tun?«

»Nein, nein«, wehr­te Sven ab. »Wir hat­ten nur noch ein paar offe­ne Punkte mit Herrn Greulich zu bespre­chen. Dabei haben wir von eurem neu­es­ten Fall mit den Papageien erfah­ren. Ihr lauft ja wirk­lich von einem Abenteuer ins nächste.«

Jutta sprach wei­ter. »Als wir erfuh­ren, dass ihr heu­te Mittag vor­bei­kommt, haben wir gewar­tet. Es gibt näm­lich eine Überraschung für euch.«

»Eine Überraschung?«, rie­fen die vier Jugendlichen im Chor. »Was für eine Überraschung?«

»Erstens wol­len wir euch zu unse­rer Hochzeit ein­la­den. Der Termin steht inzwi­schen fest. Zweitens haben wir etwas für eure Herbstferien. Meine Eltern haben ja, wie ihr wisst, ein paar gro­ße Grundstücke im Allgäu geerbt. Die wol­len wir uns anschau­en. Wenn ihr wollt und es eure Eltern erlau­ben, fah­ren wir wäh­rend der Ferienzeit gemein­sam dort hin. Wir wür­den euch ger­ne dazu ein­la­den. Natürlich könnt ihr dann ganz allei­ne in einer Ferienwohnung logie­ren. Die wür­den wir für euch buchen, sie befin­det sich in der Nähe von Rettenberg in einer ehe­ma­li­gen Mühle, mit­ten im Zentrum des Allgäus. Sven und ich über­nach­ten wäh­rend­des­sen bei Freunden im Dorf.«

Die wil­den Vier jubel­ten laut­hals, Elvis bell­te, bis ein Beamter aus einem Nachbarbüro herüberkam.

Nachdem sich alle wie­der beru­higt hat­ten, über­nahm der Kommissar das Wort: »So, jetzt kom­men wir zum aktu­el­len Fall. Ich kann wie wie­der nur das glei­che sagen. Es war sehr gefähr­lich, auf was ihr euch da ein­ge­las­sen habt. Ihr wisst, das hät­te auch böse aus­ge­hen kön­nen. Aber genau­so gut könn­te ich wahr­schein­lich gegen eine Wand reden. Also las­sen wir das.«

In die­sem Moment klopf­te es an der Tür. Herein kam Freddie Coleman mit sei­ner Mutter.

»Gut, dass Sie es ein­rich­ten konn­ten, heu­te vor­bei­zu­kom­men«, begrüß­te Greulich die bei­den. »Ich woll­te gera­de mit einem Überblick des Falls beginnen.«

»Darauf sind wir sehr gespannt, Herr Kommissar«, sag­te Freddie und setz­te sich mit sei­ner Mutter neben Sven und Jutta.

»Angefangen hat es damit, dass auf dem Frankfurter Flughafen drei Papageien mit post­la­gern­der Adresse aus Brasilien anka­men«, begann Greulich. »Nachdem sich her­aus­stell­te, dass die Papiere gefälscht waren, wur­den die Vögel ver­schie­de­nen Tierparks ange­bo­ten. Da sie zu die­sem Zeitpunkt nie­mand woll­te, wur­den sie Ihnen, Herr Coleman, geschenkt. Zwei der Tiere stif­te­ten Sie dem Ebert-Park, da dort zufäl­lig eine Voliere leer stand. Der zustän­di­ge Parkleiter, Herr Protzig, der mir am Anfang sehr ver­däch­tig vor­kam, hat aber, wie sich her­aus­stell­te, mit die­sem Fall abso­lut nichts zu tun.«

Greulich trank ein Schluck Wasser, ehe er fort­fuhr: »Kurz dar­auf ver­such­ten zwei Männer, die Ringe der Papageien in der Voliere zu foto­gra­fie­ren. Als das miss­lang, haben sie die Tiere gestoh­len. Anhand des von euch gesi­cher­ten Fußabdruckes konn­te Bill als einer der Täter iden­ti­fi­ziert wer­den. Einem sei­ner bei­den Kumpane wur­de der ver­lo­re­ne Ehering zum Verhängnis, den ihr im Käfig gefun­den habt. Zu dem Zeitpunkt wuss­ten wir aller­dings noch nicht, dass die Lieferung der Papageien von Ihrem Bruder Bill ver­an­lasst wur­den. Als er sie am Postamt abho­len woll­te, erfuhr er, dass sie beschlag­nahmt wor­den waren. Nur mit Mühe konn­te er ent­kom­men, da der Postbeamte sofort die Polizei infor­mier­te. Als er dann erfuhr, dass aus­ge­rech­net sein Bruder die Papageien erhal­ten hat­te, dach­te er an einen außer­or­dent­li­chen Glücksfall, etwa wie bei einem Sechser im Lotto.«

»Aus dem Lottogewinn wur­de aber nichts, als ich ihm berich­te­te, dass ich die Vögel bereits wei­ter­ge­ge­ben hat­te«, wand­te Freddie ein. »Deshalb wur­de er wütend, als er erfuhr, dass ich den drit­ten Vogel noch besaß. ›Warum hast du mir das nicht gleich gesagt?‹, schrie er mich an. Kurz dar­auf kamen dann sei­ne Gaunerkollegen und haben mich ent­führt. Den Ring und die Registrierungspapiere habe ich eigent­lich nur ver­steckt, um mei­nem Bruder, der mich so ange­schrien hat­te, eins auszuwischen.«

»Und dabei hat­ten wir Sie die gan­ze Zeit in Verdacht, hin­ter dem Diebstahl zu ste­cken«, sag­te Kerstin zu Freddie.

»Mich in Verdacht? Wie kommt ihr dar­auf?«, war Freddie überrascht.

»Als Sie uns von den ver­schie­de­nen Papageien erzähl­ten, haben sie ein paar Dinge kräf­tig durch­ein­an­der­ge­bracht und eini­ge Fehler gemacht.«

»Ach, du meinst die Sache mit den Kakadus?«, atme­te Freddie auf. »Du, ich war an dem Tag so auf­ge­regt und habe nur einen Moment nicht auf­ge­passt und das ver­wech­selt. Ein paar Sekunden spä­ter ist es mir selbst auf­ge­fal­len, was für einen Stuss ich erzählt hat­te. Ich habe mir gedacht, das merkt ihr bestimmt nicht.«

»Damit wäre die­ses Missverständnis eben­falls auf­ge­klärt«, fiel Kommissar Greulich ins Gespräch ein. »Jedenfalls haben die bei­den Gehilfen Ihres Bruders nach dem Ring gesucht und Sie ent­führt. Sie, Frau Coleman, so spe­ku­lier­ten die Gauner, soll­ten dann den Ring suchen, sobald Freddie das Versteck ver­ra­ten hat­te und die Zahl tele­fo­nisch durch­ge­ben. Doch dann kamen plötz­lich Elvis und unse­re vier Freunde ins Spiel. Sie wur­den Zeuge der Entführung.«

Jetzt misch­te sich Frau Coleman ein: »Ich war wie betäubt. Erst ver­stand ich gar nicht, was es mit den jun­gen Leuten auf sich hat­te. Auf ein­mal waren alle wie­der weg und ich war mit die­sem Hund allei­ne. Es kam mir alles wie ein Traum vor. Schließlich war ich mir nicht mal sicher, ob die Entführung tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat­te. Ich woll­te in mei­ne Wohnung zurück. Sobald ich die Bürotür auf­ge­macht hat­te, schlüpf­te der Dalmatiner hin­durch und ver­schwand. Schließlich habe ich die Polizei geru­fen, die dann sofort kam.«

Kerstin nick­te. »Ja, unser Elvis hat sich aus dem Staub gemacht und ist unse­rer Fährte durch den Maudacher Bruch gefolgt. Das ist schon eine Wahnsinnsleistung. Den Rest ken­nen wir ja. Einen der Gauner hat er gebis­sen, der ande­re konn­te sein Motorrad nicht starten.«

»So in etwa hat es sich abge­spielt«, bestä­tig­te Herr Greulich. »Jetzt bleibt eigent­lich nur noch die Frage, nach dem Warum.«

Mucksmäuschenstill saßen alle auf ihren Stühlen und lausch­ten den Ausführungen des Kommissars.

»Es war für die Polizei nicht leicht, hin­ter das Geheimnis zu kom­men. Recht schnell haben wir fest­ge­stellt, dass Bill schon jah­re­lang in ille­ga­le Geschäfte ver­wi­ckelt war. Zur Abwicklung sei­ner krum­men Dinger nutzt er die Papageienzuchtstation. Dort hat er sei­nen Bruder als Geschäftsführer ein­ge­setzt, damit sein Name nir­gend­wo in Erscheinung tritt. Sie, Freddie, ahn­ten bis­her nichts von den dunk­len Geschäften Ihres Bruders.«

»Mir ist nie etwas auf­ge­fal­len«, fiel ihm Freddie ins Wort. »Klar, wir hat­ten immer viel Geld. Bill hat­te die Buchhaltung an ein Steuerbüro ver­ge­ben, so hat­te ich nie einen rich­ti­gen Überblick über die Finanzen. Ich habe mich mehr um die Vögel gekümmert.«

Herr Greulich erklär­te: »Das wird noch ein Stück Arbeit sein, die Geschäfte ihres Bruders auf­zu­de­cken. Aber ich bin über­zeugt, dass uns das gelin­gen wird.«

Greulich nahm erneut einen Schluck Wasser. »Sein letz­tes Ganovenstück wur­de ihm zum Verhängnis. Seit ges­tern wis­sen wir über die Gaunerei Bescheid. Bill hat­te gute Kontakte zu einem Drogenhändler in Brasilien. Dieser Händler, der zur Tarnung eben­falls eine Papageienzucht betreibt, wird in Brasilien rund um die Uhr kon­trol­liert und abge­hört. Das bedeu­tet, dass sein Telefon, sei­ne Briefe, sei­ne E‑Mails über­wacht wer­den. So soll­te es ihm unmög­lich gemacht wer­den, Informationen wei­ter­zu­ge­ben. Doch die­ser Drogenbaron hat in der Schweiz rie­si­ge Summen Geld depo­niert. Und da muss­te er drin­gend dran­kom­men. Hierzu benö­tig­te er einen Helfer. Und die­ser Helfer ist kein ande­rer als unser Bill Coleman.«

»Wie soll das funk­tio­nie­ren?«, unter­brach ihn Marc.

»Ganz ein­fach, mein Junge. Er ver­schick­te die Papageien. Ganz öffent­lich. Für sei­ne Bewacher war das ein nor­ma­ler Vorgang. Sie haben die Vögel zwar geröntgt, aber auf die Registrierungen wur­de nicht geach­tet. Die Nummern auf den Registrierungsringen erge­ben anein­an­der­ge­reiht ein Schweizer Nummernkonto inklu­si­ve Geheimzahl. Deswegen war es für Bill so wich­tig, an die Codes aller drei Papageien zu gelangen.«

Erstaunt sahen sich die wil­den Vier an. Auch die anwe­sen­den Erwachsenen waren von der Lösung des Geheimnisses überrascht.

»Das heißt, dass wir Bill und dem Drogenbaron in Südamerika ein gutes Geschäft ver­mas­selt haben«, fol­ger­te Kevin.

»Nicht nur das«, ergänz­te der Kommissar. »Die Polizei in der Schweiz hat das immense Vermögen sicher­stel­len kön­nen. Der bra­si­lia­ni­sche Drogenhändler wur­de inzwi­schen eben­falls festgenommen.«

»Da hat es sich also gelohnt, dass wir uns ent­füh­ren lie­ßen«, frot­zel­te Kevin.

»Gelohnt?«, wie­der­hol­te Greulich ent­setzt. »Ihr spinnt wohl. Das war bis­her ein­deu­tig euer gefähr­lichs­tes Abenteuer. Hier ging es um viel Geld, unvor­stell­bar viel Geld. Ich glau­be nicht, dass Bill und sei­ne Kumpane zim­per­lich gewe­sen wären, wenn ihr ihnen wei­ter­hin einen Strich durch die Rechnung gemacht hättet.«

Jutta ver­such­te die Wogen zu glät­ten. »Aber Herr Greulich. Zum Glück ist es letzt­end­lich gut aus­ge­gan­gen. Jetzt las­sen Sie uns mit den wil­den Vier erst mal in den Herbstferien ins Allgäu fah­ren, um zu ent­span­nen. Wir ver­spre­chen Ihnen fest, dass wir gut auf­pas­sen wer­den, damit wir dort garan­tiert kei­ne gefähr­li­chen Eskapaden erle­ben werden.«

Ob Jutta ihr Versprechen hal­ten kann, das wird sich noch zei­gen. Die wil­den Vier freu­en sich jeden­falls auf ihre Ferien im Allgäu.

Ach so, da wird noch einer mit von der Partie sein.

»Wuff!«

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 9

Cover Die wilden Vier - Band 3

Gefährliche Aktionen

Autor: Harald Schneider

Kalli schob Sandra zur Tür hin­aus. Sie dreh­te sich noch ein­mal kurz um und lächel­te ihren Freunden viel­sa­gend zu. Diese saßen zusam­men mit Freddie auf der Eckbank zwi­schen Bill und dem drit­ten Komplizen, der inzwi­schen zurück­ge­kom­men war.

Kalli über­blick­te einen Moment lang das Gelände, ehe er Sandra grob in Richtung Kastenwagen zog.

»So Fräulein, ein Mucks von dir und dir wird es schlecht erge­hen. Du steigst bei mir auf der Fahrerseite ein, die Beifahrerseite kann man von innen blo­ckie­ren. Kindersicherung nennt man das, hahaha!«

Er schloss die Fahrertür auf und ver­ge­wis­ser­te sich erneut mit einem Rundumblick, dass sie wirk­lich allei­ne waren. Dann stieß er sei­ne Gefangene ins Auto.

»He, pass auf, du Idiot. Das tut weh!« Sandra war in ihrer Anrede nicht zimperlich.

Kalli lach­te nur, bevor er frech grin­send ant­wor­te­te: »Sei bloß ruhig, ihr seid selbst schuld. Was mischt ihr euch in Angelegenheiten von Erwachsenen? Ihr hat­tet Möglichkeit, uns die Codenummer am Telefon durch­zu­ge­ben. Alles wäre in Ordnung gewe­sen und wir hät­ten Freddie frei­ge­las­sen. Aber nein, ihr Besserwisser wollt es unbe­dingt auf die har­te Tour. Also beschwer dich nicht.«

Sandra beob­ach­te­te, wie Kalli den Wagen anließ und lang­sam durch die Wege der Gartenanlage fuhr. Irgendwie hat­te er sie immer im Blickwinkel. Sie hat­te kei­ne Gelegenheit, das Handy unbe­merkt aus ihrer Hosentasche zu ziehen.

Es schien, als könn­te Kalli Gedankenlesen. »Hör zu, wenn ich dich bei irgend­wel­chen ver­däch­ti­gen Bewegungen erwi­sche, muss ich dich fes­seln. Wir kom­men jetzt gleich auf die Straße. Ich möch­te nicht, dass du einen Passanten auf uns auf­merk­sam machst, haben wir uns verstanden?«

Eingeschüchtert nick­te Sandra, ohne etwas zu ant­wor­ten. So schwer hat­te sie es sich nicht vor­ge­stellt. Doch es wur­de noch schlim­mer. Die Fahrt ent­wi­ckel­te sich zu einem Horrortrip. Das Handy in ihrer Hosentasche begann sich plötz­lich laut­stark zu mel­den. Damit hat­te sie wirk­lich nicht gerechnet.

Kalli erschrak eben­falls und leg­te eine Vollbremsung hin. Die bei­den befan­den sich noch auf dem Parkplatz vor den Schrebergärten. Er brauch­te einen Moment, bis er begriff, was das war.

»Ach, so ist das!«, begann er mit dro­hen­der Gebärde. »Hast du gedacht, wir ent­de­cken das Handy nicht? Damit woll­test du wohl die Polizei ver­stän­di­gen? Nichts da, los gib mir sofort das Ding!«

Sandra blieb nichts ande­res übrig, als das Mobiltelefon miss­mu­tig aus ihrer Hosentasche zu zie­hen und es Kalli zu übergeben.

»Mal sehen, wer dran ist. Und du hältst schön brav die Schnauze, okay?«

»Ja«, mel­de­te er sich anonym.

»Ach du bist es, Chef. Ja, mei­ne Beifahrerin hat­te das gute Stück in ihrer Hosentasche. Gut, dass es dir ein­ge­fal­len ist. Das hät­te böse enden kön­nen. So lang­sam fan­gen die Kids an, mich zu nerven.«

Nun schien Bill zu reden. Kurz dar­auf sprach dann wie­der Kalli: »Wird gemacht, Chef. Ich mel­de mich auf die­sem Handy, sobald ich den Zahlencode habe. Bis später.«

Er been­de­te das Gespräch und steck­te das Handy ein.

Wortlos ließ er den Motor an und bog auf die Straße. Sandra schau­te aus dem Beifahrerfenster und igno­rier­te Kalli komplett.

Dieser muss­te sich auf die Strecke kon­zen­trie­ren, anschei­nend war die Gegend fremd für ihn. Trotz allem dau­er­te es nur ein paar Minuten, bis sie weni­ge Häuser von der Papageienzuchtstation ent­fernt ankamen.

Kalli leg­te den zwei­ten Gang ein und ließ den Wagen im Schritttempo an der Hofeinfahrt vor­bei­rol­len. Er schau­te an Sandra vor­bei in den Innenhof, ohne jedoch irgend­et­was Verdächtiges zu bemer­ken. An der nächs­ten Kreuzung wen­de­te er, um ein zwei­tes Mal bei gemäch­li­chem Tempo in die Einfahrt bli­cken zu können.

»Die Luft scheint rein zu sein«, sag­te Kalli zu sich selbst. »Bills Mutter wird es nicht gewagt haben, die Polizei anzu­ru­fen.« Er wen­de­te erneut. Diesmal fuhr er in den Hof hin­ein. Er war leer. Zufrieden nick­te er und stell­te den Wagen ab.

»Raus mit dir!«, befahl er Sandra.

Sandra folg­te der Aufforderung. Sie schob sich über den Fahrersitz und stieg auf der Fahrerseite aus. Sie schau­te sich um, doch auch sie konn­te nir­gend­wo ein Lebenszeichen wahr­zu­neh­men. Wo steck­te Frau Coleman? Hoffentlich hat­te sie sich recht­zei­tig in Sicherheit gebracht. Sie wur­de jäh aus ihren Gedanken geris­sen, als der Gauner sie wie­der am Oberarm packte.

»Komm jetzt!«, befahl er ihr. »Jetzt ist nicht die Zeit zum Träumen.« Er zog sie hin­ter sich her. Mit gro­ßen Schritten ging er in Richtung Büro.

Gleich wird Elvis über ihn her­fal­len, hoff­te Sandra und mach­te sich bereit, um den Überraschungseffekt zur Flucht aus­nut­zen zu können.

Doch die Überraschung war anders, als sie es sich vor­stell­te: Es kam kein Elvis ange­rannt, als Kalli die Bürotür öff­ne­te. Es war über­haupt nie­mand da.

Enttäuscht schau­te sich Sandra um. In der Ecke stand die benutz­te Wasserschale, die Elvis vor ihrer Abfahrt bekom­men hat­te. Alles war wie vor­hin. Doch wo war ihr Dalmatiner geblieben?

»Los, mach schon, wo ist der Zahlencode?« Die lau­te Stimme Kallis ließ sie zusam­men­zu­cken. Was soll­te sie machen? Ihm eine fal­sche Nummer geben? Nein, das wür­de das Ganze nur kurz ver­zö­gern, denn Bill wür­de es sofort bemer­ken, wenn Kalli die Nummer tele­fo­nisch durchgibt.

Sie hol­te den Ordner aus dem Regal und blick­te den Ganoven scharf an. Mit einer läs­si­gen Bewegung warf sie den Ordner auf einen der Schreibtische.

»Bitte bedie­nen Sie sich, da ist alles drin.«

Kalli stürz­te sich auf den Aktenordner. Er schau­te zuerst inter­es­siert, doch nach weni­gen Sekunden schimpf­te er sau­er: »Was soll der Blödsinn? Willst du uns schon wie­der veräppeln?«

Sandra war ver­wirrt. Sie nahm den Ordner und sah eben­falls hin­ein. In der Klarsichthülle, in der vor­hin der Ring gewe­sen war, lag ein hand­ge­schrie­be­ner Zettel, auf dem stand: Das Spiel ist aus!

