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Kategorie: Wilden Vier Band 1 (Seite 1 von 2)

Band 1 – die geheim­nis­vol­le Botschaft

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 10

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Die wil­den Vier haben es geschafft

Autor: Harald Schneider

Die vier Klassenkameraden stan­den mit den Polizisten auf dem Gelände hin­ter der Schule, um Erklärungen abzu­ge­ben. Die Ganoven waren vor einer knap­pen Stunde fest­ge­nom­men wor­den. Da tauch­te bereits ein Reporter der ört­li­chen Tageszeitung und ein Fotograf des Zeitungsverlages auf.

Am nächs­ten Montag soll­te in einem gro­ßen Zeitungsartikel von den Erlebnissen der vier Freunde bis hin zur Festnahme der Ganovenbande durch Kommissar Greulich berich­tet wer­den. Kerstin, Kevin, Sandra und Marc wer­den in dem Artikel für ihren Mut und ihren Einsatz aus­drück­lich gelobt, ver­sprach der Reporter. Zu dem Bericht wird ein gro­ßes Foto der Jugendlichen erschei­nen, wie sie in der Scheune neben den beschlag­nahm­ten Designerklamotten ste­hen. Der Fotograf mach­te in der Scheune meh­re­re Dutzend Aufnahmen.

Wegen der vie­len Neugierigen, die sich bald dar­auf vor dem Eingangstor ein­fan­den, muss­te die Polizei gemein­sam mit der Stadtverwaltung das Gelände absper­ren. Auch das Haus wur­de ver­sie­gelt und bekam ein hoch­wer­ti­ges Sicherheitsschloss, sodass nie­mand Unbefugtes die Räume und den Keller betre­ten konn­te. Das Diebesgut wur­de von der Polizei sicher­ge­stellt und abtransportiert.

Hausmeister Lampe wur­de von der Polizei auf­ge­for­dert, alle Zugänge zu den Kriechkellern inner­halb der Schule zu ver­schlie­ßen. Die Beamten woll­ten in den nächs­ten Tagen das unter­ir­di­sche Labyrinth nach wei­te­ren Spuren absu­chen. Deshalb durf­te nie­mand hin­ein, noch nicht ein­mal die Handwerker.

Die Eltern der vier Abenteurer fie­len aus allen Wolken, als ihre Kinder von der Polizei nach Hause gebracht wur­den. Zuerst dach­ten sie: “Um Himmels wil­len, was haben die jetzt wie­der ange­stellt!” Als sie die nähe­ren Umstände erfuh­ren, waren sie sehr froh, dass den Kindern nichts pas­siert war.

Die dar­auf­fol­gen­den Tage waren für die ‚wil­den Vier‘ ziem­lich anstren­gend. Es sprach sich in Ludwigshafen schnell her­um, wel­che Abenteuer die Klassenkameraden bestan­den hatten.

Die Mathematikstunde am Montag fiel wie erwar­tet aus. Ihr Lehrer, Herr Neumann, war genau­so gespannt auf eine detail­lier­te Berichterstattung aus ers­ter Hand wie die Schulkameraden der ‚wil­den Vier‘. Abwechselnd, und vor lau­ter Aufregung sich gegen­sei­tig stän­dig unter­bre­chend, erzähl­te das Team die gan­ze Geschichte. Beginnend mit dem lee­ren Eimer, in dem kein Regenwasser stand, bis hin zur Befreiung aus dem Keller mit anschlie­ßen­der Flucht unter dem Schulhof und letzt­end­lich die Lügengeschichte des Ganovenbosses. Die Zuhörer und Herr Neumann staun­ten über die span­nen­den Erlebnisse der vier und stell­ten inter­es­siert Zwischenfragen. Dass unter ihrem Schulhof ein Keller sein soll­te, das konn­ten auch jetzt eini­ge der Schüler immer noch nicht so recht glau­ben. Kevin war über die all­ge­mei­ne Aufregung aus einem ganz ande­ren Grund recht froh. Der Matheunterricht fand nicht statt. Und allein dafür hat­te sich sei­ner Meinung nach die Anstrengung mehr als gelohnt.

In der Pause, in den nach­fol­gen­den Stunden und nach der Schule wur­den sie von allen mög­li­chen Leuten bela­gert und aus­ge­fragt. So lang­sam wur­de es ihnen zu bunt und sie ant­wor­te­ten nur noch, dass in der Zeitung alles genau berich­tet wur­de und sie dort alles nach­le­sen konn­ten. Kerstin mach­te sich am glei­chen Nachmittag im Clubraum an die Arbeit, um das neu­es­te Abenteuer der “wil­den Vier” in ihren gesam­mel­ten Werken zu verewigen.

Eine Woche spä­ter, es war Samstag, hat­te Kommissar Greulich alle Beteiligten ins Polizeipräsidium ein­ge­la­den. Neben Kerstin, Kevin, Sandra und Marc waren auch die Eltern der vier und Marcs Onkel Franz gekom­men. Marc hat­te selbst­ver­ständ­lich eine wei­te­re Hauptperson mit­ge­bracht. Elvis schnüf­fel­te zur Begrüßung an den Hosenbeinen von Herrn Greulich und fast sah es so aus, als woll­te er genau in die­sem Moment an die­ser Stelle sein Bein heben.

Marc erschrak fürch­ter­lich und konn­te den Dalmatiner gera­de noch von sei­nem Vorhaben abbrin­gen. “Nein Elvis, es reicht, dass du unse­re Couch mit einem Baum ver­wech­selt hast. Wenn du den Polizisten anpin­kelst, wird er dich ins Gefängnis sperren!”

Die ande­ren Anwesenden war­te­ten erschro­cken auf eine Reaktion des Kommissars. Der lach­te nur.

“Euer Dalmatiner hat wohl eine ziem­lich schwa­che Blase. Aber immer­hin hat Elvis durch sei­nen Drang dazu bei­getra­gen, dass Marc nicht auch noch von den Ganoven ertappt wurde.”

Die Situation war geret­tet, alle lach­ten und mach­ten ihre Späßchen über Elvis‘ Bedürfnisse an allen unmög­li­chen Orten und Zeitpunkten.

Kommissar Greulich begrüß­te schließ­lich alle Anwesenden ganz herz­lich. „Wir dach­ten, dass wir alle Beteiligten und deren Eltern zu einer gemein­sa­men Besprechung ein­la­den, um damit letz­te offe­ne Fragen klä­ren zu können.“

Die Erwachsenen nick­ten erfreut und nutz­ten aus­führ­lich die Gelegenheit, die Abenteuer ihrer Kinder aus poli­zei­li­cher Sichtweise ken­nen zu ler­nen. Die vier muss­ten alles noch ein­mal ganz genau berich­ten und Herr Greulich gab zwi­schen­durch immer mal wie­der einen Kommentar oder Hinweis ab.

„Letztendlich war es aber doch unver­ant­wort­lich, einen Hund, selbst wenn es sich dabei um Elvis han­delt, als Überbringer einer solch wich­ti­gen Nachricht zu nut­zen“, ermahn­te Kommissar Greulich Marc. „Das hät­te böse aus­ge­hen kön­nen, falls der Dalmatiner nicht nach Hause gefun­den hät­te oder dein Onkel nicht daheim gewe­sen wäre!“

Marcs Onkel ergänz­te: „Ich muss zuge­ben, dass ich die Nachricht zuerst als schlech­ten Scherz auf­ge­fasst habe. Zunächst habe ich über­all her­um­te­le­fo­niert. Nachdem jedoch kei­ner wuss­te, wo ihr euch rum­treibt, bin ich sicher­heits­hal­ber doch zur Polizei gegangen.“

„Auch wir waren zuerst skep­tisch. Aber für sol­che Dinge ist die Polizei schließ­lich da“, unter­brach der Polizist Marcs Onkel.

„Was wir schon die gan­ze Zeit wis­sen woll­ten“, frag­te Kerstin. „Waren Sie schon vor­her auf dem Gelände oder sind Sie uns wirk­lich erst in letz­ter Sekunde zu Hilfe gekommen?“

Kommissar Greulich grins­te. „Wir waren bereits eine gan­ze Weile vor Ort und ver­folg­ten das Geschehen im Hof. Wir wuss­ten nur nicht, wo ihr genau gefan­gen wart, des­halb haben wir zunächst alles nur beob­ach­tet. Wir woll­ten gera­de zuschla­gen und das Gelände stür­men, da seid ihr, so ver­dreckt wir ihr aus­ge­se­hen habt, von der Straße gekom­men und gera­de­wegs in den Hof gegan­gen. Wir dach­ten, dass das jetzt ande­re Schüler sind, die unser Vorhaben gefähr­den könn­ten. Erst als wir Marc ent­deck­ten, der Schmiere ste­hen soll­te, wur­de uns eini­ges klar.“

„Ich war noch kei­ne Minute auf mei­nem Posten gestan­den“, erzähl­te Marc wei­ter, „da kam Kommissar Greulich und ein paar wei­te­re Polizisten zu mir und frag­ten mich aus. Zum Glück stan­den wir etwas abseits vom Eingang. So sah uns der Gangsterboss nicht, der kurz dar­auf auf das Gelände fuhr. Und den Rest der Geschichte, der ist euch bekannt.“

„Egal was ihr dazu meint!“, sag­te Kevin mit erns­ter Miene, „ohne Elvis hät­te das nicht geklappt. Er hat sich einen Extrahappen red­lich verdient!“

Alle schau­ten zu Elvis und lob­ten ihn für sei­ne gute Tat. Dabei konn­te man den Eindruck gewin­nen, dass er ziem­lich ver­le­gen dreinblickte.

“Was wol­len die vie­len Menschen nur von mir?”, dach­te der Dalmatiner. „Am bes­ten, ich geh’ denen aus dem Weg.”

Er stand auf, um sich in einer Ecke zu ver­krü­meln. Dazu muss­te er direkt am Schreibtisch von Herrn Greulich vor­bei. Mit sei­ner Schwanzspitze wedel­te er ein paar Papiere vom Tisch, die dort in einem klei­nen Körbchen lagen. Mehrere Hände streck­ten sich gleich­zei­tig, um die vier oder fünf Blätter wie­der aufzuheben.

Auch Sandra ergriff eines der Papiere. Automatisch fiel ihr Blick auf den alten, ver­bli­che­nen Zettel. Undeutlich konn­te sie eine klei­ne Skizze erken­nen. Es han­del­te sich um meh­re­re, mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Räume, von denen einer mit einem gro­ßen “X” gekenn­zeich­net war. Rechts dane­ben stan­den zwei oder drei Sätze in einer aus­län­di­schen Sprache.

Sandra woll­te gera­de fra­gen, was es mit die­sem Schriftstück auf sich hat, doch Herr Greulich erriet ihre Gedanken.

“Diese Skizze wur­de bei einer Haushaltsauflösung auf dem Speicher eines alten Hauses gefun­den. Normalerweise kein Fall für die Polizei. Aber die Familie, in deren Hausrat die­ser Plan gefun­den wur­de, war frü­her ziem­lich reich. Während des letz­ten Krieges hat der Großvater der jet­zi­gen Eigentümerin sein Vermögen ver­mut­lich irgend­wo ver­steckt oder ins Ausland gebracht. Niemand weiß etwas Genaues darüber.”

“Nun ver­mu­tet man”, fuhr er fort, “dass auf die­sem Plan das Versteck ein­ge­zeich­net sein könn­te. Bisher sind wir aber nicht sehr weit gekom­men. Wir wis­sen ledig­lich, dass es etwas mit dem Hauptbahnhof in Ludwigshafen zu tun hat. Der besaß damals ein mehr­stö­cki­ges Kellergewölbe. Leider wur­de die­ser Bahnhof in den 70er Jahren des letz­ten Jahrhunderts abge­ris­sen und an einer ande­ren Stelle neu gebaut. Dort, wo frü­her der Bahnhof stand, befin­det sich heu­te das Rathaus und das Einkaufszentrum Rathauscenter. Wenn in den Kellern etwas ver­steckt war, hat man es damals ent­we­der gefun­den oder es dürf­te für immer ver­schwun­den sein.”

Die ‚wil­den Vier‘ wur­den hell­hö­rig. Bahnte sich da ein neu­es Abenteuer an?

Damit wur­de die Besprechung im Polizeipräsidium been­det. Die Erwachsenen unter­hiel­ten sich noch eine Weile vor dem Gebäude über die Aktivitäten ihrer Sprösslinge. Sie waren in ihrem Gespräch so ver­tieft, dass sie es nicht bemerk­ten wie die ‚wil­den Vier‘ sich zusam­men mit Elvis verabschiedeten …

Neue Abenteuer war­ten auf die ‚wil­den Vier‘. Können sie das Geheimnis um den ver­schol­le­nen Schatz lüften?

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 9

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Überraschung

Autor: Harald Schneider

Sandras Geistesblitz war ein­leuch­tend. Der Kriechkeller war zwar auch am Rand ziem­lich feucht und roch genau so muf­fig wie im Innern des Irrgartens, die Kameraden ver­lo­ren aber kein Wort über die unge­müt­li­che Umgebung. Tapfer kämpf­ten sich alle vier durch das nied­ri­ge Gewölbe.

Marc hat­te die Führung über­nom­men und leuch­te­te den Weg. Kevin ließ den Mädchen den Vortritt und folg­te der Gruppe als Schlusslicht. Er hat­te die zwei­te Taschenlampe an sich genommen.

Im Prinzip war es ganz ein­fach, der Mauer zu fol­gen. Mit ihrer neu­en Taktik ereich­ten sie sehr bald eine Ecke des unter­ir­di­schen Labyrinths.

„Jetzt haben wir es bald geschafft!“, mach­te Kerstin den ande­ren Mut.

„Marc, wo bist du eigent­lich reingekommen?“

„Im Keller des Hauptgebäudes neben dem Fotolabor. Dort sind die Stromverteiler. Das ist zwar nicht die kür­zes­te Entfernung zu eurem Gefängnis gewe­sen, das Schulhaus war aber geöffnet.“

„Ich den­ke, wir soll­ten jetzt den erst­bes­ten Ausgang neh­men, den wir fin­den kön­nen. Und das wird das alte Schulhaus vor dem Hauptgebäude sein“, emp­fahl Sandra. „Vorausgesetzt, es gibt einen Zugang.“

Kevin grins­te: „Klar gibt es einen, wir müs­sen nur die Luke fin­den. Aus dem Schulhaus kom­men wir bestimmt irgend­wie raus. Ich habe doch mei­ne Dietriche im Rucksack.“

Die Schulkameraden waren froh und atme­ten erleich­tert auf, als sie nach eini­ger Zeit eine der heiß ersehn­ten Luken ent­deck­ten. Auch hier kamen direkt neben­an etli­che Wasserrohre und Stromleitungen aus der Wand. Marc, der als ers­tes den Ausgang erreich­te, war­te­te nicht auf die ande­ren, son­dern drück­te sofort den klei­nen Hebel nach unten. Auch die­se Tür ließ sich leicht öff­nen, von Rost war kei­ne Spur zu sehen.

In der Zwischenzeit waren auch die ande­ren zu ihm auf­ge­rückt und zwei Taschenlampen leuch­te­ten durch die geöff­ne­te Tür in den Schulkeller. „Mann, da ste­hen lau­ter alte Schulbänke und Stühle herum.“

„Klar, das ist das Lager unse­rer Schule. Das alte Schulhaus hat kei­ne Klassenräume im Keller. Da ist immer abge­schlos­sen“, erklär­te Kevin den anderen.

Tatsächlich wur­de der Raum bereits seit Jahren dazu genutzt, um altes Klassenzimmermobiliar zu lagern. Normalerweise hät­ten die alten Stühle und Tische längst auf den Sperrmüll gehört, doch Hausmeister Lampe hat­te eine Vorliebe für gebrauch­te Sachen und konn­te sich nicht von ihnen tren­nen. Aus die­sem Grund hat­te er sämt­li­che aus­ran­gier­ten Möbel, die irgend­wann durch neue ersetzt wur­den, in die­sem Raum untergebracht.

Die wil­den Vier schau­ten sich wei­ter um. Direkt unter­halb der Luke sahen sie eine ein­zel­ne Schulbank ste­hen. Es war ein ganz altes Modell, das noch Einkerbungen für Tintenfässer und Schreibgriffel besaß. Kevin rut­sche mit den Beinen vor­an durch die Luke, bis er nur noch mit den Händen am Rahmen des Ausstiegs hing. Dann sprang er den let­zen hal­ben Meter auf die Bank. Alles klapp­te prima.

Daraufhin folg­ten ihm der Reihe nach sei­ne Freunde. Kevin half den Mädchen mit einer Räuberleiter, in dem er sei­ne Hände zusam­men­fal­te­te, damit sie drauf­stei­gen konn­ten. So konn­ten sie sicher und bequem auf der Schulbank landen.

Total ver­schmutzt aber glück­lich stan­den sie nun im Möbellager von Herrn Lampe. Für eine Besichtigung des Inventars blieb ihnen kei­ne Zeit und Lust hat­ten sie im Moment auch nicht dazu. Die Ganoven waren wich­ti­ger und die Zeit dräng­te! Die Gauner muss­ten so schnell wie mög­lich gefasst werden!

Die Tür zum Kellerflur stand weit offen und so kamen sie ohne Probleme ins Treppenhaus, das hoch zum Erdgeschoss führ­te. Auf der obers­ten Treppenstufe ange­kom­men, ver­sperr­te ein Portal mit Milchglasfüllung den Weg ins Freie. Kevin han­tier­te zunächst sie­ges­ge­wiss mit sei­nem Bündel Dietriche an dem Schlüsselloch her­um. Doch bereits nach weni­gen Handbewegungen begann er rot anzu­lau­fen, vor Wut zu schnau­ben und laut zu fluchen:

„Verdammt noch mal, da kom­men wir nicht raus. Auf der ande­ren Seite steckt ein Schlüssel. Und mit dem Dietrich kann ich ihn nicht herausstoßen!“

Zornig stampf­te er mit sei­nem rech­ten Fuß auf. Ungläubig schau­ten die ande­ren ihren Freund an. So nah am Ziel und doch so weit ent­fernt! Was soll­ten sie jetzt machen? Wie kom­men sie bloß raus?

Kevin hat­te sich nach sei­nem Wutanfall schnell wie­der gefasst und prä­sen­tier­te den ande­ren über­ra­schend eine neue Lösung. „Kommt mit!“, befahl er sei­nen Freunden, die ihm gehor­sam nach unten in Richtung Keller folgten.

Das Treppenhaus mit der U‑förmig gewen­del­ten Treppe besaß auf hal­ben Weg ein Podest. Ein ziem­lich gro­ßes Fenster mit schwe­ren Holzrahmen befand sich direkt hin­ter dem Treppengeländer. Es sorg­te für aus­rei­chen­des Tageslicht im Treppenhaus. Dahinter befand sich ein offe­ner Lichtschacht, der im Vorgarten der Schule mündete.

„Jetzt drückt mal alle fest die Daumen, dass sich wenigs­tens das Fenster öff­nen lässt.“

Tatsächlich konn­ten sie das Fenster trotz sei­ner Größe pro­blem­los öff­nen. Mühelos schaff­ten es die vier, über das Geländer in den Schacht zu krie­chen. Es dau­er­te nur ein oder zwei Minuten, bis die Kameraden zwi­schen den dor­ni­gen Hecken im Vorgarten ihrer Schule her­aus­ge­schli­chen kamen.

Da stan­den sie nun: Völlig erschöpft und schmut­zig von Kopf bis Fuß. Sie über­leg­ten, ob sie gleich zur Polizei lau­fen soll­ten. Aber ihre Neugier war grö­ßer. Außerdem ver­mu­te­ten sie, dass die Polizei inzwi­schen durch Marcs Onkel Bescheid wuss­te und die Ganoven viel­leicht längst fest­ge­nom­men waren. Das muss­te auf jeden Fall geklärt wer­den. Sie lie­fen so schnell sie konn­ten am Schulhaus vor­bei, um zu dem geheim­nis­vol­len Gelände mit dem alten Gebäude zu gelangen.