Kalli schau­te das Mädchen sehr zor­nig an. »Das ein­zi­ge Spiel, das aus ist, ist das eure. Rück jetzt end­lich den Ring heraus!«

»Irrtum, mein Lieber.«

Kalli dreh­te sich schlag­ar­tig her­um. Ihm stan­den drei Polizisten gegen­über. »Sie irren. Ihr Spiel ist aus«, sag­te Kommissar Greulich in bit­ter­sü­ßem Ton. »Sie haben sicher­lich Verständnis dafür, dass wir Sie fest­neh­men müs­sen, oder?«

Kalli ließ sich wider­stands­los fest­neh­men und abfüh­ren. Es war ihm unbe­greif­lich, wie plötz­lich die Polizei erschei­nen konnte.

»Na, ist alles in Ordnung?«, frag­te Greulich. »Warum müsst ihr nur immer in sol­che Abenteuer hineingeraten?«

»Herr Greulich«, rief Sandra auf­ge­regt. »Wir müs­sen zu den ande­ren in die Gartenanlage fah­ren, die wer­den dort gefan­gen gehalten!«

»Keine Panik. Das wis­sen wir längst. Die Befreiungsaktion läuft gera­de. Wir fah­ren gleich hin. Ich den­ke, du möch­test bestimmt mitkommen?«

Na klar woll­te Sandra.

»Wo ist eigent­lich Elvis?«, frag­te sie.

»Euer Dalmatiner?«, ant­wor­te­te Greulich erstaunt. »Der war nicht hier, als wir anka­men. Da kann ich dir lei­der nicht weiterhelfen.«

Kalli war bereits weg­ge­bracht wor­den. Auch von Frau Coleman sah Sandra kei­ne Spur, als sie zu Greulich in den Wagen stieg. Der Kommissar sah das ver­wun­der­te Gesicht der jugend­li­chen Detektivin.

»Du musst nicht den­ken, dass wir hell­se­hen kön­nen. Frau Coleman hat uns benach­rich­tigt. Zuerst wur­de ihr Sohn ent­führt, dann kamen plötz­lich aus dem Nichts vier Jugendliche. Das hat sie ziem­lich über­for­dert. Wir haben sie zur Sicherheit in ein Krankenhaus gebracht. Daraufhin haben wir natür­lich sofort das Handy von Freddie abhö­ren las­sen. So haben wir gera­de noch recht­zei­tig das Telefonat zwi­schen die­sem Kalli und Freddies Bruder Bill mit­be­kom­men. Dabei gelang es uns, die Gauner zu orten. Ich den­ke, inzwi­schen müss­ten sie fest­ge­nom­men sein.«

Wenige Minuten spä­ter kamen sie bei der Schrebergartenanlage an. Auf dem Parkplatz stan­den meh­re­re Streifenwagen, Beamte waren nicht zu sehen. Greulich hat­te sich wäh­rend der gan­zen Fahrt über Sprechfunk mit sei­nen Kollegen vor Ort unter­hal­ten. Da sie aller­dings sehr vie­le Abkürzungen und Fachbegriffe nutz­ten, konn­te Sandra nicht wirk­lich etwas damit anfangen.

Der Kommissar lach­te. »Na, dann wer­den wir mal zu dem Häuschen fah­ren, wo sich dei­ne Freunde befin­den. Da hat sich in den letz­ten Minuten aller­hand getan. Und ein geheim­nis­vol­ler Befreier ist aufgetaucht.«

»Geheimnisvoller Befreier? Wer soll das sein?«, frag­te Sandra, die sich beim bes­ten Willen nicht vor­stel­len konn­te, was das zu bedeu­ten hatte.

»Warte noch einen klei­nen Moment, dann wirst du es sel­ber sehen«, sag­te der Kommissar geheimnisvoll.

Als sie kurz dar­auf vom Hauptweg abbo­gen, konn­ten sie die Parzelle der Gauner sehen. Alles war voll mit Menschen. Polizisten in Uniform, Polizisten in Zivil, Sanitäter, Zuschauer von benach­bar­ten Grundstücken, die Gauner Bill und sein Kumpan in Handschellen. Und da waren auch Kerstin, Kevin und Marc.

Kommissar Greulich hielt den Wagen an. Sandra sprang her­aus und rann­te so schnell sie konn­te zu ihren Freunden, die neben Bills schwe­rem Motorrad standen.

»Hallo! Ist alles in Ordnung mit euch? Mir geht es gut. Es hat alles super geklappt!«

Kerstin umarm­te ihre Freundin. »Gut, dass du wie­der da bist. Wir haben uns echt Sorgen um dich gemacht. Erst vor einer Minute hat ein Polizist zu uns gesagt, dass du jeden Moment mit Greulich kom­men wirst.«

»Erzählt, was ist pas­siert?«, woll­te Sandra wissen.

Marc zeig­te auf die Harley-Davidson. »Damit woll­te Bill flüch­ten. Doch aus irgend­ei­nem Grund sprang die Maschine ein­fach nicht an.«

Kerstin und Kevin bogen sich vor Lachen.

Sandra kapier­te nichts und schüt­tel­te den Kopf. »Ja und? Was ist dar­an so lustig?«

»Kannst du dich dar­an erin­nern, wie wir zum Haus geschli­chen sind und ihr mit mir geschimpft habt, weil ich mir die Maschine etwas genau­er betrach­tet habe?«, grins­te Kevin.

Sandra nick­te.

»Ihr habt mich nur zu spät gese­hen. Denn ich habe kei­nes­wegs das Motorrad bestaunt, son­dern ein Zündkerzenkabel gelo­ckert. Und ohne Zündfunken bewegt sich der Motor nicht. Das war Bills Pech.«

Sandra hat­te immer noch nicht ver­stan­den. »Ja gut, ich weiß jetzt, dass Bill flüch­ten woll­te und sei­ne Harley nicht ansprang. Aber war­um woll­te er flüch­ten? War die Polizei schon da?«

»Die Polizei?«, frag­ten die Zwillinge und Marc im Chor und fin­gen erneut an zu lachen.

»Nein, die Polizei kam erst spä­ter. Da war noch etwas ande­res«, begann Marc und muss­te vor lau­ter Lachen sei­nen Satz abbrechen.

Nun sprach Kevin. »Wir saßen immer noch auf der Eckbank. Auf ein­mal hör­ten wir drau­ßen selt­sa­me Geräusche. Irgendjemand schlich sich an. Bill wur­de immer ner­vö­ser. Er schau­te ver­zwei­felt durch das Fenster, konn­te aber nichts erkennen.«

Da nun auch Kevin lach­te, über­nahm sei­ne Schwester: »Irgendwann hat er es gewagt, die Tür einen Spalt weit auf­zu­ma­chen. Und dann ist es pas­siert. Es ging in Sekundenschnelle. Zuerst wuss­te kei­ner, was eigent­lich los war. Und dann der Schrei. Bills Gaunerkollege war sofort außer Gefecht gesetzt. Bill nahm sei­ne Beine unter die Arme und rann­te so schnell er konn­te zu sei­nem Motorrad.«

Sandra fühl­te sich lang­sam ver­äp­pelt. »Jetzt sagt mir doch end­lich, wer sich ange­schli­chen hat. Auch Kommissar Greulich mach­te mir vor­hin eine Andeutung, dass ein geheim­nis­vol­ler Befreier am Werk war. Macht es nicht so span­nend, wer war es?«

Frage: Wer war der geheim­nis­vol­le Befreier?

Antwort: .tglo­feg ednuerF renies etrhäF red raw rE .sivlE hcil­rü­tan raw sE

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 8

Cover Die wilden Vier - Band 3

In der Falle

Autor: Harald Schneider

»Mensch, du hast ja recht«, ant­wor­te­te Kerstin. »Das bedeu­tet, dass Bill sei­nen eige­nen Bruder ent­füh­ren ließ.«

»Das heißt, wir haben es min­des­tens mit drei Gaunern zu tun, schließ­lich kann­te Frau Coleman die bei­den Kerle, die Freddie mit­ge­nom­men hat­ten, nicht.«

Kevin nick­te eif­rig mit dem Kopf. »Eins dürf­te klar sein: Die Gauner war­ten auf dem Parkplatz vor den Schrebergärten auf uns. Wenn wir uns beei­len, kön­nen wir das Versteck der Ganoven unter­su­chen und viel­leicht Freddie befreien.«

Die ande­ren drei stimm­ten ihm still­schwei­gend zu. Ohne ein wei­te­res Wort zu ver­lie­ren, scho­ben sie ihre Räder in ein leer­ste­hen­des Grundstück und ver­steck­ten sie hin­ter einem gro­ßen Brombeerbusch.

Gemeinsam schli­chen sie geräusch­los auf dem glei­chen Weg, den Kevin vor­hin genom­men hat­te, zur Parzelle der Entführer. Sicherheitshalber nah­men sie hin­ter dem schwar­zen Wagen Deckung und über­blick­ten das Grundstück. Doch so sehr sie auch such­ten, sie konn­ten kein Lebenszeichen ausmachen.

»Los jetzt«, flüs­ter­te Sandra ihren Freunden zu.

Sie war kaum zwei Schritte vor­ge­gan­gen, da klin­gel­te das Handy.

»Verdammt«, sag­te sie, wäh­rend sie sofort wie­der hin­ter dem Wagen in Deckung ging. Dann nahm sie das Gespräch an.

Die wil­den Vier wuss­ten genau, war­um die­ser Anruf kam. Sie müss­ten eigent­lich längst auf dem Parkplatz ange­kom­men sein.

»Ja, tut uns leid. Ausgerechnet jetzt hat einer von uns einen Platten bekom­men. Deshalb müs­sen wir unse­re Räder schie­ben. Es wird noch ein paar Minuten dau­ern, bis wir bei Ihnen am Parkplatz sind.« Ein paar Sekunden spä­ter ergänz­te sie: »Nein, Sie kön­nen beru­higt sein, wir machen kei­ne krum­men Dinger. Für sol­che Sachen sind Sie zustän­dig.« Sandra been­de­te das Gespräch und steck­te das Telefon in ihre Tasche.

»Puh, noch mal gut gegan­gen. Los jetzt, wir haben nicht viel Zeit.«

Die vier mach­ten einen wei­te­ren Anlauf, auf das Grundstück zu kom­men. Sie gin­gen durch das unver­schlos­se­ne Gartentor durch den Garten. Die Parzelle schien verlassen.

Plötzlich bemerk­te Kerstin, dass ihr Bruder nicht mehr bei ihnen war. Sie dreh­te sich um und sah ihn vor Bills Motorrad ste­hen. Sie ging ein paar Meter zurück und fauch­te ihn wütend an: »Sag mal, spinnst du jetzt kom­plett? Du kannst doch jetzt kei­ne Pause machen, um dir das Motorrad anzu­schau­en! Wir sind nicht beim Privatfernsehen. Komm jetzt endlich!«

Kevin grins­te und folg­te sei­ner Schwester.

Die ande­ren war­te­ten unge­dul­dig neben dem Campingtisch auf sie.

»Was war los?«, woll­te Sandra wissen.

»Och, mein klei­ner Bruder hat nur ein biss­chen von einem Motorrad geträumt. Dabei kann er nicht mal rich­tig Rad fahren.«

Kevin lächel­te geheim­nis­voll wei­ter, obwohl er genug Grund gehabt hät­te, sich zu ärgern.

Marc hat­te wäh­rend­des­sen den Fotoapparat, der auf dem Tisch lag, unter­sucht. »Ob die Gauner damit ver­sucht haben, die Ringe der Aras im Ebert-Park zu fotografieren?«

»Ist jetzt egal«, dräng­te Sandra. »Lasst uns ver­su­chen, in die Hütte zu kom­men. Anscheinend ist nie­mand da, sonst hät­ten wir schon mäch­tig Ärger.«

Die vier Jugendlichen gin­gen zur Eingangstür. Kerstin drück­te in Zeitlupe die Klinke. Es war abgeschlossen.

Ratlos schau­ten sie sich an. Plötzlich ging Kevin zurück zu dem Campingtisch und nahm sich die dort lie­gen­de abge­win­kel­te Flachzange. Damit ging er direkt zur Eingangstür. Er setz­te die Zange wie einen Dietrich an.

»Ich schät­ze, das dürf­te funk­tio­nie­ren. Das ist ein ganz altes Schlüsselloch. So was habe ich frü­her mit dem Zeigefinger geöffnet!«

Es mach­te lei­se ›Klick‹ und die Tür sprang auf.

Kevin steck­te die Zange cool in sei­ne Hosentasche und betrat die Hütte. Die ande­ren folg­ten ihm unmit­tel­bar darauf.

Das Innere des Häuschens barg auf den ers­ten Blick kei­ne Überraschung. Unter dem Fenster, des­sen Vorhang zuge­zo­gen war, stand eine Couch. Eine Eckbank mit Tisch und zwei Stühlen sowie eine klei­ne Küchenzeile ver­voll­stän­dig­ten das Inventar. Hinten war ein klei­ner Raum abge­trennt, des­sen Tür ver­schlos­sen war.

Neben der Spüle lagen Fotos, die ein­deu­tig von den Aras im Ebertpark stammten.

»Seht euch die Bilder an«, flüs­ter­te Kerstin. »Wir hat­ten recht, da sind die Registrierungsringe der Aras in Großaufnahme drauf.«

Sie ging zum Fenster, zog den Vorhang zurück und schau­te genau­er hin.

»Trotz der Größe kann man die Zahlen auf den Ringen nicht ein­deu­tig erken­nen. Das muss für die Ganoven ziem­lich frus­trie­rend gewe­sen sein.«

Marc hat­te wäh­rend­des­sen die rück­wär­ti­ge Tür geöff­net und schau­te in eine klei­ne Kammer.

»Was ist da drin?«, woll­te Sandra wis­sen und kam ihm nach.

»Nur Decken, Schlafsäcke und so Zeug.« Sie woll­te sich gera­de des­in­ter­es­siert abwen­den, da stutz­te sie.

»He, Moment, da stimmt etwas nicht.« Sandra ging in die Kammer und zog meh­re­re Decken von einem Stapel. Darunter kam eine gro­ße Truhe zum Vorschein. Sie öff­ne­te den Deckel und blick­te auf den gefes­sel­ten und gekne­bel­ten Freddie.

»Schnell, kommt her«, rief sie zu den ande­ren, wäh­rend sie begann, den Knebel in Freddies Mund zu entfernen.

Dieser brach­te nur ein Grunzen und Stöhnen her­aus und starr­te ver­wun­dert die Jugendlichen an. Marc hat­te bereits sein Taschenmesser gezückt und die Fesseln zer­schnit­ten. Freddie stieg steif aus der Truhe und dehn­te sei­ne Gliedmaßen.

»Wo kommt ihr denn her?«, woll­te er wis­sen. »Wie habt ihr her­aus­ge­fun­den, dass mein Bruder mich ent­füh­ren ließ? Seine Kumpels sind euch doch auf der Spur gewesen.«

»Ja, ja, das sind sie immer noch«, ant­wor­te­te Sandra. »Hauptsache ist, dass wir Sie gefun­den haben.«

»Ich weiß auch nicht, was in mei­nen Bruder gefah­ren ist. Ein biss­chen ver­rückt war er schon immer. Aber jetzt scheint er kom­plett durch­ge­dreht zu sein. Nur weil ich zwei Aras ver­schenkt habe, stellt euch das mal vor!« Freddie hat­te inzwi­schen auf einem der Stühle im vor­de­ren Raum Platz genommen.

»Wissen Sie, war­um Ihr Bruder Bill unbe­dingt die Papageien zurück­ha­ben woll­te?«, frag­te Marc.

Freddie schüt­tel­te den Kopf. »Zuerst wuss­te ich es nicht. Dann hör­te ich von euch und eurem Kommissar, dass die Vögel gestoh­len wur­den. Da wur­de ich stut­zig, da Bill mich kurz vor dem Diebstahl um die Registrierungspapiere der bei­den Vögel gebe­ten hat­te. Da ich ja wuss­te, dass sie gefälscht waren, habe ich ihm gesagt, dass ich sie nicht habe. Da ist er rich­tig wütend gewor­den. Als er dann her­aus­fand, dass es sich um drei Aras han­del­te, die ich vom Hauptzollamt bekom­men hat­te, dreh­te er völ­lig durch. Er droh­te, die Papageienzucht zu schlie­ßen. Er woll­te sofort den drit­ten Papagei haben. Da habe ich ihn ange­lo­gen und gesagt, dass ich den eben­falls ver­schenkt hätte.«

»Das hat er Ihnen geglaubt?«, frag­te Sandra.

»Ja, bis heu­te. Da hat er her­aus­ge­fun­den, dass ich gelo­gen habe. Inzwischen hat­te ich den Ring und die Papiere versteckt.«

»Wissen Sie, war­um er die gefälsch­ten Registrierungen will? Damit kann man doch nichts anfan­gen«, hak­te Kevin nach, doch Freddie zuck­te nur mit den Schultern.

»Da fragst du mich zu viel. Ich habe nicht die lei­ses­te Ahnung, was das gan­ze Spiel zu bedeu­ten hat.«

Sandra hat­te eine wei­te­re Frage: »Sie haben vor­hin gesagt, dass Ihr Bruder die Zuchtstation schlie­ßen will. Wir dach­ten bis­her, Sie sei­en der Geschäftsführer. Wie kann Ihr Bruder Ihnen mit Schließung drohen?«

»Ja lei­der, das kann er. Er ist der eigent­li­che Chef des Unternehmens. Ich darf mich zwar Geschäftsführer nen­nen, bin aber in Wirklichkeit nur ein ein­fa­cher Angestellter. Bisher hat mich mein Bruder immer schal­ten und wal­ten las­sen, wie ich es woll­te. Erst seit die­ser mys­te­riö­sen Papageiensache ist er so komisch.«

Marc schau­te auf sei­ne Uhr. »Ich den­ke, wir soll­ten erst mal das Weite suchen. Sonst kommt Ihr Bruder mit sei­nen Helfern zurück und fin­det uns hier.«

Freddie Coleman stand besorgt auf. »Du hast Recht, lasst uns ver­schwin­den. Ich habe kei­ne Ahnung wo wir sind. Ich hat­te wäh­rend der gan­zen Fahrt die Augen ver­bun­den. Und, äh …« Er erstarr­te, als er bei­läu­fig aus dem Fenster schau­te. Eine dro­hen­de Grimasse lächel­te ihn von außen an.

Im glei­chen Moment hat­ten es die Jugendlichen auch bemerkt. Freddies Bruder Bill und ein wei­te­rer Mann betra­ten wütend die Hütte.

»Da seid ihr ja!«, begann Bill mit aggres­si­ver Stimme. »Wie ich euch ken­ne, habt ihr bestimmt nur Flickzeug für euer Fahrrad gesucht und seid dabei rein zufäl­lig auf mei­nen Bruder gestoßen.«

Mit einer kur­zen Geste bedeu­te­te er dem vor dem Fenster war­ten­den Mann, die Umgebung zu beob­ach­ten, damit sie nicht gestört wurden.

»Na, jetzt sitzt ihr aber ganz schön in der Klemme. Wenn ihr den Zahlencode wie ver­ab­re­det bei uns am Parkplatz abge­lie­fert hät­tet, dann wäre alles in Ordnung gewe­sen und wir hät­ten euch viel­leicht gehen las­sen. Warum habt ihr uns nur so lan­ge war­ten las­sen? Nun habt ihr sicher­lich Verständnis dafür, dass ich euch nicht mehr lau­fen las­sen kann.«

»Um Himmels wil­len, Bill! Was ist denn in dich gefah­ren?», rief Freddie. »Du kannst doch nicht die­se Jugendlichen kid­nap­pen. Es ist schlimm genug, dass du mich ent­führt hast.«

»Halt die Klappe, Bruder. Du hast kei­ne Ahnung. Jahrelang hast du brav den Laden geführt ohne zu wis­sen, was läuft. Denkst du wirk­lich, das gan­ze Geld haben wir mit der Zucht und dem Verkauf der paar krei­schen­den Viecher ver­dient? Mensch, bist du aber naiv, hahaha!«

Bill und sein bewaff­ne­ter Kumpan hat­ten die Jugendlichen und Freddie inzwi­schen auf die Eckbank gedrängt. Dort saßen sie und trau­ten ihren Ohren nicht.