Ein paar Passanten, denen sie unter­wegs begeg­ne­ten, schüt­tel­ten ver­ständ­nis­los den Kopf. Die wil­den Vier sahen aber auch tat­säch­lich ver­bo­ten aus.

Es war nur ein Katzensprung, dann stan­den sie vor dem gro­ßen Hoftor mit den kunst­vol­len Ornamenten. Es war nur ange­lehnt. Sie öff­ne­ten es einen Spaltbreit, um in den Hof schau­en zu kön­nen, Von die­sem Ort konn­ten sie den Transporter der Gauner vor dem Haus ste­hen sehen. Von der Polizei oder sonst jemand, der hel­fen konn­te, fehl­te jedoch jede Spur.

„Was machen wir jetzt?“, frag­te Kerstin die ande­ren, wäh­rend sie mit einem klei­nen Holzstückchen einen Lehmklumpen an ihrem Schuh ent­fern­te. Kevin war ganz auf­ge­regt und hek­tisch. Er ant­wor­te­te wie aus der Pistole geschossen:

„Ist doch klar. Wir schlei­chen rein und belau­schen die Gauner. Wir müs­sen bloß auf­pas­sen, dass wir mit­krie­gen, wann der Boss die­ser Bande anrückt.“

Kerstin erwi­der­te kopf­schüt­telnd: „Mensch, das ist viel zu gefähr­lich. Am Schluss neh­men uns die Halunken erneut gefan­gen und wir lan­den ein zwei­tes Mal in dem sti­cki­gen Keller. So gut hat es mir da unten nun auch wie­der nicht gefallen.“

Stirnrunzelnd über­leg­te sie einen Moment. „Oder wir machen es so: Marc bleibt hier drau­ßen und steht Schmiere. Die Schurken ken­nen ihn schließ­lich nicht. Wenn etwas schief geht, kann er die Polizei ver­stän­di­gen. Diesmal aber per­sön­lich. Das mit Elvis hat ja irgend­wie nicht so geklappt!“

Sandra und Kevin nick­ten zustim­mend über die akzep­ta­ble Idee mit der Vorsichtsmaßnahme. Nur Marc maul­te vor sich hin und ver­such­te, den Dalmatiner zu ver­tei­di­gen. Er woll­te dabei sein, wenn sei­ne Freunde los­zo­gen, um die Gauner zu belau­schen. Die ande­ren konn­ten ihn aber schließ­lich davon über­zeu­gen, da immer­hin ihre Sicherheit auf dem Spiel stand.

Gereizt und schlecht gelaunt bezog er eini­ge Meter von dem Hoftor ent­fernt sei­nen Posten.

Seine Kameraden schli­chen behut­sam und sehr vor­sich­tig auf das Gelände. Die vor­han­de­nen Nebengebäude nutz­ten sie geschickt zur Deckung. Lautlos kamen sie bald dar­auf hin­ter dem Haus an. Ohne ein Wort reden zu müs­sen, schiel­ten die drei abwech­selnd durch das Fenster, hin­ter dem sie die Halunken vermuteten.

Und tat­säch­lich, sie konn­ten das Gespräch in den Büroräumen belau­schen. Die Stimmen waren deut­lich zu ver­ste­hen. Zuerst unter­hiel­ten sich die Gauner über irgend­wel­che unin­ter­es­san­ten Dinge, doch auf ein­mal wur­de es rich­tig spannend.

„Die zwei Stunden sind schon längst vor­bei. Langsam könn­te der Boss end­lich auf­tau­chen“, konn­ten sie einen der Männer deut­lich sagen hören.

„Ja, es wird Zeit. Die Kisten haben wir längst in die Scheune geschleppt. Da ste­hen sie gut bis zum nächs­ten Mittwoch. Wo steht eigent­lich die Truhe mit den Uhren?“, unter­brach die Frau das Gespräch ihrer bei­den Komplizen.

Karl schien völ­lig über­rascht zu sein, dann wur­de er ganz ver­le­gen: „Mist, das habe ich ganz ver­ges­sen. Die Kiste steht noch immer im Keller!“

“Was? Bist du völ­lig über­ge­schnappt? Wie kann so etwas nur pas­sie­ren? Bin ich denn nur von Idioten umge­ben? Geh’ sofort run­ter und hole die­se ver­damm­te Truhe hoch. Hoffentlich haben die Kinder die Uhren noch nicht ent­deckt!“, schimpf­te die Frau auf­ge­bracht und ihre Stimme schien sich dabei fast zu überschlagen.

Die drei, die immer noch ange­strengt vor dem Fenster lausch­ten, konn­ten eini­ge Minuten nichts hören, bis sie eine auf­ge­reg­te Männerstimme ver­neh­men konn­ten. „Die Kinder sind fort! Einfach weg! Spurlos verschwunden!“

„Spinnst du? Wo sol­len die denn hin­ge­gan­gen sein? Die kön­nen sich doch nicht in Luft auf­ge­löst haben. Um in den Keller zu kom­men, gibt es nur die­sen Zugang, und der war die gan­ze Zeit ver­schlos­sen. Sind die Uhren wenigs­tens noch da?“

„Ja, die haben die Uhren aber ent­deckt. Die Kinder haben die Truhe auf­ge­bro­chen, die Armbanduhren lie­gen zum Glück noch drin. Doch das ist im Moment völ­lig unwich­tig. Ich kann die drei nir­gend­wo finden!“

„Muss man hier alles sel­ber machen!“, hör­te man die Frau schimp­fen. „Kommt mit mir in den Keller, wir suchen sie gemein­sam. Die haben sich bestimmt in einem Schrank oder hin­ter dem Gerümpel versteckt.“

Kerstin wag­te es, ihren Kopf ein wenig zu heben, um bes­ser durch das Fenster schau­en zu kön­nen. Sie sah, wie die gan­ze Ganoven-Clique durch die Kellertür verschwand.

„Schnell, kommt. Die sper­ren wir im Keller ein!“, flüs­ter­te sie und rann­te los, um mög­lichst schnell in das Haus zu gelangen.

Sandra und Kevin reagier­ten sofort und folg­ten ihr so schnell es ging. Die Gelegenheit war güns­tig. Als sie an der Kellertüre ange­kom­men waren, hör­ten sie die tie­fen Stimmen der Ganoven, wie sie laut und zor­nig schimp­fend das ehe­ma­li­ge Gefängnis der drei Freunde absuchten.

Kerstin grins­te ihre bei­den Freunde an und sag­te: „Wartet eine Sekunde. Die Gauner haben noch eine klei­ne Abreibung ver­dient.“ Mit die­sen Worten ver­schwand sie auf der Kellertreppe. 

Ihre bei­den Kameraden erschra­ken und woll­ten sie zurück­hal­ten, doch da sahen sie, wie ihre Freundin auf einen Schalter an der Kellerwand drück­te. Das Licht im Keller ging aus. Im glei­chen Moment kam Kerstin zurück und zog die Tür zu. Unerwartet öff­ne­te sie die Kellertür erneut einen Spaltbreit und schrie kraft­voll „Überraschung!“ in den dunk­len Keller, bevor sie den Zugang end­gül­tig zusperrte.

„Mensch, sind die blöd!“, tri­um­phier­te Kevin und hielt das geöff­ne­te Vorhängeschloss in der Hand, das er auf einem Tisch neben der Treppe gefun­den hat­te. Voller Schadenfreude ver­sperr­te er damit den Gangstern den Ausgang aus ihrem Verlies.

„So, das hät­ten wir geschafft. Jetzt kön­nen wir in Ruhe die Polizei ver­stän­di­gen. Ich den­ke nicht, dass die da unten den Zugang zum Kriechkeller ent­de­cken werden.“

Sandra trat ner­vös von einem Bein aufs ande­re. „Am liebs­ten wür­de ich noch wis­sen wol­len, was sich in den Kisten in der Scheune befindet.“

„Du hast recht. Das geht ja auch schnell!“

Neugierig ver­lie­ßen die jugend­li­chen Helden das Haus, um zur Scheune zu lau­fen. „Sollen wir Marc vor­her Bescheid sagen?“, frag­te Sandra ihre Kameraden.

„Ne, lass mal. Wir müs­sen schließ­lich nach wie vor höl­lisch auf­pas­sen. Der Gangsterboss kann jeder­zeit auftauchen.“

Als sie im Schuppen anka­men, sahen sie ein ver­trau­tes Bild. Neue Kartons waren auf den Holzpaletten gesta­pelt und stan­den an der glei­chen Stelle wie neu­lich. Kevin ging auf die Paletten zu. Er hat­te sein Klapptaschenmesser in der Hand und stach damit in die dicke Folie, mit der die Kisten ver­packt waren. Er muss­te sich ziem­lich anstren­gen, um die Hülle weit genug auf­zu­schlit­zen, damit er die Pakete öff­nen konn­te. Zum Glück waren die nicht auch noch ver­klebt, son­dern lie­ßen sich ein­fach aufklappen.

„Kleider!“, bemerk­te Kevin über­rascht, als er in den ers­ten geöff­ne­ten Behälter schau­en konn­te. „Das ver­ste­he ich nicht. Da muss doch irgend­was Wertvolleres ver­steckt sein. Die Kleider wur­den bestimmt zur Tarnung oben draufgelegt.“

Er leer­te die kom­plet­te Kiste aus, fand aber außer den Kleidungsstücken nichts ande­res. Kevin gab so schnell nicht auf. Er öff­ne­te wei­te­re Kisten, jedes Mal mit dem glei­chen Ergebnis. Kevin ver­stand die Welt nicht mehr.

Kerstin hat­te die Aktion neu­gie­rig beob­ach­tet. Sie unter­such­te die ver­streut lie­gen­de Kleidung. Es han­del­te sich vor allem um Herrenanzüge, aber auch T‑Shirts und Pullover waren dar­un­ter. „Du kannst auf­hö­ren, Kevin, du wirst kei­ne ande­ren Sachen mehr fin­den. Ich kann dir genau sagen, was die Ganoven mit der Kleidung vorhaben!“

Sandra und Kevin blick­ten sie über­rascht an. „Nun sag schon, was soll das Ganze mit den Bergen von Klamotten?“

„Schaut euch die Sachen mal genau­er an. Ich bin zwar kein Experte, bin mir aber sicher, dass es sich um wert­vol­le Designerware han­delt. Aber kei­ne ech­te, son­dern gefälsch­te. Die Klamotten sind wahr­schein­lich irgend­wo im Ausland bil­lig kopiert wor­den und sol­len jetzt bei uns ein­ge­schmug­gelt werden.“

Sandra woll­te sie unter­bre­chen, doch Kerstin fuhr mit ihren Erklärungen fort: „Mit den Armbanduhren die im Keller lie­gen, wird es genau­so sein. Billige Kopien sol­len als Markenuhren teu­er ver­kauft wer­den. Ein Riesengeschäft für Betrüger. Und hier lagern sie die Ware, bis sie zum Händler gebracht wird.“

„Das ist ja ein Ding!“, Kevin war ganz ver­blüfft. „Dann lasst uns mal ruck­zuck zur Polizei gehen. Das wird eine schö­ne Überraschung geben!“

Sie mach­ten sich auf den Weg und waren gera­de dabei die Scheunentür zu öff­nen, da stand unver­mit­telt ein Mann vor ihnen. Er war unge­wöhn­lich groß, min­des­tens 1,90 Meter und sehr breit­schult­rig. Seine lan­gen schwar­zen Haare, die mit viel Gel bear­bei­tet waren, hat­te er zu einem Zopf zusam­men­ge­bun­den. Auf der rech­ten Wange konn­te man eine lan­ge Narbe erken­nen. Sein dunk­ler Anzug ließ ihn gefähr­lich wir­ken. Genauso wie sein furcht­ein­flö­ßen­der Blick. Doch das war nicht das ein­zi­ge Problem der Kameraden. Der Mann hielt eine Pistole in der Hand, die auf sie gerich­tet war.

„Was haben wir da für lie­be klei­ne Kindlein?“, frag­te er kalt lächelnd. „Ich habe gedacht, ihr habt es euch im Keller gemüt­lich gemacht? Haben die Waschlappen nicht rich­tig auf­ge­passt und euch ent­wi­schen las­sen? Na, denen wer­de ich mal gehö­rig was erzählen!“

Die drei blie­ben wie ver­stei­nert ste­hen. Damit hat­ten sie auf kei­nen Fall gerech­net. Wo war Marc? Warum hat­te er sie nicht gewarnt? War er wenigs­tens in Sicherheit? Sie brauch­ten eini­ge Zeit, um sich wie­der zu fassen.

„Na, hat es euch die Sprache ver­schla­gen?“, fauch­te der Mann, des­sen Pistole immer noch auf sie gerich­tet war. „Erzählt mir lie­ber gleich, was pas­siert ist. Wo sind mei­ne Kumpels?“

Als der Gaunerboss bemerk­te, dass er auf die­se Weise nicht wei­ter­kam, wur­de er noch wüten­der. „Ihr habt einen gewal­ti­gen Dickschädel, was? Okay, dann gehen wir gemein­sam rüber ins Haus und schau­en uns an, was dort los ist. Aber immer schön lang­sam und vor­sich­tig. Ich den­ke ihr wisst, was ich da in der Hand halte.“

Um sei­ne Worte zu unter­strei­chen, wink­te er mit der Waffe in Richtung Haus. Sandra, Kerstin und Kevin hat­ten kei­ne ande­re Wahl. Sie muss­ten der Aufforderung des Gangsters fol­gen und in Richtung Bürogebäude gehen. Hinter dem Transporter konn­ten die drei das Auto des Mannes ste­hen sehen. Es war ein wei­ßes Cabriolet mit schwar­zem Verdeck.

Kaum waren sie über die Türschwelle des Hauses getre­ten, da rief der Boss laut­stark nach sei­nen Kumpanen. „Karl, Andrea, wo seid ihr? Was ist hier los?“

Ein wil­des dump­fes Klopfen war zu hören. Zunächst konn­te der Ganovenchef damit nicht viel anfan­gen. Er kom­man­dier­te die Kinder mit sei­ner Waffe durch die Räume, bis sie vor der Kellertür ange­langt waren. Nun war ihm klar, was das Klopfen zu bedeu­ten hat­te. Durch die Tür hör­te er eine gedämpf­te Stimme: „Mach auf. Jemand hat uns im Keller eingesperrt!“

„Dann rückt mal sofort den Schlüssel raus“, befahl der gro­ße Mann den Jugendlichen. Als die drei nicht reagier­ten, fuch­tel­te der Mann bedroh­lich mit der Waffe in der Hand. Die drei erschra­ken. Kevin, berühmt für sei­ne Einfälle, ant­wor­te­te dem Gauner: „Den haben wir nicht mehr. Ich habe den Schlüssel in der Scheune weggeworfen!“

Der Gauner sah ihn miss­trau­isch an und zöger­te einen Moment. Dann nahm er ihm die Geschichte ab. Wütend fluch­te er vor sich hin. „Ich wuss­te es. Immer wenn Kinder im Spiel sind, geht irgend­et­was schief. Aber ihr funkt uns garan­tiert nicht mehr dazwischen.“

Mit der Pistole in der Hand for­der­te er sie auf, ein Stück nach hin­ten zu gehen. Fliehen konn­ten die drei nicht, da der Mann den ein­zi­gen Ausgang des Büros mit sei­nem brei­ten Körper ver­sperr­te. „Ihr da unten, könnt ihr mich ver­ste­hen?“, schrie er mit einem Blick zur Kellertüre.

„Ja, Chef, es ist zwar etwas undeut­lich, aber wir hören dich. Die Kinder müs­sen uns ent­kom­men sein! Hast du sie gesehen?“

„Ihr Pfeifen, selbst­ver­ständ­lich habe ich die Rotzlöffel erwischt. Ich bin ja nicht so blöd wie ihr und las­se mich von drei Kindern ver­la­den! Geht mal ein biss­chen aus dem Weg, ich ver­su­che, die Tür einzutreten!“

Der Schmugglerboss stell­te sich unge­fähr einen Meter vor der Tür in Position und hol­te mehr­mals tief Luft. Dann hob er sein rech­tes Bein, press­te mit einem lau­ten Schrei die Luft aus sei­nem Brustkorb und trat mit der fla­chen Schuhsohle mit vol­ler Wucht gegen das Türblatt. Die Tür gab sofort nach, das Holz split­ter­te und es krach­te fürch­ter­lich. Der Mann muss­te ein zwei­tes und ein drit­tes Mal tre­ten, bis die Tür end­lich nach­gab und fast kom­plett die Treppe runterpolterte.

Gleich dar­auf kamen die eben noch ein­ge­sperr­ten Gauner die Treppe hoch gerannt. „Wo hast du die Kids auf­ge­ga­belt, Boss?“, sprach Andrea ihren Chef an.

„Erzählt mir lie­ber, was ihr da unten gemacht habt! Karl hat mir am Telefon gesagt, dass ihr die Kinder im Keller ein­ge­sperrt habt. Dann kom­me ich hier­her und sehe sie in der Scheune fröh­lich her­um­sprin­gen. Und damit nicht genug. Sie haben ein paar der Kisten geöff­net und die gesam­te Ware entdeckt!“

„Wir wis­sen selbst nicht, wie das pas­sie­ren konn­te“, ent­geg­ne­te Karl. „Ich woll­te nur die Truhe mit den Uhren im Keller holen, da habe ich ent­deckt, dass die Kinder auf ein­mal ver­schwun­den waren. Oben war die gan­ze Zeit das Vorhängeschloss ein­ge­schnappt. Und wir saßen direkt vor der Tür in die­sem Büro.“

„Na, ist jetzt auch egal“, wink­te der Gaunerboss sicht­lich ver­är­gert ab. „Hauptsache, wir haben die Ausreißer zurück. Und dies­mal sor­ge ich per­sön­lich dafür, dass sie nicht erneut ver­schwin­den kön­nen. Jetzt werft sie erst mal wie­der in den Keller und bewacht die Treppe, ich wer­de sie aber vor­her höchst­per­sön­lich fesseln.“

Karl und sein Kollege waren gera­de dabei, den Befehl aus­zu­füh­ren, sie hiel­ten die drei Freunde bereits an ihren Armen fest, damit der Boss sie fes­seln konn­te, da hör­ten sie hin­ter sich eine frem­de Stimme ertönen:

„Ich wür­de das an eurer Stelle sein las­sen!“ Alle blick­ten erstaunt in Richtung Eingang. Dort stan­den meh­re­re Polizisten mit gezück­ten Waffen in den Händen.

Völlig ver­blüfft ließ der Gaunerchef sei­ne Pistole fal­len und starr­te die Gesetzeshüter fas­sungs­los an. Die Ganoven waren noch mehr erstaunt, als hin­ter den Polizeibeamten ein wei­te­rer Junge zum Vorschein kam.

„Das sind die Gauner, Herr Kommissar Greulich. Die haben mei­ne Freunde im Keller ein­ge­sperrt. Und ich habe sie befreit!“, rief Marc erregt, und sei­ne zitt­ri­ge Stimme über­schlug sich dabei.

„Immer lang­sam, mein Freund“, beru­hig­te der Angesprochene den jugend­li­chen Held. „Erst müs­sen wir alles genau unter­su­chen. Wir sind eben erst angekommen.“

Und zu den Ganoven gewandt sag­te er: „Was haben Sie hier zu suchen? Habe ich das rich­tig ver­stan­den, Sie woll­ten die Kinder gera­de fesseln?“

Karl und dem ande­ren Mann lief der Schweiß den Nacken her­un­ter. Ihr Boss blieb jedoch cool und wirk­te ruhig und gefasst. „Glauben Sie den klei­nen Kindern kein Wort. Die haben immer so eine aus­ge­präg­te Fantasie. Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Wir sind mit unse­ren bei­den Autos nur zufäl­lig vor­bei­ge­kom­men. Wir waren unter­wegs nach Frankfurt. Unser Transporter mach­te gleich zu Beginn der Fahrt ein paar Mucken, sodass wir eine Werkstatt suchen woll­ten. Auf die­sem Gelände hat­ten wir eine ver­mu­tet, des­halb sind wir mit unse­ren Autos hier reingefahren.“

Der Gangster hol­te tief Luft und erzähl­te wei­ter. „Wir haben gleich bemerkt, dass wir uns geirrt haben und woll­ten gera­de wie­der wen­den, da sahen wir die Kinder her­um­sprin­gen. Wir woll­ten nach­schau­en, was los ist und wur­den dann in die­sem Büro von den Gören belei­digt. Wir woll­ten sie nur etwas erschre­cken. Im sel­ben Moment sind Sie und Ihre Kollegen gekom­men. Es tut uns ja auch sehr leid, aber wir haben wirk­lich nichts Böses mit den Kindern im Schilde geführt.“

Kevin, Kerstin und Sandra sahen sich ruhig an. Solch eine Lügengeschichte hat­ten sie nicht mehr gehört, seit sie in der Schule über Baron Münchhausen gespro­chen hat­ten. Sie blick­ten gespannt zu Kommissar Greulich, um auf sei­ne Reaktion zu war­ten. Er lächel­te den Dreien ermu­ti­gend zu und beru­hig­te sie damit.

„Gehen wir erst­mal alle mit­ein­an­der in den Hof, dann sehen wir wei­ter“, sag­te Herr Greulich und ließ den Ganoven, die von den ande­ren Beamten scharf bewacht wur­den, den Vortritt.

Im Hof befan­den sich neben dem Transporter der Schmuggler und dem Auto des Bandenbosses meh­re­re Polizeifahrzeuge. Sogar ein Krankenwagen stand für even­tu­el­le Notfälle bereit.

„Das sind also die bei­den Wagen, mit denen sie eben hier ange­kom­men sind. Schauen wir uns zuerst ein­mal den Transporter an.“

Mit die­sen Worten öff­ne­te der Kommissar die gro­ße Heckklappe des Kleinlasters. Er war leer. Nur ein paar Folienreste lagen wild ver­streut auf dem Boden des Wagens.

Sandra konn­te sich nicht mehr zurück­hal­ten. „Die Kartons mit den Designerklamotten ste­hen in der Scheune!“

Mit ihrer lin­ken Hand deu­te­te sie in die ent­spre­chen­de Richtung. „Und im Keller des Hauses, in dem wir ein­ge­sperrt waren, steht eine Kiste, die bis zum Rand mit Armbanduhren gefüllt ist.“

Die Ganoven zuck­ten zusam­men. Nur ihr Boss blieb wei­ter­hin cool und erwi­der­te: „Pah, was gehen uns die Kisten an. Das hat mit uns nichts zu tun. Wer weiß, wem die gehö­ren. Wie gesagt, Herr Kommissar, wir sind erst vor fünf Minuten mit unse­ren bei­den Wagen hier angekommen.“

Jetzt war es Kevin, dem die Geduld platz­te. „Die lügen wie gedruckt. Ich kann ein­deu­tig bewei­sen, dass der Transporter schon seit Stunden im Hof steht!“

Frage: Wie konn­te Kevin bewei­sen, dass der Transporter schon län­ge­re Zeit im Hof stand?

Antwort: .tetfah­rev tro­fos nevonaG eid nedruw nih fuaraD .mraw neg-egad raw ssoB mov sotuA sed rotoM reD .dnats foH mi nednutS iewz rebü nohcs re ad ‚tlak raw sretropsnarT sed rotoM reD

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 8

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Gerettet

Autor: Harald Schneider

Marc leuch­te­te mit sei­ner Lampe auf den Kompass und dreh­te ihn so lan­ge, bis das ‚N’, das als Symbol für die Himmelsrichtung Norden stand, direkt über der magne­ti­schen Nadelspitze lag. Er wuss­te nun, dass er sich von sei­nem momen­ta­nen Standpunkt aus betrach­tet, etwas nach links hal­ten musste.

Immer wei­ter kroch er in die Tiefe des Labyrinths. Die Richtung war dank sei­nes Kompasses klar, doch wie weit war es bis zum Ende des Kellers? War der Schulhof wirk­lich so groß? Im Dunkeln und dazu auf allen Vieren über den Boden krie­chend, über­schätzt man leicht die zurück­ge­leg­te Entfernung.

Marc bekam es inzwi­schen ein wenig mit der Angst zu tun. Es dau­er­te noch eine gan­ze Weile, bis er end­lich den Rand des Kellers erreicht hat­te. Hier ging es nicht mehr gera­de­aus. Eine Mauer aus Beton war das Ende des Labyrinths. Zunächst war er unsi­cher, ob er nach links oder rechts krie­chen soll­te. Nach einer kur­zen Verschnaufpause ent­schied er sich dafür, der Betonwand nach rechts zu fol­gen und damit soll­te Marc auch rich­tig liegen.

Bereits nach etwa fünf wei­te­ren Metern bestand die Kellerwand auf ein­mal nicht mehr aus Beton, son­dern aus gemau­er­ten und unver­putz­ten Ziegelsteinen. Er ver­mu­te­te, dass dies die Außenmauer des Hauskellers war, hin­ter der sich sei­ne gefan­ge­nen Freunde befin­den mussten.

Es war für ihn sehr ein­fach, die Einstiegsluke zu fin­den. Er muss­te nur den Wasser- und Stromleitungen fol­gen, die hier über­all an der Wand ent­lan­glie­fen und in der Mauer verschwanden.

Direkt dane­ben war die Türe. Sie sah genau so aus wie die im Schulgebäude. „Hoffentlich ist die Luke nicht von innen abge­schlos­sen“, dach­te sich Marc. „Klopfen nützt da nichts, dazu ist das Material zu dick.“

Er drück­te den klei­nen Hebel an der Außenseite der Luke nach unten und atme­te erleich­tert auf. Die Tür ließ sich leicht und sogar ohne Geräusche öff­nen. Er schau­te suchend hin­durch und konn­te sei­ne Freunde, die in dem beleuch­te­ten Keller an einem Tisch saßen, sofort erkennen.

Kevin, Kerstin und Sandra hat­ten ihn noch nicht bemerkt. Zuerst über­leg­te er, ob er die drei erschre­cken soll­te. Aber dann sag­te er sich, dass dies wohl nicht der rich­ti­ge Zeitpunkt für sol­che Spielereien war.

„Hallo!“, rief er in den Keller hin­ein und leuch­te­te gleich­zei­tig mit sei­ner Taschenlampe in Richtung Tisch. „Nett, euch mal wie­der zu sehen. Wie geht es euch denn so da unten?“

Die Gefangenen zuck­ten zusam­men. Doch dann erkann­ten sie Marcs Stimme. Aufgeregt lie­fen alle drei zu der offe­nen Tür in der Wand und begrüß­ten freu­dig und erleich­tert ihren Kameraden.

„Wie hast du uns gefun­den? Wie kommst du hier­her? Woher weißt du, wo wir sind?“ Das waren nur ein paar der Fragen, mit denen Marc bestürmt wurde.

„Immer der Reihe nach“, lach­te Marc. „Helft mir lie­ber erst mal run­ter. Die Luke ist ver­dammt weit oben angebracht.“

Kevin brach­te eine ver­ros­te­te Klappleiter, die in der Nähe stand und stell­te sie unter­halb der Öffnung an die Wand.

Marc ließ sich nun bäuch­lings mit den Füßen vor­an durch das Loch glei­ten, wäh­rend sei­ne Freunde ihm hal­fen, den Boden zu erreichen.

Nach einer erneu­ten Begrüßung muss­te Marc sei­ne bis­he­ri­gen Erlebnisse schil­dern. Angefangen von sei­ner Lauschaktion hin­ter dem Haus bis zu der Idee, die Freunde auf eige­ne Faust durch den Kriechkeller unter dem Schulhof zu befrei­en. Die ande­ren kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Als er sei­nen Bericht been­det hat­te dräng­te Sandra: „Dann lass uns jetzt mal durch den glei­chen Weg schnell von hier abhau­en, bevor die Gauner zurück­kom­men, um die Truhe zu holen.“

Doch es war bereits zu spät. Im sel­ben Moment hör­ten sie, wie oben die Kellertür geöff­net wur­de und jemand die Kellertreppe herunterkam.

„Schnell Marc, ver­steck dich!“, flüs­ter­te Sandra ihm zu.

Dieser war schon dabei, sich in einem aus­ran­gier­ten Kleiderschrank zu ver­ber­gen. Kevin hat­te gera­de noch genug Zeit, die Luke zu schlie­ßen, da stan­den die bei­den Männer bereits bei ihnen im Keller.

„Na, was machen die klei­nen Kinderchen so allei­ne hier unten? Ihr habt doch nicht etwa Angst im Dunkeln?“, ärger­te Karl die Gefangenen.

 „Hättet ihr uns nicht nach­spio­niert, wür­det ihr hier nicht sit­zen. Das habt ihr euch selbst zuzu­schrei­ben. Ich woll­te nur mal kurz nach euch schau­en, damit ihr auf kei­ne dum­men Gedanken kommt. Nachher haben wir näm­lich eine beson­de­re Überraschung für euch.“ Bösartig lachend zogen die zwei Männer davon. Kurz dar­auf hör­te man, wie das Schloss der Kellertüre ein­schnapp­te. Sie waren wie­der allein.

Marc kam aus sei­nem Versteck und fiel auf dem Weg zur Sitzgruppe bei­na­he über die Kiste mit den Armbanduhren. „He, was ist das?“, rief er und nahm ein paar der Uhren in die Hand.

„Das haben wir dir noch gar nicht erzählt. Die Ganoven schmug­geln wahr­schein­lich teu­re Markenuhren. Wir haben die Truhe zufäl­lig gefun­den und haben sie geöff­net. Was aller­dings in den Kisten in der Scheune ist, wis­sen wir nicht“, erklär­te ihm Sandra.

„So, jetzt machen wir aber, dass wir hier ver­schwin­den. Lasst uns mal den gro­ßen Tisch und zwei Stühle an die Wand rücken. Dann kön­nen wir beque­mer aus dem Keller klettern.“

Nachdem die vier mit den Möbelstücken eine Art Leiter gebaut hat­ten, klet­ter­te Kerstin als Erste hin­auf, um in den Kriechkeller zu gelangen.

Marc, der vor­sichts­hal­ber eine zwei­te Taschenlampe mit­ge­nom­men hat­te, reich­te die­se an Kerstin hoch, wäh­rend die ande­ren sich bereit mach­ten, um ihr durch die Luke zu fol­gen. Marc ging noch­mal zur Truhe zurück und stopf­te eine Handvoll Uhren in sei­nen Rucksack. „Als Beweismittel“, sag­te er.

Es war recht schwie­rig, durch das enge Loch zu schlüp­fen, doch nach kur­zer Zeit hat­ten sie es geschafft. Kerstin zog die Lukentüre zu. „Damit die Galgenvögel uns nicht gleich auf die Schliche kom­men, falls sie nach uns suchen soll­ten. Die wer­den mal dumm schau­en, wenn die in den Keller kom­men und wir uns ein­fach in Luft auf­ge­löst haben!“

Die Stimmung in dem nied­ri­gen Labyrinth war sehr ange­spannt. Das Licht der zwei Taschenlampen mach­te alles noch unheimlicher.

 „Wo müs­sen wir jetzt hin?“, frag­te Kerstin und sah dabei zu Marc.

„Tja, das ist nicht so ein­fach zu beant­wor­ten. Ich habe mich auf dem Hinweg ziem­lich ver­irrt und nur mit Hilfe des Kompasses eini­ger­ma­ßen die Richtung hal­ten kön­nen. Aber jetzt das rich­ti­ge Schulgebäude fin­den, das wird schwie­rig“. Er zeig­te sei­nen Freunden die Deckensäulen, die eine ein­fa­che Orientierung unmög­lich mach­ten. „Ich weiß nicht, wie wir jetzt am bes­ten aus die­sem Irrgarten rauskommen.“

„Aber ich““, sag­te Sandra nach kur­zer Überlegung. „Und wir brau­chen nicht mal den Plan oder den Kompass dazu. 

Frage: Wie will Sandra ohne die Hilfsmittel am schnells­ten aus dem Kriechkeller rauskommen?

Antwort: .eduäbegluhcS nered­na red nekuL ned uz hcsi­tam-otua nam tmmok nnawdnegrI .neb­bor uz gnal­t­ne srellekhceirK sed dnawneßuA red na rem­mi hcaf­nie ‚nirad the­ts­eb gnusöL eiD

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 7

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Marc über­trifft sich selbst

Autor: Harald Schneider

Marc stand mit sei­nem Dalmatiner ein Stück von dem Haus ent­fernt neben einer Scheune. Zufällig sah er, wie sich das Eingangstor öff­ne­te und der Transporter, den er bereits kann­te, auf den Hof fuhr. Es blieb ihm kei­ne Zeit mehr, sei­ne Freunde, die sich in dem Haus befan­den, zu war­nen. Um nicht ent­deckt zu wer­den, sprang er geis­tes­ge­gen­wär­tig mit sei­nem Hund in die Scheune und beob­ach­te­te durch einen Türspalt das Geschehen im Freien.

Die Ganoven park­ten den Kleinlaster vor dem Haus und stie­gen aus.

„Ob das gut geht?“, dach­te sich Marc besorgt, doch es soll­te noch schlim­mer kom­men. Die drei Gauner gin­gen direkt in das Haus, in dem sich Kerstin, Sandra und Kevin befanden.

Marc ver­ließ die Scheune und schlich mit Elvis vor­sich­tig näher. Er woll­te die Fremden belau­schen, um auf die­se Weise sei­nen Freunden hel­fen zu kön­nen. Auf Anhieb fand er einen geeig­ne­ten Platz unter­halb eines schräg gestell­ten Fensters. Aus nächs­ter Nähe konn­te Marc mit­er­le­ben, wie sei­ne Freunde gefan­gen genom­men und in den Keller gesperrt wur­den. Die anschlie­ßen­de Diskussion der drei Erwachsenen war für ihn sehr aufschlussreich:

„So ein ver­damm­ter Mist, aus­ge­rech­net jetzt müs­sen uns da ein paar neu­gie­ri­ge Bengel in die Quere kom­men. Zum Glück war heu­te die letz­te Lieferung“, fluch­te einer der bei­den Männer mit einer unge­wöhn­lich tie­fen Stimme.

„Leider wird das Zeug erst am Mittwoch abge­holt. Bis dahin müs­sen wir die Kartons in der Scheune ste­hen las­sen. Sollen wir die Kinder etwa die gan­ze Zeit im Keller ein­sper­ren? Die wer­den doch spä­tes­tens heu­te Abend über­all gesucht. Dann hängt uns die Polizei gleich an den Fersen. Und die kön­nen wir jetzt am aller­we­nigs­ten gebrauchen!“

„Karl“, for­der­te die Frau einen der bei­den Männer auf, „nimm dein Handy und rufe den Chef an. Er hat uns zwar ver­bo­ten, ihn anzu­ru­fen, aber hier han­delt es sich um einen Notfall.“

Der Angesprochene zog sein Handy aus der Tasche und wähl­te auf­ge­regt eine ziem­lich lan­ge Nummer. Das Gespräch selbst konn­te Marc lei­der nicht ver­ste­hen, da sich der Ganove Karl mit sei­nem Chef in einer ihm unbe­kann­ten Sprache unterhielt.

Nach einer Weile ende­te das Gespräch abrupt. „Verdammt noch mal!“, fluch­te Karl nun wie­der auf­ge­bracht in deut­scher Sprache.

„Jetzt ist auch noch der ver­damm­te Handyakku leer. Das ist mal wie­der typisch. Und das Ladegerät habe ich daheim lie­gen lassen.“

„Sag schon, was hat der Chef gesagt?“, fiel ihm die Frau, die mitt­ler­wei­le in einem stau­bi­gen Bürostuhl saß, sicht­lich ner­vös ins Wort.

„Wir sol­len auf jeden Fall war­ten und das Gelände unter kei­nen Umständen ver­las­sen. Er ist in etwa zwei Stunden bei uns. Früher kann er nicht kom­men, da er vor­her etwas Wichtiges zu erle­di­gen hat. Nur die Kartons sol­len wir schon mal in die Scheune tra­gen. Und wegen der Kinder im Keller brau­chen wir uns kei­ne Gedanken zu machen, denn da hat er schon eine Idee. Weiter ist er lei­der nicht gekom­men, weil der blö­de Akku leer war.“

Anschließend spra­chen die Ganoven nur noch über Dinge, die für einen Nichteingeweihten kei­nen Sinn ergaben.

Marc hat­te genug gehört. Er strei­chel­te die gan­ze Zeit Elvis über den Kopf und hoff­te, dass die­ser kei­nen Mucks von sich gab. Der treue Dalmatiner schien zu ahnen, dass da etwas unge­heu­er Wichtiges vor sich ging und blieb ruhig. Marc hielt den Hund fest an der Leine und schlich lei­se über den gro­ßen Hof in Richtung Tor. Es war nicht ver­schlos­sen, so dass er und sein tie­ri­scher Freund ohne Probleme zur Straße kamen.

Tausend Gedanken schwirr­ten ihm im Kopf her­um. Was soll­te er jetzt tun? Direkt nach Hause gehen und sei­nen Eltern alles erzäh­len oder bes­ser gleich zur Polizei lau­fen? Marc zwei­fel­te, ob er die rich­ti­ge Entscheidung tref­fen und somit sei­ne Freunde ret­ten und den Gaunern das Handwerk legen konn­te. Während er ange­strengt dar­über nach­dach­te wur­de ihm klar, dass ihm zwei Stunden blie­ben, um sei­ne gefan­ge­nen Schulkameraden zu befrei­en. Nur, wie soll­te das ohne die Hilfe der Polizei gehen? Nein, die Polizei muss­te er schon ver­stän­di­gen, alles ande­re wäre viel zu gefährlich.

Plötzlich schien er eine Lösung gefun­den zu haben. So woll­te er es machen und nicht anders. Sein Plan muss­te ein­fach funk­tio­nie­ren. Marcs Vorhaben war viel­leicht noch nicht ganz aus­ge­reift, aber um die Feinheiten konn­te er sich spä­ter immer noch kümmern.

Er lief mit Elvis im Schlepptau nach Hause. Es dau­er­te nicht lan­ge, bis die bei­den das Mehrfamilienhaus erreich­ten, in dem Marc wohn­te. Seine Eltern waren nicht daheim. Erfreulicherweise lie­fen ihm auch kei­ne ner­ven­den Nachbarn über den Weg, die sich über sei­nen Hund auf­re­gen könnten.

Rasch such­te er in sei­nem Zimmer ein paar Dinge zusam­men und ver­stau­te sie sorg­fäl­tig in sei­nem Rucksack. Danach schrieb er einen Brief an sei­nen Onkel und steck­te ihn in eine Plastikhülle. Diese roll­te er has­tig zu einer Röhre und befes­tig­te sie mit Paketband am Halsband des Dalmatiners.

Zusammen mit sei­nem vier­bei­ni­gen Freund ver­ließ Marc anschlie­ßend die Wohnung und blieb auf dem Gehweg vor dem Haus stehen.

„Elvis, hör mir jetzt bit­te ganz genau zu!“, befahl er dem Dalmatiner und sah ihm dabei fest in die Augen. „Du musst jetzt ganz schnell mit dem Brief zu Onkel Franz lau­fen, okay? Hast du das verstanden?“

Elvis schleck­te Marcs Hand ab und schau­te ihn treu und ver­ständ­nis­voll an. Es schien, als hät­te er jedes Wort ver­stan­den. Der Junge war sich jedoch nicht sicher, ob das Vorhaben mit Elvis gelin­gen wür­de. Es muss­te ein­fach funk­tio­nie­ren, denn das war die ein­zi­ge Möglichkeit, sei­nen Plan in die Tat umzusetzen.