Freddie unter­nahm einen neu­er­li­chen Anlauf, sei­nen Bruder umzu­stim­men. »Bill, sag mir wenigs­tens, war­um dir die­se Zahlencodes so wich­tig sind. Ich habe dir doch schon mehr­fach gesagt, dass es sich um Fälschungen von Registrierungen handelt.«

»Hahaha«, lach­te Bill. »Natürlich sind es Fälschungen. Die Papageien und die rich­ti­gen Registrierungsnummern inter­es­sie­ren mich einen feuch­ten Dreck. Ich habe zwei der Codes, nur der drit­te fehlt mir noch.« Er blick­te die wil­den Vier scharf an. »Und eben die­se feh­len­de Zahlenreihe habt ihr mir mit­ge­bracht. Das hof­fe ich wenigs­tens für euch. Los, gebt sie mir sofort.«

Sandra schau­te ihn frech an. »So ein­fach geht das nicht. Was wol­len Sie machen, wenn wir sie nicht haben?«

»Blödsinn, du weißt genau, was wir dann tun. Zuerst durch­su­chen wir euch und glaubt ja nicht, dass wir dabei zim­per­lich vor­ge­hen. Wenn ihr den Zahlencode wirk­lich nicht dabei­habt, dann liegt er in dem Ordner im Büro. Mein Bruder war so nett, uns den rich­ti­gen Ordner zu nennen.«

Sandra befand sich in einer Zwickmühle. Schließlich zog sie einen zer­knit­ter­ten Zettel aus ihrer Hosentasche und gab ihn Bill.

»Hast du es also doch kapiert?«, grins­te er. »Wir fackeln näm­lich nicht lan­ge. So, lass mal schau­en.« Er blick­te auf die Zahlen, stutz­te, und schau­te dann böse auf Sandra. »Du willst mich wohl ver­äp­peln? Das sind nicht die rich­ti­gen Zahlen!« Er wur­de immer lau­ter und war nah dran, vor Wut in die Luft zu gehen.

Sandra blieb unbe­küm­mert sit­zen und reagier­te nicht auf das Geschrei des Ganoven.

Als Bill nach Luft schnapp­te, sah sie ihm direkt in die Augen und sag­te in einem Tonfall, als gin­ge es nur um das Wetter: »Sie glau­ben doch nicht, dass wir Ihnen die rich­ti­gen Zahlen auf einem gol­de­nen Teller prä­sen­tie­ren. Damit Sie sich kei­ne fal­schen Hoffnungen machen, die rich­ti­gen Zahlen und der Ring sind längst nicht mehr im Ordner. Ich habe bei­des gut versteckt.«

Bill wur­de noch wüten­der. Er nahm eine Blumenvase vom Tisch und warf sie mit vol­ler Wucht an die Wand neben dem Fenster. Mit lau­tem Knall zer­brach sie in tau­send Teile.

Kerstin, Kevin und Marc waren mit der Situation über­for­dert. Was hat­te ihre Freundin vor?

Schließlich bekam sich Bill eini­ger­ma­ßen in den Griff. »Wie ihr wollt. Dann müsst ihr halt noch eine Weile hier­blei­ben. Und du«, er deu­te­te auf Sandra, »Fährst jetzt mit Kalli zum Büro. Und wenn du noch ein­mal ver­suchst, krum­me Touren zu machen, ergeht es dir und dei­nen Freunden schlecht, ver­stan­den? Die ande­ren drei wer­den gefes­selt.« Er wand­te sich an Kalli, der neben ihm stand. »Pass gut auf sie auf. Wenn du die Zahlen hast, gibst du mir Bescheid, okay?«

Kalli nick­te zackig. »Ja Boss, das wird nicht lan­ge dauern.«

Er fass­te Sandra an ihrem Oberarm, dass sie mein­te, er hät­te Schraubstöcke an sei­nen Armen. Sie hat­te kei­ne Chance zu flie­hen, der Mann muss­te Bodybuilder sein.

Sandra hat­te den­noch die gan­ze Zeit gehofft, zurück ins Büro zu kom­men. Sie hat­te näm­lich noch einen Joker in der Tasche. Dazu durf­te sie aller­dings nicht gefes­selt sein.

Frage: Welchen Joker hat­te Sandra in ihrer Tasche?

Antwort: .etnnok netro eis nam timad ‚nez­tesuz­ba furtoN nenie ‚neg­ni­leg rhi se nnak thcielleiV .nek­cets­nie eidderF nov ydnaH sad tah eiS

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 7

Cover Die wilden Vier - Band 3

Die Wilden Vier grei­fen ein

Autor: Harald Schneider

»Mensch, das ist doch logisch! Warum sind wir nicht frü­her drauf­ge­kom­men? Natürlich suchen die Gauner den Ring und die Papiere«, rief Sandra.

Marc schüt­tel­te den Kopf. »Das macht doch abso­lut kei­nen Sinn! Weder auf dem Ring noch in den Papieren stand ein gül­ti­ger Registrierungscode. Und die sinn­lo­sen Zahlen sind völ­lig uninteressant.«

 »Ich glau­be, die Zahlencodes sind nur für die Züchter unin­ter­es­sant«, wider­sprach Kerstin. »Irgendetwas wird es mit den Zahlen auf sich haben. Und ich weiß auch, was es ist!«

»Na, dann schieß mal los«, for­der­te Kerstin ihre Freundin ungläu­big auf.

»Ganz ein­fach, die Zahlencodes auf den Registrierungsringen, bezie­hungs­wei­se in den Papieren, erge­ben eine ver­schlüs­sel­te Geheimnachricht. Nur wenn man den Geheimschlüssel kennt und alle drei Papageiencodes hat, kann man die Nachricht entschlüsseln.«

Kerstin schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. »Jetzt ver­ste­he ich auch, war­um die bei­den Aras aus dem Ebert-Park gestoh­len wur­den. Es ging nicht um die Papageien, son­dern um die Zahlen auf den Ringen.«

Sandra nick­te. »Dummerweise haben die Gauner im Park nur zwei der gesuch­ten Aras gefun­den. Sie muss­ten aber gewusst haben, dass sie aus Colemans Papageienzucht kamen. Deshalb waren sie hier, um den drit­ten Code zu beschaffen.«

»Den unser Freddie aus irgend­ei­nem Grund ver­steckt hat«, ergänz­te Marc.

»Das hat er viel­leicht noch nicht ein­mal mit Absicht gemacht«, warf Kerstin ein. »Vielleicht hat­te er es gut gemeint und den fal­schen Ring ent­fernt und zusam­men mit den gefälsch­ten Papieren weggeworfen.«

»Weggeworfen?«, wie­der­hol­te Sandra. »Du bringst mich auf eine Idee!« Sie lief zurück ins Büro. Die ande­ren folg­ten ihr mit Frau Coleman.

Im Büro schnapp­te sie sich den über­füll­ten Papierkorb und ent­leer­te ihn auf einem frei­en Platz auf einem der Schreibtische. Ihre Freunde hat­ten inzwi­schen begrif­fen und hal­fen ihr, den Inhalt des Papierkorbes zu durchsuchen.

»Igitt«, schrie Marc, als er in einen ange­faul­ten Apfelrest fass­te. »Von Mülltrennung und Recycling hat der wohl noch nie was gehört!«

»Für ein Recycling taugt die­ses ver­gam­mel­te Ding wirk­lich nicht mehr«, neck­te ihn Kevin.

So sehr sie auch such­ten, sie fan­den weder die Papiere noch den Registrierungsring. Enttäuscht füll­ten sie die Reste wie­der in den Papierkorb.

»Freddie kann die Sachen natür­lich auch auf­ge­ho­ben und in einen der vie­len Ordner gesteckt haben«, mein­te Marc. »Dann wer­den wir schät­zungs­wei­se fünf Jahre brau­chen, um das gan­ze Chaos zu durchsuchen.«

Frau Coleman hat­te sich wie­der in den Sessel gesetzt. Obwohl sie noch ziem­lich mit­ge­nom­men aus­sah sprach sie mit gefass­ter Stimme. »Ich hal­te die Warterei nicht mehr lan­ge aus. Wenn sich die Entführer in einer Stunde nicht mel­den, wer­de ich die Polizei anrufen.«

Sandra woll­te gera­de ant­wor­ten, da klin­gel­te neben ihr ein Handy. Alle zuck­ten wegen des uner­war­te­ten Geräusches zusam­men. Sandra hob zwei oder drei Prospekte vom Schreibtisch und ent­deck­te das Mobiltelefon. Etwas unsi­cher nahm sie es in die Hand und drück­te vor­sich­tig die Sprechtaste.

»Ja?«, sprach sie.

Die ande­ren stan­den regungs­los dane­ben und ver­such­ten ange­strengt, etwas von dem Gespräch mit­zu­be­kom­men. Doch außer einem gele­gent­li­chen »Ja« oder »Okay« von Sandra konn­ten sie nichts ver­ste­hen. Nur ein­mal sag­te sie ener­gisch: »Nein, so läuft das nicht. Wir kom­men zu Ihnen!« Zwei Minuten spä­ter been­de­te ihre Freundin das Telefonat.

»Wer war das?«, drän­gel­te Kevin. »Nun sag schon!«

Sandra ant­wor­te­te: »Das waren tat­säch­lich die­se Gauner, was auch nicht anders zu erwar­ten war. Dies ist Freddies Handy.« Sie hob das Telefon hoch und sprach wei­ter: »Freddie hat ihnen ver­ra­ten, wo der Ring ist. Sie ver­lan­gen von mir, dass ich ihn suche und ihnen am Telefon die ein­ge­präg­te Nummer durch­ge­be. Da habe ich mich ein­fach geweigert.«

»Und nun? Was pas­siert jetzt?«, frag­te Marc.

»Ist doch klar. Wir fah­ren zu den Gaunern. Übrigens wis­sen sie, wer wir sind, da sie uns gese­hen haben, als wir gekom­men sind. Freddie muss ihnen dar­auf­hin alles von uns berich­tet haben.«

»Das ist doch nicht mög­lich!«, rief Kerstin erstaunt. »Wenn die dir am Telefon gesagt haben, wo wir sie fin­den, könn­ten wir doch die Polizei anrufen.«

»So ein­fach haben die es uns auch wie­der nicht gemacht«, wehr­te Sandra ab. »Wir sol­len mit unse­ren Rädern ganz lang­sam an der Schule in Maudach vor­bei­fah­ren, damit sie sehen kön­nen, dass wir allei­ne sind. Danach mel­den sie sich wie­der auf die­sem Handy.«

»Ach ja«, ergänz­te sie mit Blick auf Marc. »Elvis wirst du nicht mit­neh­men kön­nen. Darauf haben die Ganoven bestan­den. Lass ihn am bes­ten bei Frau Coleman im Büro.«

Freddies Mutter hat­te sich erho­ben und rede­te ängst­lich auf die Jugendlichen ein: »Das könnt ihr nicht machen! Das ist viel zu gefähr­lich. Es reicht, wenn die mei­nen Sohn haben. Die Gauner wer­den euch bestimmt auch gefan­gen nehmen!«

»Keine Angst«, beru­hig­te Marc sie. »Wir sind schon mit ganz ande­ren Ganoven fer­tig gewor­den. Darf ich mei­nen Dalmatiner solan­ge bei Ihnen lassen?«

Sandra war wäh­rend­des­sen an eine Regalwand gegan­gen und such­te etwas. Schließlich zog sie einen Ordner her­vor und öff­ne­te ihn. Ganz vor­ne befand sich eine Klarsichthülle, in der ein Ring steck­te. Sie nahm ihn her­aus und ent­zif­fer­te die ein­ge­präg­te Zahl auf der Innenseite des Ringes.

»Mir sagt die­se Zahl über­haupt nichts«, sag­te sie kopf­schüt­telnd und riss ein Blatt von einem Notizblock ab, der vor ihr auf dem Schreibtisch lag. Mit dem dane­ben­lie­gen­den Kugelschreiber notier­te sie die Nummer. »So, und jetzt gleich noch mal«, sag­te sie und wie­der­hol­te das Ganze auf einem zwei­ten Blatt.

»Wozu soll das gut sein?«, woll­te Kevin wissen.

»Das ist mein Geheimnis. Das wirst du noch sehen. Los kommt, wir soll­ten eigent­lich längst weg sein.«

Die vier beru­hig­ten Frau Coleman mit ein paar Worten und ver­spra­chen ihr, sich so bald wie mög­lich bei ihr zu mel­den. Marc ver­ab­schie­de­te sich von sei­nem Hund, nach­dem er ihm eine Schüssel mit Wasser hin­ge­stellt hat­te. Dann schwan­gen sich die Freunde auf ihre Räder und fuh­ren in Richtung Schule.

»Warum sol­len wir aus­ge­rech­net an der Schule vor­bei­fah­ren?«, frag­te Kevin unterwegs.

»Das weiß ich auch nicht«, ant­wor­te­te Sandra. »Vielleicht kön­nen sie uns dort gut beobachten.«

»Du Sandra, hast du auch das Handy dabei?«, frag­te Marc plötzlich.

Sandra griff in ihre Hosentasche und zog das klei­ne Gerät her­aus. »Für wie doof hältst du mich eigentlich?«

»Man wird ja noch mal fra­gen dür­fen«, ant­wor­te­te Marc belei­digt. »Hoffentlich ist der Akku voll.«

In die­sem Moment bogen sie in die Schilfstraße ein und sahen das Schulgebäude auf der lin­ken Straßenseite.

»Jetzt lasst uns da lang­sam vor­bei­fah­ren«, mein­te Kerstin. »Hoffentlich sehen die uns.«

»Darauf kannst du Gift neh­men.«, lach­te Marc. »Die wol­len ja etwas Wichtiges von uns haben.«

Sie hiel­ten nach dem dunk­len Kastenwagen und ande­ren ver­däch­ti­gen Personen Ausschau, aber lei­der ohne Erfolg.

Nachdem sie die Schule hin­ter sich gelas­sen hat­ten, hiel­ten sie am Straßenrand an.

»Und was machen wir nun?«, frag­te Kerstin ratlos.

In die­sem Augenblick klin­gel­te das Handy in Sandras Hosentasche. Während sie mit Freddies Entführern sprach, stan­den ihre Freunde auf­ge­regt um sie herum.

»Ja, okay, machen wir«, been­de­te Sandra das Gespräch und leg­te auf. »Hört zu«, begann sie ihre Freunde über ihr Gespräch zu infor­mie­ren. »Die müs­sen uns tat­säch­lich beob­ach­tet haben. Sie wis­sen, dass wir allei­ne unter­wegs sind und das Elvis nicht dabei ist. Wir sol­len in den Maudacher Bruch fah­ren. Zuerst am Michaelsberg vor­bei, dann zwi­schen Schreier- und Jägerweiher hin­durch aufs offe­ne Feld immer wei­ter nach Norden. Kurz hin­ter dem Jägerweiher lie­gen rechts jede Menge Schrebergärten. Wir sol­len bis zum Einfahrtstor des Hintereingangs fah­ren und dort auf wei­te­re Instruktionen warten.«

»Na, dann mal los«, sag­te Kevin. »Da haben wir noch ein ganz schö­nes Stück vor uns.«

»Außerdem haben die Gauner die Strecke geschickt aus­ge­wählt«, füg­te Sandra hin­zu. »Autos dür­fen dort nicht fah­ren und man kann leicht kon­trol­lie­ren, ob uns nicht doch jemand in grö­ße­rem Abstand folgt.«

Bereits zwei Minuten spä­ter erreich­ten die vier den Ortsrand. Unmittelbar dar­an schloss sich der Wald an. Bereits nach zwei­hun­dert Metern erreich­ten sie das freie Feld. Dort bogen sie nach rechts zu den Weihern ab.

»Seht mal, auf der rech­ten Seite.« Kerstin deu­te­te auf einen grö­ße­ren Hügel. »Das ist der Michaelsberg. Nur weni­ge wis­sen, dass der Berg nur aus Müll besteht. Da haben die Ludwigshafener Jahrzehnte lang ihren gan­zen Dreck abge­la­den. Da der Müll inzwi­schen ver­brannt wird, hat man die Deponie geschlos­sen und den Berg begrünt. Nun kann man dar­auf spa­zie­ren gehen.«

Niemand inter­es­sier­te sich für Kerstins Ausführungen. Zu ange­spannt war die Lage. Die Konfrontation mit Freddies Entführern schien unmit­tel­bar bevorzustehen.

Die wil­den Vier fuh­ren wei­ter Richtung Norden. Den Jägerweiher hat­ten sie schon hin­ter sich gelas­sen. In der Ferne konn­te man die Geräuschkulisse der Autobahn hören.

»Wie weit müs­sen wir noch fah­ren?«, frag­te Kevin ungeduldig.

»Nur noch einen kur­zen Augenblick, Bruderherz«, ant­wor­te­te sei­ne Schwester. »Gleich haben wir unser Ziel erreicht.«

Kurz dar­auf bogen sie an einer Wegkreuzung rechts ab und erreich­ten den Eingang zu den Schrebergärten.

»In die­ser Idylle sol­len sich die Gauner auf­hal­ten?«, frag­te Sandra ungläubig.

»Vielleicht sind wir noch gar nicht am end­gül­ti­gen Ziel und müs­sen noch wei­ter«, mut­maß­te Marc.

Die vier stie­gen von ihren Rädern und schau­ten neu­gie­rig in die Gartenanlage.

»Da scheint nicht gera­de viel Betrieb zu sein«, mein­te Kerstin.

»Für die Gartenbesitzer dürf­te es inzwi­schen zu kalt gewor­den sein«, ver­mu­te­te Sandra. »Diese klei­nen Steinhäuschen auf den Parzellen ver­fü­gen zwar alle über Heizung, aber die Gartensaison ist für die­ses Jahr end­gül­tig vorbei.«

»Also ein idea­les Versteck für unse­re Freunde«, mein­te Sandra. »Aber war­um klin­gelt die­ses blö­de Handy nicht? Diesmal las­sen die uns ewig warten.«

»Das könn­te zwei­er­lei bedeu­ten«, schluss­fol­ger­te Kevin. »Entweder sind die Gauner selbst noch nicht am Ziel oder sie sind nicht in unse­rer Nähe und wol­len etwas war­ten, um sicher zu gehen, dass wir wirk­lich hier am Eingang stehen.«

Die wil­den Vier muss­ten fast fünf end­lo­se Minuten war­ten, ehe das Handy läutete.

Auch die­ses Mal sprach Sandra mit den Entführern. Die Mitteilung schien sehr kurz zu sein, denn nach weni­ger als einer Minute war das Gespräch beendet.

»Auf geht’s, wir müs­sen wei­ter. Wir sol­len den Hauptweg quer durch die Anlage fah­ren und auf dem gro­ßen Parkplatz am ande­ren Ende war­ten. Sie wür­den sich dann wie­der melden.«

Die vier radel­ten den brei­ten Weg ent­lang. Auf ein­mal zog Kevin schlag­ar­tig die Bremse. Da er vor­ne fuhr, kam es fast zu einem Auffahrunfall.

»He, was soll das, Kevin? Sollen wir wegen dir stürzen?«

»Seid mal ruhig. Ich habe was gese­hen.« Blitzschnell stieg er von sei­nem Rad und lehn­te es an einen Zaun.

»Bleibt am bes­ten hier ste­hen. Ich glau­be, ich habe im letz­ten Seitenweg den Kastenwagen gese­hen. Ich schlei­che mich mal an und son­die­re die Lage.«

»Ich glau­be, das muss ein ande­rer Wagen sein«, sag­te Marc. »Die Gauner war­ten bestimmt auf dem Parkplatz auf uns.«

»Ich weiß nicht«, sag­te Sandra. »Es könn­te schon mög­lich sein, dass Kevin Recht hat. Die Entführer hal­ten bestimmt Freddie in einem die­ser Häuschen gefan­gen. Von uns wol­len sie bloß den Ring. Daher gibt es für sie kei­ne Veranlassung, uns zu ihrem Versteck zu führen.«

Kevin war bereits ver­schwun­den. Er ging bis zur letz­ten Wegkreuzung zurück und schau­te vor­sich­tig um die Ecke. Es war kein mensch­li­ches Wesen zu sehen. Bäume und Büsche als Deckung neh­mend, schlich er näher. Tatsächlich, es war der bekann­te schwar­ze Kastenwagen mit den abge­dun­kel­ten Scheiben. Und dahin­ter stand auch die Harley-Davidson. Kevin schlich wei­ter bis zum Wagen. Er ver­such­te, etwas auf dem angren­zen­den Gartengrundstück zu erkennen.

Auf dem Rasen stand ein Campingtisch mit vier Stühlen. Auf dem Tisch lagen meh­re­re Schraubendreher und Zangen. Daneben erkann­te er bei genaue­rem Hinsehen einen Fotoapparat und meh­re­re Objektive. Das klei­ne Haus, das am hin­te­ren Ende des Grundstücks lag, gab kei­ne Hinweise auf mög­li­che Bewohner. Die Vorhänge waren zuge­zo­gen. Kevin war­te­te einen Augenblick, ohne dass sich etwas Verdächtiges bewegte.

Dann hat­te er genug gese­hen. Geduckt schlich er auf dem glei­chen Weg zu sei­nen Freunden zurück. Dort war­te­te er mit einer Überraschung auf.

»Das ist der gesuch­te Wagen. Hier sind wir rich­tig. Es scheint sich im Moment nie­mand dort auf­zu­hal­ten. Ach noch was, ich ken­ne einen der Entführer mit Namen.«

Frage: Wen mein­te Kevin und war­um war er sich so sicher?

Antwort: Kevin hat­te Bills Harley-Davidson ent­deckt. Allem Anschein nach hat­te Bill sei­nen eige­nen Bruder ent­füh­ren lassen.

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 6

Cover Die wilden Vier - Band 3

Entführt

Autor: Harald Schneider

»Na klar«, ent­fuhr es Kerstin. »Wie konn­te uns das nur ent­ge­hen? Logisch, es gibt drei Papageien, Coleman hat aber nur zwei Stück davon an Protzig weitergegeben.«

»Er hat uns von dem drit­ten Vogel über­haupt nichts erzählt«, ergänz­te Kevin. »Den hat er ein­fach ver­schwie­gen. Das fin­de ich äußerst seltsam.«

Marc stand vol­ler Tatendrang auf. »Los, auf was war­tet ihr? Lasst uns zu Coleman fah­ren und die­sen Ara suchen! Hoffentlich hat er den nicht auch verschenkt.«

Da in die­sem Moment gera­de die pas­sen­de Straßenbahn vor­fuhr, stie­gen die wil­den Vier ohne zu zögern ein und fuh­ren über den Rhein zurück nach Ludwigshafen.

»Zuerst müs­sen wir aber nach Hause, um unse­re Fotoapparate zu holen«, hielt Sandra die ande­ren auf. »Schließlich brau­chen wir einen Grund um bei unse­rem ame­ri­ka­ni­schen Freund Freddie Coleman aufzutauchen.«

»Ob das wirk­lich unser Freund ist, wird sich noch zei­gen«, zisch­te Kevin.

»Kommt, wir fah­ren mit dem Fahrrad nach Maudach. Dann sind wir nicht auf den Busfahrplan ange­wie­sen und kön­nen uns das Umsteigen in der Gartenstadt spa­ren«, mein­te Kerstin.

»Wie wär’s, wenn wir uns von Kommissar Greulich fah­ren las­sen?«, schlug Sandra ver­schmitzt vor. Doch es war allen klar, dass sie das nicht im Ernst gemeint hatte.

Es war bereits Nachmittag, als die wil­den Vier Richtung Maudach radel­ten. Marc han­del­te ziem­lich unver­nünf­tig, denn er hat­te sei­nen gelieb­ten Elvis mit­ge­bracht, den er bei sei­nem Onkel Franz abge­holt hatte.

»Ich kann ihn doch unmög­lich solan­ge allei­ne las­sen«, ver­tei­dig­te er sich, als die ande­ren ihn dar­auf anspra­chen. »Außerdem hat Onkel Franz im Moment so wenig Zeit, mit ihm Gassi zu gehen. Mit uns kann Elvis sich so rich­tig austoben.«

»Hoffentlich tobt er sich nicht an den Vögeln aus«, erwi­der­te Kevin. »Sonst schmeißt uns Coleman hoch­kan­tig raus. Und dann ist unser Abenteuer vor­bei, bevor es rich­tig ange­fan­gen hat.«

Sie nah­men eine klei­ne Abkürzung durch den Maudacher Bruch, die für Autos nicht zuge­las­sen war. Sie kamen gera­de in dem Moment bei der Papageienzuchtstation an, als der dunk­le Kastenwagen, den sie bereits von ihrem ers­ten Besuch kann­ten, aus der Hofeinfahrt her­aus­ge­schos­sen kam und die vier bei­na­he über den Haufen fuhr. Kerstin, die vor­ne radel­te, konn­te gera­de noch den Lenker herumreißen.

»Was ist das denn für ein Idiot!«, schrie sie wütend. Auch der arme Dalmatiner hat­te sich hef­tig erschro­cken und kläff­te auf­ge­regt dem davon­brau­sen­den Wagen hinterher.

»Habt ihr gese­hen, ob Coleman drinsaß?«

Marc, der von sei­nem Rad abge­sprun­gen war, erwi­der­te außer Atem: »Durch die dun­kel getön­ten Scheiben konn­te man über­haupt nichts erkennen.«

Kopfschüttelnd scho­ben die wil­den Vier ihre Räder durch das offen­ste­hen­de Tor in den Hof hin­ein. Und dort war­te­te die nächs­te Überraschung auf das Team. Die älte­re Frau, die sie schon das letz­te Mal gese­hen hat­ten, kam ihnen trä­nen­über­strömt entgegengelaufen.

»Meinen Sohn, sie haben mei­nen Sohn ent­führt! Ach du lie­ber Himmel, sie haben mei­nen Freddie ein­fach mit­ge­nom­men. Was soll ich bloß machen?«

Sandra ließ ihr Fahrrad fal­len und nahm die Frau trös­tend in den Arm. »Beruhigen Sie sich erst ein­mal. Wir wer­den Ihnen hel­fen. Was ist denn pas­siert? Wer hat Ihren Sohn ent­führt? Kennen Sie die­se Leute?«

Die Frau ver­grub ver­zwei­felnd ihren Kopf in bei­den Händen und wein­te unauf­hör­lich wei­ter. Wahrscheinlich hat sie noch gar nicht mit­be­kom­men, dass um sie her­um jemand stand. Nach einer Weile begann sie zögernd zu spre­chen. »Ich ken­ne die Männer nicht. Was wer­den die nur mit mei­nem Freddie machen? Ich habe ihn doch immer gewarnt!«

Sandra schau­te ihre Gefährten fra­gend an. Was mein­te die Frau damit?

»Lassen Sie uns ins Haus gehen um die Polizei zu rufen, die wird bestimmt sofort kom­men und nach den Entführern fahn­den«, sag­te Sandra, um Frau Coleman zu beruhigen.

»Die Polizei? Seid ihr ver­rückt? Die Kerle haben damit gedroht, dass ich mei­nen Sohn nie mehr wie­der­se­hen wer­de, wenn ich die Polizei einschalte!«

»Ja aber, was haben die Entführer denn von Ihrem Sohn gewollt? Haben sie ein Lösegeld gefor­dert?«, woll­te Kevin wissen.

Die Frau wein­te wie­der hef­ti­ger. Deshalb dau­er­te es eine Weile, bis sie ant­wor­ten konn­te. »Ich weiß nicht, was sie woll­ten. Zuerst sind sie zu mei­nem Sohn ins Büro gegan­gen, dann haben sie dort lan­ge mit ihm gestrit­ten und schließ­lich haben sie ihn ein­fach in den schwar­zen Kastenwagen gewor­fen und mit­ge­nom­men. Der Wagen gehört mei­nem Sohn Bill, das ist Freddies Bruder.«

»Haben Sie mit den Entführern gespro­chen? Wie vie­le Gauner waren es?«, frag­te Marc aufgeregt.

Freddies Mutter wisch­te sich die Tränen aus den Augen, sah ihn lan­ge an und über­leg­te ange­strengt, bevor sie mit wei­ner­li­cher Stimme ant­wor­te­te: »Zwei Kerle waren es, so groß und breit wie Kleiderschränke. Ich woll­te gera­de ins Büro gehen und nach­schau­en, was der gan­ze Lärm zu bedeu­ten hat­te, als sie in die­sem Moment mit Freddie raus­ka­men. Er war gekne­belt und gefes­selt. Die Gangster haben mir dro­hend zuge­ru­fen, dass sie sich bald wie­der mel­den wer­den und ich das Gelände auf kei­nen Fall ver­las­sen darf. Dann waren sie mit ihm noch kurz bei den Volieren und danach haben sie ihn im Wagen mitgenommen.«

»Kommen Sie, Frau Coleman, gehen wir ins Büro«, schlug Kerstin vor. »Vielleicht kön­nen wir eine Spur fin­den und her­aus­fin­den, was die bei­den Kerle von ihrem Sohn wollten.«

Bereitwillig ließ sich Frau Coleman ins Büro füh­ren. Ein Schild, auf dem ›Zum Büro‹ stand, zeig­te den wil­den Vier den rich­ti­gen Weg.

»Oje, oje!« Freddies Mutter schlug die Hände über dem Kopf zusam­men, als sie das Chaos in dem Zimmer sah. Alle Schränke, Schubladen und Regale waren durch­sucht, Ordner und aller­lei Bürokram lagen ver­streut auf dem Boden herum.

»Die haben gewü­tet wie die Vandalen«, bemerk­te Sandra kopfschüttelnd.

Kerstin führ­te Frau Coleman zu einem gepols­ter­ten Ledersessel. »Setzen Sie sich. Wir schau­en uns mal ein biss­chen um.«

Die wil­den Vier began­nen, sich inten­siv in dem Raum umzu­schau­en. Das Büro bestand aus einem gro­ßen, recht­ecki­gen Raum, der in der Mitte durch einen Raumteiler teil­wei­se abge­trennt war. Neben dem Schreibtisch des Chefs mit dem Ledersessel gab es zwei wei­te­re Schreibtischplätze, die mit Computern aus­ge­stat­tet waren. Mit Ausnahme der brei­ten Fensterseite und der Tür waren alle Wandflächen mit Aktenschränken und Regalen zuge­stellt. Für die Größe des Büros schien es viel zu vie­le Akten, Papier und Krimskrams zu geben. Zu allem Überfluss stan­den näm­lich auch noch ein knap­pes Dutzend trag­ba­rer Vogelkäfige auf dem Boden her­um. Dazu meh­re­re Kartons mit diver­sem Vogelfutter, ein Werkzeugkasten, ein Sammelsurium an Trinkgefäßen für Papageien und vie­les mehr.

»Mann, o Mann«, stöhn­te Kevin. »Hier hat es vor der Durchsuchung wahr­schein­lich auch nicht viel auf­ge­räum­ter ausgesehen.«

Frau Coleman hat­te sich inzwi­schen so weit beru­higt, dass sie wie­der auf­ste­hen konn­te. Sie lief zwi­schen den ver­streu­ten Sachen her­um und schüt­tel­te ohne Unterlass den Kopf.

»O Freddie, war­um hast du es nur soweit kom­men las­sen?«, sprach sie wohl eher zu sich selbst.

»Was mei­nen Sie damit? Hat sich Ihr Sohn etwas zuschul­den kom­men las­sen?«, hak­te Sandra nach.

»Freddie? Nein, nie­mals! Mein Freddie doch nicht!«

Erneut schluch­zend ließ die ver­zwei­fel­te Frau erneut in den Sessel fal­len, bevor sie wei­ter­sprach. »Ich weiß es nicht. Er hat mir nie etwas gesagt. Aber immer hat­te er einen Haufen Geld in den Taschen und gab es mit vol­len Händen aus. Einmal habe ich Belege von einer Spielbank gefun­den. Er muss dort sehr viel Geld ver­lo­ren haben. «

»Und Sie haben kei­ne Ahnung, wo er das vie­le Geld her­ha­ben könn­te?«, frag­te Kevin.

»Er und Bill behaup­ten immer, die Papageienzucht wäre sehr ren­ta­bel. Ich habe das nie so rich­tig geglaubt. Wie oft habe ich den bei­den gesagt, sie sol­len mit ihren dubio­sen Geschäften auf­hö­ren. Aber sie haben bloß gelacht. Mutter, haben sie gesagt, du hast von der moder­nen Betriebswirtschaft ein­fach kei­ne Ahnung.«

Da es das zwei­te Mal war, dass die Frau ihren Sohn Bill erwähn­te, hak­te Marc nach. »Haben Ihre Söhne bei­de in die­ser Papageienzucht gear­bei­tet? Wir dach­ten, die­ses Geschäft gehö­re nur Freddie.«

»Ach Bill.« Frau Coleman seufz­te. »Der ist das schwar­ze Schaf in der Familie. Er fährt nur mit sei­nem schwe­ren Motorrad durch die Gegend und macht lau­fend Urlaub in allen mög­li­chen exo­ti­schen Ländern, um angeb­lich neue Lieferanten für Papageien zu fin­den. Aber in Deutschland küm­mert sich aus­schließ­lich Freddie ums Geschäft. Bill kommt nur, wenn er Geld braucht.«

Aha, dach­ten sich die vier Jugendlichen. Dann war das Bill, der sich bei ihrem letz­ten Besuch laut­stark mit sei­nem Bruder gestrit­ten hat­te und dann mit der Harley-Davidson vom Hof gefah­ren war.

»Können wir Ihren Sohn Bill irgend­wo errei­chen, Frau Coleman?«, frag­te Marc. »Vielleicht kann er uns wei­ter­hel­fen und weiß, was die Entführer von sei­nem Bruder wollten?«

»Ich habe kei­ne Ahnung, wo er sich her­um­treibt. Ich weiß nur, dass er im Moment in Deutschland ist. Er lässt sich aber nur bli­cken, wenn er was braucht, ansons­ten ist er nicht auf­find­bar. Gestern hat er mit Freddie gestrit­ten, weil irgend­wel­che Papiere nicht in Ordnung waren.«

»Hm«, sag­te Kevin plötz­lich. »Ich hab da so eine Vermutung, was die Entführer gesucht haben könn­ten. Lasst uns mal zu den Volieren gehen.«

Erstaunt sahen ihn die ande­ren an. Was konn­te er nur meinen?

Während sie gemein­sam mit Freddies Mutter das Büro ver­lie­ßen und zwi­schen den Nebengebäuden zu den Volieren gin­gen, klär­te Kevin sie auf: »Ich bin mir sicher, dass die Entführer nicht gefun­den haben, was sie such­ten. Wahrscheinlich haben sie sogar nur aus die­sem Grund Freddie entführt.«

»Klingt logisch«, sag­te Sandra. »Bloß was?«

»Warte mal ab. Bevor die bei­den Kerle zum Schluss mit dem gefes­sel­ten Freddie davon­ge­fah­ren sind, waren sie hin­ten bei den Vögeln. Ist das rich­tig, Frau Coleman?«

»Ja, aber sie waren nur ganz kurz dort. Ich weiß nicht, was sie bei den Volieren gemacht haben.«

»Aber ich kann es mir so lang­sam den­ken«, sag­te Kevin stolz. »Helft mir mal suchen. Wow, das sind ja wirk­lich eine Menge Vögel hier. Wir suchen eine Voliere, in der nur ein ein­zi­ger hell­ro­ter Ara sitzt.«

»Du meinst nicht etwa das drit­te Exemplar vom Hauptzollamt?«, rief Marc aufgeregt.

»Doch, genau die­ses Exemplar suchen wir jetzt. Ich bin mir sicher, dass es sich irgend­wo in einer der Volieren befin­det. Wenn wir den Vogel gefun­den haben, weiß ich genau, was die Entführer gesucht haben.«

Die wil­den Vier muss­ten jede Voliere ein­zeln inspi­zie­ren, denn auch Frau Coleman hat­te kei­ne Ahnung, ob und wo sich hier ein Ara befand.

Nach einer Weile wur­de Marc fün­dig. Er hat­te vor­sichts­hal­ber zuvor Elvis im Hof an einen Fahrradständer gebun­den, dann war er den ande­ren gefolgt. Voller Stolz rief er sei­ne Kameraden zu sich.

Da sie kei­ne wei­te­ren Aras fin­den konn­ten, waren die wil­den Vier so gut wie sicher, dass es sich um den feh­len­den drit­ten Papagei aus dem Hauptzollamt Mannheim handelte.

Kevin ging ganz nah an den Käfig und betrach­te­te den Vogel sehr genau und aus­gie­big. Schließlich sag­te er zu sei­nen Kameraden: »Ich bin mir jetzt abso­lut sicher, dass dies unser Vogel ist. Außerdem bin ich mir ganz sicher, was die Entführer gesucht aber nicht gefun­den haben!«

Frage: Warum war sich Kevin so sicher? Was haben die Entführer gesucht?

Antwort: .ettah tkcets­rev ereipaP eid dnu gniR ned re ow ‚ner­haf­re uz mhi nov mu ‚eidderF eis net­r­hüft­ne blahseD .ned­nufeg thcin ereipaP ned­ne­rö­he­guzad eid dnu gniR nes­eid nettah nevonaG eiD .ettah nieB ma remmunreirtsigeR tim gniR neniek iegapaP eth­cu­seg red ssad ‚tkcedt­ne ettah niveK

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 5

Cover Die wilden Vier - Band 3

Wer lügt?

Autor: Harald Schneider

Auf der Rückfahrt ins Polizeipräsidium erzähl­te Kommissar Greulich, dass er den Fall wahr­schein­lich zu den Akten legen wird. Auf der einen Seite ermit­tel­te das Hauptzollamt, auf der ande­ren Seite han­del­te es sich nur um einen gewöhn­li­chen Diebstahl. So etwas klär­te sich mit viel Glück irgend­wann per Zufall auf, wenn zum Beispiel die Papageien wei­ter­ver­kauft wurden.

Am Präsidium ange­kom­men, ver­ab­schie­de­te Greulich die Jugendlichen. »Jetzt wisst ihr, was Polizeiarbeit bedeu­tet. Man lernt aller­hand skur­ri­le Personen ken­nen, aber im Grunde ist es immer das glei­che. Tut mir leid, dass dies kein Fall für euch ist. Normale Diebstähle kom­men täg­lich vor. Bis zu zehn Fahrräder wer­den jeden Tag im Rhein-Neckar-Raum gestoh­len. Nur ein Bruchteil davon taucht wie­der auf.«

»Ja, wir waren erst kürz­lich bei einer Fahrradversteigerung«, mein­te Kevin todernst.

Der Kommissar sah ihn erstaunt an, bis ihm der Groschen fiel. »Ach so, ja, im Keller des Rathauscenters. Euer letz­ter Fall. Na ja, dann macht es mal gut. Wie wäre es zur Abwechslung mit ein paar Schulstreichen, damit ich wie­der was zu lachen habe?«

»Wir wer­den uns die bes­te Mühe geben«, ver­ab­schie­de­te sich nun auch Kevin. Lachend und win­kend trenn­ten sie sich.

Mit einem Blick auf ihre Armbanduhr mein­te Sandra: »Es ist noch ziem­lich früh, wir könn­ten im Clubraum noch die Sachlage besprechen.«

»Mir dampft der Schädel«, mein­te Marc. »Das ist alles so kompliziert.«

»Das ist es ja eben«, bekräf­tig­te Kerstin. »Ich glau­be, wir sind hin­ter einem rich­tig gro­ßen Ding her. Der Diebstahl ist nur ein klei­ner Teil davon. Hier geht es um viel mehr.«

Eine hal­be Stunde spä­ter hat­ten es sich die wil­den Vier in ihrem Raum gemüt­lich gemacht. Elvis lag wie immer auf sei­ner Lieblingsdecke vor der Couch und ließ sich kraulen.

»Halten wir also fest«, leg­te Sandra los. »Wir haben ein paar Papageien, die mit fal­schen Papieren am Frankfurter Flughafen ankom­men und für Mannheim bestimmt sind. Dann haben wir einen Papageienzüchter, der nicht weiß, dass Kakadus in Australien leben. Schließlich einen Parkverwalter, der es eigent­lich nicht mehr nötig hat, arbei­ten zu gehen. Und dann noch die ver­schwun­de­nen Papageien.«

»Ich glau­be, wenn wir die Papageien gefun­den haben, haben wir auch des Rätsels Lösung«, mein­te Kevin.