Der Dalmatiner lief ein paar Schritte vor, blieb dann aber unschlüs­sig ste­hen und schau­te erwar­tungs­voll zu Marc zurück. Verzweifelt rede­te die­ser noch ein wei­te­res Mal auf ihn ein, bis er sich end­lich in Bewegung setz­te und davon trab­te.  „Hoffentlich geht das gut“, dach­te sich Marc, wäh­rend er dem Hund nach­sah, bis die­ser um die nächs­te Straßenecke bog. Marc hat­te kei­ne ande­re Wahl, als sei­nem treu­en Dalmatiner zu vertrauen.

Jetzt konn­te er mit dem zwei­ten Teil sei­nes Plans beginnen.

Zur Sicherheit kon­trol­lier­te er noch­mals den Inhalt sei­nes Rucksacks. Dann mach­te er sich auf den Weg und lief die kur­ze Strecke zur Schule zurück.

„Hoffentlich kom­me ich in das Schulgebäude rein“, über­leg­te er und schau­te auf sei­ne Uhr. Er wuss­te, dass sams­tags die Volkshochschule Weiterbildungskurse für Erwachsene anbot. Deshalb wür­de um die­se Zeit noch alles offen sein.

Und so war es auch. Ohne Schwierigkeiten gelang­te er in das Hauptgebäude des Schulzentrums. Niemand begeg­ne­te ihm. „Die Kurse sind bestimmt noch in vol­lem Gange und die Leute sit­zen in den Klassenzimmern“, dach­te sich Marc.

Er zöger­te nicht lan­ge und ver­schwand in Richtung Kellertreppe. Jeden Moment konn­te ein Erwachsener auf­tau­chen und blö­de Fragen stel­len. Im Kellergeschoss war alles dun­kel, anschei­nend fan­den hier zur­zeit kei­ne Kurse statt. Somit war die Gefahr, dass Marc doch noch ent­deckt wur­de, nicht beson­ders groß.

Er setz­te sei­nen Rucksack ab, kram­te dar­in her­um und zog stolz sei­ne rie­sen­gro­ße Taschenlampe her­aus, die er zu sei­nem letz­ten Geburtstag geschenkt bekom­men hat­te. Zielsicher ging Marc mit der ein­ge­schal­te­ten Lampe den Flur ent­lang. Dabei kam er am Werkraum und am Fotolabor vor­bei. Vor der Tür mit der Aufschrift

‚Betriebsraum. Betreten für Unbefugte streng verboten‘

hielt er an. Marc war gera­de dabei, sei­ne Dietriche aus­zu­pa­cken, da drück­te er spa­ßes­hal­ber mit der lin­ken Hand auf die Türklinke und bemerk­te über­rascht, dass gar nicht abge­schlos­sen war.

„Da hat unser Hausmeister wohl wie­der gepennt. Und ich mal wie­der Glück gehabt“, mur­mel­te Marc grin­send vor sich hin. Erleichtert husch­te er flink in den Raum und zog die Türe rasch hin­ter sich zu. Gleichzeitig schal­te­te er das Deckenlicht an.

Marc befand sich in einem klei­nen fens­ter­lo­sen Raum, in dem die Stromverteilung des mehr­stö­cki­gen Schulhauses unter­ge­bracht war. Auf der rech­ten Wandseite stan­den zwei raum­ho­he Metallschränke, in deren Türen unzäh­li­ge Schalter und ande­re elek­tri­sche Teile befes­tigt waren. Dazwischen leuch­te­ten Lämpchen in den ver­schie­dens­ten Farben.

Marc las eini­ge der Beschriftungen, die unter jeder Sicherung, jedem Schalter und jeder Leuchte ange­bracht waren. Darauf stand unter ande­rem ‚Raum 1 – 3.OG, Raum 2 – 3.OG‘. Weiter unten fand er ein paar Klebeetiketten mit den Aufschriften ‚Lehrerzimmer, Computerraum, Aula‘ und vie­les mehr.

„Gut zu wis­sen“, dach­te Marc und grins­te ver­schmitzt vor sich hin. „Das kann man bestimmt mal für einen tol­len Streich gebrau­chen. Einen Computerraum ohne Strom, das wäre echt nicht schlecht. Sicher lässt sich da mal was draus machen … “

Der Rest des Raumes war ziem­lich unüber­sicht­lich. An den Wänden und an der Decke waren Dutzende von unter­schied­lichs­ten Kabeln befes­tigt. Sie ver­schwan­den ent­we­der in den Mauern der Nachbarräume oder in der Decke. Am hin­te­ren Ende des Raumes stieß Marc auf ein paar Wasserrohre, die waa­ge­recht an der Außenmauer ent­lan­glie­fen. Diese Leitungen inter­es­sier­ten ihn ganz beson­ders. An einer Stelle ver­zweig­ten sich die Rohre und ver­schwan­den teil­wei­se in der Wand.

Direkt dane­ben befan­den sich eini­ge dicke­re Elektrokabel, die eben­falls in der Wand mün­de­ten. Oberhalb die­ser Stelle ent­deck­te Marc eine klei­ne Eisenluke. Sie befand sich direkt unter­halb der Raumdecke und konn­te mit einem klei­nen Riegel geöff­net wer­den. Leider war der Riegel sehr weit oben. Marc konn­te nur müh­sam auf Zehenspitzen an die Luke fassen.

Voller Tatendrang setz­te er sei­nen Rucksack ab und hol­te den Leitungsplan her­aus, den die wil­den Vier in dem ver­las­se­nen Haus gefun­den hatten.

Er brei­te­te die Karte vor sich auf dem Boden aus und ori­en­tier­te sich anhand des Richtungsweisers auf der Zeichnung. Dass die­se Markierung bei sol­chen Plänen immer nach Norden zeigt, wuss­te er schon lan­ge und so konn­te er sich schnell zurecht­fin­den. Zunächst such­te Marc sei­nen Standort und fand ihn auch recht schnell.

Nun konn­te er sei­ne genia­le Idee in die Tat umset­zen. Er woll­te durch den Kriechkeller krab­beln, um auf die­se Weise zu sei­nen Freunden gelan­gen, damit er sie befrei­en konn­te. Marc präg­te sich die auf der Zeichnung als bun­te Striche dar­ge­stell­ten Wasserrohre und Stromleitungen genau ein.

Nach einer Weile fal­te­te er den gro­ßen Plan wie­der zusam­men und ver­stau­te ihn in sei­nem Rucksack. Marc stand auf und erblick­te in einen alten Stuhl, der ver­las­sen in der Ecke des Betriebsraumes stand. Er schnapp­te sich das abge­nutz­te Möbelstück und stell­te es unter die Einstiegsluke.

Entschlossen stieg Marc auf die Sitzfläche des Stuhls und konn­te so den Metallriegel der Luke öff­nen, die dabei fürch­ter­lich quietsch­te. Ihm wur­de es etwas mul­mig, denn aus dem Schacht kam ihm mod­ri­ger und fau­ler Gestank ent­ge­gen. Außerdem war es dort drin­nen stock­fins­ter. Unsicher leuch­te­te er mit sei­ner Taschenlampe in das dunk­le Loch hin­ein. Marc erschau­der­te. So nied­rig, eng und unge­müt­lich hat­te er sich einen Kriechkeller nicht vor­ge­stellt. Doch es half alles nichts. Mit Einsatz sei­ner gan­zen Körperkraft gelang es ihm, sich an der Einstiegsluke hoch­zu­zie­hen und in den nur ein Meter hohen Keller zu gelangen.

Als Marc es geschafft hat­te, blieb er ein paar Sekunden flach auf dem Boden lie­gen und leuch­te­te die Umgebung ab, um sich zu ori­en­tie­ren. Überall an der Decke und den Wänden waren die unter­schied­lichs­ten Rohre und Kabel zu sehen. Es war alles recht ver­wir­rend. Alle vier bis fünf Meter befan­den sich brei­te Säulen, die die Betondecke tru­gen. Da die Stützen sich nicht in einer Reihe befan­den, son­dern kreuz und quer stan­den, konn­te man nicht sehr weit nach vor­ne schauen.

„So sieht unser Schulhof also von unten aus“, dach­te Marc. „Pfui Teufel, der Boden ist ja klatsch­nass. Da steht ja über­all altes stin­ken­des Regenwasser!“

Trotz der übel­rie­chen­den Brühe muss­te er durch die zahl­rei­chen Wasserlachen rob­ben, um an sein Ziel zu gelan­gen. Entschlossen kroch er durch das gespens­tisch wir­ken­de Labyrinth. Wegen der vie­len Deckenstützen muss­te er stän­dig seit­lich aus­wei­chen und kam nur lang­sam und müh­sam vor­an. Als Marc sich kurz umdreh­te und nach hin­ten leuch­te­te, war die Einstiegsluke nicht mehr zu sehen, obwohl er erst weni­ge Meter zurück­ge­legt hatte.

Plötzlich berühr­te ihn etwas am Arm und er zuck­te zusam­men, da er nicht sehen konn­te, was es war. Als er die dicke Spinne sah, die sich gera­de abseil­te und ver­schwand, atme­te er erleich­tert auf. Bekanntlich war Marc ein gro­ßer Tierfreund und so eine harm­lo­se Spinne konn­te ihm nichts anhaben.

Leider wuss­te er zu die­sem Zeitpunkt noch nicht, auf welch gefähr­li­ches Abenteuer er sich da ein­ge­las­sen hat­te. Nachdem er eine Weile unter dem Schulhof umher­ge­irrt war, wur­de ihm bewusst, dass er sich in dem dunk­len, sti­cki­gen Kellerlabyrinth hoff­nungs­los ver­irrt hatte.

Marc bekam vor Angst eine Gänsehaut. Doch nach ein paar Schrecksekunden hat­te er sich wie­der im Griff. Schließlich war er für solch eine Situation bes­tens ausgerüstet.

Marc such­te sich ein tro­cke­nes Fleckchen auf dem Boden, setz­te sei­nen Rucksack ab, öff­ne­te ihn und hol­te den Lageplan her­aus. Er fal­te­te das Papier aus­ein­an­der und such­te anhand der Skizze sei­nen unge­fäh­ren Standpunkt. Da sich auf der Karte ein Maßstab befand, konn­te er die Entfernung bis zu dem Haus, in dem sei­ne Freunde gefan­gen waren, gut abschät­zen. Nur die Richtung war ihm unbe­kannt. Trotzdem war er zufrie­den und pack­te den Plan wie­der ein.

Marc leuch­te­te mit sei­ner Taschenlampe in den Rucksack um einen bestimm­ten, sehr klei­nen Gegenstand aus­fin­dig zu machen. Er war sehr froh, dass er eine so gute Ausrüstung besaß.

Frage: Was hol­te Marc aus sei­nem Rucksack? Wie konn­te die­ser Gegenstand ihm hel­fen, den rich­ti­gen Weg zu finden?

Antwort: .negna­leg uz suaH neth­cus-eg med uz os mu ‚nel­letst­sef gnuthcirslemmiH eid edrE red ret-nu hcua re nnak mes­eid tiM .iebad ssapmoK nenie ettah craM

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 6

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Dem Geheimnis auf der Spur

Autor: Harald Schneider

Die Lösung zu der ver­schlüs­sel­ten Geheimbotschaft war ver­blüf­fend ein­fach. Allerdings nur, wenn man den Code rich­tig zu deu­ten wusste.

Die wil­den Vier hät­ten am liebs­ten auf der Stelle nach­ge­se­hen, was sich hin­ter dem Kalender im Büro ver­birgt. Doch sie wur­den auf die Folter gespannt. Ausgerechnet an die­sem Mittag hat­ten sie ihre wöchent­li­che Schulsport AG. Die Teilnahme war Pflicht, weil dem­nächst die Bundesjugendspiele statt­fan­den. Der Trainer wun­der­te sich über die schlech­te Leistung sei­ner Schüler, die an die­sem Tag nicht ganz bei der Sache waren.

Nach dem Sportunterricht muss­ten die Zwillinge mit ihren Eltern ein­kau­fen gehen. Es war ein­fach zum Verrücktwerden. Aber sie woll­ten unter allen Umständen bei der Lösung die­ses auf­re­gen­den Abenteuers dabei sein.

So konn­ten sich die vier erst am Samstagmorgen tref­fen, um end­lich ein zwei­tes Mal das ver­las­se­ne Gelände unter die Lupe neh­men zu kön­nen. Marc kam gera­de noch pünkt­lich zum ver­ein­bar­ten Treffpunkt. Er war bei sei­nem Onkel Franz gewe­sen und hat­te sich mal wie­der Elvis, den Dalmatiner ausgeliehen.

„Pass aber auf, dass er uns nicht wie­der alles voll­pin­kelt“, ärger­te ihn Kerstin schelmisch.

Das Eingangstor konn­ten sie unge­hin­dert und ohne neu­gie­ri­ge Blicke von frem­den Leuten pas­sie­ren. Es waren kei­ne neu­en Reifen­spuren im Hof zu sehen. Wahrscheinlich war der Boden inzwi­schen zu tro­cken. Die Haustüre war mit dem Dietrich in weni­gen Sekunden geöffnet.

Die wil­den Vier wuss­ten bereits, hin­ter wel­chem Kalender die Nachricht ste­cken muss­te. Er war ihnen beim letz­ten Besuch auf­ge­fal­len, da er rie­sen­groß und mit vie­len Schrauben direkt an der Wand befes­tigt war. Das obers­te Kalenderblatt war schon über ein Jahr alt und zeig­te die Tower Bridge in London, die über die Themse führt. Als die Freunde das letz­te Mal hier gewe­sen waren, hat­ten sie sich nicht wei­ter um den Kalender geküm­mert, da die vier zu die­sem Zeitpunkt von der ver­steck­ten Nachricht noch nichts wis­sen konnten.

„Mist“, schimpf­te Marc ärger­lich. „Ausgerechnet jetzt, wo es span­nend wird, braucht Elvis einen Baum, um sein Bein heben zu kön­nen. Ich gehe mal schnell mit ihm raus. Bitte war­tet auf mich.“

Während Marc mit sei­nem Dalmatiner aus dem Haus ging, unter­such­ten die drei ande­ren den geheim­nis­vol­len Kalender. Und sie­he da: Er ließ sich trotz sei­ner sta­bil aus­se­hen­den Befestigung ganz leicht abneh­men. Auf der Rückseite des letz­ten Blattes war in der Mitte ein klei­ner Briefumschlag befestigt.

Kerstin nahm den Umschlag ab, der mit Kreppband am Kalender fest­ge­klebt war, und öff­ne­te ihn. Ein klei­ner Zettel fiel her­aus. Sie bück­te sich, um ihn auf­zu­he­ben und las dann laut vor: „Nächste Lieferung die­sen Samstag. 500 U, 300 A, glei­che Zeit, glei­cher Ort.“

„Was hat das jetzt wie­der zu bedeu­ten?“, frag­te Kevin, „ist das auch wie­der verschlüsselt?“

Kerstin unter­brach ihn: „Das ist doch klar! 500 U und 300 A sind Abkürzungen für die Waren, die in den Kartons ste­cken. Was da drin ist, krie­gen wir noch raus. Wichtiger ist der Liefertag, der hier steht. Das Zeug kommt bereits heu­te. Wir soll­ten jetzt auf jeden Fall etwas vor­sich­ti­ger sein.“

„Das hät­tet ihr euch frü­her über­le­gen sol­len!“, ertön­te in die­sem Moment eine lau­te Frauenstimme direkt hin­ter ihren Rücken.

Erschrocken zuck­ten die drei zusam­men. Die ihnen bereits bekann­te Frau und die bei­den Männer hat­ten sie überrascht.

Die Gauner sahen ang­st­ein­flö­ßend aus. Zuerst ver­sperr­ten sie den Ausgang, dann kamen sie lang­sam immer näher. Die Ertappten wichen ver­ängs­tigt zurück, bis sie vor der abge­schlos­se­nen Kellertür wie in einer Sackgasse stan­den. „Wie habt ihr die Nachricht hin­ter dem Kalender gefun­den?“, schnaub­te einer der bei­den Männer wütend. Er war auf­fäl­lig dick und hat­te einen Glatzkopf.

„Seit wann schnüf­felt ihr uns nach?“

Kerstin woll­te gera­de etwas erwi­dern, da fiel ihr Sandra ins Wort: „Was wol­len Sie denn von uns? Der Zettel lag hier auf dem Boden. Wir haben in die­sem Haus nur Verstecken gespielt. Jetzt las­sen Sie uns raus, wir müs­sen heim.“

„Haha, das sol­len wir euch glau­ben?“, pol­ter­te die Frau, die am let­zen Mittwoch von einem der Männer mit Andrea ange­spro­chen wor­den war.

„Ihr habt uns nach­spio­niert, so sieht es aus. Aber ihr macht uns bei die­sem Geschäft kei­nen Strich durch die Rechnung. Alles hat bis­her ein­wand­frei und pro­blem­los geklappt und nie­mand hat den gerings­ten Verdacht geschöpft. Das las­sen wir uns von ein paar Kindern wie euch nicht kaputt machen. Umsonst haben wir uns nicht so abgerackert!“

Zu den bei­den Männern gewandt sprach sie in befeh­len­dem Ton: „Ich den­ke, wir sper­ren die­se Horde zunächst mal im Keller ein und bespre­chen dann in Ruhe alles Weitere.“

Einer der bei­den Männer zog einen klei­nen Schlüssel aus sei­ner Hosentasche und öff­ne­te das Sicherheitsschloss an der Kellertür. Dann schubs­ten die drei Erwachsenen die Kinder die Treppe hinunter.

Kerstin, Kevin und Sandra tau­mel­ten ori­en­tie­rungs­los im Dunkeln nach unten. Glücklicherweise fiel nie­mand hin. Im sel­ben Moment wur­de oben die Tür wie­der verschlossen.

Kevin reagier­te am schnells­ten und tas­te­te sich in der Dunkelheit an den Lichtschalter her­an, denn er hat­te das klei­ne Kontrolllicht am Schalter entdeckt.

Im Keller roch es mod­rig, es war ein unge­müt­li­cher und kal­ter Ort. Die schwa­che elek­tri­sche Birne, die an der Decke in einer Fassung ohne Lampenschirm hing, ver­brei­te­te ein unheim­li­ches und schumm­ri­ges Licht. Aus ihrem unbe­hag­li­chen Gefängnis schien es außer der Kellertreppe kei­nen wei­te­ren Ausgang zu geben.

Das Untergeschoss bestand aus einem ein­zi­gen gro­ßen fens­ter­lo­sen Raum, der mit altem, stau­bi­gem Gerümpel voll­ge­stopft war. In einer Ecke stan­den ein klei­ner Tisch und vier Stühle, ein klei­nes Regal und eine auf­fäl­lig grün­la­ckier­te Truhe mit brei­ten Scharnieren. Die Möbel stan­den ver­mut­lich noch nicht lan­ge hier, denn sie waren weder ver­dreckt noch verstaubt.

Sandras Stimme klang etwas zitt­rig: „Oh Mann, was machen wir jetzt? Wie kom­men wir bloß wie­der raus?“

„Keine Ahnung, schau­en wir uns erst ein­mal etwas um, dann fällt uns bestimmt etwas ein“, beru­hig­te sie Kevin. „Die Sitzgruppe scheint das ein­zi­ge Interessante hier unten zu sein.“

Während Kerstin bereits dabei war, den ande­ren Krempel sys­te­ma­tisch nach etwas Brauchbarem zu durch­su­chen, ging Kevin zu dem Regal. Er fand jedoch nur eini­ge ver­ros­te­te Metallteile. Nachdem er den Schrott begut­ach­tet hat­te, ver­such­te er, die auf dem Boden ste­hen­de Truhe zu öff­nen. Er schau­te sich die Verschlussscharniere ein­ge­hend an und kam dann resi­gnie­rend zu dem Schluss: „Nichts zu machen, die ist mit zwei klei­nen, aber sehr moder­nen Schlössern verriegelt.“

„Ich habe das pas­sen­de Werkzeug dabei. Die Gauner haben es über­se­hen, weil sie mir den Rucksack nicht abge­nom­men haben“, grins­te Sandra und mach­te sich an die Arbeit. Sie öff­ne­te ihren Rucksack und fisch­te diver­se klei­ne und gro­ße Schraubendreher, eine Zange und ein paar klei­ne Metallhaken heraus.