Marc schüt­tel­te ener­gisch den Kopf. »Die Papageien spie­len in die­ser Geschichte viel­leicht gar nicht die Hauptrolle. Wichtiger könn­ten die Ringe und die Papiere sein, die ver­schwun­den sind.«

»Wer könn­te uns nur wei­ter­hel­fen?«, über­leg­te Kerstin. »Protzig hat die Papiere nie gese­hen, und ob er die Ringe begut­ach­tet hat, wis­sen wir nicht. Coleman hat die Papiere angeb­lich ver­legt. Das kön­nen wir glau­ben oder nicht. Wir kön­nen ja schlecht bei ihm einbrechen.«

»Irgendwie müs­sen wir aber an wei­te­re Informationen gelan­gen«, mein­te Sandra. »Von unse­rem Kommissar haben wir im Moment nichts zu erwar­ten, der will den Fall zu den Akten legen. Wir könn­ten Protzig auf­su­chen und ihn nach den Ringen fra­gen. Wenn der dann aber Greulich davon erzählt, ist das ziem­lich blöd. Bei Coleman kön­nen wir vor­bei­fah­ren. Denn der hat uns ja ein­ge­la­den, um alles zu fotografieren.«

Marc wink­te ab. »Denkst du, der lässt die Papiere ein­fach so rum­lie­gen? Die hat er bestimmt längst ver­steckt oder verbrannt.«

»Hm, so kom­men wir auf kei­nen Fall wei­ter. Das sind zwar alles Dinge, die wir tun soll­ten, ob uns das aber ent­schei­dend wei­ter­hilft, mag ich bezwei­feln.« Kerstin ver­zog ärger­lich das Gesicht und schwieg.

Nach eini­ger Zeit mach­te Marc einen ver­nünf­ti­gen Vorschlag. »Lassen wir die­sen Fall erst mal bis mor­gen ruhen und schla­fen eine Nacht drü­ber. Vielleicht fällt uns bis mor­gen Mittag etwas ein.«

Daher trenn­ten sich die wil­den Vier bis zum nächs­ten Morgen.

Zu Schulbeginn erwar­te­te sie die ers­te Überraschung. Eigentlich war es kei­ne Überraschung, doch alle vier hat­ten die Mathearbeit in der ers­ten Stunde ver­ges­sen. Das war ein schwe­rer Schlag, vor allem für Kevin. Die Gleichungen, die zu lösen waren, tanz­ten ihm vor den Augen. Unlösbar, dach­te er. Doch auf ein­mal erin­ner­te er sich dar­an, dass man in der lin­ken Hälfte der Gleichung immer die glei­che Rechenoperation wie in der rech­ten Hälfte der Gleichung durch­füh­ren muss. Kurzentschlossen set­ze er bei­de Seiten der Gleichung in Klammern und mul­ti­pli­zier­te sie mit Null. So stand dann als Lösung 0 = 0 auf sei­nem Blatt. Vom logi­schen Standpunkt sicher rich­tig, doch ob sein Lehrer mit die­ser genia­len Lösung ein­ver­stan­den sein würde?

In der gro­ßen Pause tra­fen sich die vier Freunde an der abseits gele­ge­nen Sitzbank am hin­te­ren Ende des Schulhofes.

Kevin woll­te gera­de von sei­ner Heldentat bei der Mathearbeit zu berich­ten, da fiel ihm Marc ins Wort: »Ich weiß, was wir nach der Schule machen. Wir fah­ren mit der Straßenbahn nach Mannheim. Die Linie 6 fährt direkt dort­hin, dann brau­chen wir nicht umzusteigen.«

»Ja, Marc, wir wis­sen, dass Mannheim am ande­ren Rheinufer gegen­über von Ludwigshafen liegt«, mein­te Kerstin lako­nisch. »Was sol­len wir in Mannheim?«

»Versteht ihr denn nicht? In Mannheim ist eine Niederlassung des Hauptzollamtes. Dort kön­nen wir mehr über die Herkunft der Papageien erfahren.«

»Und du denkst, die erzäh­len uns ein­fach alles, wenn da ein paar Teenager auf­tau­chen?«, maul­te Kevin.

»Nun ja, irgend­ei­ne Story müs­sen wir uns schon ein­fal­len las­sen. Ein Versuch ist es doch wert, oder?«

Sandra nick­te eif­rig. »Und ich weiß auch schon wie. Wir spie­len wie­der Reporter für die Schülerzeitung. Damit kom­men wir durch!«

Entgegen der ursprüng­li­chen Absicht fuh­ren die wil­den Vier nicht mit der Linie 6 bis nach Mannheim, son­dern stie­gen in Ludwigshafen an der Haltestelle Berliner Platz in die Linie 3, die eben­falls nach Mannheim fuhr. Kerstin hat­te auf dem Stadtplan nach­ge­schaut und her­aus­ge­fun­den, dass sich das Hauptzollamt direkt neben dem Hauptbahnhof befand. Dort hielt aber nur die Linie 3.

Marc hat­te sei­nen schwarz­weiß gefleck­ten Freund sicher­heits­hal­ber bei sei­nem Onkel Franz gelassen.

»Wenn dort der Eintritt für Hunde ver­bo­ten ist, müss­te ich mit Elvis drau­ßen war­ten«, erklär­te er.

Das Zollamt befand sich in einem älte­ren Nebengebäude des gera­de frisch reno­vier­ten Hauptbahnhofes. Ein Schild mit dem Bundesadler besag­te, dass dies der Sitz der Behörde war.

Die wil­den Vier gin­gen in das Gebäude und waren von der Größe über­rascht. Nach drei Seiten gin­gen lan­ge Gänge ab und rechts vor ihnen war eine brei­te Treppe, die nach oben führ­te. Menschen lie­fen an ihnen vor­bei, ohne sich um die vier zu küm­mern. Einen Empfang schien es in die­sem Amt nicht zu geben.

»Entschuldigen Sie«, sprach Kerstin eine Frau an, in der Hoffnung, dass sie hier arbei­te­te. »Können Sie uns sagen, wo wir Informationen über Papageien bekom­men können?«

Die Frau muss­te nicht lan­ge über­le­gen. »Importabteilung bedroh­te Tiere, da müsst ihr die­sen Gang nach rechts, in Zimmer 43. Dort sitzt ein Herr Herrmann.«

Kerstin bedank­te sich bei der Frau und die Jugendlichen mach­ten sich auf den Weg.

Vor Zimmer 43 blie­ben sie ste­hen. Die Tür stand offen.

Unentschlossen stan­den sie da, als sie von innen eine Stimme ver­nah­men: »Kann ich euch irgend­wie helfen?«

Rasch trat Kevin vor. »Sind Sie Herr Herrmann?«

»Der bin ich. Kommt nur rein, wo drückt der Schuh?«

»Guten Tag, wir kom­men von der Schülerzeitung des Schulzentrums Mundenheim«, über­nahm Kevin das Wort. »Wir schrei­ben eine Reportage über die Papageien des Ebert-Parks. Während wir mit­ten in unse­rer Arbeit waren, wur­den sie gestoh­len. Deshalb sind wir hier.«

Herr Herrmann schau­te ver­dutzt. »Ich glau­be nicht, dass ich bei mir an der rich­ti­gen Stelle seid. Für sol­che Delikte ist die Polizei zuständig.«

»Mein Bruder hat sich nicht rich­tig aus­ge­drückt«, ver­bes­ser­te Kerstin. »Es geht nicht um den Diebstahl, son­dern um die Geschichte drum her­um. Über den Diebstahl weiß die Polizei natür­lich längst Bescheid und hat schon mit ihren Ermittlungen begonnen.«

»Ach, so ist das. Nun bin ich aber gespannt. Jetzt setzt euch zuerst mal und erzählt von Anfang an, um was es eigent­lich geht.« Herr Herrmann deu­te­te auf eine klei­ne Sitzgruppe vor sei­nem Schreibtisch.

»Der Ebert-Park hat Aras geschenkt bekom­men. Von einem Freddie Coleman aus Ludwigshafen-Maudach«, erklär­te Kevin.

Ihr Zuhörer horch­te auf, die­sen Namen schien er zu kennen.

»Dieser Coleman hat uns erzählt, dass er die Aras von ihnen bekam, da sie beschlag­nahmt wur­den«, fuhr nun Sandra fort. »Wir wüss­ten ger­ne für unse­re Reportage, wo die Papageien herkamen.«

»Diesen Coleman ken­ne ich«, ant­wor­te­te Herr Herrmann. »Ab und zu bekommt der von uns Vögel, wenn wir sie beschlag­nah­men und nicht an einen Zoo ver­mit­teln kön­nen. Ich kann mich an die Geschichte erin­nern, ist ja erst ein paar Tage her. Einen Moment, ich schaue nach, die Akten habe ich in mei­nem Büro lie­gen.« Herr Herrmann stand auf und ging zu einem alten Aktenschrank. Er las die Archivnummern auf den far­bi­gen Aktendeckeln und zog schließ­lich ein Paket Papiere heraus.

»Hier haben wir es ja. Letzten Mittwoch kam die Kiste mit dem Flug aus Rio de Janeiro in Frankfurt/Main an. Zieladresse Mannheim, Hauptpostlagernd. Das ist bei Tiersendungen in Deutschland nicht zuläs­sig. Deshalb wur­de das Paket an uns geschickt. Wir fan­den die drei Papageien und ent­deck­ten, dass die Papiere gefälscht waren. Auch der auf den Ringen befind­li­che Zahlencode ergab kei­nen Sinn. Auf kei­nen Fall han­del­te es sich bei der Zahlenreihe um den Geburtszeitpunkt der Vögel. Auch die codier­te Zuchtstation gibt es nicht. Da die Sendung Postlagernd war, konn­ten wir kei­nen Empfänger aus­fin­dig machen. Deshalb haben wir die Aras an die Zuchtstation von Herrn Coleman in Ludwigshafen weitergegeben.«

»Haben Sie Herrn Coleman auch die Begleitpapiere mit­ge­ge­ben?«, woll­te Marc wis­sen und schau­te Herrn Herrmann dabei fest in die Augen.

»Nein, es gab ja kei­ne lega­len Papiere, nur die Fälschungen. Aber er hat von uns eine Bestätigung bekom­men, dass er die Tiere recht­mä­ßig von uns erhal­ten hat.«

»Kommt so etwas öfters vor?«, hak­te Sandra nach.

»Dass Tiere geschmug­gelt wer­den, kommt häu­fig vor«, bestä­tig­te Herr Herrmann. »Dann gibt es kei­ne Papiere. Hier ist der Fall ziem­lich rät­sel­haft. Papiere waren ja vor­han­den, aber kei­ne rich­ti­gen. Es waren lai­en­haf­te Fälschungen, ein Kenner hät­te wenigs­tens sinn­vol­le Zahlencodes für die Ringe genom­men. Das Ganze ist zwar ziem­lich mys­te­ri­ös, aber wir kön­nen lei­der nichts wei­ter unter­neh­men, denn die Aras kamen aus Brasilien und in Südamerika kön­nen wir lei­der nicht nachforschen.«

»Haben Sie die Nummern auf den Beringungen notiert? Vielleicht könn­te man dar­aus irgend­wel­che Schlüsse zie­hen?«, frag­te Sandra hoff­nungs­voll nach.

»Da muss ich dich ent­täu­schen. Nachdem fest­stand, dass die­se Nummern kei­nen Sinn erga­ben, hat man sich nicht wei­ter damit befasst.«

»Seltsam, dass die Vögel kurz dar­auf gestoh­len wur­den«, über­leg­te Marc. »Ohne lega­le Papiere sind die bestimmt unverkäuflich.«

Herr Herrmann nick­te. »Im Prinzip schon, mein Junge. Leider gibt es einen gro­ßen Schwarzmarkt, dort wer­den sol­che Vögel auch ohne Beringung ange­bo­ten. Ich den­ke, eure Aras wer­det ihr nicht mehr wie­der­se­hen. Vielleicht soll­tet ihr für eure Schülerzeitung eine Reportage über ein ande­res Thema schreiben.«

»Ich glau­be, Sie haben Recht, Herr Herrmann«, stimm­te Kerstin rasch zu. »Vielen Dank für Ihre Hilfe, wenigs­tens wis­sen wir jetzt, wo die­se Vögel herkamen.«

»Keine Ursache, ich habe gern gehol­fen. Auf Wiedersehen.«

Die Jugendlichen gaben Herrn Herrmann die Hand, ver­lie­ßen sein Büro und lie­fen den Flur ent­lang in Richtung Gebäudeausgang.

Vor dem Hauptbahnhof setz­ten sie sich auf eine Bank und unter­hiel­ten sich über das gera­de Erlebte.

»Na, das war jetzt schon wie­der eine Sackgasse. Legale Registrierungspapiere hat es nie gege­ben, da hat Coleman auch gelogen.«

»Das ist aber noch nicht alles«, fiel Kevin sei­ner Schwester ins Wort. »Coleman hat noch bei etwas viel Wichtigerem gelo­gen. Er hat uns etwas ver­heim­licht. Ich den­ke, wir soll­ten schnellst­mög­lich zu ihm fah­ren. Selbstverständlich als Fotografen getarnt.«

Frage: Wo hat­te Coleman gelo­gen? Was hat er verheimlicht?

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Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 4

Cover Die wilden Vier - Band 3

Unterwegs mit Kommissar Greulich

Autor: Harald Schneider

»Sonnenklar, das muss ein Ehering sein. Wenn der einem der Diebe gehört, wis­sen wir zumin­dest, wann er gehei­ra­tet hat. Ob uns das wei­ter­hilft, ist fraglich.«

»Im Moment nicht. Aber wer weiß, wozu wir die Information ein­mal gebrau­chen können.«

»Noch was«, ergänz­te Kerstin. »Ich habe im Internet recher­chiert. Die Registrierungsnummer bei Papageien gibt nicht nur über den Tag der Geburt, son­dern auch über das Herkunftsland und den Züchter Auskunft. Mit die­ser Nummer kann man den kom­plet­ten Stammbaum der Vögel nachvollziehen.«

Bei dem Wort ›Baum‹ wur­de Elvis hell­hö­rig und win­sel­te unter dem Tisch.

»Gleich gehen wir, Elvis. Wie kann man nur so ver­rückt nach Bäumen sein?« Marc schüt­tel­te nach­sich­tig den Kopf.

Die wil­den Vier mach­ten sich auf den Weg zum Polizeipräsidium.

»Aber kein Sterbenswörtchen zu Greulich über den Ring und den Gipsabdruck, in Ordnung? Diese Dinge wol­len wir zunächst für uns behal­ten«, beschwor Sandra ihre Kameraden auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle.

Heute kamen die Vier und ihr Dalmatiner ohne Probleme bis zu Kommissar Greulichs Bürotür. Kerstins Fingerknöchel hat­ten kaum die Tür berührt, als die bekann­te schnar­ren­de Stimme von Kommissar Greulich »Herrrrein« rief.

Schwungvoll öff­ne­ten sie die Tür und stut­zen. Der Kommissar war nicht allei­ne. Ein Mitvierziger in einem teu­ren Anzug saß ihm am Schreibtisch gegen­über. An sei­nem lin­ken Handgelenk trug er eine gol­de­ne und wahr­schein­lich sehr wert­vol­le Uhr. Eine dicke Goldkette, sicht­bar um den Hals geschlun­gen, ver­voll­stän­dig­te das Bild eines Menschen, der mit sei­nem Reichtum protzte.

»Hallo, da seid ihr ja!« Greulich stand auf und begrüß­te die Jugendlichen. Selbst Elvis bekam ein paar Streicheleinheiten.

Dann zeig­te der Kommissar auf die zwei­te erwach­se­ne Person im Raum. »Darf ich euch vor­stel­len? Das ist Herr Protzig. Er ist bei der Stadtverwaltung ange­stellt und ist für die Tiere im Ebert-Park zuständig.«

Herr Protzig mach­te sich nicht die Mühe, aufzustehen.

»Guten Tag, freut mich, euch ken­nen zu ler­nen. Der Herr Kommissar hat mir schon von euch erzählt.«

Während es sich die Jugendlichen an dem Besprechungstisch bequem mach­ten, begann Greulich zu erzäh­len: »Ich war ges­tern mit Herrn Protzig am Tatort. Wir haben uns ein Bild von dem Diebstahl gemacht.«

Keiner der wil­den Vier sag­te ihm, dass sie das bereits wussten.

»Es scheint sich aller­dings um einen gewöhn­li­chen Diebstahl zu han­deln. Herr Protzig sag­te mir, dass Papageien ger­ne gestoh­len und gehan­delt werden.«

»Ja«, bestä­tig­te Herr Protzig. »Durch die stren­gen Zuchtbestimmungen ist die Nachfrage wesent­lich höher als das Angebot, das treibt den Preis in die Höhe. Ich möch­te aber noch­mals wie­der­ho­len, Herr Kommissar, dass es noch nie einen Diebstahl in mei­nem Park gege­ben hat. Es ist mir uner­klär­lich, wie das pas­sie­ren konnte.«

»Ich kann Ihnen nur zustim­men, Herr Protzig. Leider muss­te ich Sie heu­te her­bit­ten, damit Sie das Protokoll und die Diebstahlanzeige unter­schrei­ben können.«

Er leg­te ihm ein paar Blätter Papier und einen Kugelschreiber hin. Dabei mus­ter­te Greulich sei­nen Besucher ein­ge­hend. »Arbeiten Sie schon lan­ge für die Stadtverwaltung?«

»Ich habe vor 15 Jahren bei der Stadt gelernt. Inzwischen arbei­te ich nur noch halb­tags und küm­me­re mich aus­schließ­lich um die Tiere des Parks. Finanziell bin ich unab­hän­gig, betrach­ten Sie mei­nen Job als bezahl­tes Hobby.«

Marc misch­te sich in das Gespräch ein: »Herr Protzig, wir haben gehört, dass die bei­den Aras erst kürz­lich bei Ihnen auf­ge­nom­men wur­den. Können Sie uns sagen, von wem Sie die Tiere bekamen?«

Bevor er ant­wor­ten konn­te, fiel ihm Kommissar Greulich ins Wort und droh­te im Spaß mit dem Zeigefinger. »Soso, ihr habt gehört, dass die Tiere neu in den Park gekom­men sind. Ich glau­be, wir soll­ten uns auch noch aus­führ­lich unterhalten!«

Herr Protzig war über den locke­ren Umgangston des Polizisten mit den Jugendlichen erstaunt. »Ja, das ist rich­tig. Aber was tut das zur Sache? Die zwei Vögel habe ich von Freddie Coleman bekom­men. Er wohnt im Stadtteil Maudach, ist Amerikaner und Papageienzüchter. Zwei oder drei­mal hat er bis­her für den Ebert-Park Papageien gestif­tet. Meist dann, wenn er kei­nen Platz mehr hat­te. Ich kann aber nicht sagen, wo er sie her­hat. Die Begleitpapiere zu den Registrierungen hat er mir noch nicht zugeschickt.«

»Aha«, Greulich nick­te. »Damit wäre das geklärt. Können Sie mir zur Sicherheit die Anschrift von die­sem Coleman auf­schrei­ben? Dann kann ich das zu der Akte legen. Wie ich Ihnen ges­tern gesagt habe, dürf­te kei­ne gro­ße Hoffnung bestehen, die Papageien zu fin­den. Die Aufklärungsquote bei ein­fa­chen Diebstählen ist lei­der nicht sehr hoch.«

»Ich weiß, ich weiß«, ant­wor­te­te Protzig. »Da kann man nichts machen. Vielleicht hat Coleman mal wie­der Ersatz für den Park.« Damit stand er auf um, sich zu verabschieden.

»Boah«, sag­te Kevin, als der Mann gegan­gen war. »Der Name die­ses Herrn ist wirk­lich Programm. Wie kann man sei­nen Reichtum so raus­hän­gen las­sen! Richtig unsym­pa­thisch so was.«

Greulich hat­te nicht zuge­hört. Er hat­te sein Telefon abge­nom­men und wähl­te eine Nummer. Die wil­den Vier wur­den Zeuge, wie er mit Herrn Coleman tele­fo­nier­te und sich erkun­dig­te, ob er vor­bei­kom­men dür­fe. Er frag­te auch, ob es ihm etwas aus­ma­chen wür­de, wenn er ein paar Jugendliche mit­brin­gen wür­de. Diese wol­len für ihre Schülerzeitung eine Reportage über die Polizeiarbeit schreiben.

Als der Kommissar auf­ge­legt hat­te, schmun­zel­te er. »So eine klei­ne Notlüge darf schon mal sein. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass ihr euch die Vogelzucht des Herrn Coleman auch anschau­en wollt, oder?«

»Danke, das ist wirk­lich sehr freund­lich von Ihnen«, strahl­te Kevin. »Heißt das, Sie ermit­teln in dem Fall weiter?«

»Aber auf jeden Fall, mein Freund. Irgendwas stimmt mit die­sem Protzig nicht. Warum soll­te er bei der Stadt arbei­ten, wenn er finan­zi­ell unab­hän­gig ist? Das Hobby als Halbtagsjob neh­me ich ihm nicht ab. Und dass es ihm egal zu sein scheint, ob die Vögel wie­der auf­tau­chen oder nicht, macht mich eben­falls stutzig.«

»Irgendwas Geheimnisvolles ver­birgt sich sicher­lich hin­ter der Herkunft der Aras«, ver­plap­per­te sich Marc.

»Wie kommst du auf so etwas?«, woll­te Greulich dar­auf wissen.

»Äh, ja, ist nur so ein Gefühl.« Zum Glück merk­te Greulich nicht, wie Marc rot anlief.

»Na dann kommt mal mit, ihr Reporter. Wir neh­men den Transporter, da pas­sen alle rein. Elvis wer­den wir aller­dings im Auto las­sen müs­sen. Nicht, dass uns dort eine Unannehmlichkeit passiert.«

Da der Transporter ein Navigationssystem hat­te, fan­den sie das Haus von Freddie Coleman auf Anhieb. Es war ein grö­ße­res Anwesen, das mit sei­nen zahl­rei­chen Nebengebäuden direkt neben dem Maudacher Bruch, einem natür­lich belas­se­nen Altrheinarm, gebaut war. Hier war vor zwei­hun­dert Jahren der Rhein in sei­nen zahl­lo­sen Schleifen ent­lang­ge­strömt, bevor der Lauf des Flusses begra­digt und dadurch die meis­ten Sumpfgebiete tro­cken­ge­legt wor­den waren.

Schon beim Aussteigen hör­te man unver­kenn­bar, dass es hier eine grö­ße­re Ansammlung nicht­hei­mi­scher Vögel gab.

»Du musst lei­der drau­ßen blei­ben«, sag­te Marc trau­rig zu sei­nem Dalmatiner, wäh­rend er sich mit einem der Notizblöcke und Kugelschreiber bewaff­ne­te, die der Kommissar ihnen gab.

Das höl­zer­ne Hoftor stand offen. Im Hof park­ten ein gro­ßer Amischlitten mit min­des­tens 300 PS, eine chrom­glän­zen­de Harley-Davidson sowie ein geschlos­se­ner Kastenwagen.

In die­sem Moment kam eine klei­ne zier­li­che Frau um die Ecke, erschrak, als sie die Besucher sah und ver­schwand sofort in einer der Scheunen, ohne sich noch­mals umzudrehen.

Das Vogelgekreische war eine hef­ti­ge Geräuschkulisse, an die man sich erst gewöh­nen muss­te. Greulich ging in Richtung Hauptgebäude. Plötzlich blieb er ste­hen. Er hör­te zwei Männer strei­ten, die sich anschei­nend direkt hin­ter der Hausecke befan­den. Nun konn­ten die Jugendlichen es auch hören. Der Streit wur­de in Englisch mit unver­kenn­bar ame­ri­ka­ni­schem Akzent geführt. Leider war nicht zu ver­ste­hen, um was es ging. Kurze Zeit spä­ter war schlag­ar­tig Ruhe. Ein Mann erschien und lief an ihnen vor­bei, ohne sie zu grü­ßen oder über­haupt wahr­zu­neh­men. Er stieg auf das Motorrad, ließ es an und fuhr röh­rend vom Hof.

Während sie dem Motorradfahrer nach­schau­ten, ertön­te von hin­ten eine Stimme:

»Hi, wen haben wir denn hier? Sie müs­sen der Kommissar sein, der mich vor­hin anrief. Und ihr seid die Kids, die für ihre Schule schrei­ben, oder?«

Greulich stell­te sich und die wil­den Vier vor.

»Na, das ist ja phan­tas­tisch. Kommen Sie und sehen Sie sich mei­ne Vögel aus aller Herren Länder an.«

Mit mäch­ti­gen Schritten ging Herr Coleman vor­an zwi­schen den Scheunen hin­durch. Hier wur­den die Geräusche noch lau­ter. Dutzende Voliere wur­den sicht­bar. Überall wim­mel­te es von bun­ten Vögeln.

»Da staunt ihr, was?«, wand­te sich Herr Coleman an die vier Jugendlichen. »Das ist mein Reich. Hier züch­te ich, kau­fe und ver­kau­fe alle Vögel, die Geld in die Kasse brin­gen, hahaha.«

Kommissar Greulich ver­such­te ver­ge­bens, zu Wort zu kom­men. Doch der Amerikaner nutz­te die Chance, sei­nen Privatzoo vor­zu­füh­ren. »Auf der lin­ken Seite seht ihr die Amazonen, natür­lich ame­ri­ka­ni­sche Vögel. Davon gibt es 27 Arten, und ich habe schon fast alle gehabt. Daneben fin­det ihr die Kakadus, die habe ich immer im Angebot, die sind aus Südamerika. Und hier, ein Käfig wei­ter, das sind Graupapageien aus Afrika. Ach, welch eine Pracht, die­se schö­nen Tiere hier um mich zu haben.«

Die Jugendlichen kamen aus dem Staunen nicht mehr her­aus. Hier waren mehr Papageien auf einem Haufen als sie je in einem Zoo gese­hen hatten.

Greulich nutz­te die kur­ze Verschnaufpause, um Coleman nach den Aras zu befra­gen. »Herr Coleman, ich habe Ihnen am Telefon gesagt, war­um ich hier bin. Ihre Adresse habe ich von Herrn Protzig bekom­men. Können Sie mir etwas über die bei­den Aras sagen, die sie dem Park gestif­tet haben?«

»Die Aras?« Coleman über­leg­te. »Stimmt, es waren zwei Stück, die ich Protzig für den Ebert-Park gab. Ab und zu kommt es vor, dass ich ein paar Tiere für den Park stif­te. Meistens dann, wenn dort eine Voliere län­ger leer steht. Sie haben gesagt, dass die Tiere gestoh­len wurden?«

»Ja, vor­letz­te Nacht. Aus die­sem Grunde inter­es­sie­re ich mich für die Herkunft der Tiere. Haben Sie die selbst gezüchtet?«

»Die bei­den Aras selbst gezüch­tet? Nein, nein, Aras kau­fe ich immer frisch aus Südamerika. Nur die­se bei­den nicht. Die habe ich geschenkt bekommen.«

»Geschenkt bekom­men? Wer ver­schenkt denn wert­vol­le Aras?«

»Jemand, der nichts damit anfan­gen konn­te. Ich bekam die Vögel vom Hauptzollamt Mannheim. Die Tiere kamen per Luftfracht aus Südamerika mit Adresse in Mannheim, wie sagt man gleich? Ah, Postlagernd. Da wur­de der Zoll am Flughafen Frankfurt stut­zig und hat die Kiste wei­ter zur Filiale nach Mannheim geschickt. Da die Begleitpapiere nicht in Ordnung waren, wur­den die Vögel beschlag­nahmt. Aber sämt­li­che Zoos der Umgebung woll­ten die Vögel nicht haben, daher wur­de ich gefragt, ob ich sie neh­men würde.«

»Damit wäre das auch geklärt«, kom­men­tier­te Kommissar Greulich die Auskunft. »Herr Protzig sag­te mir, Sie hät­ten ihm die Begleitpapiere mit dem Herkunftsnachweis noch nicht zuge­schickt. Wollen sie mir die gleich mitgeben?«

»Äh, ja, das ist, hm, das ist nicht mög­lich. Ich muss die­se Papiere ver­legt haben. Ich wer­de sie suchen, und sobald ich sie gefun­den habe, rufe ich Sie an, okay?«

»Einverstanden, Herr Coleman. Ist Ihnen bei den Papieren irgend­et­was aufgefallen?«

»Nicht das ich wüss­te. Für mich sahen sie okay aus. Nur das Hauptzollamt hat mir gesagt, dass die Herkunftsadresse gefälscht sei. Das hat aber den Tieren anschei­nend nichts aus­ge­macht.« Coleman lach­te laut über sei­nen Scherz.

Der Kommissar dreh­te sich stirn­run­zelnd zur Seite, bevor er sich verabschiedete.

»Und die Kids? Habt ihr kei­ne Fragen mehr?«, woll­te Coleman wissen.

Sandra trat vor und sag­te: »Vielen Dank, wir haben alles mit­ge­schrie­ben. Dürfen wir in den nächs­ten Tagen noch mal vor­bei­kom­men und ein paar Fotos machen? Leider haben wir unse­re Kamera daheim lie­gen lassen.«

»Haha, was sind das für Reporter, die ihre Ausrüstung ver­ges­sen. Klar, könnt ihr wie­der­kom­men und so vie­le Bilder machen, wie ihr wollt.«

Dankend ver­ab­schie­de­ten sich alle und ver­lie­ßen den Hof.

Am Transporter ange­kom­men, ließ Greulich zuerst den Dalmatiner raus, der ihm mit einem Satz ent­ge­gen­ge­sprun­gen kam und ihn fast in den Straßengraben warf.

»He, du Teufel, nicht so has­tig«, rief ihm Greulich zu. Doch Elvis war schon bei sei­nem Marc ange­kom­men, der ihn aus­gie­big strei­chel­te und beruhigte.

»He Kids«, ahm­te Greulich die Stimme und Aussprache des Amerikaners nach. »Wollen wir noch eine Runde durch das Maudacher Bruch lau­fen und ein biss­chen reden? Das wird bestimmt interessant!«

Klar, da waren alle dabei. Der Maudacher Bruch mit sei­ner unbe­rühr­ten Natur lud zu einer Wanderung gera­de­zu ein. Auch Elvis mach­te kei­ne Ausnahme. Sicherlich wür­de er das eine oder ande­re Kaninchen jagen können …

»Das war schon star­ker Tobak eben«, lei­te­te der Polizist die Unterhaltung ein. »Was hal­tet ihr von Coleman?«

Kerstin schüt­tel­te sich. »Der ist mir min­des­tens so unsym­pa­thisch wie Protzig, nur auf eine ande­re Art. So einem wür­de ich alles zutrauen.«

Marc trumpf­te auf. »Ich den­ke sogar, dass er es war, der sich die Vögel mit fal­schen Papieren post­la­gernd nach Mannheim schi­cken ließ. Zutrauen wür­de ich ihm das sofort.«

»Und war­um hat er dann die Aras anschlie­ßend ver­schenkt?«, frag­te Kevin.

»Ist doch klar, weil die Sache auf­ge­flo­gen ist. Bevor der Zoll wei­ter nach­forscht und ihm viel­leicht auf die Schliche kommt, spielt er lie­ber den schein­hei­li­gen Samariter.«

Kerstin schüt­tel­te den Kopf. »Das ergibt kei­nen Sinn. Erst die Vögel ver­schen­ken, dann wie­der steh­len. Was soll das?«

Fast hät­te Kevin sich ver­plap­pert und von den Männern erzählt, die mit dem Zoomobjektiv die Ringe der Aras foto­gra­fiert haben. Doch Kerstin kann­te ihren Bruder genau und gab ihm recht­zei­tig ein Zeichen, still zu sein. Diesen Wissensvorsprung woll­ten die wil­den Vier Kommissar Greulich noch vorenthalten.

»Wisst ihr, was ich glau­be?«, sag­te Greulich in die Runde. »Ich den­ke, dass da zwei Sachen ober­faul sind. Zum einen die Geschichte mit dem Zoll und Coleman, zum ande­ren der Diebstahl und Protzig. Wahrscheinlich gibt es zwi­schen bei­den gar kei­ne Verbindung, außer natür­lich, dass Coleman Protzig die Vögel geschenkt hat.«

»Da könn­te was dran sein«, gab ihm Sandra Recht. »Aber noch etwas ande­res ist mir auf­ge­fal­len. Dieser Coleman hat von Papageien über­haupt kei­ne Ahnung. Er hat uns näm­lich einen ziem­li­chen Schwachsinn erzählt!«

Alle blie­ben ste­hen und starr­ten Sandra an.

Frage: Warum mein­te Sandra, dass Coleman von Papageien kei­ne Ahnung hat?

Antwort: .neisA nov nelieT ni dnu neilartsuA ni run sudakaK nebel hcilhcästaT .net­llos nem­mok akiremadüS sua eid ‚sudakaK nov etlhäz­re nameloC

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 3

Cover Die wilden Vier - Band 3

Spuren im Käfig

Autor: Harald Schneider

»Na klar!« Der Mann schlug sich mit der Hand an die Stirn, nach­dem Marc des Rätsels Lösung ver­kün­det hat­te. »Da hät­te ich selbst drauf­kom­men kön­nen. Natürlich woll­ten die­se Halunken an die Registrierungen auf den Ringen kom­men. Mit dem Fotografieren hat es dann offen­bar nicht geklappt, des­halb sind sie in der Nacht zurück­ge­kom­men und haben die Vögel gekid­nappt. Ihr seid wirk­lich schlau. Wer seid ihr eigentlich?«

Sandra stellt sich und ihre Freunde vor. »Sie wer­den uns nicht ken­nen. Wir nen­nen uns die wil­den Vier und ver­su­chen, mys­te­riö­se Dinge aufzuklären.«

»Was, ihr seid die wil­den Vier? Natürlich ken­ne ich euch. Vor ein paar Tagen habe ich von euch in der Zeitung gele­sen. Ihr müsst nicht glau­ben, dass ihr bei der älte­ren Generation unbe­kannt seid. Ich ver­fol­ge eure Abenteuer regel­mä­ßig in der Zeitung.«

Er bück­te sich und strei­chel­te Elvis. »Und das ist wohl der bekann­tes­te Dalmatiner in Ludwigshafen und Umgebung, oder?«

Marc strahl­te über bei­de Wangen. Normalerweise war er nicht begeis­tert, wenn Fremde sei­nen Hund strei­chel­ten. Doch hier mach­te er ger­ne eine Ausnahme.

Der Mann freu­te sich sicht­lich, die Bekanntschaft der wil­den Vier zu machen. »Wenn ich das eine oder ande­re Jahrzehnt jün­ger wäre, wür­de ich glatt bei euch mit­ma­chen. So wie ich euch ken­ne, seid ihr den Papageiendieben längst auf der Spur, oder soll­te ich mich da täuschen?«

Kerstin ver­nein­te das Kompliment: »Da muss ich Sie lei­der ent­täu­schen, wir ste­hen ganz am Anfang unse­rer Ermittlungen. Wir wis­sen bis­her nur, was Sie uns gera­de erzählt haben.«

»Ach so, ihr fangt mit euren Ermittlungen gera­de erst an. Dann müsst ihr euch spu­ten, denn die Polizei war ges­tern da und hat den Tatort untersucht.«

»Das war bestimmt Kommissar Greulich. Haben Sie zufäl­lig etwas mit­be­kom­men, was für uns inter­es­sant sein könnte?«

»Nein, ich habe der Polizei das glei­che erzählt wie euch. Allerdings weiß ich nicht, ob die Beamten inzwi­schen her­aus­ge­fun­den haben, wes­halb die­se Männer die Füße der Aras foto­gra­fier­ten. Ansonsten gab es nichts mehr …« Der Mann über­legt einen Moment, ehe er fort­fuhr. »Halt! Eines ist viel­leicht noch wich­tig. Die Papageien konn­ten spre­chen. Es war zuge­ge­be­ner­ma­ßen ziem­lich undeut­lich und man konn­te nichts ver­ste­hen, aber es waren auf jeden Fall mensch­li­che Lautnachahmungen.«

Kevin hat­te einen Geistesblitz. »Könnte es sein, dass die Papageien viel­leicht nicht Deutsch, son­dern eine ande­re Sprache gespro­chen haben?«

Sein Gegenüber stutz­te. »Das könn­te durch­aus sein. In der Tat klang es etwas süd­eu­ro­pä­isch. Genauer kann ich es aber wirk­lich nicht sagen. Ihr könnt den Kommissar fra­gen, ihr scheint ihn ja ganz gut zu kennen.«

»Das wer­den wir machen«, ant­wor­te­te Sandra. »Waren Sie dabei, als die Polizisten den Käfig unter­sucht haben? Haben die etwas gefunden?«

»Na ja, groß unter­sucht kann man das nicht nen­nen. Die sind nicht mal in den Käfig hin­ein, son­dern haben nur das auf­ge­bro­che­ne Sicherheitsschloss sicher­ge­stellt. Ich hat­te den Eindruck, als wür­den sich die Beamten nicht all­zu sehr für die Papageien interessieren.«

»Kann schon sein, dass die Polizei Wichtigeres zu tun hat, als den Diebstahl zwei­er Vögel auf­zu­klä­ren«, misch­te sich Marc ein. »Aber in Verbindung mit den Fotoaufnahmen den­ke ich, dass viel mehr dahin­ter­steckt als ein gewöhn­li­cher Tierdiebstahl.«

Die wil­den Vier ver­lie­ßen den Parkweg und zwäng­ten sich zwi­schen Hecken hin­durch bis zum hin­te­ren Ende der Voliere. Marc hat­te Elvis vor­her an einer Parkbank neben den Käfigen angebunden.

»Damit du mir nicht die Vögel in den Nachbarkäfigen scheu machst. Tut mir leid, mein Freund, es dau­ert bestimmt nicht lange.«

Die Zugangstür an der Volierenseite war nur ange­lehnt. Der Riegel war zurück­ge­zo­gen, das Schloss fehl­te. Kerstin öff­ne­te die Drahttür voll­ends und schau­te in den Käfig. Auf der rech­ten Seite befand sich der Flugteil mit Ästen und Schnüren, auf der lin­ken Seite war ein Teil des Käfig kom­plett mit Holz ver­klei­det, sodass es wie ein eige­nes Zimmer inner­halb der Voliere aus­sah. Zur Vorderseite der Voliere waren in der Holzwand meh­re­re recht­ecki­ge Türen aus­ge­schnit­ten, jeweils so groß wie ein Blatt Papier.

»Dorthin konn­ten sich die Aras zurück­zie­hen, wenn ihnen der Trubel drau­ßen zu viel wur­de«, bemerk­te Kerstin.

»Vorsichtig«, warn­te Sandra. »Lasst mich vor­ge­hen, falls es Fußabdrücke gibt.«

Sandra ging in den Käfig. Sie bück­te sich und unter­such­te den Boden mil­li­me­ter­ge­nau. Marc, Kerstin und Kevin hat­ten es sich inzwi­schen abge­wöhnt, über ihre Kameradin zu läs­tern. Hatte sie doch bis­her immer mit ihrer Spurensuche beträcht­li­chen Erfolg gehabt.

Nachdem sie den Sandboden aus­gie­big begut­ach­tet hat­te, rich­te­te sie sich auf. »Seht mal, hier auf der Seite, direkt neben der Tür. Da ist ein schwa­cher Fußabdruck zu sehen. Was fällt euch dar­an auf?«, woll­te sie von ihren Freunden wis­sen und lächel­te dabei.

Kevin bück­te sich und ant­wor­te­te: »Der ist ziem­lich nass. Da steht sogar ein biss­chen Wasser drin.«

»Genau. Richtig beob­ach­tet. Und da es vor drei Tagen das letz­te Mal gereg­net hat, stammt die­ser Abdruck nicht von den Dieben. Wahrscheinlich stammt er von einem Pfleger.« Sandra dreh­te sich auf die ande­re Seite. »Ich mach’s jetzt nicht unnö­tig span­nend, son­dern ver­ra­te euch gleich die Lösung. Dieser Abdruck hier«, mit einer Handbewegung deu­te­te sie neben einem brei­ten Ast, der im Boden ver­an­kert war, »ist tro­cken. Keine Spur von Wasser. Folglich muss er inner­halb der letz­ten drei Tage ent­stan­den sein. Es kann also gut sein, dass die­ser Abdruck einem der Diebe gehört. Muss aber nicht«, füg­te sie hinzu.

Sandra war nicht mehr zu hal­ten. Sie öff­ne­te den Rucksack und hol­te ihre Detektivausrüstung her­aus. Neben einem klei­nen Päckchen Gips zog sie eine klei­ne Gummikachel und eine Spachtel aus dem Päckchen.