Nach einer genau­en Überprüfung der Truhe war sie der Meinung, dass es am ein­fachs­ten war, die eiser­nen Scharniere der Truhe abzu­schrau­ben, um den Deckel kom­plett abhe­ben zu kön­nen. Die Aktion dau­er­te nur weni­ge Minuten, dann konn­ten die drei den Deckel der Kiste abnehmen.

„Wow“, staun­te Kerstin, als sie es in der Truhe glit­zern und fun­keln sah. „Das müs­sen Unmengen an Uhren sein.“

Kevin bekam gro­ße Augen und nahm eine der gol­de­nen Armbanduhren her­aus, um sie ein­ge­hen­der betrach­te­ten zu kön­nen. „Das sind sicher ganz teu­re Markenfabrikate. Die klei­nen Funkelsteine auf den Einfassungen sind bestimmt kost­ba­re Diamanten oder ande­re Edelsteine. Ob die Uhren irgend­wo geklaut wurden?“

Kerstin wur­de aus hei­te­rem Himmel etwas blas­ser im Gesicht. „Versteht ihr denn nicht?“, flüs­ter­te sie. „Da oben sind die Diebe, die uns hier unten mit ihrer Beute ein­ge­sperrt haben. Die wol­len doch bestimmt die Truhe mit den Uhren wiederhaben!“

Kevin blieb cool und ver­such­te sie zu trös­ten: „Keine Angst, wir brau­chen uns im Moment kei­ne all­zu gro­ßen Sorgen zu machen. Ich bin sicher, wir kom­men hier wie­der heil und gesund raus.“

Frage: Warum war sich Kevin so sicher, dass sie bald befreit werden?

Antwort: .ettah tgid­näts­rev ieziloP eid craM ssad ‚hcil­rü­tan etffoh niveK .ned­nufeg thcin rab­nef­fo craM renuaG eid nettah ‚neraw ttird uz run eis aD

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 5

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Die geheim­nis­vol­le Botschaft

Autor: Harald Schneider

Klar, die Geschichte mit dem Plastikeimer schrie nach sofor­ti­ger Aufklärung. Nur zu dumm, dass sie Sandras Vater ver­spro­chen hat­ten, am Nachmittag bei der Gartenpflege zu hel­fen. Nach der groß­ar­ti­gen Einladung zum Pizzaessen vor einer Woche trau­ten sie sich nicht, ihm abzusagen.

Völlig lust­los mach­ten sie sich an die Arbeit und hal­fen Herrn Meier, den Rasen anzu­le­gen und Blumenbeete zu gestal­ten. Normalerweise hät­te ihnen die gan­ze Arbeit viel Spaß gemacht. Im Hinblick auf die bevor­ste­hen­den Pläne konn­ten sie sich aber beim bes­ten Willen nicht rich­tig auf ihre Arbeit konzentrieren.

„He Kevin“, unter­brach ihn Sandras Vater kopf­schüt­telnd, als er ver­such­te, eine jun­ge Staude ein­zu­pflan­zen. „Wie wäre es, wenn du statt der Zweige lie­ber die Wurzeln die­ses Pflänzchen in die Erde steckst?“ Die ande­ren schau­ten zu Kevin hin­über und sahen, wie die­ser die Pflanze ver­kehrt her­um ein­gra­ben woll­te. Sie schüt­tel­ten sich vor Lachen. Aber es war ein­fach nicht sein Tag gewesen.

Der dar­auf­fol­gen­de Dienstag war eben­falls bereits ver­plant. Die gan­ze Klasse mach­te einen Tagesausflug nach Stuttgart in den Tiergarten Wilhelma. Auch die vie­len exo­ti­schen Tiere und selbst, als das Lama, das Marc ärger­te, nach ihm spuck­te, konn­te die Stimmung der wil­den Vier nicht verbessern.

Es half nichts, sie konn­ten sich erst nach zwei schier end­lo­sen Tagen am Mittwochnachmittag nach der Schule in ihrem Clubraum tref­fen. Voller Ungeduld woll­ten die vier das mys­te­riö­se Rätsel end­lich lösen. Sie mach­ten sich nach einer kur­zen Besprechung auf den Weg in Richtung Schule.

Schon kur­ze Zeit dar­auf stan­den sie vor dem Haupteingang des Geländes, das genau hin­ter ihrer Schule lag und unter­such­ten das gro­ße Hoftor mit den geschwun­ge­nen Ornamenten. Kevin begut­ach­te­te aus­gie­big das Schlüsselloch und zog sogleich ange­wi­dert sei­nen ver­schmier­ten Zeigefinger zurück.

„Igitt, das Schloss ist ja frisch geölt. Da haben wir einen wei­te­ren Beweis, dass jemand auf dem Gelände gewe­sen ist!“

„Und damit das Tor nicht quietscht, wur­den auch die Scharniere ein­ge­fet­tet“, stell­te Kerstin mit einem prü­fen­den Blick fest. Allerdings ohne sich dabei ihre Finger schmut­zig zu machen.

„Da soll­ten wir jetzt aber sehr vor­sich­tig sein.”

Kevin zog ein gan­zes Bündel Dietriche aus sei­ner aus­ge­beul­ten Hosentasche und such­te sich einen aus, von dem er glaub­te, dass die­ser die rich­ti­ge Größe hat­te. Er pass­te und das höl­zer­ne Hoftor sprang lei­se auf. Seine Klassenkameraden nick­ten ihm aner­ken­nend zu.

Die wil­den Vier schau­ten kurz nach hin­ten zur Straße, um sich zu ver­ge­wis­sern, dass sie nicht von irgend­wel­chen Passanten beob­ach­tet wur­den. Die Umgebung war men­schen­leer, so dass sie uner­kannt durch den Eingang schlei­chen konn­ten. Nachdem alle auf dem Gelände waren, zog Marc hin­ter ihnen das Tor behut­sam wie­der zu.

Sie befan­den sich erst weni­ge Sekunden auf dem frem­den Terrain, da ent­deck­ten sie die nächs­te Überraschung: In dem immer noch vom Regen auf­ge­weich­ten Boden waren deut­lich brei­te Reifenspuren zu erken­nen. „Die Abdrücke sind unty­pisch für einen PKW“, erkann­te Sandra sofort. „Das muss min­des­tens ein Transporter gewe­sen sein.“

Sie folg­ten wach­sam den Reifenabdrücken und kamen bis ins Innere des Hofes. Dort mach­ten die Spuren zwi­schen dem Haus und einer angren­zen­den Scheune eine Schleife und führ­ten anschlie­ßend wie­der zum Tor hinaus.

Marc kom­bi­nier­te: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder hat der Transporter vor dem Haus gehal­ten und spä­ter hier gedreht, um wie­der raus auf die Straße zu kom­men, oder er hat gleich gewen­det und vor der Scheune geparkt.“

Die ande­ren waren von Marcs Aussage über­zeugt und such­ten den feuch­ten Boden des Hofes nach Schuhspuren und wei­te­ren Hinweisen ab. Es war nichts zu fin­den. Sandra hat­te inzwi­schen die Utensilien ihres Detektivbüros aus­ge­packt und rühr­te in einem Becher etwas Gips an, um damit die Reifenabdrücke zu sichern.

„Der Eimer ist weg“, rief Kevin plötz­lich auf­ge­regt. Und tat­säch­lich kamen sie erst jetzt auf den Gedanken, sich genau­er mit dem Campingtisch und den umher­lie­gen­den Gegenständen zu befassen.

„Das bedeu­tet, dass seit Montag früh jemand hier gewe­sen sein muss, der den Eimer weg­ge­nom­men hat“, schluss­fol­ger­te Marc.

Sofort mach­te er sich zusam­men mit den ande­ren auf, um nach dem ver­schwun­de­nen Eimer zu suchen. Nachdem sie den Hof gründ­lich aber erfolg­los abge­sucht hat­ten, ver­such­ten sie ihr Glück im angren­zen­den Schuppen. Das Tor war nur ange­lehnt und man konn­te deut­lich erken­nen, dass der Schließzylinder mit Gewalt her­aus­ge­bro­chen wor­den war.

Kevin, Marc und Kerstin gin­gen hin­ein. Sandra war nir­gends zu sehen.

Drinnen war es dun­kel. Es gab nur ein paar klei­ne Fenster, deren Scheiben zer­bro­chen waren, sowie die halb­of­fe­ne Scheunentür, durch die das Sonnenlicht ein­fal­len konn­te. Nachdem die drei sich an die Dunkelheit gewöhnt hat­ten, konn­ten sie im hin­te­ren Teil der Scheune meh­re­re alte Strohballen, einen klei­nen Berg mit Streusalz und eini­ge aus­ran­gier­te Verkehrsschilder erken­nen. Doch das erstaun­lichs­te sahen sie mit­ten in der Scheune ste­hen. Hier lager­ten mehr als 20 gro­ße Kartons auf Holzpaletten, die in dicke durch­sich­ti­ge Folie ein­ge­schweißt waren.

Marc woll­te gera­de sein Taschenmesser auf­klap­pen, um die Folie auf­zu­schnei­den, da hielt ihn Kerstin am Arm fest: „He, hör auf damit. Egal was da drin ist, wenn du an der Verpackung her­um schnip­pelst, weiß jeder sofort, dass jemand hier war!“

Marc sah das nur wider­wil­lig ein, klapp­te dann aber sein Taschenmesser wie­der zu. „Und wenn da Drogen drin sind?“, erei­fer­te er sich, „dann müs­sen wir sofort … “

In die­sem Moment hör­ten sie drau­ßen einen Wagen vor­fah­ren. Sie blick­ten sich erschro­cken an, bis Kerstin end­lich befahl: „Schnell, hin­ter das Stroh!“

Sofort spran­gen sie hin­ter die Strohballen und hoff­ten, dass Sandra das Auto eben­falls recht­zei­tig bemerkt hat­te. Einen Augenblick spä­ter wur­de die halb­of­fe­ne Scheunentür kom­plett geöff­net. Aus ihrem im Moment noch siche­ren Versteck sahen sie zwei Männer und eine Frau, die ziel­stre­big auf die Paletten zulie­fen und sich dabei ange­regt unterhielten.

„Puh, jetzt schnell noch die gan­zen Kartons auf den Laster laden und dann haben wir es wie­der bis zur nächs­ten Lieferung geschafft.“

„Das ist jedes Mal eine ziem­li­che Schufterei mit dem gan­zen Kram. Zum Glück bezahlt der Chef dafür gut. Und solan­ge die Kohle stimmt, bin ich auf jeden Fall dabei.“

Die drei Freunde wur­den auf eine schwe­re Geduldsprobe gestellt. Es dau­er­te eine hal­be Ewigkeit, bis die Fremden sämt­li­che Kartons aus der Scheune in ihrem Wagen ver­staut hat­ten. Dann wur­de es so rich­tig gefähr­lich, denn die Männer kamen noch ein­mal in die Scheune zurück. Sie gin­gen zu den auf dem Boden lie­gen­den lee­ren Holzpaletten, hoben die­se auf und tru­gen sie gera­de­wegs auf die Strohballen zu, hin­ter denen die drei Beobachter auf der Lauer lagen.

Doch die bei­den setz­ten zum Glück ihre schwe­re Last unmit­tel­bar vor dem Strohhaufen ab, ohne die Zuschauer zu ent­de­cken. Einen der Männer hör­ten sie sagen: „So, jetzt gehen wir rüber zu Andrea und bespre­chen den nächs­ten Einsatz.“

Nachdem die Unbekannten den Schuppen end­gül­tig ver­las­sen hat­ten, ver­harr­ten die Freunde noch ein paar Minuten im Dunkeln der Scheune. Sie woll­ten sicher gehen, dass die Luft auch wirk­lich rein war. Dann mach­ten sich die Kameraden auf den Weg in Richtung Tür. Sie hat­ten den Eingang bei­na­he erreicht, da wur­de von außen uner­war­tet die Türe auf­ge­sto­ßen, sodass sie fast zu Tode erschra­ken. Doch dann erkann­ten sie Sandra, die außer Atem war.

„Ich konn­te mich gera­de noch recht­zei­tig hin­ter dem Haus ver­ste­cken. Was haben die für Kartons in den Transporter geschleppt? Der Wagen steht immer noch im Hof. Die Frau und die bei­den Männer sind vor fünf Minuten im Haus gegen­über ver­schwun­den. Ich konn­te sie durch das Fenster auf der Rückseite des Gebäudes beob­ach­ten und reden hören. Ich hör­te, dass sie über eine ver­schlüs­sel­te Nachricht spra­chen und irgend­wel­che Buchstaben zähl­ten. Danach dis­ku­tier­ten sie über eine neue Lieferung, die noch mehr ein­brin­gen soll als die letz­te. So rich­tig habe ich das nicht ver­stan­den. Habt ihr etwas mitbekommen?“

Nachdem ihr ihre Freunde von den Erlebnissen in der Scheune berich­tet hat­ten, ent­schlos­sen sie sich, gemein­sam zur Rückseite des Hauses zu schlei­chen, um mehr über die Fremden zu erfahren.

Vorsichtig schli­chen die vier zwi­schen Scheunentür und Transporter vor­bei. Dann spur­te­ten sie gebückt über den Hof, um so zur ret­ten­den Rückseite des Hauses zu gelan­gen. Sie hat­ten Riesenglück. Kaum waren die vier am Ziel ange­kom­men, wur­de die Eingangstür geöff­net und die Gauner stie­gen in den voll­be­la­de­nen Kleinlaster ein und fuh­ren davon.

Die wil­den Vier ver­lie­ßen ihr Versteck erst, nach­dem die Unbekannten das Gelände mit dem Transporter ver­las­sen hat­ten. Um zum Eingang zu gelan­gen, muss­ten die vier Freunde zunächst um das Haus herumlaufen.

„Mist“, fluch­te Marc laut. „Die Tür ist abgeschlossen.“

Doch Kevin hat­te bereits sei­ne Dietriche in der Hand und öff­ne­te die Tür in kür­zes­ter Zeit. Ein paar Sekunden spä­ter stan­den sie im Hausflur des ver­wahr­los­ten Gebäudes.

Das Erdgeschoss bestand aus einer klei­nen Zweizimmerwohnung, die zuletzt als Büroräume genutzt wur­den. Das Inventar, Schreibtische, Stühle und ande­re Büromöbel stan­den und lagen über­all her­um. Alles war sehr stau­big und sicher­lich schon lan­ge nicht mehr in Gebrauch. Der klei­ne Speicher über der Wohnung dien­te als Abstellplatz für aller­lei Gerümpel. Anhand der dicken Staubschicht auf der Treppe war den Freunden sofort klar, dass seit Ewigkeiten nie­mand mehr hoch­ge­stie­gen war.

Ganz erstaunt regis­trier­ten sie, dass die Kellertür mit einem moder­nen Sicherheitsschloss ver­schlos­sen war. „Da kann ich mit mei­nen Nachschlüsseln nicht viel anfan­gen“, stell­te Kevin fest. „Da brau­che ich spe­zi­el­les Werkzeug zum Öffnen.“

Kerstin hat­te sich in den zahl­reich vor­han­de­nen Schränken umge­se­hen und hielt ein gro­ßes gefal­te­tes Blatt Papier in der Hand, das sie zwi­schen ande­ren ver­bli­che­nen Akten gefun­den hat­te. „Seht mal, was ich ent­deckt habe!“, rief Kerstin den ande­ren zu. „Das ist ein Plan des Grundstücks. Auf dem ist sogar unse­re Schule eingezeichnet.“

„Lass mal sehen“, unter­brach sie Sandra und schau­te gemein­sam mit den ande­ren neu­gie­rig auf die Karte. „Hm, was sind das für bun­te Striche zwi­schen die­sem Haus und den Schulgebäuden? Die gehen über den Schulhof.“

 „Schaut mal. In der rech­ten unte­ren Ecke des Plans ist eine Zeichenerklärung. Die blau­en Linien sind Wasserrohre, die roten bedeu­ten Stromleitungen und die gel­ben ste­hen für Telefonkabel. Damit sind die ver­schie­de­nen Schulgebäude und die­ses Haus ver­bun­den. Die Leitungen mün­den jeweils im Keller.“

„Aber was sind das für Schraffierungen auf dem Schulhof?“, hak­te Marc nach.

Sandra schau­te sich die mar­kier­ten Stellen ganz genau an. „Hier steht es. Unter dem Schulhof befin­det sich ein Kriechkeller, in dem die gan­zen Leitungen liegen.“

Die ande­ren schau­ten sich über­rascht an. „Der Hof ist unter­kel­lert? Davon wis­sen wir ja gar nichts. Wo ist der Eingang zu die­sem selt­sa­men Keller?“

„Der ist auf dem Plan nicht genau ein­ge­zeich­net. Aber es muss in jedem Gebäude und auch in die­sem Haus einen Zugang geben. Damit man an die Leitungen dran­kommt, falls die mal repa­riert oder gewar­tet wer­den müs­sen“, fol­ger­te Marc.

„Das hört sich alles unheim­lich span­nend an. Wenn wir die Gelegenheit dazu haben, soll­ten wir das mal unter­su­chen. Ich neh­me den Plan mit nach Hause. Vielleicht sind die Informationen dar­auf für irgend­et­was zu gebrauchen!“

Ansonsten kamen die Detektive mit der Erforschung der Wohnung nicht so recht wei­ter. Sie konn­ten ein­fach kei­nen Grund für die Anwesenheit der Erwachsenen fin­den. Die vier woll­ten bereits auf­ge­ben, da sie sich immer siche­rer wur­den, dass des Rätsels Lösung nicht hier, son­dern im Keller zu fin­den war. Deshalb woll­ten sie am nächs­ten Tag mit Werkzeug zurückkommen.

Da zog Kevin eini­ge klei­ne Papierschnipsel aus einem Abfallkorb. „Die muss irgend­je­mand erst vor Kurzem da rein­ge­wor­fen haben“, freu­te sich Kevin über sei­nen Fund.

Die Schnipsel ent­hiel­ten einen mit Hand geschrie­be­nen Text. Sie konn­ten ihn nicht ent­zif­fern, da die Teile zu klein geris­sen waren.

Sandra for­der­te ihre Freunde auf: „Schaut mal nach, ob irgend­wo wei­te­re Fetzen her­um­lie­gen, damit wir nichts über­se­hen oder ver­ges­sen. Das Puzzle set­zen wir daheim in aller Ruhe zusammen.“

Alle vier unter­such­ten dar­auf­hin gewis­sen­haft die Umgebung des Papierkorbs und fan­den tat­säch­lich eini­ge wei­te­re klei­ne Schnipsel. Sandra steck­te die­se vor­sich­tig in eine klei­ne Tüte, die zur ihrer Detektivausrüstung gehörte.

Nach einer hal­ben Stunde bra­chen sie die Durchsuchung der Räume ab. Sie woll­ten zuerst die Nachricht ent­zif­fern und dann in den nächs­ten Tagen wie­der zurück­kom­men, um mit dem pas­sen­den Werkzeug in den Keller zu gelan­gen. Sie schlos­sen die Haustüre mit dem Dietrich ab, damit nie­mand ihre Anwesenheit bemer­ken konn­te. Eilig ver­lie­ßen sie das Gelände und mach­ten sich auf den Weg nach Hause.