»Ich bin gleich wie­der zurück. Ich lau­fe nur zum Teich, um ein biss­chen Wasser zu holen, damit ich Gips anrüh­ren kann. Seid so gut und tre­tet in der Zeit nicht auf den Abdruck.«

Die ande­ren schau­ten sich wei­ter in der Voliere um. Der älte­re Mann stand immer noch auf dem Parkweg und schau­te ihnen gespannt zu.

»Schaut mal, was ich gefun­den habe!«, schrie auf ein­mal Marc. Stolz hielt er einen gold­far­be­nen Ring hoch.

Kerstin nahm ihn in die Hand und betrach­te­te ihn aus der Nähe. »Der sieht nicht so aus, als ob er hier schon lan­ge lie­gen wür­de. Er glänzt und ist bis auf die Seite, mit der er auf dem Boden lag, voll­kom­men sau­ber. Den muss erst kürz­lich jemand ver­lo­ren haben.«

»Verloren hier im Käfig? Da kom­men wohl nicht all­zu vie­le Leute infra­ge, oder? Auf jeden Fall neh­men wir ihn mit. Daheim kön­nen wir ihn in Ruhe unter­su­chen.« Kerstin zog ein klei­nes Plastiktütchen her­vor und ließ den Ring hineinfallen.

»Wisst ihr, was ich selt­sam fin­de?«, frag­te Kevin in die Runde. »Hier wur­den zwei ziem­lich gro­ße Vögel geklaut und man sieht nicht ein­mal die Spur eines Kampfes. Die haben sich doch bestimmt nicht so ein­fach fan­gen lassen.«

»Vermutlich wur­den sie betäubt, viel­leicht mit einem Betäubungsgewehr oder einem Narkotikum im Fressen«, ver­mu­te­te Kerstin.

»Dann muss­ten die Diebe die Aras nur noch ein­sam­meln«, ergänz­te Marc. »Ekelhaft so etwas. Ich hof­fe, wir fin­den die Gauner.«

Eine Viertelstunde spä­ter, Sandra hat­te den Fußabdruck erfolg­reich aus­ge­gos­sen, ver­ab­schie­de­ten sich die wil­den Vier von dem älte­ren Parkbesucher.

»Vielen Dank für ihre Hilfe, Herr, äh«, stot­ter­te Kerstin.

»Grabowski ist mein Name und es hat mich sehr gefreut, euch ken­nen­zu­ler­nen. Ich hof­fe, dass ich bald in der Zeitung lesen kann, dass die Diebe gefan­gen wurden.«

»Worauf Sie sich ver­las­sen kön­nen«, sag­te Kevin mit Überzeugung. »Die krie­gen wir. Auf Wiedersehen!«

Leider konn­ten sich die wil­den Vier an die­sem Tag nicht mehr in ihrem Clubraum tref­fen, da die Zwillinge mit ihren Eltern auf einem Geburtstag ein­ge­la­den waren. Ihr Onkel wur­de 50 Jahre alt und fei­er­te in einem Restaurant mit einem rie­si­gen Büffet. Sie waren froh, als der Abend zu Ende ging. Erst am nächs­ten Mittag wür­den sie mit Sandra und Marc wie­der Zeit fin­den, über den Fall zu sprechen.

Selbst in den Schulpausen konn­ten sie sich nicht mit den ande­ren bei ihrer Lieblingsbank tref­fen, weil sie an die­sem Tag mit dem Tafeldienst an der Reihe waren.

Doch end­lich war es Mittag. Die Hausaufgaben hat­ten die wil­den Vier mal wie­der mehr schlecht als recht erle­digt, als Marc mit Elvis als letz­ter den Clubraum betrat.

Sandra schau­te vor­wurfs­voll auf die Uhr: »Wo bleibst du denn? Ich bin schon seit zehn Minuten da!«

»Ich kann nichts dafür, Elvis hat mal wie­der kei­nen Baum aus­ge­las­sen. Euren Vorgarten hat er übri­gens auch bewässert.«

Sandra schüt­tel­te den Kopf, wäh­rend sie ein Blatt Papier vom Schreibtisch nahm. »Lasst uns mal zusam­men­fas­sen. Jemand ver­sucht, an die Registrierungsnummern von zwei Papageien zu kom­men. Nachdem dies miss­lingt, kid­nappt er die Vögel. Die Vögel selbst sind erst kur­ze Zeit vor­her im Park ein­ge­trof­fen. Die Frage, wo sie vor­her waren, müs­sen wir noch beant­wor­ten. Um die Frage nach dem Warum zu lösen, müs­sen wir her­aus­fin­den, wer die Aras geklaut hat und wo sie sich jetzt befinden.«

Kerstin, Kevin und Marc nickten.

»Wir haben bis jetzt genau zwei Spuren. Da ist zum einen die­ser Schuhabdruck in Größe 43.« Sandra hielt den Gipsabdruck in die Höhe, der eben­falls auf dem Schreibtisch lag. »Ich wür­de sagen, es han­delt sich dem Profil nach um einen Stiefel mit schräg abge­nutz­tem Absatz. Der Besitzer müss­te mei­ner Meinung nach etwas schief gehen. Zum ande­ren haben wir einen Ring gefun­den, von dem wir aber nicht wis­sen, ob er den Dieben gehört.«

»Das ist alles schön und gut«, misch­te sich Kevin ein. »Sollten wir nicht mit Kommissar Greulich reden, bevor wir eine Zwischenbilanz zie­hen? Der hat viel­leicht auch ein paar Spuren gefun­den. Vor allem weiß er bestimmt, wo die Papageien herkamen.«

»Einverstanden, das machen wir heu­te «, nick­te Kerstin. »Ich habe vor­hin bei ihm ange­ru­fen. Er hat sich bereits gedacht, dass wir den Diebstahl auf­klä­ren wol­len und mein­te, dass es sich hier wohl nur um einen ganz gewöhn­li­chen Diebstahl han­deln dürf­te und er daher kein Problem hat, mit uns dar­über zu sprechen.«

»Mensch Kerstin, war­um hast du uns das nicht gleich gesagt!«, erbos­te sich Marc.

Sandra ver­such­te, auf die Fundstücke zurück zu kom­men. »Schaut euch erst mal den Ring genau­er an. Fällt euch dar­an etwas auf?«

Kevin nahm den Ring vom Tisch und unter­such­te ihn aus­gie­big. Schließlich schal­te­te er die klei­ne Wandlampe ein, um noch bes­ser sehen zu können.

»Mensch, da ste­hen Zahlen im Ring!«, rief er erfreut aus. »Sie sind recht undeut­lich und ver­wischt. He, das sieht nach einem Datum aus. Wenn ich mich nicht irre, steht hier ›03.07.1992‹.«

»03.07.1992?«, wie­der­hol­te Marc. »Das kann doch nur eins bedeu­ten, an dem Tag wur­de der Ring produziert!«

Sandra schau­te Marc ungläu­big an. »Sag mal, spinnst du? Seit wann wird in einen Ring das Herstellungsdatum ein­ge­prägt? Das Datum hat ganz etwas ande­res zu bedeu­ten, das ist doch klar!«

Frage: Was bedeu­tet das Datum auf dem Ring?

Antwort: .tsi trei­varg­nie mutadstiezhcoH sad med fua ‚gnirehE nenie mu hcis tled­nah sE

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 2

Cover Die wilden Vier - Band 3

Ein neu­er Fall für die wil­den Vier

Autor: Harald Schneider

Sandra muss­te, genau wie die ande­ren, Marc recht geben. Dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch kei­ne Fotoapparate erfun­den waren, wuss­ten sie zwar, trotz­dem hat­ten sie die­sen Fehler überlesen.

»Macht euch nichts draus«, trös­te­te sie Marc. »Das mit der Zählweise der Jahrhunderte hat schon vie­le ver­wirrt. Wir leben im 21. Jahrhundert und trotz­dem fan­gen die Jahreszahlen mit 20 an.«

»Ja, das ist zwar logisch, aber es ärgert mich den­noch. So etwas darf man nicht über­le­sen. Wir müs­sen uns ange­wöh­nen, genau­er hin­zu­schau­en, sonst über­se­hen wir ent­schei­den­de Hinweise beim Aufklären unse­rer Fälle.«

Sandra woll­te auf ande­re Gedanken kom­men. Sie schnapp­te sich den Streiche- und Abenteuerordner und schlug das Inhaltsverzeichnis auf. Da sie erst seit Kurzem Mitglied der wil­den Vier war, kann­te sie noch nicht alle Streiche, die Kevin, Kerstin und Marc vor ihrer Zeit durch­ge­führt hat­ten. Sie such­te sich eine inter­es­sant erschei­nen­de Überschrift her­aus und schlug die ent­spre­chen­de Seite auf. Sie begann zu lesen.

Wie man einen Lehrer zum Verzweifeln bringt

Auch dies­mal begann das Schuljahr wie­der mit einer Überraschung. Gleich am ers­ten Tag wur­de uns mit­ge­teilt, dass wir ab sofort einen neu­en Lehrer haben. Mit gemisch­ten Gefühlen gin­gen wir am zwei­ten Schultag zum Unterricht. Heute soll­ten wir ihn das ers­te Mal sehen, auch für Herrn Schlagmann war es der ers­te Tag an unse­rer Schule.

›Wird er streng sein, wie sein Name es andeu­tet, oder wür­den wir mit ihm klar­kom­men?‹ Diese Frage beschäf­tig­te uns den gan­zen Morgen.

Und dann stand er vor uns und stell­te sich vor. Sogleich sag­te er uns klipp und klar, dass er kei­ner­lei Schülerstreiche dul­de und wir uns lie­ber um unse­re schu­li­schen Leistungen küm­mern soll­ten. Und im Übrigen ken­ne er bereits alle mög­li­chen Streiche. So sag­te er es uns jedenfalls.

Dabei wuss­te er zu die­sem Zeitpunkt noch gar nicht, dass er sich bereits mit­ten in einem Streich befand. Er bat uns näm­lich zu Beginn der Stunde, Namensschildchen aus einem Blatt Papier zu fer­ti­gen. Für wie naiv hielt uns unser Lehrer denn?

Klar, dass Marc den Namen sei­nes Banknachbars auf sei­nem Namenschild ste­hen hat­te. Und Kevin hat­te natür­lich Marcs Namen auf sei­nem Schild. Kerstin hieß Lisa, Lisa hieß Sarah und Sarah hat­te Julia auf ihrem Schild ste­hen. Das Gekichere war groß, als sich nach jedem Namensaufruf die oder der ver­meint­lich Richtige mel­de­te. Herr Schlagmann kapier­te nichts. Doch das war erst der Anfang von allem.

Am nächs­ten Tag hat­ten wir Deutsch. Herr Schlagmann kam in unse­ren Klassensaal, begrüß­te uns freund­lich, schau­te in die Runde, dann stutz­te er einen Moment. Man merk­te, dass er ange­strengt nach­dach­te und an sei­nen Sinnen zu zwei­feln begann. Auf den Gedanken, dass wir ihm einen Superstreich spiel­ten, kam er nicht. Noch nicht. So fand er sich mit der neu­en Situation ab und ver­mu­te­te den Fehler bei sich selbst.

Für einen Lehrer ist es sicher­lich nicht leicht, sich inner­halb weni­ger Tage die Namen von meh­re­ren Schulklassen mer­ken zu müs­sen. Und wenn sich dann die Namen inner­halb einer Klasse auch noch ändern, dann wird’s um ein Vielfaches schwie­ri­ger. Heute hieß Marc näm­lich Daniel und Kevin hieß Lukas. Kerstin wur­de von Herrn Schlagmann gemäß ihrem Schild mit Eva ange­spro­chen, Louisa hieß Johanna, Micha hat­te sich auf Jonas umge­tauft und Rouven hör­te die­se Stunde auf Joshua.

Ein heil­lo­ses Durcheinander war im Gange. Unser neu­er Lehrer fing schon an, uns ein biss­chen leid zu tun. Doch auch wir hat­ten alle Mühe, unse­ren jewei­li­gen Leihnamen zu behal­ten, um recht­zei­tig bei einem Aufruf reagie­ren zu können.

Am dar­auf­fol­gen­den Schultag, es war dies­mal Mathe ange­sagt, ging der Spaß in die drit­te Runde. Leider war dies auch die letz­te Runde. Zu Unterrichtsbeginn hat­ten wir noch unse­ren Spaß, als Herr Schlagmann stirn­run­zelnd und Kopfkratzend nachdachte.

»Du hast doch ges­tern noch an einem ande­ren Platz geses­sen«, sag­te er zu Iven, der heu­te Finn hieß. Doch Iven ant­wor­te­te wahr­heits­ge­mäß, dass er schon von Anfang an auf dem­sel­ben Platz sitze.

Das Namenswechselspiel för­der­te nicht gera­de die Konzentration unse­res Lehrers.

Schließlich schlug er zu. Er ging auf Kerstin zu, oder jeden­falls die, die er für Kerstin hielt und schnapp­te sich ihr Mathematikbuch. Er blät­ter­te es auf und las den Namen der Besitzerin: Larissa.

Nun war wohl eine Standpauke fäl­lig. Doch Herr Schlagmann reagier­te völ­lig anders. »Habt ihr es doch geschafft, mich rein­zu­le­gen. Ich hät­te wohl bes­ser nicht sagen sol­len, dass ich alle Tricks ken­ne. Na ja, auch ein Lehrer lernt nie aus.«

Und damit war die Sache für ihn erle­digt. Ab die­sem Zeitpunkt kamen wir sehr gut mit ihm aus. Er hat­te uns anschei­nend als eben­bür­tig anerkannt.

Sandra lach­te laut her­aus. »Wie seid ihr nur auf solch eine Idee gekom­men? Das muss der abso­lu­te Knaller gewe­sen sein!«

»War alles nur Notwehr«, ant­wor­te­te Kevin.

»Notwehr? Habt ihr noch mehr Lehrer in Notwehr rein­ge­legt?«, frag­te Sandra immer noch schmunzelnd.

»Boah, las mal über­le­gen. Das waren ja so vie­le Streiche, die wir bis­her gemacht haben. Doch, da fällt mir noch einer ein. Unser Geniestreich war eben­falls rei­ne Notwehr.«

Kevin schlug das Inhaltsverzeichnis auf und such­te das ent­spre­chen­de Kapitel. Nachdem er es gefun­den hat­te, gab er den Ordner an Sandra zurück, die nun erneut zu lesen begann.

Wie man zu einem Genie wird

Frau Klamms Geschichtsunterricht war meist ziem­lich öde. Wahrscheinlich konn­te die gute Frau gar nichts dafür. Seit Jahrhunderten erzähl­te sie ver­mut­lich jedes Jahr einer ande­ren Klasse das glei­che his­to­ri­sche Wissen. Sie ging stets streng nach Schulbuch vor. Abweichungen kamen nie vor, eben­so wenig beson­de­re Vertiefungen an inter­es­san­ten Stellen. Wir ver­mu­te­ten, dass Frau Klamm zwar das Schulbuch in- und aus­wen­dig kann­te, ihr geschicht­li­ches Wissen damit aber kom­plett abge­deckt war.

Dies muss­te natür­lich mit einem beson­de­ren Streich bedacht werden.

Unsere Idee hat­te aller­dings einen Haken: Sie war mit viel Aufwand ver­bun­den, bes­ser gesagt mit Lernaufwand. Doch für einen gelun­ge­nen Streich muss man auch mal Opfer brin­gen können.

Aus unse­rem Geschichtsbuch wuss­ten wir, dass in ca. drei Wochen das Thema Nordamerika zwi­schen 1865 und 1929 dran­kom­men wür­de. Für die­ses Thema wür­de Frau Klamm wohl höchs­tens eine Doppelstunde opfern, mehr gaben die zwei Seiten im Buch nicht her.

Zuerst began­nen wir, die bei­den Seiten über Nordamerika aus­wen­dig zu ler­nen. Wichtige Punkte wie Bevölkerungsentwicklung, Besiedlung und Gebietsvergrößerung notier­ten wir uns sepa­rat. Einen Tag spä­ter gin­gen wir zusam­men in die Bibliothek und lie­hen uns rund ein hal­bes Dutzend Bücher zu die­sem Themenblock aus.

Nun muss­ten wir inter­es­san­te und leicht ver­ständ­li­che Schwerpunkte her­aus­ar­bei­ten. Wir lern­ten Jahreszahlen aus­wen­dig und die dazu­ge­hö­ri­gen Ereignisse. Wir hör­ten uns gegen­sei­tig ab, bis wir am Ende alle regel­rech­te Nordamerikaspezialisten waren. Die drei Wochen zusätz­li­chen Lernens waren ziem­lich müh­sam, noch nie hat­ten wir für einen Streich solch einen Aufwand betrie­ben. Doch es soll­te sich lohnen.

Frau Klamm begann wie in jeder Geschichtsstunde. Sie las vor. Kaum hat­te sie erwähnt, dass die USA 1867 den Russen Alaska abge­kauft hat­ten, mel­de­te sich Marc, der ergän­zend hin­zu­füg­te, dass die USA rund 20 Jahre spä­ter auch in den Besitz der Philippinen, Guam und Puerto Rico gelangt waren.

Erstaunt schiel­te Frau Klamm über den Rand ihrer Brille, nick­te Marc kurz zu, um dann ihren Text wei­ter vor­zu­le­sen. Kaum hat­te sie gesagt, dass ab 1870 das Eisenbahnnetz zügig aus­ge­baut wur­de, fiel ihr Kerstin ins Wort:

»Ja, stel­len Sie sich vor, bis 1890 hat­te sich das Streckennetz auf 163.000 Kilometer ver­vier­facht und war damit schon län­ger als das von ganz Europa!«

Nun ließ Frau Klamm sprach­los den Unterkiefer hän­gen. Da setz­te Kevin schon einen drauf: »Das scheint eine logis­ti­sche Meisterleistung gewe­sen zu sein. Frau Klamm, kön­nen Sie mit uns ein­mal die wich­tigs­ten Ost-West-Verbindungen durchsprechen?«

Frau Klamm schluck­te und schluck­te. Sie war immer noch zu kei­ner Antwort fähig.

Kerstin set­ze nun zum Vernichtungsschlag an: »Vielleicht soll­ten wir bes­ser über die kana­di­schen Eisenbahnlinien spre­chen. Gerade für die Gründung des kana­di­schen Bundes 1867, den Kauf Rupertslands durch die Hudson’s Bay Company 1869 und den Beitritt Manitobas 1870 war die­ses Thema noch wichtiger.«

Die letz­ten Worte bekam die gute Frau Klamm schon gar nicht mehr mit. Sie stürm­te, wohl nerv­lich am Ende, aus dem Klassensaal.

Wir über­leg­ten, ob wir die­ses Mal viel­leicht zu weit gegan­gen waren. Daraufhin klär­te Kerstin in der nächs­ten Pause die arme Frau Klamm über unse­ren Streich auf.

Sandra muss­te erneut laut lachen. »Das hät­te ich euch gar nicht zuge­traut, dass ihr für einen Streich frei­wil­lig lernt. Das muss euch doch unheim­lich schwer­ge­fal­len sein, oder?«

»Na ja«, ant­wor­te­te Kerstin. »Es war nicht ganz ein­fach, alle zum Mitmachen zu ermu­ti­gen. Aber ich den­ke, der Einsatz hat sich letzt­end­lich gelohnt.«

Sandra nick­te. »Das den­ke ich auch.« Und mit einem Blick auf den wohl­ge­füll­ten Ordner ergänz­te sie: »Viele Streiche pas­sen da jeden­falls nicht mehr rein. Dann müs­sen wir auf­hö­ren oder einen zwei­ten Ordner beginnen.«

»Da sind ja nicht nur unse­re Streiche drin, son­dern auch unse­re Abenteuer«, warf Kerstin ein. »Die neh­men viel Platz weg. Besonders, wenn die Zeitungsartikel dazu kommen.«

»Ich gehe aber nicht davon aus, dass da so schnell ein wei­te­res Abenteuer hin­zu­kommt. Unser Neuestes ist ja gera­de mal ein paar Tage alt. Und sol­che Ganovengeschichten gibt es bestimmt nicht jede Woche.«

»Das macht nichts, dann machen wir zur Abwechslung mal wie­der einen fet­ten Streich!«, lach­te Kevin.

Marc befass­te sich immer noch mit dem Zeitungsartikel ihres letz­ten Abenteuers. Schließlich unter­brach er die Unterhaltung der ande­ren. »Wisst ihr noch, was Kommissar Greulich ges­tern in der Eisdiele sag­te, bevor er sich ver­ab­schie­de­te? Da sind irgend­wo zwei Papageien ver­schwun­den. Wisst ihr dar­über etwas Näheres?«

»Nee, eigent­lich nicht«, erwi­der­te Kerstin. »Nur, dass die Papageien aus der Voliere des Friedrich-Ebert-Parks ver­schwun­den sind. Daraufhin hat er sich ja gleich verabschiedet.«

»Genau«, bestä­tig­te Marc. »Und da wir die wil­den Vier sind, soll­ten wir uns die­ser Sache anneh­men. Auch wenn es sich dabei nur um zwei Papageien han­delt, man weiß nie, was so alles dahintersteckt.«

»Wie stellst du dir das vor? Sollen wir zu Greulich fah­ren und ihn fra­gen, wel­ches schreck­li­che Geheimnis sich hin­ter dem Papageiendiebstahl ver­birgt? Der wird uns was Husten, wenn wir uns erneut in sei­ne Arbeit ein­mi­schen wollen!«

»Warum nicht? Eine ande­re Möglichkeit sehe ich nicht, um an nähe­re Informationen zu kom­men. Oder hat dar­über etwas in der Zeitung gestan­den? Ich habe nichts gelesen.«

Marc war bereits auf­ge­stan­den und hat­te Elvis an die Leine genom­men. »Na auf, ihr fau­les Pack. Lasst uns direkt zu Greulich fah­ren. Elvis muss sowie­so mal raus, sonst pie­selt der uns wie­der ans Sofa.«

»Untersteh dich, Elvis«, sag­te Kerstin mit dro­hen­dem Blick in Richtung Dalmatiner. »Das letz­te Mal hat­ten wir eine Woche Ausnahmezustand. Ich habe sogar das Rasierwasser mei­nes Vaters ver­sprü­hen müssen.«

Marc muss­te natür­lich sei­nen Vierbeiner ver­tei­di­gen. »Übertreib mal nicht so. Schließlich ist noch kei­ner erstunken.«

»Das wäre hier aber fast zum ers­ten Mal in der Menschheitsgeschichte pas­siert«, frot­zel­te Kevin weiter.

Währenddessen hat­ten sie den Clubraum ver­las­sen und befan­den sich auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Elvis hat­te gleich den ers­ten erreich­ba­ren Baum in Beschlag genommen.

Es war zwar noch recht früh am Mittag, trotz­dem war es für die Jugendlichen ärger­lich, dass ihnen die Straßenbahn vor der Nase davon­fuhr. So hat­ten sie noch zehn Minuten Wartezeit zu überbrücken.

»Was machen wir, wenn uns Greulich nicht wei­ter­hel­fen will?«, über­leg­te Kevin laut.

»Vielleicht ist der Fall bereits längst auf­ge­klärt?«, gab Marc zu bedenken.

»Oder die Papageien sind ein­fach weg­ge­flo­gen, weil im Zaun ein Loch war«, zähl­te Sandra eine wei­te­re Möglichkeit auf.

»Wenn uns Greulich nichts sagen möch­te, könn­ten wir in den Ebert-Park fah­ren. Vielleicht ent­de­cken wir dort etwas Brauchbares?«

»Meinetwegen. Mehr als ein lee­rer Käfig wird zwar nicht zu fin­den sein, aber etwas Besseres fällt mir im Moment auch nicht ein.«

Die wil­den Vier dis­ku­tier­ten bis zur Ankunft der nächs­ten Straßenbahn wei­ter, und selbst wäh­rend der Fahrt dreh­te sich ihr Gespräch aus­schließ­lich um die ver­schwun­de­nen Papageien.

Marc ver­kürz­te die Leine zu Elvis, als sie das Polizeipräsidium betra­ten. »Nicht, dass du den Kommissar abschleckst. Dann steckt der dich in Einzelhaft bei Wasser und Knochen!«

Ein jun­ger Beamter, der die wil­den Vier nicht kann­te, erschrak, als er aus sei­ner Bürotür kam und fast über sie stol­per­te. »Huch, was ist hier los?«, ent­fuhr es ihm. »Findet hier eine Demonstration statt?«

Marc fass­te sei­nen Dalmatiner noch enger und ant­wor­te­te: »Entschuldigen Sie, dass wir Sie erschreckt haben. Wir wol­len zu Kommissar Greulich.«

»Ihr habt bestimmt einen Termin, oder? Der Herr Kommissar ist näm­lich schwer beschäf­tigt. Wenn ihr etwas zu berich­ten habt, könnt ihr es auch mir sagen.«

»Nein dan­ke, wir müs­sen Herrn Greulich selbst spre­chen. Würden Sie ihm bit­te sagen, dass wir da sind?«

»Und was soll ich ihm sagen? Das vier Jugendliche und ein gro­ßer Hund da sind, die ihn spre­chen wollen?«

Marc lach­te. »Genau, das wür­de rei­chen. Herr Greulich weiß, wer wir sind. Sie kön­nen ihm aber auch sagen, dass die wil­den Vier hier sind – und Elvis«, füg­te er an.

»Die wil­den Vier? Doch nicht etwa die wil­den Vier, die letz­te Woche die Katakomben unter der Fußgängerzone ent­deckt haben?«

»Ach, das mei­nen Sie«, beton­te Kerstin absicht­lich gelang­weilt. »Ja, das waren wir. Ist aber schon eine Weile her.«

Der jun­ge Beamte ging, um Kommissar Greulich den Besuch anzukündigen.

»Habt ihr sein Gesicht gese­hen? Fast hät­te der uns um ein Autogramm gebe­ten«, lach­te Sandra.

Kerstin nick­te. »Dann soll er sich auch ein Autogramm von Elvis geben las­sen. Das heißt, das wird dann eher ein Riechogramm.«

Marc schau­te sei­ne Freundin zuerst böse an, doch schließ­lich muss­te auch er über die­sen Witz lächeln.

In die­sem Moment kam der Beamte zurück. »Es tut mir leid, aber Kommissar Greulich ist im Außendienst und es ist nicht bekannt, bis wann er zurück sein wird. Soll ich ihm eine Nachricht von euch hinterlassen?«

»Ach nein, das ist nicht nötig«, beeil­te sich Kevin zu sagen. »Wir ver­su­chen es mor­gen wie­der. Vielen Dank und auf Wiedersehen.«

Enttäuscht ver­lie­ßen die vier das Gebäude. Marc stampf­te wütend mit sei­nem rech­ten Fuß auf. »Mensch ist das blöd! Und was machen wir jetzt?«

»Plan B«, ent­geg­ne­te Kerstin. » Wir fah­ren zum Friedrich-Ebert-Park.«

Eine hal­be Stunde spä­ter hielt die Straßenbahn vor dem Eingang der 1925 gegrün­de­ten weit­läu­fi­gen Parkanlage an.

»Zum Glück wird hier kein Eintrittsgeld ver­langt. Wenn ich an die Mannheimer Parks den­ke …«, mein­te Kerstin und ver­dreh­te die Augen.

Elvis hat­te sofort gero­chen, dass es hier vie­le Tiere gab, die es sich zu jagen lohn­te. Kaninchen, Enten, Tauben und vie­les mehr. Ein wah­res Hundeparadies. Doch Marc hat­te vor­ge­sorgt und die Leine sei­nes Lieblings wie­der ver­kürzt. »Wenn du durch­drehst, Elvis, dann sper­re ich dich in die lee­re Papageienvoliere.«

»Wisst ihr über­haupt, in wel­che Richtung wir lau­fen müs­sen?«, frag­te Sandra. Als Ludwigshafener Neubürgerin kann­te sie sich noch nicht aus.

»Na klar«, ant­wor­te­te Kerstin. »Wir waren schon oft hier. Wir müs­sen an die­ser Fontänenanlage vor­bei bis zur Rückseite des Parks. Dann hun­dert Meter nach links, schon sind wir bei den Vogelkäfigen.«

Innerhalb kür­zes­ter Zeit hat­ten die Vier mit ihrem Dalmatiner das Ziel erreicht. Auf der rech­ten Seite befan­den sich neben dem Weg ins­ge­samt fünf Volieren, die bis auf eine ein­zi­ge alle besetzt waren. Neben Wellensittichen in allen mög­li­chen Farben waren auch Mohrenkopfpapageien und Kakadus zu sehen.

Die Voliere ganz links war leer. Trostlos wirk­ten die vie­len dicken Äste mit dem Laub und den dicken Seilen, die den Vögeln zur Unterhaltung die­nen und den Bewegungsdrang för­dern sol­len. Gespannt schau­ten die Vier in den tier­lo­sen Käfig.

Sie muss­ten schon eine Weile hin­ein­ge­starrt haben, denn sie bemerk­ten nicht, wie ein älte­rer Mann lang­sam zu ihnen kam. Als er sie plötz­lich von hin­ten ansprach, erschra­ken sie allesamt.

»Da könnt ihr lan­ge nach Tieren suchen«, sag­te er mit einer merk­wür­dig tie­fen Stimme. »Der Käfig ist leer. Bis vor­ges­tern waren noch zwei bild­hüb­sche hell­ro­te Aras zu sehen.«

Kerstin dreh­te sich um. »Wissen Sie, wo die­se Aras sind?«

Der Mann nick­te. »Ja. Gestohlen wur­den sie. Vorletzte Nacht hat jemand das Schloss an der Rückseite der Voliere geknackt und die Vögel ein­ge­fan­gen. Eine Schande ist das! Dabei waren die Papageien erst seit ein paar Tagen im Park. Und nun sind sie wie­der weg.«

»Was?«, rutsch­te es Kevin her­aus. »Die Papageien sind nur ein paar Tage hier gewe­sen? Wo waren die vorher?«

»Das kann ich dir auch nicht sagen, mein Junge. Es kommt aber öfters vor, dass Vögel abge­ge­ben wer­den, deren Besitzer mit der Haltung über­for­dert sind oder ein Tier geerbt haben und es nicht behal­ten wol­len. Aber noch nie­mals wur­de im Park etwas gestohlen!«

Sandra über­leg­te kurz, bevor sie den Mann freund­lich ansah: »Sind die Aras beson­ders wert­voll? Kann ein Dieb die Tiere weiterverkaufen?«

»Ein hell­ro­ter Ara kann schon den einen oder ande­ren Tausender kos­ten. Aber die Einfuhr und die Zucht sind streng regle­men­tiert, außer­dem ist jeder ein­zel­ne Vogel regis­triert. Einen gestoh­le­nen Ara zu ver­kau­fen, dürf­te nicht all­zu leicht sein.«

Der Mann, sicher­lich bereits im Rentenalter, dach­te nach. »Irgendwie gehen mir die bei­den Männer nicht aus dem Kopf, die vor­ges­tern hier waren. Ihr müsst wis­sen, ich woh­ne neben dem Park und dre­he hier, wenn es nicht gera­de reg­net oder stürmt, täg­lich mei­ne Runde.«

Die wil­den Vier horch­ten auf. »Haben sich die­se Männer ver­däch­tig benom­men? Denken sie, dass es sich um die Diebe han­deln könnte?«

Ihr Gesprächspartner wie­gel­te ab. »Das kann ich wirk­lich nicht sagen. Ich habe die bei­den jeden­falls vor­her nie im Park gese­hen. Ich fand es sehr merk­wür­dig, dass sie die Papageien mit einem rie­si­gen Zoomobjektiv foto­gra­fiert haben. Da ich mich mit dem Fotografieren etwas aus­ken­ne, bin ich mir fast sicher, dass die bei­den nur die Füße der Vögel foto­gra­fiert haben. Das Ganze kam mir wirk­lich sehr selt­sam vor.«

Die Jugendlichen sahen sich an. Was hat­te das zu bedeuten?

Kevin hak­te nach. »Was haben die Leute danach gemacht? Haben die viel­leicht das Schloss untersucht?«

»Nein, nein. Irgendwann bemerk­ten sie, dass ich ihnen zuschau­te. Da haben sie ihre Kameras geschnappt und sind weg­ge­gan­gen. Ich habe sie danach auch nicht mehr gesehen.«

Das war mal wie­der eine har­te Kopfnuss für die wil­den Vier. Diesmal war es Marc, dem eine Antwort einfiel.

»Alles klar, Leute. Ich glau­be, ich weiß, war­um die­se Typen mit ihren Zoomobjektiven han­tiert haben. Ist ja auch irgend­wie logisch!«

Frage: Was woll­ten die bei­den Männer fotografieren?

Antwort: .nel­letst­sef legöV red tfnukreH eid dnu retlA sad nam nnak nremmuN red dnahnA .tgärt ßuF ma iegapaP redej eid ‚nehe­seg­ba negniR ned fua nremmunstätitnedI eid fua se nettah rennäM eiD

Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien – Kapitel 1

Cover Die wilden Vier - Band 3

Der fal­sche Zeitungsartikel

Autor: Harald Schneider

Wie fast jeden Nachmittag tra­fen sich die wil­den Vier zuhau­se bei den Zwillingen Kerstin und Kevin. Im Keller des Hauses hat­ten sie ihren eige­nen Clubraum, den sie nach ihren Wünschen gestal­tet und ein­ge­rich­tet hat­ten. Marc und auch Sandra, die erst seit die­sem Schuljahr in Ludwigshafen wohn­te und auf Anhieb Mitglied der wil­den Vier gewor­den war, mach­ten dort häu­fig ihre Hausaufgaben.

Es war gera­de eine gute Woche her, seit die wil­den Vier zusam­men mit ihrem über­aus neu­gie­ri­gen Dalmatiner Elvis und ihrem Klassenkameraden Daniel haar­sträu­ben­de Abenteuer im Keller des Rathauscenters erlebt hatten.

Sandra saß tief­ge­bückt über ihrem Mikroskop. An einem klei­nen Rädchen stell­te sie die größt­mög­li­che Vergrößerung ein. Mit ruhi­ger Hand ver­schob sie mil­li­me­ter­wei­se die zwei klei­nen Glasblättchen unter der Vergrößerungslinse.

Kevin schau­te ihr bereits eine gan­ze Weile inter­es­siert zu. Schließlich sprach er sie an: »Ich glau­be, Sherlock Holmes könn­te bei dir noch etwas ler­nen. Dir scheint nichts zu ent­ge­hen. Für mich sieht das, was du da unter­suchst, wie ein klei­ner Dreckhaufen aus.«

»Mensch Kevin, wie oft muss ich dir das noch erklä­ren. Sherlock Holmes ist nur eine erfun­de­ne Romanfigur die nie gelebt hat. Wir dage­gen sind aus Fleisch und Blut und leben in der Realität. Außerdem ist das kein Dreckhaufen son­dern ein wich­ti­ges Beweisstück.«

»Haha, was willst du mit die­sem Lehmbröckchen bewei­sen? Dreck bleibt Dreck!«

Sandra schau­te ihrem Kameraden Kevin fest in die Augen, über­leg­te einen Moment und ant­wor­te­te dann schel­misch grin­send: »Klar ist das Dreck. Damit habe ich bewie­sen, dass du dir heu­te nicht die Zähne geputzt hast!«

Kevins Zwillingsschwester Kerstin schau­te zu ihrem Bruder und fing an zu lachen. »1:0 für dich, Sandra.«

Kevin dreh­te sich Grimassen schnei­dend um. Solche Späße kann­te er zur Genüge. Deshalb fühl­te er sich auch nicht im Geringsten belei­digt. Das nächs­te Mal war sicher­lich er wie­der an der Reihe, um einen Spaß auf Kosten ande­rer zu machen.

Währenddessen blät­ter­te Marc in der Tageszeitung, die er heu­te Morgen von sei­nem Onkel Franz bekom­men hat­te. Normalerweise las er nur die Sportbeilage, der Rest inter­es­sier­te ihn nicht wei­ter. Doch heu­te schien er in die regio­na­len Nachrichten ver­tieft zu sein. Kopfschüttelnd las er die Überschriften und blät­ter­te wei­ter. Nach vier oder fünf Seiten wur­de er end­lich fündig.

»Da schau an! Wie mein Onkel gesagt hat: Die Rheinpfalz berich­tet auf einer hal­ben Seite von unse­rem letz­ten Abenteuer im Rathauskeller. Sogar mit einem Foto von uns. Unten rechts haben sie sogar einen Plan des unter­ir­di­schen Labyrinths abge­druckt. Und jetzt kommt das Beste: Die Stadtverwaltung will ein­mal monat­lich Führungen durch die­se Kellergewölbe anbie­ten. Die Besichtigung soll im Rathaus begin­nen. Der ver­schüt­te­te Stollen wird in die­sen Tagen wie­der freigelegt.«

Sandra sah von ihrem Mikroskop auf. »Brauchen die noch Führer für ihre Touren? Das wäre was für uns. Immerhin haben wir die Gewölbe entdeckt.«

Kevin hat­te den Artikel inzwi­schen eben­falls über­flo­gen und brum­mel­te vor sich hin. »Mich ärgert bloß, dass die Zeitungsleute drei­mal die­sen Daniel erwähnt haben. So wich­tig war der nun auch wie­der nicht.«

»Na ja, ohne Daniel hät­ten wir kei­ne Verbindung zu Jutta Marsanek bekom­men und das Abenteuer hät­te erst gar nicht statt­ge­fun­den«, ver­tei­dig­te Kerstin Daniel, den sie ganz gern mochte.

»Ja, ja, dein Daniel«, läs­ter­te ihr Bruder. »Letztens hat der Angeber in der Pause behaup­tet, dass er in der Schule nur Einser schrei­ben würde.«

»Stimmt doch«, fiel ihm Marc lachend ins Wort. »Er kann halt nur Einser schrei­ben, ande­re Zahlen hat er nie gelernt!«

Alle lach­ten über den gelun­ge­nen Scherz. Sogar Kerstin konn­te nicht ernst bleiben.

Sandra hat­te wäh­rend der all­ge­mei­nen Erheiterung eine Schere aus der Schublade des Schreibtisches gekramt und begann, den Zeitungsartikel aus­zu­schnei­den, um ihn in ihren Streich- und Abenteuerordner abzu­hef­ten. Der Ordner hat­te inzwi­schen einen recht ansehn­li­chen Umfang. Vor allem die Beschreibungen der vie­len Streiche nah­men eine Menge Platz ein.

Während Sandra her­um­schnip­pel­te, ent­deck­te sie einen wei­te­ren inter­es­san­ten Artikel, der auf der glei­chen Seite der Zeitung stand.

»Schaut euch mal das Foto auf die­ser Seite an. Die Bildunterschrift sagt, dass es sich um ein Schwarzweiß-Foto han­delt, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts ent­stan­den ist. So hat also damals der Ludwigshafener Ortsteil Mundenheim aus­ge­se­hen, in dem wir jetzt leben. Da war Mundenheim ein klei­nes Dorf und gehör­te noch nicht zu Ludwigshafen.«

Kevin und Kerstin beug­ten sich zu Sandra, um sich das Foto anzu­schau­en. »Mensch, da gab es ja noch nicht ein­mal Autos. Seht mal, die vie­len Pferdefuhrwerke.«

»Und schaut euch die Männer an, die alle Hüte tra­gen. Das sieht lus­tig aus.«

Kerstin las den dazu­ge­hö­ren­den Text. »Da steht, dass vor über 100 Jahren eine Lokalbahn durch Mundenheim geführt hat und immer wie­der die Pferde der Bauern scheu­en ließ. Das Dorfzentrum hieß damals ›Börse‹, heu­te heißt die Kreuzung ›Am Schwanen‹, benannt nach einer Wirtschaft, die es nicht mehr gibt.«

Marc saß Zeit dane­ben und kraul­te sei­nen Dalmatiner Elvis, der dies in vol­len Zügen genoss. »Zeigt mal her«, unter­brach er aus hei­te­rem Himmel sein selbst­auf­er­leg­tes Schweigegelübde. Er riss Sandra die Zeitung aus den Händen und sah auf den Bericht.

Schon nach weni­gen Sekunden gab er ihr die Zeitung kopf­schüt­telnd zurück. »Die Redakteure könn­ten ihre Artikel mal ein biss­chen sorg­fäl­ti­ger schrei­ben. Da hat sich mal wie­der ein ganz dicker Fehler eingeschlichen!«

Frage: Was fiel Marc an dem Zeitungsartikel auf? Was stimm­te nicht?

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