Die Freunde gin­gen direkt in ihren Clubraum, um das mys­te­riö­se Nachrichtenpuzzle zu lösen. Nur Sandra kam erst ein paar Minuten spä­ter nach, da sie daheim etwas Wichtiges holen wollte.

Als sie bei den ande­ren ankam, trug sie einen etwa zei­chen­block­gro­ßen Kasten aus hel­lem Kunststoff bei sich. „Das habe ich mir von mei­nem Vater aus­ge­lie­hen. In die­sem Kasten ist eine Lampe ein­ge­baut. Da leg­te mein Vater frü­her sei­ne ent­wi­ckel­ten Dias drauf. Durch die Hintergrundbeleuchtung konn­te er die Einzelheiten der Motive bes­ser erken­nen und sor­tie­ren, ohne jedes Mal den Projektor auf­bau­en zu müs­sen“, erklär­te Sandra ihren Freunden den selt­sa­men hell­grau­en Kasten.

Und in der Tat, sie konn­ten die Schnipsel viel bes­ser erken­nen, als die­se auf dem beleuch­te­ten Gerät lagen. Dennoch dau­er­te es ziem­lich lan­ge, bis sie die gan­zen Papierfetzen rich­tig sor­tiert hatten.

„Seid ihr sicher, dass die Teile so rich­tig lie­gen?“, mein­te Marc. „Das ergibt doch alles kei­nen Sinn.“

Alle vier ver­such­ten nun gleich­zei­tig den Zettel mit der geheim­nis­vol­len Botschaft zu entziffern.

Die Geheimbotschaft lautete:

Code: – 2 Rückwärts -

Komme erst rüber ober­halb am vier­ten gro­ßen Berg. Oder in den blau­en Sack. Akte am rech­ten oder brin­ge wenigs­tens star­ken Anwalt bis China. Steuere chi­ne­si­sche Gegenstände stur. Ist Egge anders auf Brief gebe Pfand Weinflaschen. Die alte Decke stand ast­rein che­misch. Ich wär­me ande­re Decken eif­rig. Oder drü­cke mühe­voll Pfandflaschen an einen immer­grü­nen Erker. Gehe stück­wei­se brav wenn adlig.

Die wil­den Vier konn­ten mit dem Inhalt des mys­te­riö­sen Textes nichts anfan­gen. Was soll­te die­ses wir­re Zeug bloß bedeu­ten? Betrübt und ent­täuscht schau­ten sie sich an.

Nach einer Weile bemerk­te Sandra: „Das ers­te Wort macht mich stut­zig. Code bedeu­tet Schlüssel. Ich glau­be, der Text ist in einer Geheimschrift ver­fasst. Und zur Lösung muss man wis­sen, was ‚2 Rückwärts‘ bedeu­ten soll.“

Die wil­den Vier dis­ku­tier­ten und pro­bier­ten eine Zeitlang alles Mögliche aus, bis Marc und Sandra nach Hause muss­ten. Beide hat­ten sich den Text abge­schrie­ben, um auch daheim wei­ter dar­über nach­den­ken zu kön­nen. Sie ver­ein­bar­ten, in der Schule nichts dar­über zu sagen und sich mor­gen nach dem Unterricht wie­der im Clubraum zu treffen.

Auch am nächs­ten Tag kamen sie kei­nen Schritt wei­ter. Kerstin hat­te den Text in ihren Computer ein­ge­ge­ben und ver­schie­de­ne Möglichkeiten erfolg­los durch­pro­biert. Auch im Internet war lei­der kei­ne pas­sen­de Lösung für ihr Problem zu fin­den. Es war wie verhext.

Sandra hat­te sich in der Bücherei ein Buch über Kryptographie, der Wissenschaft der Ver- und Entschlüsselung von Texten, aus­ge­lie­hen. Allerdings war das Buch sehr dick, so dass sie nur sehr lang­sam vor­an­kam. Es gab jede Menge Möglichkeiten, die alle über­prüft wer­den muss­ten. So ver­ging auch die­ser Tag, ohne das sie das Rätsel der Nachricht lösen konn­ten. Die Freunde wur­den immer enttäuschter.

Der Freitagmorgen begann dann mit einer gro­ßen Überraschung. Noch vor Schulbeginn flüs­ter­te Sandra ihren erstaun­ten Freunden zu: „Ich habe die Lösung gefun­den. Gestern Abend habe ich es end­lich geschafft. Es ist ganz ein­fach, man muss nur … “

Doch wei­ter konn­te sie nicht erzäh­len, da in die­sem Moment die Schulglocke ihre Unterhaltung unter­brach. Die ande­ren drei waren wäh­rend der ers­ten Doppelstunde vor lau­ter Aufregung völ­lig unkon­zen­triert. Der Englischunterricht war ihnen total egal. Wie konn­te Sandra die selt­sa­me Botschaft nur ent­schlüs­seln? Erst in der Pause war es soweit und Sandra ver­riet den drei­en das Geheimnis.

Frage: Wie lau­te­te die ent­schlüs­sel­te Nachricht?

Antwort: .gil­da nnew varb esiewk­cüts eheG .rekrE nenür­grem­mi nenie na nehcsalfdnafP llove­hüm ekcürd redO .gir­fie nekceD ered­na emräw hcI .hcsi­mehc niert­sa dnats ekceD etla eiD .nehcsalfnieW dnafP ebeg feirB fua sred­na eggE tsI .ruts ednätsnegeG ehcsi­senihc ereuetS .anihC sib tlaw-nA nek­rats snets­gi­new egnirb redo neth­cer ma etkA .kcaS neu­alb ned ni redO .greB neß­org netreiv ma blah­re­bo rebür tsre emmoK

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 4

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Eine selt­sa­me Entdeckung

Autor: Harald Schneider

Eine Woche spä­ter war von Sonnenschein weit und breit nichts mehr zu sehen. Das gan­ze Wochenende hat­te es fast ohne Pause gereg­net. Die wil­den Vier woll­ten ursprüng­lich einen Ausflug zum Heidelberger Schloss machen, um dort die Touristen wäh­rend der Führungen mit ihren selbst gebas­tel­ten Gespensterkostümen zu erschre­cken. Wegen des schlech­ten Wetters muss­ten sie den Streich aber auf unbe­stimm­te Zeit ver­schie­ben. Deshalb ver­brach­ten Sie die meis­te Zeit der bei­den schul­frei­en Tage in ihrem Clubraum und schmie­de­ten Pläne für die kom­men­de Woche.

Marc hat­te mal wie­der Elvis, den süßen aber auch sehr neu­gie­ri­gen Dalmatiner mit­ge­bracht, den er sich regel­mä­ßig ein- bis zwei­mal in der Woche von sei­nem Onkel auslieh.

Kevin sag­te noch, dass es höchs­te Zeit war um mit Elvis Gassi zu gehen, aber Marc wei­ger­te sich schlicht­weg. Ihm war es drau­ßen ein­fach zu nass und unge­müt­lich. Als er den Hund bei Onkel Franz abge­holt hat­te, sah es aus, als wür­den sich die Wolken und damit auch der Regen end­lich ver­zie­hen. Zum Trotz reg­ne­te es nun stär­ker als zuvor.

„Nein, ich war­te noch ein biss­chen“, maul­te Marc, aber in die­sem Moment hob Elvis sein Bein und näss­te das metal­le­ne Tragegestell der Couch ein, auf der Kevin und Kerstin saßen.

„Igitt“, schrie Kerstin und sprang auf, denn sie hät­te bei­na­he etwas abbe­kom­men. „Elvis, hau ab!“, fauch­te sie und schob den Dalmatiner mit der Hand recht unsanft aus dem Weg.

Alle waren sau­er auf Marc, der die Misere weg­ma­chen muss­te und sich dar­über fürch­ter­lich ärger­te. Der Geruch aller­dings blieb.

Kerstin nutz­te wäh­rend­des­sen die Zeit, um das Abenteuer in der Pizzeria vom ver­gan­ge­nen Wochenende in ihrer Streichsammlung zu ver­ewi­gen. „Wisst ihr noch“, schwelg­te Kerstin in Erinnerung, „wie der Besitzer der Pizzeria die Polizei rief und aus­ge­rech­net Kommissar Greulich kam? Dem sind fast die Augen aus dem Kopf gefal­len, als er uns erneut sah!“

„Aber immer­hin haben wir zwei gesuch­te Trickbetrüger gefan­gen. Die Polizei war denen bereits seit Monaten ver­ge­bens auf der Spur. Und wir haben es ganz allei­ne ohne frem­de Hilfe geschafft!“, füg­te Marc stolz hinzu.

Sie unter­hiel­ten sich noch eine Weile über das bestan­de­ne Abenteuer und die Festnahme der bei­den Gauner.

Schließlich war es wie­der Montag und die ers­te Schulstunde gera­de vor­bei, als die wil­den Vier in den Pausenhof rann­ten. Es hat­te vor einer guten Stunde auf­ge­hört zu reg­nen und die Sonne schien wie­der, als hät­te sie nie etwas ande­res getan. Die Regenzeit schien über­stan­den zu sein.

Der Pausenhof war sehr ver­win­kelt, da das Schulzentrum in der Vergangenheit immer wie­der durch neue Gebäude erwei­tert wur­de. Insgesamt befan­den sich auf drei Seiten des Platzes Schulgebäude. Am hin­te­ren Ende schloss ein unan­sehn­li­cher Bretterzaun den Pausenhof ab. Im Hof selbst gab es eini­ge abge­le­ge­ne Nischen, in denen höl­zer­ne Sitzbänke stan­den. Unmittelbar dane­ben spen­de­ten ein paar Bäume Schatten. Die Sitzbänke waren bei den Schülern ver­ständ­li­cher­wei­se heiß­be­gehrt. Dort ver­brach­ten sie ger­ne die Pausen.

Auch die vier Freunde gin­gen zu ihrer Lieblingsbank. Diese stand am hin­te­ren Ende des Schulhofes. Dort war nicht so viel los und man konn­te sich in aller Ruhe unter­hal­ten, ohne stän­dig gestört zu werden.

Während sie sich über das ver­gan­ge­ne Wochenende und das Malheur mit Elvis und der Couch unter­hiel­ten, fiel ihnen auf ein­mal Sandra ins Wort: „Sagt mal, was ist das eigent­lich für ein Haus hin­ter dem Bretterzaun? Das gehört nicht mehr zur Schule, oder?“

Tatsächlich befand sich hin­ter dem mor­schen Zaun, unmit­tel­bar dort wo die vier jetzt saßen, ein älte­res, ein­stö­cki­ges Haus sowie meh­re­re Nebengebäude. Die höl­zer­ne Einzäunung umschloss das weit­räu­mi­ge Gelände von allen Seiten.

„Ach das“, erklär­te ihr Marc gelang­weilt, „das war bis vor einem Jahr ein Lagerplatz der Stadtreinigung. Dort haben die ihre Fahrzeuge für den Winterdienst unter­ge­stellt und Dinge wie Streusalz und Ähnliches gela­gert. Inzwischen ist die Stadtreinigung in einen Neubau umge­zo­gen. Seitdem ste­hen die Schuppen und das Haus leer und ver­fal­len lang­sam. Ich habe mal gehört, dass alles irgend­wann abge­ris­sen wer­den soll.“

Marc ver­such­te, zum eigent­li­chen Thema zurück­zu­keh­ren, da das Haus für ihn nicht wei­ter von Interesse war. Aber Sandra stand auf und stell­te sich auf die Bank, um bes­ser über die Bretterwand bli­cken zu können.

Die ande­ren schau­ten ver­blüfft zu ihr hoch, bis Kevin sie ansprach: „Was soll das? Hast du etwas ent­deckt? In dem ver­fal­le­nen Haus war bestimmt seit einem Jahr kei­ne Menschenseele mehr.“

Sandra gab ihm kei­ne Antwort und blick­te immer noch auf das Gelände. Kerstin und Kevin wur­den neu­gie­rig und mach­ten es ihr nach. Als letz­tes stieg Marc zu ihnen auf die Bank hoch.

Alle schau­ten sie inter­es­siert auf das ver­las­se­ne Grundstück. Die Fensterläden des Hauses auf der lin­ken Seite waren geschlos­sen, genau wie die Eingangstür. Einige Dachziegel waren her­un­ter­ge­fal­len und lagen zer­bro­chen im san­di­gen Hof, der vol­ler Wasserpfützen stand.

Der Hof mach­te einen trost­lo­sen Eindruck. Vor einer Scheune, deren Eingang sich direkt in ihrem Blickfeld befand, lagen ein paar durch­näss­te Schuhe auf einem klapp­ri­gen Campingtisch. Einen guten Meter neben dem Tisch stand ein alter Plastikeimer. Er war leer, man konn­te bis auf den Boden sehen. Daneben lagen ver­schie­de­ne ver­ros­te­te Metallteile her­um, ver­mut­lich von einem Getriebe oder einem Motor.

Die Eingangstür des Schuppens stand offen und wur­de vom Wind leicht hin und her bewegt. Das Türschloss mach­te den Eindruck, als sei es gewalt­sam auf­ge­bro­chen wor­den. Zwei Fensterscheiben waren zer­bors­ten, die Glassplitter lagen im Freien über­all ver­streut. Zwei wei­te­re Nebengebäude befan­den sich an der Straßenseite des umzäun­ten Geländes. Aus der Entfernung konn­ten die Freunde auch dort nichts Außergewöhnliches erkennen.

Kevin und Marc wur­de es zu dumm. Sie setz­ten sich wie­der auf die Bank zurück und läs­ter­ten über Sandra: „Und, hast du das furcht­ba­re Geheimnis des ver­fal­le­nen Hauses end­lich gelüftet?“

„Tja“, grins­te Sandra, „ich hal­te mei­ne Augen eben offen. Es ist ganz offen­sicht­lich, dass sich heu­te Vormittag jemand auf dem Hof oder sogar in den Gebäuden auf­ge­hal­ten hat!“

„Was?“, schrien die ande­ren drei gleich­zei­tig. Kevin und Marc spran­gen zurück auf die Bank und schau­ten mit Kerstin aber­mals über den Zaun. Doch so sehr sie sich auch anstreng­ten, sie konn­ten kei­nen Hinweis für Sandras Vermutung finden.

Frage: Wieso war sich Sandra so sicher, dass am Morgen min­des­tens eine Person auf dem Gelände gewe­sen war?

Antwort: .tre­e­leg­sua nehcsiwz­ni redo tllet­seg­nih trod snegroM sed efuaL mi tsre remiE red edruw ‚raw llaF red thcin seid aD .nehe­ts ressaW leiv regi­new redo rhem remiE med ni etllos ‚ettah trö­heg­fua ednutS renie rov tsre dnu ten­ge­reg ednenehcoW eznag sad se aD .reel raw remiekitsalP reD

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 3

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Die wil­den Vier sind komplett

Autor: Harald Schneider

Am nächs­ten Tag, gleich nach der Schule, tra­fen sich die Freunde mit Sandra. Sie woll­ten ihrer neu­en Freundin zum ers­ten Mal den Clubraum der wil­den Drei zei­gen. Sandra war sehr auf­ge­regt, als ihre Schulkameraden sie die Treppe hin­un­ter in den Keller führten.

Die Schülerin staun­te nicht schlecht und war über die gelun­ge­ne Einrichtung und der geheim­nis­vol­len Atmosphäre, die der Raum aus­strahl­te, sehr über­rascht. Früher wur­de der Kellerraum von den Eltern der Zwillinge als Gerümpellager genutzt. Kevin und Kerstin hat­ten ihn vor einem Jahr zusam­men mit Marc reno­viert. Zunächst hat­ten sie gründ­lich aus­ge­mis­tet und den gan­zen alten Kram, den nie­mand mehr brauch­te, zum Sperrmüll gebracht. Danach ver­schö­ner­ten sie die Wände mit bun­ten Farben. Freilich sah man davon mitt­ler­wei­le nicht mehr all­zu viel, da sie alles mit unzäh­li­gen Postern von Popstars, Sportlern und Fußballmannschaften geschmückt hatten.

Die Eltern von Kerstin und Kevin hat­ten anfangs auch ein Wörtchen mit­zu­re­den. Deshalb bestan­den sie dar­auf, an die Decke lärm­däm­men­de Styroporplatten zu kle­ben, damit der Geräuschpegel ein Stock höher in ihrem Wohnzimmer eini­ger­ma­ßen erträg­lich blieb.

Im Clubraum stand eine alte Couch mit zwei pas­sen­den Sesseln, die Marc von sei­nem Onkel bekom­men hat­te. Ein ova­ler Tisch vor der Couch, eine klei­ne Musikanlage sowie ein Schreibtisch, auf dem Kerstins Notebook stand, mach­ten das Inventar komplett.

An der Innenseite der Eingangstür hing eine beträcht­lich abge­nutz­te Dartscheibe, die mit einem Dutzend Pfeilen gespickt war. Am ande­ren Ende des Raumes, unter­halb des ein­zi­gen Fensters, stand ein Fußballkicker, den sie in einem recht erbärm­li­chen Zustand auf dem Sperrmüll gefun­den und in mühe­vol­ler Kleinarbeit auf­ge­mö­belt hatten.

Sandra schau­te sich inter­es­siert die vie­len Poster an. Ihre Lieblings-Boygroup hing direkt neben der Tür, wor­über sie sich beson­ders freu­te. Die sehr umfang­rei­che Musik-Sammlung die Kerstin und Kevin gemein­sam gehör­te, gefiel ihr ebenfalls.

„Einfach toll“, Sandra war begeis­tert. „Dieser Raum ist wirk­lich super­ge­ni­al. Hier kann man es echt gut aushalten!“

Die ande­ren drei freu­ten sich über das dicke Kompliment ihrer Klassenkameradin. Sandra mach­te es sich in einem der bei­den Sessel gemüt­lich. Sie schau­te sich wei­ter­hin im Raum alles ganz genau an, denn es konn­te ja sein, dass es noch etwas Neues zu ent­de­cken gab. Ihr Blick fiel auf einen dicken Ordner, der auf dem Couchtisch lag. Er war mit einem selbst gemal­ten Etikett ver­ziert. Sie nahm den schwe­ren Aktenordner in die Hand und las den Titel, der in gro­ßer ver­schnör­kel­ter Schrift auf der Vorderseite stand:

‚Die Streiche der wil­den Drei‘

Verwundert schau­te sie die ande­ren an, bis Kerstin sich nicht mehr zurück­hal­ten konn­te und laut zu lachen begann.

„Ja, du musst wis­sen, wir sind durch unse­re lus­ti­gen Streiche, vor denen nichts und nie­mand sicher ist, zu so etwas wie Berühmtheiten gewor­den. Eines Tages haben uns die Lehrer des­halb den Spitznamen ‚die wil­den Drei‘ verpasst.“

„Und nach jeder erfolg­rei­chen Aktion“, ergänz­te Marc, „schrei­ben wir seit­dem alle unse­re glor­rei­chen Heldentaten ganz genau auf und sam­meln sie in die­sem Ordner.“

„Du kannst ger­ne mal rein­schau­en! Erst ges­tern Abend ist ein neu­es Kapitel hin­zu­ge­kom­men. Ich habe die Geschichte mit dem Computerdiebstahl auf­ge­schrie­ben und gleich ein­sor­tiert“, erklär­te Kerstin.

„Das Rätsel mit den ver­schwun­de­nen Weinflaschen darf natür­lich auch nicht feh­len. Schau dir die Geschichten ruhig an, denn du spielst ja schließ­lich die Hauptrolle in dem span­nen­den Geschehen um das Geheimnis der gestoh­le­nen Computer.“

Sandra öff­ne­te neu­gie­rig den Ordner und las ein mit der Hand geschrie­be­nes Inhaltsverzeichnis. Es bestand aus recht vie­len Einträgen. Als ers­tes fiel ihr Blick auf das Kapitel ‚Aufstand der Klasse‘. Jetzt wur­de sie so rich­tig neu­gie­rig. Sie such­te schnell nach dem ent­spre­chen­den Kapitel und begann zu lesen:

‚Aufstand der Klasse‘

Unsere Geschichtslehrerin Frau Klamm hat­te eine Angewohnheit, die wir für einen bestimm­ten Streich aus­nut­zen woll­ten. Immer wenn es in der Klasse etwas laut her­ging, sag­te sie nur ein ein­zi­ges Wort. „Kommt!“ Natürlich mein­te sie damit „Kommt, seid end­lich wie­der ruhig!“

Eines Tages, hat­ten wir in der Pause vor der Geschichtsstunde mit unse­ren Klassenkameraden wie­der einen unse­rer berühm­ten Streiche ausgeheckt.

Voller Vorfreude gin­gen wir in den Unterricht zurück. In der ers­ten hal­ben Stunde pas­sier­te nichts. Dann wur­de der Geräuschpegel immer grö­ßer und end­lich kam es, das von uns allen lang erwar­te­te und sehn­süch­tig erhoff­te „Kommt!“

Wie auf Kommando stan­den wir alle auf und gin­gen auf die ver­wun­der­te Frau Klamm zu. Erst unmit­tel­bar vor ihr blie­ben wir abrupt stehen.

Die arme Frau Klamm, man merk­te deut­lich, dass sie es mit der Angst zu tun bekam. Sie ver­lor bei­na­he die Fassung, schluck­te unauf­hör­lich und brach­te dann stot­ternd ein kur­zes ‚Was soll das?‘ heraus.

Spontan ant­wor­te­te ihr Kevin: „Sie haben doch gera­de eben zu uns ‚Kommt!‘ gesagt, also sind wir gekommen.“

Frau Klamm stutz­te einen Moment, weil sie das Wortspiel nicht sofort ver­stand. Kurz dar­auf fiel ihr aber ein Stein vom Herzen, sie atme­te erleich­tert auf und sag­te: „Ihr Schlawiner, ihr wisst genau, wie ich das gemeint habe.“

Sandra muss­te laut lachen, als sie die Geschichte zu Ende gele­sen hat­te und grins­te ver­schmitzt über bei­de Wangen. „Da habt ihr euch euren Namen aber wirk­lich ver­dient. Sind alle eure Streiche so lus­tig?“, frag­te sie zu Kerstin gewandt die gera­de ange­fan­gen hat­te, etwas mit Filzstift auf ein Blatt Papier zu malen.

„Na, logisch“, ant­wor­te­te die Angesprochene. „Lies mal die Story von unse­rer Münchenfahrt. Dann weißt du, wie es bei uns zugeht!“

Sie schlug das besag­te Kapitel auf und hielt es Sandra vor die Nase.

‚Eine unru­hi­ge Nacht‘

Im letz­ten September mach­te unse­re Klasse einen fünf­tä­gi­gen Ausflug nach München. Es war für uns alle ein beson­de­res Erlebnis, an das wir lan­ge und ger­ne zurück­den­ken wer­den. Wir fuh­ren zum Bavaria Filmstudio, besuch­ten das Deutsche Museum und sahen die Gemäldeausstellung in der neu­en Pinakothek. Doch das Beste kam erst noch.

Wir quar­tier­ten uns im Haus der Jugend ein. Es bestand aus einem rie­si­gen Komplex mit unzäh­li­gen Gästezimmern. Im Keller befand sich sogar eine eige­ne Diskothek. Unsere Klasse war in Mehrbettzimmern unter­ge­bracht. Die Lehrer, Herr Neumann und Herr Sänger hat­ten gemein­sam ein eige­nes Zimmer am Ende des lan­gen Flures bezo­gen. Es befand sich in unmit­tel­ba­rer Nähe der Waschräume und Toiletten.

Es war ein spon­ta­ner Einfall von Marc, als wir am drit­ten Tag ein paar Stunden allei­ne durch die Fußgängerzone Münchens streif­ten. Wie immer waren wir drei gemein­sam unter­wegs. Vor einem Schildergeschäft hielt Marc plötz­lich und ohne Vorwarnung an und sag­te zu uns:

„Da müs­sen wir unbe­dingt rein.“

Wir hat­ten kei­ne Ahnung, was das Ganze zu bedeu­ten hat­te, den­noch folg­ten wir ihm in den Laden. Marc such­te lan­ge in einem Regal, in dem unzäh­li­ge ver­schie­de­ne Schilder lagen. Schließlich wähl­te er zwei aus, deren Rückseiten selbst­kle­bend waren. Wir frag­ten ihn nach dem Grund, aber er ver­riet uns nicht, wozu er die­se Dinger gebrau­chen wür­de. Wir ver­such­ten den gan­zen Tag, etwas über sein Geheimnis in Erfahrung zu brin­gen, aber Marc ver­riet abso­lut nichts. Er behielt sei­nen Plan für sich und schwieg eisern.

Spätabends, wir waren bereits auf unse­ren Zimmern und die Schilder waren längst ver­ges­sen, da for­der­te uns Marc auf, mit nach drau­ßen zu kom­men. Er klopf­te noch lei­se an die Nachbartüre um Kerstin zu holen. Auch die ande­ren Mädchen, die das Zimmer mit ihr teil­ten, wit­ter­ten zu Recht einen Streich und folg­ten Marc in Richtung Flurende.

Vor der Tür unse­rer Lehrer zog er die bei­den Klebeschilder aus sei­ner Tasche und befes­tig­te sie in Kopfhöhe vor­sich­tig auf der Tür. Fast hät­ten wir uns ver­ra­ten, weil eini­ge von uns sich nicht beherr­schen konn­ten und laut lachen muss­ten. Doch unse­re Lehrer schlie­fen wahr­schein­lich längst tief und fest. So konn­ten wir in Ruhe unser Werk betrachten.

‚Damen‘     und     ‚Toiletten‘

stand in gro­ßen Buchstaben auf den Schildern. Wir stell­ten uns bild­lich vor, was in die­ser Nacht alles pas­sie­ren könn­te. Es ging dabei hoch her. Jedenfalls dau­er­te es sehr lan­ge, bis in unse­ren Zimmern Ruhe einkehrte.

Am nächs­ten Morgen waren wir sehr neu­gie­rig und saus­ten so schnell wie es ging aus unse­ren Stuben, um mög­lichst unauf­fäl­lig am Lehrerzimmer vor­bei zu schlen­dern. Nichts geschah. Die Schilder waren ein­fach weg. Das war für uns alle sehr ent­täu­schend. Inzwischen hat­te sich der Streich in der gan­zen Klasse her­um­ge­spro­chen und immer mehr Klassenkameraden kamen aus ihren Zimmern und stan­den im Flur herum.

Erst beim Frühstück ver­mu­te­ten wir den Erfolg, als sich Herr Neumann und Herr Sänger völ­lig über­mü­det an unse­ren Tisch setz­ten und dau­ernd ein Gähnen unter­drü­cken muss­ten. Doch sie spra­chen kein Wort. Das war ihre Art der Rache, da waren wir uns sicher. Sie ver­dar­ben uns damit die gan­ze Freude an unse­rem Streich.

Erst eine Woche spä­ter, nach­dem wir wie­der von unse­rer Reise zurück waren, hob Herr Neumann wäh­rend des Unterrichts auf ein­mal uner­war­tet die bei­den Schilder hoch und frag­te nach dem Eigentümer. Es brach eine rie­si­ge Lachsalve los. Da konn­te selbst Herr Neumann nicht mehr ernst blei­ben. Er erzähl­te uns, was in die­ser Nacht so alles los war. Sein Kollege und er hat­ten sich gewun­dert, war­um in der Nacht stän­dig jemand in ihr Zimmer woll­te, zum Glück war es abge­schlos­sen. Doch von jedem Türrütteln und Klopfen wur­den sie wach. Erst gegen Morgen, als er selbst auf die Toilette muss­te, bemerk­te er die Schilder an der Tür.

Sandra muss­te erneut laut­hals lachen. „Das ist ein­fach fan­tas­tisch! Wie kommt ihr nur auf die tol­len Ideen?“

„Die meis­ten Streiche sind hier in unse­rem Clubraum ent­stan­den. Und die Pläne haben wir dann zusam­men wei­ter­ent­wi­ckelt, bis sie brauch­bar und durch­führ­bar waren.“

Kerstin räus­per­te sich und über­nahm das Wort: „Liebe Sandra, wir haben ges­tern, nach­dem wir uns bei dir daheim ver­ab­schie­det haben, etwas gemein­sam beschlos­sen. Wir hof­fen, dass es dir gefal­len wird.“

Mit die­sen Worten nahm sie das fer­tig gemal­te Bild, das mit der Rückseite nach oben auf dem Tisch lag, und kleb­te es auf das vor­han­de­ne Titelblatt der Streichsammlung. Mit einer fei­er­li­chen Handbewegung reich­te sie den Ordner an Sandra wei­ter, die nun über­rascht den neu­en Titel las:

‚Die wil­den Vier – Streiche und Abenteuer‘

Sandra wur­de vor Verlegenheit ganz rot. Sie schau­te lang­sam der Reihe nach alle an und brach­te eine Weile kein Wort her­aus. „Ich darf wirk­lich bei euch mit­ma­chen?“, stot­ter­te sie vor lau­ter Aufregung, „ich habe doch noch gar kei­ne Streicherfahrung!“

„Dafür bist du eine tol­le Meisterdetektivin. So jemand wie du fehlt bis­her in unse­rem Team. Also stell dich nicht so an und schlag end­lich ein!“ An Sandras freu­den­strah­len­dem Gesicht konn­te man ihre Begeisterung förm­lich able­sen. Sie gab jedem wür­de­voll die Hand und bedank­te sich überschwänglich.

„Das ist der schöns­te Tag in mei­nem Leben! Zuerst habe ich mich mit Händen und Füßen gegen einen Umzug nach Ludwigshafen gewehrt, aber jetzt fin­de ich es toll und bin sehr froh über die Entscheidung mei­ner Eltern. So eine Clique wie ihr es seid, hat­te ich an mei­ner alten Schule nicht.“

Jetzt spra­chen alle durch­ein­an­der. Ausgelassen spra­chen sie über alles Mögliche, unter ande­rem auch über die Zukunft der wil­den Vier. Dabei hör­ten sie Musik.

„Uih, fast hät­te ich es ver­ges­sen“, unter­brach Sandra die hei­te­re Stimmung. „Ich habe auch eine Überraschung für euch!“

Die ande­ren schau­ten ihr neu­es Bandenmitglied erstaunt an. Was hat­te das jetzt zu bedeuten?

„Ich soll euch schön von mei­nem Vater grü­ßen“, begann Sandra. „Er will sich noch­mal für die detek­ti­vi­sche Meisterleistung bedan­ken. Deshalb lädt er uns alle für Samstag in die Stadt zum Pizzaessen ein.“

Alle drei jubel­ten gleich­zei­tig los. „Das ist ja Wahnsinn!“, rief Kevin als Lautester. Sandras neue Schulkameraden konn­ten es gar nicht fas­sen, so freu­ten sie sich über die Einladung.

An die­sem Nachmittag saßen die wil­den Vier, wie sie sich jetzt nann­ten, noch sehr lan­ge in ihrem Clubraum zusam­men. Sie konn­ten es kaum abwar­ten, bis es end­lich soweit war.

Am dar­auf­fol­gen­den Samstag schien die Sonne über Ludwigshafen. Es herrsch­te idea­les Ausflugswetter. Kurz nach 11 Uhr klin­gel­te Sandra an der Haustür der Zwillinge. Ihr Vater saß drau­ßen in einem roten Kleinbus, den er sich in der Firma, in der er arbei­te­te, aus­ge­lie­hen hatte.

„Kommt, seid ihr fer­tig?“, frag­te Sandra zur Begrüßung, als die Tür aufging.

„Logisch, nur noch schnell mei­nen Rucksack auf­zie­hen“, ant­wor­te­te Kevin, wäh­rend Kerstin sich im Hintergrund von ihren Eltern verabschiedete.

Gemeinsam hol­ten sie anschlie­ßend Marc ab, der bereits unge­dul­dig am Straßenrand stand. Auch der Dalmatiner Elvis war mit von der Partie und wedel­te eif­rig mit sei­nem Schwanz, als er die ande­ren erkann­te. In dem Wagen herrsch­te ein unvor­stell­ba­res Geschnatter. Sandras Vater grins­te nur still vor sich hin, wäh­rend er durch den dich­ten Verkehr kutschierte.

Ein Parkplatz in der rie­si­gen Rheingalerie war schnell gefun­den. Die vier stürm­ten in Richtung Rolltreppe. Sandras Vater hat­te beträcht­li­che Mühe, mit dem Tempo der Jugendlichen Schritt zu hal­ten. Im Einkaufszentrum ange­kom­men, schau­ten die vier zu Herrn Meier auf. Sie wuss­ten nicht, wie es wei­ter gehen sollte.

„Na, wollt ihr gleich Pizza essen gehen oder lie­ber zuerst ein biss­chen in der Fußgängerzone bum­meln?”, frag­te Sandras Vater die vier Schüler, obwohl ihm die Antwort von vorn­her­ein klar war.

„Pizza”, schall­te es ihm mehr­stim­mig und laut­stark ent­ge­gen. Auch Elvis konn­te sich ein ‚Wuff, wuff‘ nicht ver­knei­fen und rann­te schwanz­we­delnd um die Beine sei­ner Freunde.

 „Na gut, ihr habt mich über­re­det”, unter­brach Herr Meier den all­ge­mei­nen Freudentaumel. „Kommt, wir gehen ins ‚Sizilia’, das Restaurant hat mir ein Arbeitskollege emp­foh­len. Irgendwelche Einwände?”

Da das nicht der Fall war, folg­ten sie ihm in Richtung Pizzeria. In der Innenstadt war mäch­tig was los, über­all kamen ihnen tüten­be­pack­te Leute ent­ge­gen, sodass sie lau­fend aus­wei­chen muss­ten um nie­man­den anzu­rem­peln. Es war zwar erst 11.30 Uhr, die Tische in der Pizzeria waren aber schon fast voll­stän­dig belegt. Herr Meier hat­te aber bereits ges­tern ange­ru­fen und einen Tisch reserviert.

Kerstin, Kevin, Sandra und Marc stürz­ten sich sofort auf die aus­lie­gen­den Speisekarten.

„Ihr habt wohl län­ger nichts mehr zum Essen bekom­men?”, wit­zel­te Sandras Vater über das gie­ri­ge Verhalten der vier.

„Papa, siehst du denn nicht, wie vie­le Leute hier schon sit­zen?”, nahm Sandra ihren Vater iro­nisch auf den Arm. „Wir kön­nen froh sein, wenn wir noch etwas abbe­kom­men, da soll­ten wir uns schon etwas beeilen!”

Ihr Vater schüt­tel­te den Kopf und lachte.

Nachdem alle ihre Lieblingspizza in der Karte aus­fin­dig gemacht hat­ten, rief er nach der Bedienung. Kevin woll­te mal wie­der den gro­ßen Helden spie­len und bestell­te eine Familienpizza für sich ganz allei­ne. Nachdem ihn Kerstin des­we­gen zurecht­ge­wie­sen hat­te und ihm auf dem Tisch mit den Fingern zeig­te, wie groß eine Backblech-Pizza von 40 mal 35 cm sein kann, über­leg­te er es sich doch anders.

Auch der Dalmatiner Elvis wur­de nicht ver­ges­sen. Die Pizzeria hat­te einen eige­nen Bereich, in dem Hunde erlaubt waren, wenn sie ange­leint wur­den und nicht durch das Restaurant lau­fen konn­ten. Der Dalmatiner mach­te es sich gemüt­lich und lag zufrie­den unter dem Tisch. Er nag­te an einem mit­ge­brach­ten Knochen und fraß neben­bei so man­ches unab­sicht­lich zu Boden fal­len­des Pizzastückchen.

„So, jetzt erzählt mal”, begann Herr Meier, nach­dem alle ihre Teller mehr oder weni­ger leer geges­sen hat­ten. „Sandra hat mir von euren vie­len Streichen erzählt und dass ihr euch jetzt die ‘wil­den Vier’ nennt. Auch Kriminalfälle scheint ihr magisch anzu­zie­hen. Zuerst löst ihr das Rätsel um den Computerdiebstahl und in der glei­chen Woche über­führt ihr einen Weindieb. Wie macht ihr das nur?”

Kerstin ant­wor­te­te am Schnellsten: „Keine Ahnung, die­se Abenteuer flie­gen uns ein­fach zu. Wir tun da nichts Besonderes. Es kann pas­sie­ren, dass wir nach­her aus der Pizzeria raus­ge­hen und schon haben wir den nächs­ten Fall.”

Marc unter­brach ihren Redefluss. „Bei unse­ren Streichen hel­fen wir aller­dings öfters ein biss­chen nach. Da las­sen wir unse­rer Fantasie frei­en Lauf und dann kom­men die tolls­ten und wil­des­ten Dinge dabei heraus.”

„Okay, das mit den Streichen kann ich nach­voll­zie­hen”, sag­te Sandras Vater in die Runde, „aber das mit euren kri­mi­na­lis­ti­schen Fällen ver­ste­he ich nicht. Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir auf der Rückfahrt in ein neu­es Abenteuer stür­zen. Das wäre ein klein wenig zuviel an Zufall, oder?”

Die fünf unter­hiel­ten sich noch eine Weile. Sie erzähl­ten dem amü­sier­ten und inter­es­siert zuhö­ren­den Herrn Meier den einen oder ande­ren Streich, den sie in der Vergangenheit erfolg­reich durch­ge­führt hat­ten. Es war fast 13 Uhr, als der Gastgeber auf die Uhr blickte.

„Wollen wir gehen und noch ein biss­chen die Fußgängerzone unsi­cher machen? Was meint ihr, viel­leicht legen wir nach­her zum Abschluss einen kur­zen Zwischenstopp an einer Eisdiele ein?”

Wieder gab es Begeisterungsstürme. Alle waren damit ein­ver­stan­den und freu­ten sich auf ein Eis.

Da die Bedienung im Moment nicht zu sehen war, gin­gen sie zur Theke um zu bezah­len. Fast wur­den sie von einem jun­gen, unge­pflegt aus­se­hen­den Mann umge­rannt, der es sehr eilig hat­te von der Theke zum Ausgang zu gelan­gen. Sie schau­ten ihm nach und konn­ten sehen, wie er eine halb geöff­ne­te Geldbörse in der Hand trug. Er trug einen schmut­zi­gen Jogginganzug und brau­ne Turnschuhe. Seine lan­gen fet­ti­gen Haare lie­ßen den Schluss zu, dass er es mit der Körperhygiene nicht so genau nahm. Während der Typ aus dem Lokal ver­schwand, beka­men sie eine nicht gera­de lei­se geführ­te Unterhaltung an der Theke zwi­schen dem Geschäftsführer und einem wei­te­ren Gast mit.

„Nein, mein Herr, ich habe ihnen eben gera­de einen 100 Euroschein gege­ben und sie dar­um gebe­ten, ihn mir zu wech­seln. Und jetzt geben sie mir nur für 10 Euro Münzgeld. Was soll das?”

„Da muss ein Irrtum vor­lie­gen”, ant­wor­te­te der erreg­te Geschäftsführer. „Sie haben mir ganz bestimmt nur einen 10 Euroschein zum Wechseln gege­ben. Ich habe ihn doch genau gesehen!”

„Halt! Ich kann es bewei­sen, dass ich Ihnen einen 100 Euroschein gab”, ant­wor­te­te der Gast. „Auf dem Schein habe ich vor­hin die Telefonnummer eines Freundes notiert. Schauen Sie mal auf den obers­ten 100 Euroschein in Ihrer Kasse!”

Der Geschäftsführer nahm den oben lie­gen­den 100 Euro Geldschein in die Hand und schau­te ihn sich genau an. Er wur­de rot und ver­le­gen. Tatsächlich stand auf dem Geldschein eine Telefonnummer. Kein Zweifel, er muss­te sich geirrt haben. Nervös ent­schul­dig­te er sich bei sei­nem Gast.

„Es tut mir sehr leid, so etwas ist mir wirk­lich noch nicht pas­siert. Ich kann das gar nicht ver­ste­hen. Selbstverständlich bekom­men Sie Ihre 100 Euro zurück. Entschuldigen Sie bit­te vielmals.”

„Na ja, ich will mal nicht so sein. Hauptsache ich habe mein Geld zurück. Ich wün­sche Ihnen noch einen schö­nen Tag!” Er dreh­te sich um, doch die ‚wil­den Vier‘ ver­sperr­ten ihm den Weg.

„Was soll das? Geht mir aus dem Weg!”, knurr­te der Mann die Jugendlichen an.

„Ganz bestimmt nicht!”, erwi­der­ten Marc und Kevin gleich­zei­tig. „Sie sind ein Betrüger. Man muss Ihnen das Handwerk legen.” Und zum Geschäftsführer sag­ten sie: „Rufen Sie bit­te schnell die Polizei. Das hier ist ein Trickbetrüger.”

Der Geschäftsführer schau­te skep­tisch und war zunächst sprach­los, griff aber letzt­end­lich zum Telefon, um die Polizei zu verständigen.

„Herr Meier, bit­te hal­ten Sie den Mann fest. Wir müs­sen schnell sei­nen Komplizen aus­fin­dig machen. Wir sind gleich wie­der zurück”, rief ihm Marc zu, als er mit Kevin Richtung Tür stürzte.

Frage: Wie konn­ten die ‘wil­den Vier’ so sicher sein, dass der Mann ein Trickbetrüger war? Was hat es mit sei­nem Komplizen auf sich? Wie funk­tio­nier­te der Trick?

Antwort: .niehcsdleG med fua remmunnofeleT red nov re ets­suw ‚eth­cam ehcaS emas­nie­meg lepmuK menies tim re aD .dlegleshceW egni­reg uz hcil­be­gna sad re etrei­mal­ker nihfuaraD .etl­low nebeg dlegleshceW sad mhi dnu ettah tge­leg essaK eid ni niehcS ned red sib ‚ete­traw dnu oruE 01 mhi bag rE .nebah tle­sh­ce­weg dleG ekehT red ret­nih nnaM med nov etl­low dnu renuaG etiewz red mak fua­rad zruK .nebo znag essaK red ni nun gal reD .tlha­zeb niehcsoruE 001 netrei­kram med tim triW mieb dnu tfua­keg tiekginielK enie esohgniggoJ red ni pyT red ettah tshcänuZ .nem­ma­suz nerö­heg relshcewdleG red dnu etlie tnaruatseR med sua rovuz zruk red ‚nnaM egnuj etgel­f­peg­nu reD

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Kapitel 2

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Der ver­schwun­de­ne Wein

Autor: Harald Schneider

Die drei Freunde staun­ten nicht schlecht, als Sandra den ent­schei­den­den Tipp mit dem frisch gerei­nig­ten Computerraum gab.

Von der poli­zei­li­chen Untersuchung beka­men die Schüler nichts mit, da Herr Sänger dar­auf bestand, den Rest der Stunde in einem ande­ren Klassensaal abzu­hal­ten. Der Unterricht plät­scher­te aber nur öde vor sich hin. Der Diebstahl blieb das Gesprächsthema Nummer eins.

Erst in der letz­ten Pause wur­den Kerstin, Kevin, Marc und San­dra in das Büro des Schuldirektors geru­fen. Dort ange­kom­men, war­te­te Herr Meyer schon auf die Schüler und stell­te ihnen zwei Polizisten vor, die neben sei­nem Schreibtisch saßen und zur Begrüßung aufstanden.

Der Größere von bei­den, er schien der Chef zu sein, weil er mehr Sterne auf der Schulterklappe hat­te als sein Kollege, stell­te sich als Kommissar Greulich vor.

„So, ihr seid also die vier, die uns den Tipp mit der Putzkolonne gege­ben haben“, sprach er mit freund­li­cher Stimme.

Marc woll­te ihn gera­de unter­bre­chen und die Sache rich­tig­stel­len, da misch­te sich Rektor Meyer ein und deu­te­te auf Sandra.

„Sie hat es als Erste her­aus­ge­fun­den. Ihre drei Gefährten sind aber auch nicht so ohne. Wir nen­nen sie an unse­rer Schule nur die ‚wil­den Drei‘. Sandra ist heu­te den ers­ten Tag an unse­rer Schule und hat, so wie es aus­sieht, bereits neue Freunde gefunden.“

Herr Greulich und sein Kollege grins­ten. „Aha, dann seid ihr also eine rich­ti­ge Bande.“ Dann kam er auf den eigent­li­chen Grund des Treffens zu sprechen.

„Wir haben euch rufen las­sen, weil wir für das Polizeiprotokoll eure Namen und Adressen brau­chen. Außerdem wol­len wir uns per­sön­lich bei euch bedan­ken. Der Tipp war rich­tig. Der Leiter der Putztruppe hat den Diebstahl inzwi­schen gestan­den. Vorletzte Nacht ist er mit einem Komplizen in das Schulgebäude ein­ge­drun­gen. Da er, wie wir jetzt wis­sen, den Schlüssel besaß und in der Nacht kei­ne Menschenseele in der Schule ist, hat­te er leich­tes Spiel. So konn­ten die bei­den Halunken ohne Risiko die Computer abbau­en und uner­kannt entkommen.“

„Nur haben die bei­den die Rechnung ohne euch gemacht“, bedank­te sich auch der Rektor und schüt­tel­te den Schülern die Hände. „Die Schule ist euch zu gro­ßem Dank verpflichtet.“

Mit die­sen Worten ver­ab­schie­de­te Herr Meyer die vier. Die nächs­te Schulstunde hat­te gera­de begon­nen und sie muss­ten sich mäch­tig beei­len, damit sie nicht all­zu spät kamen.

Nach Schulschluss stan­den die Helden des Tages im Schulhof bei­sam­men und unter­hiel­ten sich über die Erlebnisse des ver­gan­ge­nen Vormittags.

Kerstin und Kevin woll­ten ihre neue Schulkameradin in das Clubzimmer der wil­den Drei ein­la­den, aber sie sag­te trau­rig ab. „Ich habe heu­te Mittag kei­ne Zeit. Ich muss jede Menge Umzugskartons aus­räu­men und mein Zimmer ein­rich­ten. Die letz­te Nacht habe ich auf einer Luftmatratze ver­brin­gen müssen.“

„Schade“, mein­te Marc. „Aber in den nächs­ten Tagen wird es bestimmt klap­pen. Du willst doch unse­ren Clubraum sehen, oder?“

Sandra, die sich mit der Gruppe inzwi­schen recht gut ver­stand, hat­te plötz­lich eine sagen­haf­te Idee. „Wie wäre es, ihr kommt nach­her ein­fach zu mir nach Hause? Dann geht es mit dem Zimmer ein­rich­ten schnel­ler und es wird bestimmt auch viel lustiger.“

Die wil­den Drei, die sehr neu­gie­rig auf ihre Schulkameradin waren, sag­ten sofort erfreut zu. Das ist eine tol­le Gelegenheit, mehr über ihre Schulfreundin zu erfahren.

Punkt 15 Uhr stan­den Kevin, Kerstin und Marc vor dem Reihenhaus, in dem nun Sandra mit ihren Eltern wohn­te. Sie drück­ten auf den frisch beschrif­te­ten Klingelknopf der Familie Meier. Sandras Mutter öff­ne­te kurz dar­auf die Tür. Sie gab jedem die Hand und schüt­tel­te sie kräftig.

„Hallo, ihr seid also Sandras neue Freunde? Sie hat mir schon erzählt, dass es bei euch gleich am ers­ten Schultag rich­tig span­nend wur­de und ihr der Polizei gehol­fen habt. Geht nur die Treppe rauf und dann gera­de­aus durch, Sandra ist in ihrem Zimmer und war­tet auf euch.“

Die Kameraden schau­ten sich ver­wun­dert an und gin­gen die Stufen hin­auf. Als die drei ins Zimmer kamen, saß Sandra mit­ten auf dem Boden und sor­tier­te Bücher, die vor ihr auf dem Teppich lagen. Das Zimmer mach­te einen trost­lo­sen Eindruck. Der Kleiderschrank war bereits auf­ge­baut. Das Bett stand aber noch in sei­ne Einzelteile zer­legt in einer Ecke. Überall stan­den lee­re und vol­le Umzugskartons ver­streut in der Gegend herum.

„Hi, super dass ihr gekom­men seid. Sucht euch einen Platz auf dem Teppich. Leider sind noch kei­ne Stühle da.“ Kevin und Kerstin setz­ten sich auf den Boden, wäh­rend Marc neu­gie­rig frag­te: „Warum hast du dei­ner Mutter gesagt, dass wir der Polizei gehol­fen haben? Das war doch ganz allein dein Verdienst, oder?“

Es beein­druck­te die drei sehr, als sie ganz gelas­sen ant­wor­te­te: „Nein. Ohne euch wäre ich gar nicht mit dabei gewe­sen. Es war also Teamarbeit. Nur zusam­men konn­ten wir den Fall lösen.“

Plötzlich stieß Kerstin einen über­rasch­ten Pfiff aus, als sie sah, wie Sandra ein ziem­lich dickes Buch aus einem Karton holte.

„Wow, eine Sherlock Holmes Gesamtausgabe. So eine hat­te ich mir mal aus der Bibliothek gelie­hen!“ „Ich bin ein gro­ßer Fan von allem, was mit Detektiven zu tun hat. Besonders gern mag ich Sherlock Holmes und Dr. Watson“, sag­te Sandra erfreut.

„In die­sem Karton sind noch mehr Detektivbücher. Wenn du willst, lei­he ich sie dir mal aus. Irgendwo muss auch mein ‚Detektivbüro‘ ste­cken. Das habe ich letz­tes Jahr zu Weihnachten bekom­men. Damit kann man sogar Schuhabdrücke in Gips ausgießen.“

Sie kram­te in ver­schie­de­nen Umzugskisten her­um, bis sie end­lich das Gesuchte fand. „Da haben wir ja das gute Stück!“

Die drei Freunde beka­men vor lau­ter Begeisterung gla­si­ge Augen. Ihre neue Schulkameradin hat­te ein hoch­in­ter­es­san­tes Hobby. Auf die Utensilien des ‚Detektivbüros‘ waren sie alle sehr gespannt. Sandra öff­ne­te den Pappdeckel des und erklär­te ihren Freunden die ver­schie­de­nen Gegenstände, die bruch­si­cher in Styropor ver­packt waren.

„Das sind zwei ver­schie­de­ne Vergrößerungsgläser, die man auch als Brenngläser benut­zen kann, um Feuer zu machen. Vorausgesetzt, die Sonne scheint. Daneben liegt ein Mikroskop mit bis zu tau­send­fa­cher Vergrößerung. Damit kann man bei­spiels­wei­se Menschenhaare von Tierhaaren unterscheiden.“

Kerstin, Kevin und Marc waren fas­zi­niert von der Vielfalt des Kastens. „Was sind das für klei­ne recht­ecki­ge Glasscheiben und Fläschchen in die­ser Ecke?“, frag­te Kevin neugierig.

„Damit kann man Fingerabdrücke abneh­men. Wenn du bei­spiels­wei­se auf einem Wasserglas einen Abdruck siehst, sprühst du mit die­ser Flüssigkeit kurz dar­auf. Dann drückst du eine von den Folien auf das feuch­te Wasserglas und zum Schluss kannst du die Folie auf die Glasscheibe legen und hast damit den Fingerabdruck kopiert.“

Sie woll­te gera­de mit der Erklärung von wei­te­ren Geräten fort­fah­ren, da klopf­te es an der Tür und Sandras Vater kam her­ein. Nach einer kur­zen Begrüßung wand­te er sich an sei­ne Tochter.

„Dein Bett kann ich dir lei­der erst spä­ter auf­bau­en, denn jetzt kom­men gleich die zwei Arbeiter der Umzugsfirma mit ihrem Chef vor­bei. Du weißt schon, wegen des ver­schwun­de­nen Weins. Sobald sie wie­der weg sind, gehen wir an die Arbeit, damit du die­se Nacht nicht wie­der auf der Luftmatratze ver­brin­gen musst.“

Kaum hat­te sich die Tür hin­ter Herrn Meier geschlos­sen, frag­ten Marc, Kevin und Kerstin gleich­zei­tig: „Was ist das für eine Geschichte mit dem Wein?“

Sandra klär­te ihre neu­en Schulkameraden auf:

„Mein Vater sam­melt wert­vol­le Weine. Vor dem Umzug hat er die kost­bars­ten Flaschen in Decken ein­ge­wi­ckelt und sorg­fäl­tig in Umzugskartons ver­staut. Die Arbeiter der Spedition haben dann die Kartons abge­holt, in den Laster getra­gen und schließ­lich in die neue Wohnung gebracht. Heute Morgen stell­te mein Vater beim Auspacken fest, dass ein paar Flaschen feh­len. Daraufhin hat er den Chef der Spedition ange­ru­fen und ihn mit den bei­den Arbeitern zu uns nach Hause bestellt.“

Natürlich stell­ten alle vier sofort ihre Vermutungen an. Wer hat­te den Diebstahl began­gen? Konnten sie viel­leicht bei der Lösung des Falles hel­fen? Während sie leb­haft Spekulationen anstell­ten, hör­ten sie die Haustürklingel läu­ten. Sie schau­ten zu Sandra und war­te­ten gespannt auf ihre Reaktion.

„Kommt, das müs­sen wir uns mit anhö­ren, das wird bestimmt inter­es­sant!“, sag­te sie zu ihren Freunden und stand auf. Als die vier die Treppe run­ter­ka­men, stell­te sich gera­de der Chef der Spedition vor.

„Grabowski, guten Tag. Das hier sind mei­ne Mitarbeiter Herr Schwind und Herr Ritter. Aber die ken­nen sie ja bereits. Ich kann ihnen nur sagen, dass ich für bei­de Männer mei­ne Hand ins Feuer lege. Bisher ist bei uns in der Firma noch nie etwas weg­ge­kom­men. Meine Mitarbeiter haben mein volls­tes Vertrauen.“

„Immer schön der Reihe nach“, unter­brach Herr Meier den Redefluss des Geschäftsführers. „Setzen wir uns erst ein­mal.“ Sie gin­gen gemein­sam ins Wohnzimmer.

Zunächst wand­te sich Sandras Vater an Herrn Schwind und Herrn Ritter. „Ich habe vor dem Umzug wert­vol­len Wein in ins­ge­samt sechs Umzugskartons gepackt und als ich heu­te Morgen nach­schau­te, fehl­ten in einem Karton fünf Flaschen.“

Herr Ritter konn­te sich nicht mehr zurück­hal­ten und ver­tei­dig­te sich. „Ich habe min­des­tens zwei der Kartons in den Umzugswagen getra­gen. Das weiß ich noch genau, weil ich die Aufschrift ‚Vorsicht Flaschen‘ auf den Kartons gele­sen habe. Die Kartons haben aller­dings kur­ze Zeit allei­ne auf dem Gehweg vor dem Laster gestan­den. Aber ich glau­be kaum, dass da jemand was mit­neh­men konn­te, zumal mein Kollege und ich nie län­ge­re Zeit im Haus waren. Wer die Kartons dann aller­dings in die neue Wohnung getra­gen hat, weiß ich nicht mehr. Möglich, dass ich es war, aber ich kann mich nicht dar­an erin­nern, die Aufkleber gese­hen zu haben. Man ach­tet da auch nicht immer drauf.“

Der zwei­te Mitarbeiter, Herr Schwind, reagier­te etwas Ungehaltener.

„Schweinerei, uns den Diebstahl vor­zu­wer­fen! Wir inter­es­sie­ren uns nie für den Inhalt der Umzugskisten und schon gar nicht für Ihre blö­den Flaschen mit der 82er Spätlese. Ich habe kei­ne Ahnung, wel­che Kartons ich in Ihre Wohnung geschleppt habe. Es waren schließ­lich auch eine gan­ze Menge Kartons. Da ist es doch klar, dass man sich nicht alle Kartons mer­ken kann. Nein, ich fin­de es ganz und gar nicht in Ordnung, dass unbe­schol­te­ne Arbeiter als Diebe gebrand­markt wer­den sollen.“

„Sie sehen“, fiel ihm Herr Grabowski ins Wort, „von mei­nen Leuten kann es kei­ner gewe­sen sein. Ich selbst kam erst spä­ter hin­zu, da ich vor­her einen Arzttermin hat­te. Zu die­sem Zeitpunkt waren fast alle Kartons bereits ins Haus gebracht wor­den. Mir selbst fie­len kei­ne Aufkleber auf. Ich weiß also nicht, was von dem Umzugsgut noch im Laster stand.“

Die vier Schulkameraden schau­ten sich grin­send an und nick­ten sich gegen­sei­tig viel­sa­gend zu. Allen war etwas ganz Entscheidendes an der Aussage einer der Männer auf­ge­fal­len. Für sie stand der Dieb fest.

Frage: Wer hat die Flaschen gestoh­len? Wodurch hat er sich ein­deu­tig verraten?

Antwort: .nebe­guz lhats-beiD ned re ets­sum ‚teir­rev gitued­nie os hcis dniwhcS rreH aD .nettah tvr­alt­ne nes­eid nehcildneguJ eid sla ‚nes­s­alt­ne solt­s­irf tro­fos dniwhcS nrreH tah snemhenretnutropsnarT sed fehC reD .gnunhciezeB euaneg eniek reba ‚?nehcsalF thcisroV? run dnats snotraksguzmU ned na nrebelkfuA ned fuA .tlek­ci­weg­nie nekceD ni medre­ßua neraw dnu snotraksguzmU ned ni hcis ned­na­feb nehcsalF eiD ?etled­nah eseltäpS re28 mu nieW nen­el­hot­seg med ieb hcis se ssad ‚nessiw re etnnok eiW .beiD red raw dniwhcS rreH

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft – Hauptpersonen

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Die wil­den Vier stel­len sich vor

Autor: Harald Schneider

Die Hauptpersonen

Kevin geht nicht ger­ne zur Schule und macht oft nur wider­wil­lig sei­ne Hausaufgaben. Er will spä­ter mal Fußballprofi wer­den und trai­niert des­halb in einem Verein als Mittelstürmer. Aus der Zeitung sei­ner Eltern „klaut“ er sich regel­mä­ßig die Sportbeilage.

Kerstin ist die Zwillingsschwester von Kevin und die Computerexpertin des Teams. Im Internet kennt sie sich wie in ihrer Westentasche aus und fin­det dadurch aller­hand Informationen, die für die Arbeit der ‚wil­den Vier‘ wich­tig sind.

Marc liebt Tiere über alles. Leider wohnt er mit sei­nen Eltern in einer Mietwohnung. Das Halten von Tieren ist dort strengs­tens ver­bo­ten. Deshalb leiht er sich nach der Schule oft Elvis aus. Elvis ist ein Dalmatiner, der sei­nem Onkel Franz gehört. Sonst ist er meist mit Sandra und den Zwillingen unter­wegs, um neue Streiche aus­zu­he­cken oder span­nen­de Kriminalfälle zu lösen.

Sandra ist ein gro­ßer Fan von Sherlock Holmes und liest unheim­lich ger­ne Detektivromane. Ihre Kombinationsgabe ist ver­blüf­fend. Mit ihrer Detektivausrüstung kommt sie den raf­fi­nier­tes­ten Gangstern auf die Spur. Sandra ist Fremden gegen­über zunächst etwas schüch­tern. Das kann sich aber schnell ändern und sie wird dann meist zu einem rich­ti­gen Wildfang.

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